"Wie gewonnen, so zerronnen"


Bildmontage: HF

03.10.15
WirtschaftWirtschaft, Debatte, Krisendebatte, TopNews 

 

Die Weltbörsen im Crash 2015

Von Karl Wild

Jenseits von „Gut“ und „Böse“ regieren bekanntlich in der Wirtschaft, der Welt der Werte, des Geldes, des Profits und nicht zuletzt der Spekulation eigene Gesetzmäßigkeiten – die großen Mysterien, seit dem Jahrhundert-Crash von 1929 mit bestens dokumentierten Folgen: Zusammenbruch der Ökonomie auf beiden Seiten des Atlantik, Durchsetzung des Faschismus und als Spätfolge der Weltkrieg 2.0! Achtzig Jahre später, im neuen Jahrhundert, droht seit 2009 neues Ungemach. Vor einem bevorstehendem Jahrhundert-Crash geht seitdem die Angst um.

Nach einem Höhenflug in unbekannte Gefilde an allen wichtigsten Wertpapier- und Rohstoffbörsen 2014/5 trübte sich mit der Griechenlandkrise im Frühjahr und der Schwäche des Euro gegen andere Weltwährungen das Bild vor allem in den BRIICS-Staaten ein und der Leitwolf China geriet schwer unter die Räder. Was im letzten Aufschwung an der Aktienbörse gewonnen, war schnell perdu. Dazu verloren die agrarischen, metallischen und energetischen Rohstoffe so stark an Wert, Erdöl z.B. bis zu 2/3, dass auch in den führenden Industrienationen im Sommer/Frühherbst – trotz weiterem Wirtschaftswachstum – ein mehr als ungutes Gefühl aufkam. Merkmal dieses Abschwungs ist nicht der große Knall wie am Schwarzen Freitag 1929, sondern es geht Schritt für Schritt gemäßigt, aber stetig unter Schwankungen gen Süden.
An der Entwicklung unserer Aktien, der DAX-Familie, in dem die führenden großen und mittelständischen sowie die technologielastigen deutschen Unternehmungen zusammengefasst sind, immerhin mehr als eine Billion Euro wert, partizipieren die vielfältigen Anlageformen mehr oder weniger direkt in Geld: Als Groß- wie Kleinaktionär sehr direkt, als Fondsbesitzer etwas weniger und was jeder hat, nämlich Lebensversicherungen, eher indirekt und vermittelt durch verschiedene Instanzen. Es gilt aber überall das altdeutsche Sprichwort von dem „mitgehangen, mitgefangen“!

Während also der „Wert“ (K-Marx, Kapital 1-3, MEW 23-25) der einen Form des gesellschaftlichen Reichtums – den Unternehmungen oder Kapitalgruppen – in 2014/15 enorm angewachsen ist, erleidet parallel „unsere“ nationale/europäische Währung einen deutlichen Rückgang gegenüber der wichtigsten Weltwährung US-$, welcher wiederum direkt bis indirekt die Reichtumsposition Deutschlands als Ganzes tangiert. Und dies wiederum konträr: Können im US-Dollar-Raum nun „unsere“ Exporte attraktiver, d.h. billiger werden und so neue Marktpositionen erobern, so erlebt die deutsche Touristin z.b. beim New York shopping eine Verteuerung ihres Auslandsurlaubs in spürbarer Weise: Da kann allein eine Übernachtung in den USA schon 50 US-$ mehr kosten, also richtig weh tun!

Konklusion
: Diese kurz Darstellung der Verwerfungen in unserer Art der Produktion des Lebens, entschlüsselt ansatzweise durch die politische Ökonomie von Smith über Marx bis hin zu Keynes und M. Friedman, verweist darauf, dass es sich bei der (sozialen) Marktwirtschaft oder allgemein und unnachahmlich „capitalism“ genannt („Capitalism is an economic system in which trade, industries, and the means of production are largely or entirely privately owned and operated for profit”, siehe Stichwort bei de.wikipedia.org) um ein System handelt, welches sich “chaotisch-dynamisch” entwickeln muss und sich nur so entwickeln kann. Dabei kommt es latent und in Abständen regional/sektorial zu enormen “Kollateral-Schäden” (= Begleitschäden), deren Ausmaß und Terminisierung erst im Nachhinein von den Wissenschaften analysiert und bewertet werden kann. 2015/6 droht in vieler Hinsicht – nicht nur wegen der diversen Kriege – zu einem “großen”, historischen Jahr zu werden. Die zunehmenden Krisenerscheinungen, gerechnet in “Heller und Pfennig”, Euro und Cent verdichten sich zusehends zu einem Krisenknoten. Je reicher eine Gesellschaft, desto größer die Gefahr des Absturzes!

Persönliche Schlussbemerkung: Immer wieder, trotz jahrelanger Beschäftigung mit der Politischen Ökonomie, überrascht die Spezifität der Ereignisse bei gleichzeitiger dialektischer Gesetzmäßigkeit (1) aufs Neue. Wer hatte z.B. die Manipulationen von VW auf der Agenda, die das “Made in Germany” und damit den Wirtschaftsstandort Deutschland, also die werktätigen Menschen bedrohen? Es ist eine unbetrittene Leistung dieses unseres ökonomischen Systems, den Wohlstand zu mehren in guten Tagen und zugleich ihr Fluch, das Erreichte immer wieder mal vernichten zu müssen . Die Menschenopfer finden sich nicht nur in alten Schriften, sondern sind allgegenwärtig. Dennoch: Unser Land, das “stolze” Deutschland, ein Demiurg der globalen Welt, ist immer noch eine der besten, aller bekannte Welten. Siehe seine Beliebheit bei den Flüchtlingen aus Damaskus bis Kabul.

(1) Summe der Widersprüche, des Pro/Kontra eines Sachverhalts und zugleich deren Einheit

https://projekt3kw.wordpress.com/2015/10/02/wie-gewonen-so-zerronnen







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