Karstadt greift nach Kaufhof

07.07.18
WirtschaftWirtschaft, Debatte, TopNews 

 

Von Herbert Schedlbauer

Immobilien im Visier

Die Zitterpartie der Beschäftigten im Handel geht weiter. Der jetzige Karstadt-Eigentümer René Benko macht einen neuen Versuch sich den Kaufhof einzuverleiben. Der Österreicher Benko hatte dazu schon mehrmals Anlauf genommen. Doch im Oktober 2015 gab es den Zuschlag erst mal für den Kanadier Hudson’s Bay (HBC). Personal und einige Betriebsräte atmeten durch. Doch dies war, wie so oft, ein Trugschluss. Schon kurz nach dem Kauf zeigte HBC, worauf es beim schnellen Geld machen ankommt. Kahlschlag beim Personal, Fremdvermietung von Verkaufsflächen, Lohnverzicht durch erzwungene Teilzeit, waren auch bei HBC die Spielregeln der Personalleiter in den Filialen. Damit machte der Kanadier von Anfang an eine ähnliche Geschäftspolitik, wie sie auch Benko praktizierte. Regelrecht abgeschrieben von Karstadt wurde die Vorgehensweise, wie der kapitalistische Grundsatz der Höchstprofite erreicht werden sollte. Nach dem gleichen Drehbuch lies sich so am schnellstens Profit für die Aktionäre machen. Die Mieten in den Filialen explodierten beim Kaufhof ebenso wie beim Karstadt Kahlschlag. Filetstücke wurden verkauft. Durch die viel zu hohen Mieten in 41 Filialen rutschte der Kaufhof in die roten Zahlen. Statt auf mehr Beratung und Personal zu setzen, drehte HBC unaufhörlich an der Schraube der Angst. Arbeitserverdichtung und der Vernichtung von Arbeitsplätzen waren die Folge. Doch nun reicht auch das nicht mehr. Die kanadische Heuschrecke und der Investor Simon Property wollen mehr Geld sehen. Die Aktionäre drängen auf einen Verkauf.

Zwischen HBC und Karstadt, der österreichischen Signa des Immobilieninvestors René Benko, gibt es Insidern zufolge deshalb Gespräche über einen neuen Handelskonzern. Man verhandelt darüber, dass Karstadt bei Kaufhof mit 51 Prozent einsteige. Um den jetzigen Verkaufspreis nach oben zu puschen, will das Kaufhof-Management vor dem Verkauf noch einen Sanierungstarifvertrag für die rund 17.000 Beschäftigten der Galeria Kaufhof mit Hilfe der Gewerkschaft ver.di vereinbaren.

Vor gut einer Woche wurde bekannt, dass Benko, wie nicht anders zu erwarten, als Immobilienspekulant die großen Warenhausfilialen des Kaufhof Konzerns im Visier hat. Diese befinden sich ähnlich wie bei Karstadt in Bestlagen der Innenstädte. Die Fusion der beiden Warenhausketten dürfte zu zahlreichen Schließungen und weiterer Vernichtung von Arbeitsplätzen führen. In München, Hamburg, Essen, Leipzig und Düsseldorf findet man Kaufhof und Karstadt in unmittelbarer Nähe zueinander. Hinzu kommt, dass mit einer neuen Warenhausgesellschaft die Verwaltung und der Einkauf ausgedünnt würde. Was weitere Arbeitsplätze kostet.

Für die Beschäftigten bedeutet dies nichts Gutes. Durch die Zentralisation wird es zu noch mehr wachsender Existenzunsicherheit kommen. Eine ver.di Sprecherin war auf Nachfrage, wie auf die Situation von gewerkschaftlicher Seite reagiert würde, nicht erreichbar.

Herbert Schedlbauer

Erstveröffentlicht in der UZ am 6.7.18







<< Zurck
Diese Webseite verwendet keine Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz