Rußland: Autowerker fordern Verstaatlichung

08.08.09
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Von Anton Müller

Russische Lada-Arbeiter haben am Donnerstag für eine Verstaatlichung ihres Unternehmens demonstriert. Zu der Proteskundgebung hatte die unabhängige Gewerkschaft „Yedinstvo“ aufgerufen. Grund der Proteste sind geplante Kurzarbeit und befürchtete Entlassungen bei dem Autokonzern AvtoVaz.
Insgesamt hatten sich 2.000 Beschäftigte vor den Werkstoren des Autobauers AvtoVaz in Togliatti an der Wolga (900 Kilometer südöstlich von Moskau) zu einer mehrstündigen Proteskundgebung versammelt. "Laßt die Fabrik dem Staat gehören und nicht privaten Eignern", forderte der Gewerkschaftschef Pjotr Solotarjew, der die unabhängige Gewerkschaft „Yedinstvo“ („Einheit“) vertritt.

Die Parolen und Transparente der Protestler richteten sich insbesondere gegen AvtoVaz-Chef Boris Aljoschin und den Gouverneur des Wolga-Distrikts Samara, Wladimir Artjakow, der 2006/2007 den Autobauer geleitet hatte. Demonstranten trugen ein Schild mit der Aufschrift „Diebe ins Gefängnis (Artjakow und Aljoschin)“. Die offizielle Gewerkschaft von AvtoVaz, welcher der Großteil der Arbeiter angehört, war dem Meeting ferngeblieben.

Hintergrund der Proteste sind Befürchtungen, das Unternehmen wolle im Zuge der Automobilkrise ein Viertel der Belegschaft (rund 27.000 Arbeiter) entlassen. Seit dem 3. August sind die Arbeiter beurlaubt, da die Fließbänder bei AvtoVaz für einen Monat stillgelegt wurden. Ab September ist Kurzarbeit bei halbiertem Lohn geplant.

Togliatti ist eine Autostadt wie Wolfsburg. Große Teile wurden erst in den Sechziger Jahren aus dem Boden gestampft. 1964 wurde sie nach dem italienischen Kommunistenführer Palmiro Togliatti benannt. In den 1990er- und 2000er-Jahren erlebte die Stadt eine Welle der organisierten Kriminalität sowie zahlreiche Mafia-Kriege rund um AvtoVaz und galt als eine der am meisten kriminalisierten Städte Rußlands. Putin bediente sich dann der staatlichen Technologie- und Rüstungsholding Rostechnologi, um AvtoVaz unter Kontrolle zu bringen. Rostechnologii, die russische Investmentbank Troika Dialog und der Autokonzern Renault besitzen jeweils ein Viertel der Aktien des Autobauers. Renault hatte letztes Jahr 1,17 Milliarden Dollar für seinen Einstieg bei AvtoVaz bezahlt.

Quellen:

 http://www.aktuell.ru/russland/wirtschaft/soziale_proteste_der_autowerker_bei_lada_in_togliatti_1974.html
 http://www.themoscowtimes.com/article/600/42/380296.htm
 http://www.iii.co.uk/news/?type=afxnews&articleid=7464107&subject=economic&action=article
 http://de.wikipedia.org/wiki/Togliatti

Quelle: http://de.indymedia.org/2009/08/257709.shtml







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