Ernährungsstrategie funktioniert nur zusammen mit Transformation der Landwirtschaft

14.02.23
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Von Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.

Der Bundesverband Menschen für Tierrechte begrüßt die Ernährungsstrategie der Bundesregierung. Damit die Transformation hin zu einer pflanzenbasierten Ernährung gelingt, muss jedoch gleichzeitig die Agrarwende hin zu einer klimafreundlichen Produktion pflanzlicher Lebensmittel vorangetrieben werden. Neben einer gezielten Besteuerung fordert der Verband in einem Schreiben an Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir eine bundesweite Informationskampagne, einen Forschungs- und Bildungsetat sowie Übergangsförderungen für Betriebe, die ihre Tierbestände abbauen.

In dem Ende Dezember 2022 vom Kabinett beschlossenen Eckpunktepapier "Weg zur Ernährungsstrategie der Bundesregierung" heißt es: "Die Transformation des gesamten Ernährungssystems hin zu einer pflanzenbetonten Ernährungsweise ist die wichtigste Stellschraube im Ernährungsbereich, um unsere nationalen und internationalen Klima-, Biodiversitäts- und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen." Der Bundesverband Menschen für Tierrechte, der bereits 2021 einen umfangreichen Maßnahmenkatalog für eine Agrar- und Ernährungswende vorgelegt hatte, begrüßt diese grundsätzliche Ausrichtung der Ernährungsstrategie.

Gleichzeitig Agrarwende vorantreiben
"Die Ernährungsstrategie geht in die richtige Richtung. Damit sie gelingt, ist jedoch eine umfassende Transformation nötig, die Ernährung und Landwirtschaft, umfasst. Das wird all denen nicht gefallen, die vom derzeitigen ruinösen System profitieren. Doch neben der Wissenschaft haben viele Konsument:innen, Landwirt:innen und Unternehmen bereits erkannt, dass die Ernährung der Zukunft pflanzlich sein wird. Diese gilt es jetzt zu unterstützen, mit einer gezielten Besteuerung, einer breit angelegten Informations- und Bildungskampagne, einem Forschungs- und Bildungsetat sowie mit Übergangsförderungen für Betriebe, die auf die Produktion pflanzlicher Lebensmittel umstellen. So kann auch die notwendige Reduktion der Tierbestände erreicht werden", sagt Christina Ledermann, Vorsitzende vom Bundesverband Menschen für Tierrechte.

Kombination mehrerer Maßnahmen nötig
Dass eine Kombination mehrerer Maßnahmen nötig ist, um den Konsum von Lebensmitteln bis zum Ende dieses Jahrhunderts emissionsneutral zu machen, ergeben auch Computersimulationsmodelle des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (1). Die drei wichtigsten Maßnahmen sind danach die Umstellung auf eine „sehr stark pflanzliche Ernährung“, die Reduktion der Nahrungsmittelverschwendung und eine emissionsärmere Produktion.

Tierische Lebensmittel gezielt besteuern
Eine Machbarkeitsstudie des Bundeslandwirtschaftsministeriums (2) ergab, dass die Besteuerung von Lebensmitteln ein wirkungsvolles Lenkungsinstrument ist. Dazu sollte die Mehrwertsteuer auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte abgeschafft und die Steuer für tierische Produkte auf mindestens 19 Prozent angehoben werden. Die Studie ergab, dass es jährlich 5,5 bis 6,3 Milliarden Euro einbringe, wenn das Steuerprivileg für tierische Produkte entfällt. Andere Studien empfehlen darüber hinaus eine Fleischsteuer (3,4).

Nötig: Informationskampagne für pflanzliche Ernährung
Der richtige Ansatz der Ernährungsstrategie, die pflanzliche Ernährung in der Gemeinschaftsverpflegung zu stärken, sollte nach Ansicht des Verbandes erweitert werden um eine breit angelegte Informationskampagne für pflanzliche Ernährungsformen. Diese sollte bundesweite Plakataktionen, Siegel, Informationsbroschüren, Ernährungs-Apps, Aktionstage, Kampagnen in den sozialen Medien sowie Lernmodule für den Unterricht in Schulen und Kitas umfassen.

Fehlt: Forschungs- und Bildungsetat
Außerdem fehlt in den Eckpunkten die Schaffung von eines Forschungs- und Bildungsetats für die Transformation. Dieser sollte nicht nur mehr Forschungsförderung für pflanzliche Alternativen umfassen, sondern auch die Erforschung tierloser Anbausysteme. Dringend nötig ist zudem die Etablierung von professionellen Beratungs- und Weiterbildungsangeboten für Landwirt:innen, die aus der Tierhaltung aussteigen wollen und die Anpassung der Lehrinhalte der Landwirtschaftsschulen. Die pflanzliche Ernährung sollte zum Standard in der Ausbildung von Köch:innen werden. Außerdem sollten entsprechende Lehrangebote in den Studiengängen der Agrarwissenschaft, der Ernährungswissenschaft sowie der Ernährungsmedizin geschaffen beziehungsweise ausgebaut werden.

Hier lesen Sie den Brief an Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir.

Hier können Sie sich die 10-seitige Broschüre Forderungen für eine Agrar- und Ernährungswende als PDF herunterladen.

Quellen:
(1) tagesschau.de
(2) www.bmel.de
(3) Funke, F., Mattauch, L., van den Bijgaart, I., Godfray, C., Hepburn, C., Klenert, D., Springmann, M. & Treich, N. (2022) ‚Is Meat Too Cheap? Towards Optimal Meat Taxation‘. INET Oxford Working Paper No. 2022-01.
(4) Parlasca, M. C., & Qaim, M. (2022) Meat Consumption and Sustainability. Annual Review of Resource Economics, 14.







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