Zehntausende im Streik

03.11.13
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Handel: Generalangriff auf Tarifverträge

Von Herbert Schedlbauer

Die Beschäftigten des Einzelhandels bekommen die volle Breitseite des Kapitalismus zu spüren. Die Unternehmer legen die Axt an Lohn und Eingruppierung. Karstadt will gleich ganz aus dem Flächentarif. Kaufhof, Real, Rewe oder Kaufland, sie alle wollen Maximalprofite und billigste Ausbeutung beim Personal. Darauf gibt es nur eine Antwort: Streiks! In den letzten Wochen legten Zehntausende Beschäftigte die Arbeit nieder.

Die Warenhäuser fahren seit Januar einen Generalangriff auf die Beschäftigten mit einem „innovativen Tarifvertrag“. Würde dieser durchgesetzt, gäbe es deutliche Gehalts- bzw. Lohnkürzungen. In Nordrhein-Westfalen soll jetzt ein Exempel statuiert werden. Die Vertreter des Einzelhandels waren zur 5. Verhandlungsrunde erst gar nicht mehr erschienen. Die Gewerkschaft ver.di hat darauf mit neuen Streiks geantwortet.

Für das Personal ist die Höhe des Lohns mittlerweile zur Existenzfrage geworden. Jobs im Einzelhandel bedeuten überwiegend Zwangsteilzeit, Flexibilisierung und prekäre Beschäftigung mit unbezahlten Überstunden.

Doch statt die Streiks überregional in mehreren Bundesländern gleichzeitig zu organisieren, wurde jetzt bekannt, dass die ver.di-Spitze Geheimverhandlungen mit dem Einzelhandelsverband führt. Hintergrund sind Absprachen, den von den Unternehmen gekündigten alten Manteltarif wieder in Kraft zu setzen. Laut einem Fahrplan soll zu einem späteren Zeitpunkt über „Reformen“ verhandelt werden.  Dies widerspricht nicht nur der bisherigen demokratischen Meinungsbildung in der Organisation, sondern auch den Forderungen in dieser Tarifauseinandersetzung von Seiten der Basis. Erst recht der großen Streikbereitschaft. 

Um den Widerstand zu verstärken, ist es nach Auffassung mehrerer Vertrauenslautekörper und Betriebsräten dringend an der Zeit, dass die Arbeitskämpfe im Handel einheitlich, Fachbereichs- und  Gewerkschaftsübergreifend durch ver.di koordiniert werden. Auch der Kaufhof Betriebsrat Helmut Born sieht dies so: „Wir können noch mehr. Wir lassen uns kein Tarifergebnis diktieren“, erklärte er auf einer Streikversammlung am 31. Oktober in Düsseldorf. 

Ver.di fordert für die 2, 8 Millionen Beschäftigten im Handel 6,5 Prozent, mindestens 140 Euro. Einen neuen Termin für Tarifverhandlungen in NRW gibt es nicht.

Herbert Schedlbauer







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