Junge Frauen: Gut qualifiziert aber schlecht bezahlt

14.11.10
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Blick hinter die Fassadenmalerei des deutschen Kapitals 2010.
Junge Frauen sind qualifiziert und werden schlecht bezahlt. Eine DGB-Studie.

Von Reinhold Schramm

Junge Frauen sind zunehmend berufsorientiert. Ihre Arbeitsplätze sind oft von geringer Qualität. Unsichere Beschäftigung und Niedriglöhne sind für viele Frauen der Preis für eine höhere Arbeitsmarktbeteiligung.

Junge Frauen sind etwas besser ausgebildet als junge Männer. Frauen haben mit 24 Prozent keinen Berufsabschluss und junge Männer mit 27 Prozent.  45 Prozent der jungen Frauen verfügen über die Hochschulreife und 17 Prozent über einen akademischen Abschluss. Bei den Männern besitzen 40 Prozent die Hochschulreife und 13 Prozent einen akademischen Abschluss.

Junge Frauen mit Migrationshintergrund sind gegenüber allen anderen Gruppen im Nachteil. Hier haben 40 Prozent der Frauen zwischen 25 und 35 Jahren keinen Berufsabschluss und 10 Prozent keinen Schulabschluss.

Insgesamt haben über 2 Millionen junge Menschen zwischen 25 und 35 Jahren keinen Berufsabschluss in der Bundesrepublik Deutschland, davon ist die Hälfte weiblich. Dies ist ein großer Nachteil für die jungen Menschen und erschwert deren Zugang zum Arbeitsmarkt und (bezahlter) auskömmlicher Lohnarbeit. 

Mit zunehmendem Lebensalter nimmt der Bildungsvorteil für Frauen ab. Männern gelingt es eher einen Berufsabschluss nachzuholen. Doppel- und Mehrfachbelastung der Frauen (Arbeit, Kinder, Haushalt, Partner etc.). Auch bei der beruflichen Weiterbildung sind Frauen unterrepräsentiert.

In allen Altersgruppen ist die Erwerbsorientierung der jungen Männer immer noch höher als die der jungen Frauen. Gründe: Aufgrund der höheren Studierquote haben Frauen längere Bildungszeiten. Zum anderen sind es immer noch Frauen, die sich um die Betreuung von Kindern kümmern und beruflich zurückstecken.

Nach dem Anschluss ist die Erwerbsquote junger Frauen in Ostdeutschland gesunken und in Westdeutschland gestiegen. Die Erwerbsquoten der Männer haben sich angeglichen. Insgesamt ist die Erwerbsquote junger Frauen zwischen 25 und 29 Jahren in Deutschland von 74 Prozent (1991) auf 80 Prozent (2009) gestiegen. 

- Die "Arbeitsmarktintegration" bzw. Erwerbstätigkeit junger Frauen steigt in Deutschland langsamer als im europäischen Durchschnitt (siehe P. 3. der Studie).

- Sozialgesicherte Vollzeitarbeit schwindet, Teilzeit und geringfügige Beschäftigung wachsen (Altersarmut droht) (siehe P. 4.). Die Anzahl der Vollzeitbeschäftigten bei den unter 30Jährigen ist gesunken, die Anzahl der Teilzeitbeschäftigten ist angewachsen (die Folgen der Minderung werden spätestens bei der Altersrente präsentiert). Bei den Frauen ist die Zahl der Teilzeitbeschäftigten um 24 Prozent gestiegen, die der ausschließlich geringfügig Beschäftigten ("Mini-Jobs") um 13 Prozent. Insgesamt sind mehr junge Frauen teilzeit- und geringfügig beschäftigt als junge Männer (und die Bezahlung?). [Wann kommt es auch hier zum gemeinsamen Volksaufstand?]
 
In der Studie kommt der DGB zur Erkenntnis (?): "Allerdings kann Teilzeitarbeit auch Nachteile mit sich bringen, wenn sie bspw. als Einfallstor für Niedriglöhne genutzt wird," [wozu denn sonst] ... (siehe Studie).

Laut "Statistisches Bundesamt" arbeiteten in 2008 ein Viertel der Teilzeitbeschäftigten (1,2 Millionen) unfreiwillig in Teilzeit - weil sie keine Vollzeittätigkeit finden konnten. 25 Prozent aller Erwerbstätigen in der BRD arbeiten in Teilzeit. Im EU-Durchschnitt sind es (nur) 18 Prozent. [Auch Auswirkungen der "Sozialpartnerschaft" zwischen Arbeit und Kapital, DGB und BDA.]

Über eine Million der unter 30Jährigen arbeiten in "Mini-Jobs". Diese "Mini"-Arbeit ermöglicht keine Existenz und ist für die Unternehmer (der DGB schreibt "Arbeitgeber") so lukrativ, dass ganze Branchen von "Mini-Jobs" dominiert werden (u. a. Einzelhandel). "Mini-Jobs" werden - stets über die abhängige Lohnarbeit - staatlich subventioniert.

Junge Frauen werden zunehmend nur befristet beschäftigt: Teilzeitjobs, geringfügige Beschäftigung, Solo-Selbständigkeit und befristete Verträge etc. - haben sich immer weiter ausgebreitet. Die unter 25jährigen sind am häufigsten von atypischer und unsicherer und prekärer Beschäftigung betroffen. Für die unter 25jährigen hat sich der Anteil atypischer Beschäftigung in Deutschland am deutlichsten erhöht. 2009 waren 28 Prozent der unter 25jährigen Frauen befristet beschäftigt (ohne Auszubildende), bei den Männern waren es 24 Prozent. Zehn Jahre zuvor, 1999, lag dieser Anteil für Frauen und Männer noch bei 18 Prozent.

Frauen bekommen schon beim Berufseinstieg weniger Geld. Frauen verdienen mehr und bekommen im Durchschnitt 23 Prozent weniger Geld als Männer. Im EU-Durchschnitt liegt die Lohn-Benachteiligung der Frauen bei 17 Prozent. [Wann findet nicht nur ein literarischer Emanzipationskampf statt? - sondern für "gleiches Geld für gleichwertige Arbeit"?]
Der DGB kommt zur Feststellung: "Außerdem arbeiten Frauen seltener in Branchen, die gewerkschaftlich gut organisiert sind."

[Persönliche Anmerkung: Auch meine Kollegin in der Personalvertretung des KBB-Berlin, für den MGB-Berlin, war privat im Arbeits-Rechtsschutz versichert, aber nicht Mitglied der DGB-Gewerkschaft. Die meisten Beschäftigten im KBB und Martin-Gropius-Bau Berlin waren unterbezahlte Frauen. Bis zum Ende meiner "befristeten Beschäftigung", im Zeitvertrag, war ich der einzige organisierte Gewerkschaftskollege im MGB. Mangels Unterstützung und Feigheit für meine Festeinstellung im MGB Berlin, bleibt es wohl beim fortgesetzten Fehlen einer DGB-Mitgliedschaft bzw. Gewerkschaftsvertretung. - R.S.]

Innerhalb der ersten drei Berufsjahre beträgt der Gehaltsunterschied 19 Prozent. Auch bei gleicher Ausbildung, im gleichen Alter und Beruf liegt das Minus für Frauen immer noch bei 12 Prozent. In den folgenden vier bis zehn Berufsjahren wächst der Unterschied auf 22 Prozent. (Siehe Studie.)

40 Prozent der Lohnkluft zwischen Männern und Frauen lassen sich weder mit unterschiedlicher Qualifikation noch mit frauen- oder männerspezifischer Berufswahl erklären. Sie sind Ausdruck fortbestehender geschlechtsspezifischer Lohndiskriminierung. (Siehe: Reinhard Bispinck et al: Geschlechtsspezifische Lohndifferenzen nach dem Berufsstart und in der ersten Berufsphase. Eine Analyse von Einkommensdaten auf Basis der WSI-Lohnspiegel Datenbank in Deutschland und im europäischen Vergleich, Dezember 2008. Eine Studie im Auftrag des BMFSFJ.)

Laut IAQ arbeiten mittlerweile 6,5 Millionen Menschen in Deutschland zu Niedriglöhnen. Niedriglohnbeschäftigte sind meist weiblich (67,5%) und sind gut ausgebildet (72% haben einen Berufsabschluss). (Anm.: Hier fordert erneut die DGB-Studie einen Mini-Mindestlohn von 8,50 Std.Euro, - ohne eigenständigen Rentenanspruch bzw. unterhalb der Sozialhilfe etc.)

Weiter Themenfelder der Studie sind:
- Berufswahl bleibt stark geschlechtsspezifisch.
- Arbeitslosenquote junger Frauen ...
- Förderung arbeitsloser junger Frauen im Hartz-IV-System ist unzureichend.
- Förderung der Berufsausbildung ...
- Förderung des Berufseinstiegs ...
- Junge Frauen sind häufiger auf Hartz IV angewiesen als junge Männer.
- Erwerbstätigkeit von jungen Frauen in Hartz IV.
// = 25 Prozent der jungen Frauen sind armutsgefährdet.


Quelle vgl.: DGB, 11.11.2010. DGB-Studie: Junge Frauen am Arbeitsmarkt: Gut qualifiziert aber schlecht bezahlt. DGB Bereich Arbeitsmarktpolitik. Arbeitsmarkt aktuell, Nr. 10 / November 2010. (PDF, 188 kB) Zugang:
http://www.dgb.de/themen/++co++8df4e6fe-dc4d-11df-4847-00188b4dc422

Empfehlung:
A) Lohndifferenz - "mit" und "ohne" Tarifvertrag!
http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/realpolitik/kombilohn/niedrtarif.pdf
B) Lohnverzicht reduziert Altersrente.
http://www.debatte.info/index.php?id=872




DGB-Studie-Junge-Frauen-am-Arbeitsmarkt.pdf



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