abgespeist - denn Etiketten lügen wie gedruckt

03.11.12
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von foodwatch - die essensretter

Eine solch abenteuerliche Reaktion von Nestlé hätten wir nicht erwartet! Erinnern Sie sich an unsere "Flockies"? Im Juli hatten wir Nestlé-Deutschland-Chef Gerhard Berssenbrügge ein Muster-Müsli-Produkt überreicht als Beweis, dass Frühstücksflocken für Kinder auch ausge- wogen sein können.

Auf das Sortiment des größten Nahrungsmittel- konzerns der Welt trifft das nämlich nicht zu: Die für Kinder vermarkteten Flocken enthalten alle zwischen 30 und 37 Prozent Zucker - unsere Flockies dagegen weniger als zehn. Herr Berssenbrügge bedankte sich für die konstruktive Anregung und versprach, sich näher mit den Flockies zu befassen.

Zudem haben inzwischen fast 25.000 Verbraucher unsere E-Mail-Aktion unterzeichnet und von Nestlé ausgewogene Flocken für Kinder mit höchstens 10 Prozent Zucker gefordert. Die Forderung ist leider aktueller denn je, doch dazu gleich mehr.

Zucker runter, Nestlé!


Inzwischen hat uns Nestlé das Ergebnis der Prüfung unserer "Flockies" mitgeteilt - mit "konstruktiv" können wir es jedoch leider nicht umschreiben. In einem Brief kündigte Nestlé an, tatsächlich zwei Produkte mit niedrigem Zuckergehalt (gut 1 Prozent und knapp 10 Prozent) zu Testzwecken einzuführen, wenn auch nur online in dem eher schwach besuchten Internet-Shop "Nestlé-Marktplatz".

Klingt trotzdem gut? Dachten wir auch. Doch beim näheren Hinsehen sind die Produkt- neuerungen olle Kamellen: Die "Cheerios" und "Shredded Wheat" sind in anderen Ländern längst auf dem Markt. Vor allem aber handelt es sich dabei gar nicht um Kinderprodukte, sondern um Erwachsenenprodukte, die bei Nestlé traditionell viel weniger Zucker enthalten als Flocken für Kinder. Beim Kindersortiment bleibt es dabei: Nestlé ködert Kinder mit Comicfiguren und Gewinnspielen nur für solche Flocken, die so viel Zucker enthalten wie Süßigkeiten.

Mehr noch: Erst in diesem Jahr brachte Nestlé ein neues Kinderprodukt in den Handel (und zwar nicht nur online), die "Kosmostars". Und, was sollen wir sagen? Mit 34 Prozent sind sie eine der größten Zuckerbomben des Unternehmens.

Das Beste aber kommt zum Schluss: In dem Brief beschwert sich Nestlé über unsere Kritik - wörtlich: "Ihre Aktionen beeinträchtigen unsere Bemühungen, unser Cerealien-Sortiment kontinuierlich zu ändern oder neue Konzepte zu testen." Diese Bemühungen - vor allem also die zwei "neuen" Erwachsenenprodukte im Online-Shop - stuft Nestlé offenbar als Errungenschaft von nationaler Bedeutung ein.

Locker-flockig schreibt das Unternehmen allen Ernstes: "Mit dem Test der beiden Produkte mit geringem Zuckergehalt haben wir für Deutschland in extrem kurzer Zeit sehr viel erreicht." "Für Deutschland"? Drunter macht es Nestlé wohl nicht.

Deutschland soll offenbar "Danke" sagen - wie, das haben wir uns überlegt. Und per Pressemitteilung heute einen Vorschlag unterbreitet, der mindestens so ernst gemeint ist wie Nestlés Test: Wir haben vorgeschlagen, Nestlé-Chef Berssenbrügge mit dem Bundesverdienstkreuz zu ehren.
Eine solche Leistung fürs Land soll schließlich gebührend gewürdigt werden.

Damit wir Nestlé aber endlich auch in Sachen ausgewogenem Kinder-Frühstück weiter bringen, lassen Sie bitte nicht locker:

Unterzeichnen Sie jetzt unsere E-Mail-Aktion an Nestlé:
www.foodwatch.de/aktion-nestle

PS: Wie zäh selbst "konstruktive" Gespräche mit Unternehmen sind und wie schwer echte Verbesserungen durchzusetzen sind, sehen Sie exemplarisch am Fall Nestlé. Um wirklich etwas zu erreichen, ist eine kontinuierliche Arbeit nötig - die können wir nur dank Ihrer Unterstützung leisten. Seien auch Sie als foodwatcher dabei und werden Sie jetzt Fördermitglied.


VON: FOODWATCH - DIE ESSENSRETTER






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