Arbeitslöhne sinken: Wachstum bringt nur Vermögenden etwas ein

19.07.11
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von Reinhold Schramm
   
Lohnarbeit und Reichtum in der Klassengesellschaft 2011 - Arbeitslöhne sinken.
   
Wirtschaftswachstum durch Lohnarbeit bringt nur Vermögenden etwas ein, - auch ohne deren Arbeit. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Die Arbeitseinkommen von Geringverdienern sind weiter drastisch gesunken.

Die sozialdemokratisch-olivgrüne Bundesregierung hat im Zuge der weiteren Zerschlagung der Tarifverträge und so genannten "Hartz-Reformen" den Druck auf Arbeitslose erhöht, jede Arbeit
anzunehmen, und sei sie noch so schlecht bezahlt. Zudem wurde im Kapitalinteresse die Zeitarbeit und Leiharbeit erleichtert und "Minijobs" gefördert. Ziel war es, dass mehr Erwerbslose in die Billigarbeit und Unterbezahlung von der staatlichen Arbeitsagentur befördert werden.

Dies sei auch zum Teil erfolgreich gelungen. Allerdings gebe es im Niedriglohnsektor Auswüchse, "die man beschäftigungspolitisch nicht rechtfertigen kann", meint Joachim Möller, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Auch habe sich die Gehaltskluft unter den Beschäftigten vergrößert, die seit 2000 immer eine Arbeit hatten. -

"Der zunehmenden Lohnspreizung könnte man durch einen Mindestlohn entgegenwirken", sagt Joachim Möller, der Direktor des IAB-Forschungsinstituts der staatlichen BDA-Bundesagentur für Arbeit.

"Die Politik hat die Reformschraube überdreht", meint Markus Grabka, der DIW-Verteilungsforscher. "Wenn von 40 Millionen Erwerbstätigen sieben Millionen Minijobber sind, dann ist etwas aus dem Ruder gelaufen." - Leiharbeiter sollten für die gleiche Arbeit ebenso entlohnt werden wie die Stammbeschäftigten, so der Experte des DIW.

Die sozialdemokratischen DGB-Führungen und ihre Mitglieder sollten ermutigt werden, bei Lohnverhandlungen den vorhandenen Verteilungsspielraum aus dem Produktivitätsfortschritt - realer Wert- und Mehrwertschöpfung - stärker auszuschöpfen.

Der DIW-Wissenschaftler Markus Grabka hat herausgefunden, wie sich die realen Nettoeinkommen in der Deutschland AG von 2000 bis 2010 entwickelt haben. Demnach verbuchte die höchste Einkommensgruppe aus abhängiger Lohnarbeit ein leichtes plus von knapp einem Prozent. - Die gesamten Einkünfte der Wohlhabenden (und Reichen) dürften deutlich stärker gestiegen sein, so der Experte. - "Boni" sowie Einkünfte aus Vermögen wurden bei der Umfrage nicht erfasst (- da hätte es auch keine verwertbaren Auskünfte gegeben. R.S.).

Beschäftigte (aus Lohn und Gehalt) in den unteren Einkommensgruppen mussten starke Einbußen hinnehmen: Ihre Nettogehälter sanken im Vergleich zur Preisentwicklung (preisbereinigt) um 16 bis 22 Prozent.

Selbst der so genannte Wirtschaftsweise Peter Bofinger kritisierte, die (Lobby-) Politik schaue dieser (Abwärts-) Entwicklung tatenlos zu. "Es gibt Möglichkeiten, die Löhne zu stabilisieren. Doch die Politik interessiert sich nicht dafür." - Der Volkswirt Bofinger plädiert dafür, künftig sollten sich die Beschäftigten und Unternehmer wieder jeweils die Hälfte der Kosten bei der Krankenversicherung teilen. Unternehmen zahlen hier nur 7,3 Prozent und die Beschäftigten der Wert- und Mehrwertschöpfung 8,2 Prozent. (Anm.: Natürlich zahlen die abhängig Beschäftigten aus der realen Mehrwertschöpfung die Gesamtkosten, ebenso den Profit und die Dividende - einschließlich die Folgen aus Spekulation und Preistreiberei etc.)

Der 'unabhängige' Wirtschaftsweise Bofinger betont auch: "Eine solche Rückkehr zur Parität würde den Staat keinen Cent kosten".

Die dürftige Lohnentwicklung sei ein Grund für das "Wutbürgertum". "Die meisten Menschen haben das Gefühl, dass die wirtschaftliche Entwicklung an ihnen vorbei geht - und sie haben recht." Die Unzufriedenheit der Lohn-Beschäftigten richte sich weniger gegen die Unternehmen, sondern gegen den Staat und die Politik (- so die erfolgreichen Ergebnisse der -ideologischen- Gesellschaftspolitik des Kapitals).

Im "Durchschnitt" wären die realen Nettolöhne innerhalb eines Jahrzehnts (nur) um 2,5 Prozent gesunken. (Anm.: Offensichtlich blieb die reale Wertschöpfung aus der wissenschaftlich-technischen Produktivitätsentwicklung und -steigerung unberücksichtigt. R.S.) Die Bruttoeinkommen sind noch stärker gesunken.

Auch Banken-Volkswirte plädierten mittlerweile für einen stärkeren Lohnanstieg in Deutschland, um die Binnennachfrage und die gesamte Wirtschaft (- für die Privateigentümer und Aktionäre -) anzukurbeln. So wäre für die französische Bank "Natixis" ein stärkerer Lohnanstieg eine "gute Idee". Nach Meinung der französischen "Natixis" könnten die Unternehmer die höheren Lohnkosten gut verkraften, weil sie sehr profitabel sind. -

Frage:
Wann gibt es das 'Europäische Verdienstkreuz' der BDI-BDA-Hundtschen Unternehmen und Quandtschen-Konzerne für die deutschen DGB-Gewerkschaften, - deren sozialdemokratisch-olivgrünen Funktionäre und auch an verdiente Mitglieder?  

[Ein modifizierter Auszug.]

Studie zur Einkommensentwicklung in der (braven) Deutschland AG.
Vgl. FR, 19.07.2011: "Weniger Geld für Geringverdiener".
www.fr-online.de/wirtschaft/arbeit---soziales/weniger-geld-fuer-geringverdiener/-/1473632/8685036/-/index.html




VON: REINHOLD SCHRAMM






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