Die Spur des Geldes


Bildmontage: HF

23.09.17
WirtschaftWirtschaft, Soziales, Politik, Debatte 

 

Von Holger Balodis

Wie kommt es eigentlich, dass alle Bundesregierungen der vergangenen 20 Jahre die Renten für heutige und künftige Rentner massiv beschränken und den Jungen gleichzeitig eine gewaltige Last an zusätzlicher Vorsorge aufs Auge drücken? Ein bewährtes detektivisches Mittel: Folge der Spur des Geldes! Die Milliardensummen sind nur schwer abschätzbar, die die deutschen Arbeitgeber gespart haben, weil die Rentenbeiträge als Folge der Rentenreformen auf einem Tiefpunkt verharren. Ebenso die Milliardensummen, die die Finanzwirtschaft eingenommen hat, weil Millionen verängstigte Arbeitnehmer in Riester-Renten, Aktien, Fondssparpläne oder in Pseudo-Betriebsrenten eingezahlt haben. Was dank LobbyControl aber nun genau bekannt ist: Welche Unternehmen und Organisationen sind die größten Parteispender? Wer hat also von 2000 bis 2015 den großen politischen Parteien das meiste Geld überwiesen? Die mit Abstand größten Parteispender sind die im Verband Gesamtmetall zusammengeschlossenen Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie: sie verteilten 17,3 Millionen Euro. Nicht gleichmäßig: Die Union allein bekam rund 11,5 Mio. Euro. Aber auch die SPD erhielt knapp 1,5 Mio. und selbst die Grünen wurden mit über 1 Mio. Euro bedacht. Aber auch die Finanzwirtschaft ließ sich nicht lumpen: Ganz vorne der Finanzvertrieb Deutsche Vermögensberatung (DVAG), traditionell Marktführer im Verkauf von Riester-Renten. Die DVAG spendete 5,4 Mio. Euro an die Parteien. Dicht dahinter folgen die Deutsche Bank (4,8 Mio. Euro) und der größte Versicherungskonzern, die Allianz: Sie überwies den in Deutschland traditionell klammen Parteien 4,1 Mio. Euro. Die Allianz verteilte das Geld viel gleichmäßiger als die Arbeitgeber: Die CDU lag nur knapp vor der SPD. CSU, FDP und Grüne wurden ebenfalls ordentlich unterstützt. Ob die genannten Beträge alle Zuwendungen dieser Organisationen enthalten, ist nicht sicher: Es wurden nur Spenden ab 10.000 Euro erfasst. Auch Zahlungen in Form von „Sponsoring“ müssen von den Parteien nicht veröffentlicht werden. Wir wollen hier aber keineswegs den Eindruck erwecken, Parteien ließen sich durch Spenden kaufen. Es wäre allzu bitter, wenn Verbände und Unternehmen mit überschaubaren Millionenbeträgen finanzielle Vorteile von vielen Milliarden erlangen könnten. Das wollen wir nicht glauben. Quellen: https://lobbypedia.de/wiki/Gesamtmetall https://lobbypedia.de/wiki/Parteispenden_aus_dem_Finanzsektor   Holger Balodis und Dagmar Hühne: Die große Rentenlüge – Warum eine gute und bezahlbare Altersicherung für alle möglich ist, Westend Verlag, 208 Seiten, 18 Euro (ISBN 978-3-864889-177-9)







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