Springwater Capital LLC legte die Schleifmaschine an die Arbeitsplätze


Situation mit Symbol-Wert: Springwater Capital LLC hat den Zugang zum Carborundum-Stammwerk gesperrt. Der Finanzinvestor haftet nicht für vernichtete Arbeitsplätze. Bild: UK

30.04.09
WirtschaftWirtschaft, Düsseldorf, NRW, TopNews 

 

Düsseldorfer Carborundum-Belegschaft als Fraß für die "Heuschrecke"

Von Gerry Gent

Pünktlich zum 1. Mai muss Betriebsratsvorsitzender Henry Mötter der Belegschaft verkünden, dass die Carborundum-Schleifmittelwerke GmbH in Düsseldorf schließen soll. 210 Kolleginnen und Kollegen aus der Carbo-Group stehen vor dem Aus.  Betriebsratsvorsitzender Henry Mötter  sieht in der geplanten Schließung den klassischen Fall der "Heuschrecke". Dahinter verbirgt sich der international agierende Finanzinvestor Springwater Capital LLC (SWC). Diese Private-Equity-Gesellschaft drückt seit 2005 die Carbo-Group auf die Zitronenpresse, nachdem Carbo PLC zahlungsunfähig geworden war.

Solidarität kommt von den beiden DKP-Vertretern Uwe Koopmann und Christiane Schnura aus den Düsseldorfer Rathäusern in den Stadtbezirken Gerresheim und Eller. Sie fordern den Rat der Stadt und den CDU-Oberbürgermeister Dirk Elbers auf, alle erdenklichen Aktivitäten zu entwickeln, um die Arbeitsplätze der Kolleginnen und Kollegen zu sichern. Auch Gundel Kahl (DKP), Ratsfrau der Linksfraktion im historischen Rathaus von Düsseldorf, steht hinter diesen Forderungen.

Koopmann: "Als gewählte Vertreter in den Rathäusern teilen wir die Wut und Enttäuschung der Kolleginnen und Kollegen über die drohende Schließung der Firma Carborundum-Schleifmittel. Wir haben allen Betroffenen unsere tiefe Solidarität ausgesprochen."

Christiane Schnura: "Es mutet schon merkwürdig an, wenn die Carbo Group einerseits voll des Lobes für die Kolleginnen und Kollegen ist: ‚Unsere engagierten und kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Produktion, Management und Verwaltung sind unsere große Stärke, um unseren Kunden leistungsorientierte, individuelle und kosteneffiziente Schleifprozesse anbieten zu können.' Andererseits werden 210 Arbeitsplätze vernichtet - Arbeitsplätze von genau den Kolleginnen und Kollegen, die wegen ihrer qualifizierten Arbeit so gelobt werden."

Das Unternehmen hat eine bedeutende Tradition hinsichtlich der Entwicklung und weiteren Entwicklung der Schleiftechnik. Es nimmt weltweit eine führende Stellung ein.
Die Methode für die Arbeitsplatzvernichtung: Wie "Heuschrecken", so der Betriebsratsvorsitzende Henry Mötter, vernichtet das international organisierte Kapital die Arbeitsplätze. Menschen, Familien, Schicksale und die Zukunft der Betroffenen spielen bei diesem "Spiel" keine Rolle. Ertrag, Dividende sind primäre Bewertungsgrundlagen.

In einem Brief an den CDU-Oberbürgermeister verweisen die DKP-Vertreter dagegen auf die NRW-Landesverfassung, die in Artikel 24 festlegt: "Im Mittelpunkt des Wirtschaftslebens steht das Wohl des Menschen. Der Schutz seiner Arbeitskraft hat den Vorrang vor dem Schutz materiellen Besitzes. Jedermann hat ein Recht auf Arbeit." In Düsseldorf - und nicht nur dort - wird die Verfassung von den Kapitalvertretern mit Füßen getreten.

Schon einmal wurden die Beschäftigten direkt und indirekt zur Kasse gebeten: Entlassungen, Lohnkürzungen, Aussetzung des 13. Monatsgehalts, Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit. Die Gegenleitung des Unternehmens sollte in der Sicherung der Arbeitsplätze bestehen. Die "Arbeitgeber"-Seite hat sich aber nicht an die Abmachung gehalten. Der erzwungene Verzicht der Kolleginnen und Kollegen von 2005 hat sich nicht als Garantie für die Arbeitsplätze erwiesen. Auch Henry Mötter (IG BCE) hatte den Versprechungen 2005 geglaubt: "Die Belegschaft hat finanzielle Opfer gebracht, um einen Großteil der Arbeitsplätze zu erhalten."

In Griechenland gibt es im Osten der Insel Naxos den kleinen Ort Moutsoúna. Dort wurde vor Jahren "Schmirgel" im Tagebau und in Stollen abgebaut. In der Blütezeit um 1920 wurde mit dem Schmirgel-Export ein großer Teil des griechischen Staatshaushaltes finanziert. Heute stehen in Moutsoúna ein paar kleine Pensionen und Tavernen, die auf Touristen hoffen. Das kann nicht die Zukunft der Kolleginnen und Kollegen von Carborundum in Düsseldorf sein!

Die DKP-Vertreter fordern daher den Rat der Stadt Düsseldorf und den Oberbürgermeister auf zu prüfen, wie der "Schutzschirm" aus dem Konjunkturprogramm II auch über diese Arbeitsplätze gespannt werden kann. Koopmann "Es darf nicht sein, dass die Autokonzerne, die großen Banken und mondänen Aktionärsfamilien in den ‚Genuss' dieser Sicherheiten gebracht werden - die Arbeiter und Angestellten aber nicht."
Garry Gent

 







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