Zensur in Freiburg - Sadt vertreibt die Ausstellung der Vertriebenen

04.11.10
InternationalesInternationales, Kultur, Baden-Württemberg 

 

von Dr. Gabriele Weber

Ein weiteres düsteres Kapitel in der Geschichte der deutschen Meinungsfreiheit und Demokratie geht heute zu Ende.

Die Stadt Freiburg hat durch eine Mitarbeiterin des zuständigen Dezernats II, mitteilen lassen, dass die NAKBA-Ausstellung, die am 12.11.10 in der Stadtbibliothek Freiburg unter der Schirmherrschaft der Holocaust-Überlebenden Hedy Epstein eröffnet werden sollte, nicht in städtischen Räumen stattfinden wird.

Offizielle Begründung: "Es ist zwar alles richtig, was dort gesagt wird, aber es fehlen einige Aspekte" (Mitarbeiterin des Dezernats II). Ein "runder Tisch" mit TeilnehmerInnen der Stadtbibliothek, des Pressereferates, des Rechtsamtes sowie des Schuldezernats, dem die Stadtbibliothek untergeordnet ist, befand heute, dass die Stadt - immerhin neun Tage vor der Eröffnung und nach Drucken und Veröffentlichen der Programme - ursprünglich gemachte Zusagen nicht einhalten würde. Und dies obwohl alle nötigen Unterlagen (inclusive des Begleitkataloges der Ausstellung mit ALLEN Postern und deren gut lesbarem Inhalt) bereits seit Mitte September vorgelegen hatten, die Veranstalterin auf möglichen "Gegenwind" aus bestimmten Kreisen aufmerksam gemacht hatte und die Zustimmung des Dezernats II als übergeordneter Behörde durch die Stadtbibliothek eingeholt worden war.

Der im Pressereferat der Stadt für die Veröffentlichung des Freiburger Amtsblattes zuständige Mitarbeiter fühlte sich nach Erhalt des fertig gedruckten  Stadtbibliothek-Programms, dazu berufen, dafür zu sorgen, dass - ganz im Sinne der Israellobby - der Bildungsauftrag der Stadt, was die Darstellung des Nahostkonfliktes angeht,  erfüllt wird.  Um diesem großen Auftrag gerecht zu werden, scheute er auch nicht davor zurück, die Schirmherrin der Veranstaltung, Hedy Epstein, als Teilnehmerin einer terroristischen Vereinigung (Free Gaza) zu betiteln. Diese Aussage wiederholte er in einem Telefonat, mit Evelyn Hecht-Galinski. In einem geistigen Höhenflug bezeichnete der gleiche Pressereferatsmitarbeiter E. Hecht-Galinski  als "benutzte Jüdin".

Mehrfache Versuche, die zuständigen Personen des Dezernats telefonisch zu erreichen, wurden dadurch unterbunden, dass man mitteilte, die entsprechenden Gesprächsteilnehmer würden sich NACH der Entscheidung am runden Tisch telefonisch melden. Somit ist das Verfahren des "Runden Tisches" in unserem Fall ein nur scheinbar demokratisches Verfahren, denn die Veranstalter (Cafe Palestine Freiburg) wurden ausgeschlossen und man weigerte sich, ihre Argumente zur Kenntnis zu nehmen. Den Mitarbeitern der Stadtbibliothek wurden Äußerungen zur Sachlage untersagt.

Die Verantwortlichen im Freiburger Rathaus sollten aufhören, ihre Augen vor der Tatsache zu verschließen, dass in der deutschen Öffentlichkeit bisher in aller Regel die Ereignisse des Jahres 1948 einseitig aus zionistischer bzw. israelischer Sicht dargestellt werden. Die NAKBA-Ausstellung zielt darauf, diese Einseitigkeit zu überwinden und einen Impuls zur längst fälligen Auseinandersetzung mit dem verdrängte Leiden der  Palästinenser zu geben. Doch ohne die Kenntnis und ohne eine gebührende Anerkennung dieser Seite des Konflikts werden Aussöhnung, Gerechtigkeit und Frieden im Nahen Osten keine Chance haben.

Dr. Gabriele Weber
Cafe Palestine Freiburg

http://cafepalestinefreiburg.blogspot.com

 


VON: DR. GABRIELE WEBER






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