Der BDA-Präsident warnt 'seine' Gewerkschaften vor "ideologischen Kampfgeschrei".

01.08.09
WirtschaftWirtschaft, TopNews 

 

Von Reinhold Schramm

Arbeitslosigkeit und "Kapazitätsanpassungen" in Europa - mehr als 21,526 Millionen erwerbslose Frauen und Männer im europäischen Kapitalismus und Imperialismus.

Aspekte aus der nationalen zur europäischen 'Volksgemeinschaft der Bourgeoisie und Administration'.

Anlässlich der am 30. Juli 2009 veröffentlichten Arbeitsmarktzahlen erklärte der Präsident der deutschen und europäischen Millionäre, Multimillionäre und Milliardäre, der Präsident der Privateigentümer an (gesellschaftlichen) Produktionsmitteln, der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Dr. Dieter Hundt: "Der im Vergleich zu den teilweise dramatischen Rückgängen bei Umsatz und Auftragseingang der Unternehmen moderate Anstieg der Arbeitslosigkeit zeigt, dass diese weiterhin alles unternehmen, um ihre Beschäftigten trotz anhaltender Konjunkturschwäche zu halten. Die dazu genutzte Kurzarbeit ist aber auch nach den jüngsten Erleichterungen für die Unternehmen teuer. Sie stellt daher nur eine Brücke bei einem vorübergehenden Auftragsausfall dar. - Nur bei einem baldigen deutlichen Anziehen der Konjunktur können die Auswirkungen der Produktionsausfälle auf den Arbeitsmarkt weiterhin in Grenzen gehalten werden. Oberste Priorität hat jetzt, das Funktionieren des Kreditsystems sicherzustellen. Angesichts der schwersten Nachkriegsrezession ist darüber hinaus ein konsequentes Belastungsmoratorium für die Unternehmen auf nationaler und europäischer Ebene erforderlich." [1]

Bereits in seiner Pressemitteilung am 22. Juli 2009 erklärte der Hauptgeschäftsführer im Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), Werner Schnappauf: "Die Anzeichen für eine Bodenbildung mehren sich. Das ist positiv. Eine Bodenbildung ist aber noch längst kein wirtschaftlicher Aufschwung." - "Bei aller Erleichterung über die jüngsten Zahlen müssen wir realistisch bleiben. Der Aufschwung kommt nicht von selbst. Die nachhaltige Erholung wird ein eher längerfristiger Prozess", sagte Werner Schnappauf. Die wirtschaftliche Lage bleibe angespannt und der Auftragsrückgang betrug im Mai 2009 im Jahresvergleich mehr als 30 Prozent. - "Entscheidend für die deutsche Industrie, deren Anteil am BIP rund 25 Prozent beträgt, ist die Entwicklung des Exports", sagte Schnappauf.  Es spreche wenig dafür, dass die Weltwirtschaft zügig in Gang kommt. "Das führt unvermeidlich zu Kapazitätsanpassungen. Nicht nur die Beschäftigung, auch der Bedarf an Investitionen wird zurückgehen", so der Hauptgeschäftsführer - der im Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) organisierten Industrie-Bourgeoisie und Administration des Kapitals.
Und im Abschluss der BDI-Pressemitteilung des Hauptgeschäftsführers heißt es auch: "Erfolgreiche Innovationen bringen automatisch Wachstum - und Wachstum schafft Arbeitsplätze." [2]

Nachtrag: Der Multimillionär und BDA-Präsident warnte die Gewerkschaften vor "ideologischem Kampfgeschrei" (in: FAZ am 22. Juli 2009). Der BDA-Hundt im FAZ-Gespräch: "Die Agenda 2010 war der Ausgangspunkt für die erfreuliche Entwicklung des Arbeitsmarktes von 2006 bis 2008. Ich kritisiere, dass danach zunehmend Regelungen der Agenda 2010 verwässert und zum Teil sogar zurückgenommen wurden. Das begann mit der Verlängerung des Arbeitslosengeldes für Ältere und ging weiter mit Leistungsausweitungen in den Sozialversicherungen, mit dem Aussetzen des Riesterfaktors und der Zusage einer Rentengarantie sowie dem Infragestellen der Rente mit 67, die in einer alternden Gesellschaft zwangsläufig erforderlich ist."
Der Privateigentümer an Produktionsmitteln, Mulimillionär und BDA-Präsident, Dr. Dieter Hundt, auf die FAZ-Frage nach der "Sozialpartnerschaft"- zwischen Lohnarbeit und Kapital: "Die Sozialpartnerschaft funktioniert gerade jetzt sehr gut. Wir haben angemessene Tarifabschlüsse vereinbaren können. Das gilt für alle Abschlüsse in der Krise. Ich denke etwa an die Abschlüsse in der Druckindustrie, der Stahlindustrie, beim Bau und im Einzelhandel: Das sind alles Tarifabschlüsse mit sehr viel Augenmaß, mit Null-Monaten, längeren Laufzeiten, Einmalzahlungen, betrieblichen Gestaltungsmöglichkeiten. Diese Tarifverträge stehen zum Teil in krassem Gegensatz zum ideologischen Kampfgeschrei einzelner Gewerkschaftsfunktionäre." [3]
Anmerkung hierzu: Ob die noch im Amt vorhandenen und im Auftrag regierenden Liberal-Sozialdemokraten - auch in den deutschen und europäischen Gewerkschaften, mit 'Vorstandsposten' nach deren 'Ausscheiden' bedacht werden, dies sagte 'deren' BDA-Präsident noch nicht. - Diese 'Presse-Frage' war vorerst noch nicht auf deren Tagesordnung.


Juni 2009: "21,526 Millionen Männer und Frauen arbeitslos" in der EU27.
Die offizielle amtliche Arbeitslosenquote (*) der 'Eurozone' ist auf 9,4 Prozent gestiegen und die (offizielle) Quote der EU27 auf 8,9 Prozent, so aus der Pressemitteilung von Eurostat, dem Statistischen Amt der Europäischen Gemeinschaft. Aus der Pressemitteilung: Eurostat schätzt, dass im Juni 2009 in der EU27 insgesamt 21,526 Millionen Frauen und Männer arbeitslos waren, davon 14,896 Millionen in der EU16. - Gegenüber Juni 2008 ist die Zahl der Erwerbslosen in der EU27 um 5,024 Millionen Frauen und Männer gestiegen (in der EU16 um 3,170 Millionen). Alle Mitgliedsstaaten verzeichnen einen Anstieg ihrer Arbeitslosenquote. Die Arbeitslosenquote der Männer stieg in der EU16 von 6,8% auf 9,2% und die Arbeitslosenquote der Frauen nahm im selben Zeitraum von 8,3% auf 9,7% zu. In der EU27 stieg die Arbeitslosenquote der Männer von 6,5% auf 9,0% und die Arbeitslosenquote der Frauen von 7,4% auf 8,9%.
Von den Mitgliedsstaaten verzeichneten die höchsten Arbeitslosenquoten Spanien (18,1%), Lettland (17,2%) und Estland (17,0%). Über ein Jahr betrachtet verzeichneten die höchsten Anstiege der Arbeitslosenquote: Estland (von 4,6% auf 17,0%), Lettland (von 6,4 auf 17,2%) und Litauen (von 5,1% auf 15,8%). 
Die statistische Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen lag im Juni 2009 in der Eurozone (EU16) bei 19,5 Prozent und in der EU27 bei 19,6 Prozent. Die höchsten Quoten bei den unter 25-Jährigen verzeichneten Spanien mit 36,5 Prozent und Litauen mit 31,0 Prozent. [4]


Quellen: [1] BDA - Presse-Information Nr. 049/2009.
[2] BDI - Pressemitteilung Nr. 82/2009. Hier, u.a.: 'BDI mahnt zu Realismus - Bodenbildung ist noch kein Aufschwung' und 'Industrieland Deutschland stärken'.
[3] FAZ.NET am 22.07.2009: Der BDA-Unternehmerpräsident im Gespräch mit der FAZ: "Die Finanzierung klemmt".
Im Internet: http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44/Doc~E50705D2F4F7BB24CCCAB8325AA83~ATpl~ATpl~Ecommon~Scontent.html
[4] Eurostat - Pressemitteilung Nr. 112/2009 - 31. Juli 2009.
Im Internet: http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/3-31072009-BP/DE/3-31072009-BP-DE.PDF
(*) Die "Arbeitslosenquote" ist die Zahl der Arbeitslosen als prozentualer Anteil der Erwerbspersonen. Erwerbspersonen sind definiert als die Summe von Erwerbstätigen und Arbeitslosen.

01.08.2009 / R.S.







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