Zur Feudalisierung der Lohnarbeit im 'globalisierten' Kapitalismus 2010.

19.03.10
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Lohnarbeit nur mit Befristung - Kettenverträge statt Kündigungsschutz.

Von Reinhold Schramm

Jeder zweite neu geschlossene Arbeitsvertrag in der Bundesrepublik Deutschland ist befristet und es werden noch mehr. Laut Koalitionsvertrag der regierenden Kapitalparteien (CDU-CSU-FDP) soll es künftig möglich sein, unbegrenzt befristete Arbeitsverträge abzuschließen. Dabei geht es um einen "Abbau des Kündigungsschutzes durch die Hintertür". Großen Unternehmen soll es ermöglicht werden, "befristete Arbeitsverhältnisse unendlich auszudehnen". Die von der ökonomischen und gesellschaftspolitischen Administration des Kapitals erwünschten Folgen: Beschäftigte, die auf eine unbefristete Lohnstelle hoffen, scheuen sich oft, Ihre (eingeschränkten) Rechte wahrzunehmen - "sei es in Bezug auf die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes, Urlaubsansprüche, tarifliche Lohnansprüche, Krankschreibung oder hinsichtlich der Kandidatur für den Betriebsrat". (Siehe: Reingard Zimmer: Abbau von Arbeitnehmerrechten, in AiB 12/20 09.)

Der Anteil befristeter Arbeitsverträge im Jahr 1991 betrug 5,7 Prozent, im Jahr 2008 bereits 8,9 Prozent.
Der Anteil befristeter Arbeitsverträge an allen neu geschlossenen Arbeitsverträgen im Jahr 1991 betrug 32 Prozent und im 1. Halbjahr 2009 bereits 47 Prozent (Merke: 2009 waren 47 Prozent aller neuen Arbeitsverträge befristet)! (Siehe: Statistisches Bundesamt, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 2010.)

Deutschlands Unternehmen verfügen über große Spielräume für die interne Flexibilisierung der Lohnarbeit. Abweichungen nach oben und unten von 2,5 bis 8,5 Stunden wöchentlich (und mehr) sind möglich. Bei Banken kann das Pensum von 39 auf 31 Stunden reduziert werden, in Reisebüros von 38,5 auf 30 Stunden. (Siehe: Alexander Herzog-Stein und Hartmut Seifert: Deutsches "Beschäftigungswunder" und flexible Arbeitszeiten, WSI-Diskussionspapier Nr. 169, Februar 2010.)

Quelle: BöcklerImpuls 5/2010 - aktualisierte Fassung, 17.03.2010.
Arbeitsrecht: Kettenverträge statt Kündigungsschutz.
"Fast jeder zweite neu geschlossene Arbeitsvertrag ist befristet. Nach dem Willen der Regierungskoalition dürften es künftig noch mehr werden."
HBS: http://www.boeckler.de/pdf/impuls_2010_05_2.pdf







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