Operation Schweinebucht

03.01.12
InternationalesInternationales, News 

 

von Reinhold Schramm (Bereitstellung)

Aus den geheimen Kriegen der Monopolbourgeoisie und Administration für “Freiheit“, “Demokratie“ und “Soziale Marktwirtschaft“ bzw. “Menschenrechte“.  

»Im Herbst 1960 verfasste die CIA einen Sonderbericht über die Lage auf Kuba und legte ihn, mit Empfehlungen versehen, dem Konsultativrat für Fragen der Geheimdiensttätigkeit im Ausland zur Beratung vor. Man hoffte, dass „Castro sich nicht lange halten würde“.

Aber jeder neue Tag enttäuschte diese Hoffnungen, denn die Positionen der Revolutionsregierung festigten sich, und die Macht der Regierung erstarkte. Nun sollte versucht werden, die legale Regierung Kubas mit Hilfe des so genannten Geheimkrieges zu stürzen. So entstand die Idee der Operation in der Schweinebucht.

Gestützt auf eigene Informationen und untermauert durch Angaben des Geheimdienstes der Marine, arbeitete die CIA zwei Pläne für die Operation aus und legte sie dem Weißen Haus vor. Der erste sah vor, die Untergrundbewegung mit Hilfe der CIA-Agentur zu aktivieren, doch erfüllten sich die in sie gesetzten Hoffnungen nicht. Die Untergrundbewegung erwies sich als zu schwach, während die kubanische Revolutionsregierung entgegen den Prognosen des amerikanischen Geheimdienstes die volle Unterstützung des Volkes genoss. Daraufhin entstand Ende 1960 ein anderer Plan.

Aus konterrevolutionären Emigranten sollte eine starke Abteilung aufgestellt, bewaffnet und auf Kuba gelandet werden, wo sie sich an der Küste festsetzen und einen stabilen Brückenkopf mit einem Flugplatz bilden sollte. Dies sollte den Vorwand abgeben, um in Miami eine kubanische Exilregierung zu bilden, deren Kampf um die Macht dann von Militäreinheiten der USA unterstützt werden sollte. Ein solcher Plan erforderte nicht Dutzende, sondern Hunderte von Söldnern. Zunächst war vorgesehen, 800 Mann zu landen, im Endeffekt waren es nach amerikanischen Angaben 1500.

Damit waren aber nicht geringe Schwierigkeiten verbunden. Innerhalb kurzer Zeit musste eine große Anzahl von Emigranten angeworben werden, deren Auswahl nicht so sorgfältig wie bei beschränkter Werbung getroffen werden konnte. Das bedeutete, dass die Geheimhaltung der geplanten Operation nicht garantiert war.

Während für die Ausrüstung von kleinen Gruppen leichte Waffen, Sprengstoffe und transportable Funkstellen ausreichten, brauchte eine Abteilung von solcher Stärke weitaus mehr und schwerere Waffen und Ausrüstungen, wie z. B. Jeeps und LKWs, Panzer und Landungsschiffe, Flugzeuge und Truppentransporter, Bazookas und Artillerie. Außerdem war es schwierig, diese gesamte Kriegstechnik heimlich in die Verladehäfen zu transportieren.

Die Ausbildungszentren befanden sich auf abgelegenen Farmen in Florida, die von Strohmännern im Auftrag der CIA gepachtet oder gekauft worden waren.

Auf Grund eines Geheimabkommens mit den Vereinigten Staaten stellte Guatemala der CIA in abgelegenen Gebieten Territorien für Ausbildungszentren zur Verfügung. Die CIA-Söldner gehörten verschiedenen politischen Gruppierungen an. In der Hauptsache handelte es sich um Anhänger des ehemaligen kubanischen Diktators Batista, die davon träumten, ihre Ländereien und ihr Geld zurückzubekommen.

In Guatemala trafen sie, als „Landvermesser“ getarnt, ein und errichteten ein Ausbildungscamp auf der Plantage von Roberto Alejos, dem Bruder des guatemaltekischen Botschafters in Washington. Hier baute man später auch Start- und Landebahnen, und amerikanische Piloten in Zivil erteilten Söldnern Flugunterricht. Die Regierung Nicaraguas stellte den USA ebenfalls eine Basis und einen Hafen für die geheime Vorbereitung der Invasion zur Verfügung.

Die Forderung, dass die gesamte Ausbildung der kubanischen Emigranten außerhalb der USA zu erfolgen hatte, ging von den Verantwortlichen im State Department aus, mit dem die CIA alle ihre Aktionen abstimmte. Zu diesem Zweck ernannte Außenminister Christian H. Herter Ende 1960 den ehemaligen Botschafter in Honduras und aktiven Teilnehmer an der „Guatemala-Operation“, Whiting Willauer, zu seinem Sonderberater für Fragen der Kuba-Invasion. Für die Aufrechterhaltung der Verbindung zu Willauer stellte die CIA Tracy Barnes frei, dem bis dahin für seine Geheimdiensttätigkeit die Londoner USA-Botschaft als Domizil gedient hatte. Die bevorstehende Operation sollte nach dem Plan der CIA und des Außenministeriums als eine rein kubanische Operation erscheinen, von der sich die USA jederzeit distanzieren konnten.  

Im November 1960 erschien in den CIA-Camps ein gewisser „Oberst Frank“, den keiner der Emigranten kannte. Dieser Mann hatte gewisse Ähnlichkeit mit jenem „Oberst Frank“, der die Operation in Guatemala geleitet hatte: In der amerikanischen Literatur ist er als Frank Gardner Wiesner bekannt. Es ist schwer zu sagen, ob dieser „Oberst Frank“ oder ein anderer in Guatemala war, aber sein Name taucht mehr als einmal in der Chronik verschiedener CIA-Aktionen als Name eines „Experten für schmutzige Angelegenheiten“ auf. Nach dem kubanischen Debakel verschwand er sehr bald von der Bildfläche. In den CIA-Lagern gab es jedoch noch andere amerikanische Instrukteure auch in niedrigerem Rang.

Inzwischen ging die Anwerbung von Söldnern weiter. Man flog sie in Gruppen zu 40 bis 50 Mann von Florida nach Guatemala ein. Die Zeitungen der konterrevolutionären Emigranten „Avance“ und „Boemis Libre“, die, mit CIA-Mitteln finanziert, in Miami und New York erschienen, übernahmen die ideologische Vorbereitung der Söldner. Denselben Zielen diente der USA-Sender auf den Swen-Inseln (Honduras). Zeitungen und Rundfunksender hämmerten den Söldnern ein, ihre Invasion würde sich zu einem „Triumphzug“ gestalten.

Anfang April 1961  hielten die Leiter der CIA die Landungstruppe für hinreichend ausgebildet. Daraufhin suchte man sorgfältig zwei Küstenabschnitte für die Landung der Hauptkräfte aus. Der erste, von der Central Intelligence Agency vorgeschlagene Abschnitt befand sich im Raum des Städtchens Trinidad in der Provinz Las Villas. Dieser Abschnitt war den Informationen des Geheimdienstes zufolge nur mit schwachen Verteidigungsanlagen geschützt, und außerdem bot das dichte tropische Gestrüpp im großen Umkreis eine gute Tarnung bei der Landung. Zudem beherrschten die Escambray-Berge die Küste, in die sich, falls nötig, die Abteilung vor Verfolgern leicht zurückziehen konnte, um die Kampfhandlungen in den Bergen fortzusetzen.

Einen zweiten Abschnitt für die Landung wählte die CIA im Raum der Bahia de Cochinos (Schweinebucht) aus.

Dieser wenig besiedelte Küstenstreifen mit einzelnen Sommerhäuschen und kleinen Dörfern war für die Landung und die Operationen einzelner Gruppen gut geeignet.

In der Nähe befand sich ein kleiner Landeplatz für Flugzeuge (er sollte bei den nachfolgenden Luftangriffen gegen die Verbindungslinien und andere wichtige Objekte Kubas genutzt werden), dahinter aber erstreckten sich weite Sümpfe. In diesem Gebiet gab es nur wenig Straßen.

Die Landung in der Schweinebucht sollte überraschend erfolgen: der Brückenkopf war zu bilden, bevor noch die Streitkräfte der Republik Kuba Verteidigungsmaßnahmen ergreifen konnten. In der Provinz Oriente war eine Scheinlandung geplant. Die CIA-Chefs hofften, dass man in Havanna nicht so schnell erkennen würde, welche der Landungen die Hauptlandung war. Freilich besass der Abschnitt in der Schweinebucht einen wesentlichen Mangel: Im Fall des Misserfolgs war ein Rückzug unmöglich, da der Abschnitt von unpassierbaren Sümpfen umgeben war.

Der ganze Plan war auf der Hoffnung nach Unterstützung der Intervention von innen und von außen aufgebaut. Man redete den Söldnern ein, sie würden auf Kuba erwartet, sollte aber die Abteilung dennoch auf Widerstand treffen, dann kämen die amerikanischen Streitkräfte zu Hilfe. Arthur M. Schlesinger jr., der nächste Berater Präsident Kennedys, erklärte, Anfang 1961 hätten Allan W. Dulles und Richard M. Bissell dem Präsidenten versichert, dass auf Kuba die Widerstandsorganisationen gegen die neue revolutionäre Volksmacht über 2500 Menschen zählte und mehr als 20.000 mit diesem Widerstand sympathisierten. Die Landungsgruppen könnten mit der aktiven Unterstützung durch mindestens ein Viertel der kubanischen Bevölkerung rechnen.

Die Operation in der Schweinebucht war für den 17. April 1961 vorgesehen. Die CIA hatte einen bis ins einzelne gehenden Plan für die Landung der sorgfältig ausgebildeten „kubanischen Brigade“ (oder „Brigade 2506") in einer Stärke von 1500 Mann und einen detaillierten Plan für die vorausgehenden Luftoperationen gegen das Territorium des vorgesehenen Brückenkopfes ausgearbeitet. Die Brigade sollte von 24 amerikanischen Bombern vom Typ B-26 unterstützt werden. Es war vorgesehen, dass acht amerikanische Flugzeuge mit dem Erkennungszeichen der kubanischen Luftstreitkräfte versehen und von im Solde der CIA stehenden und in Guatemala ausgebildeten kubanischen Emigranten geflogen, nacheinander zwei wuchtige Schläge gegen die wichtigsten Luftstützpunkte der Republik (Campo Libertad, San Antonio de los Banos und Santiago de Cuba) führen sollten, und zwar am 15. April und im Morgengrauen des 17. April, d. h. vor der Landeoperation der Brigade. Die Bombenangriffe sollten die kubanische Luftwaffe ausschalten und ihr so die Möglichkeit nehmen, die Landung zu unterbinden. Diese erste Bomberwelle war in drei Gruppen mit den Codezeichen „Linde“, „Puma“ und „Gorilla“ eingeteilt. Danach sollten die der Brigade zugeteilten Flugzeuge die Eisenbahn und Straßenbrücken in den Gebieten von Havanna, Matanzas, Chovellanos, Colon, Santa Colon, Santa Clara und Cienfuegos zerstören.

Man stellte auch Überlegungen an, auf welche Weise die Beteiligung der CIA an der geplanten Operation verschleiert werden konnte. Die CIA bildete eigens dafür einen ihrer Agenten, den Piloten Mario Suniga, aus. Er sollte sich als Flugzeugführer des revolutionären Kubas ausgeben, der mit der Regierung Castro gebrochen habe. CIA-Spezialisten präparierten seinen Bomber und stellten am Rumpf Einschusslöcher her, um das Flugzeug den Reportern als ein Flugzeug der kubanischen Luftstreitkräfte präsentieren zu können, das bei der Flucht Mario Sunigas von einem kubanischen Flugplatz aus mit einem Maschinengewehr beschossen worden sei. Suniga sollte im Auftrag der CIA kurze Zeit nach dem Angriff der amerikanischen Bomber auf dem internationalen Flughafen in Miami landen und dort auf einer Pressekonferenz erklären, den Angriff hätten meuternde kubanische Piloten geflogen, die mit dem „Castro-Regime“ unzufrieden seien. Um ihn glaubwürdiger erscheinen zu lassen, steckte man ihm eine Schachtel kubanischer Zigaretten neuester Sorte in die Tasche.

Politischer Führer der konterrevolutionären Emigrantenbrigade war der 29jährige Hauptmann Manuel Artime, ein „vielversprechender Bursche“, wie es in CIA-Kreisen über ihn hieß. Er wurde auch als „Franks junger Mann“, d. h. als Agent des leitenden CIA-Vertreters, bezeichnet, der im November 1960 geheimnisvoll auf dem Stützpunkt der kubanischen Emigranten erschienen war. Seinen Stab etablierte „Oberst Frank“ in New York. In New York, Washington, Miami und Retalhuleu befanden sich die Zentren für die Vorbereitung und Leitung der Operation. Artime, ein ehemaliger Soldat der kubanischen Revolutionsarmee, der eine Zeitlang vor seiner Flucht aus dem Lande in der kubanischen Ostprovinz als Angestellter bei der Durchführung der Bodenreform tätig gewesen war, sollte die Kubaner von einem Schiff auf offener See aus über Funk zum Sturz der Regierung aufrufen.

Artime war natürlich nur eine Marionette. Die eigentlichen Organisatoren der Landungsoperation wollten auch nach der Invasion hinter den Kulissen bleiben. Es waren dies erstens der für die Ausarbeitung und Durchführung des gegen Kuba gerichteten Interventionsplans unmittelbar verantwortliche stellvertretende CIA-Direktor für die Planung von Geheimoperationen auf ausländischem Territorium, Richard M. Bissell, der sich gern als ein „Mann des großen Risikos“ bezeichnete. (Er hatte auf diesem Posten Frank Wiesner abgelöst und war auch als Initiator der U-2-Spionageflüge bekannt.) Zweitens sein Chef, Allen W. Dulles selbst, der sich zum Zeitpunkt der Landung nach Puerto Rico begab, wo er, um sich ein Alibi zu verschaffen, ganz so, als ob nichts geschehen wäre, eine Rede vor jungen Geschäftsleuten hielt.

Mit dieser Operation befassten sich aber auch noch höherstehende Kreise. Der endgültige Beschluss, die Operation durchzuführen, wurde am 4. April 1961 im Außenministerium auf einer Sondersitzung des Nationalen Sicherheitsrates unter Vorsitz von Präsident Kennedy gefasst. Teilnehmer dieser Sitzung waren Außenminister Dean Rusk, Verteidigungsminister Robert McNamara, Finanzminister Douglas Dillon, der Unterstaatssekretär für lateinamerikanische Fragen, Thomas C. Mann, der stellvertretende Verteidigungsminister Paul H. Nitze, der Vorsitzende des Komitees der Vereinigten Stabschefs, General Lyman L. Lemnitzer, der CIA-Direktor Allen W. Dulles, sein Stellvertreter General Richard Bissell sowie der Vorsitzende des Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten, James W. Fulbright. Anwesend waren ferner die Mitarbeiter und Berater Präsident Kennedys: McGeorge Bundy, Adolf A. Berle, Richard N. Goodwin und Arthur Schlesinger. Der Erfolg der Operation schien sicher, dass man die Möglichkeit eines Scheiterns gar nicht erst erwog.

Als erster nahm General Bissell das Wort. Er gab eine Einschätzung der Lage auf Kuba und erklärte: „... sie ist reif für den Aufstand. Einmal gelandet, wird die Brigade das Territorium leicht halten können. Die Luftstreitkräfte der Brigade werden den Luftraum über der Landungsstelle kontrollieren, wobei sie von einem unweit der Schweinebucht eroberten Flugplatz aus operieren werden.“ Was die Luftwaffe Kubas angehe, so werde sie, erklärte Bissell, noch vor Beginn der Invasion vernichtet sein. Selbst wenn der ursprüngliche Plan jedoch auf Grund unvorhergesehener Umstände misslingen sollte, so hatte die CIA einen zusätzlichen Plan in Reserve, so dass das gesteckte Ziel so oder so erreicht werde. Der zweite Sprecher war Allen W. Dulles. Seine Erklärung, dass Kuba leichter zu erledigen sein werde als seinerzeit Guatemala, beeindruckte die Teilnehmer an der Sitzung um so mehr, als er den Präsidenten schon einmal hatte davon überzeugen können, dass es notwendig sei, diese Operation durchzuführten. Kennedy hatte nämlich, wie seine Biographen heute berichten, einige Wochen, bevor er die endgültige Entscheidung traf, noch geschwankt, doch war es Dulles gelungen, seine Zweifel wie folgt zu zerstreuen: „Ich stand genau hier an Eisenhowers Schreibtisch und beschwor ihn, unser Unternehmen in Guatemala werde Erfolg haben, und, Mr. Präsident, die Aussichten für diesen Plan sind sogar noch besser als damals.“[Zit. nach: W. Schreyer, Augen am Himmel, Berlin 1967, S. 319.]

Auf dieser Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates wiederholte Dulles, dass die Kuba-Operation leichter als die Guatemala-Operation sein werde. Er forderte, den von ihm ausgearbeiteten Invasionsplan „ohne weiteren Aufschub“ zu verwirklichen. Niemand von den Anwesenden sprach sich gegen die Operation aus, und der nationale Sicherheitsrat gab damit seineZustimmung zu ihrer Durchführung.

Über die militärische Seite des Plans, die die Reihenfolge der Kampfhandlungen betraf, erstattete die CIA vor dem Komitee der Vereinigten Stabschefs Bericht: Er fand die Billigung durch dessen Vorsitzenden, General Lemnitzer, sowie durch den Stabschef der Marine, Admiral Arleigh A. Burke, sie bestätigten ihre Billigung dem Präsidenten schriftlich. Die Militärs sicherten sich aber für alle Fälle durch zwei Vorbehalte ab: Ihre Billigung erfolge nur unter der Bedingung, dass erstens die CIA die politische Situation auf Kuba richtig einschätze und zweitens die „kubanische Brigade“ tatsächlich den Luftraum über dem Landungsgebiet beherrschen könne. Diese Vorbehalte resultierten aus der Einschätzung der Lage auf Kuba, die Senatoren und andere Beobachter nach einem Besuch Kubas gegeben hatten und die mit den politischen Prognosen von Allen W. Dulles durchaus nicht übereinstimmte.

Um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit abzulenken, erklärte Präsident Kennedy auf der Pressekonferenz am 12. April, dass die gegenwärtige Regierung alles in ihren Kräften stehende unternehme, damit kein einziger Amerikaner in irgendwelche Aktionen auf Kuba verwickelt werde.

Für die Amerikaner, die die Invasion auf Kuba geleitet hatten, und zwar sowohl für die CIA-Mitarbeiter als auch für die Militärs, war das Fiasko der Operation eine absolute Überraschung. Vor allem hatte sich ihre Hoffnung, die sie in Überläufer aus der kubanischen Armee und Miliz gesetzt hatten, nicht erfüllt - es gab keine. Die Realität widerlegte auch die dem Plan zugrunde liegende Information der CIA über die angeblich geringe Kampfkraft der revolutionären Streitkräfte Kubas und die geringe Zahl an Militäreinheiten, die die kubanische Regierung im Kampf gegen die Landungstruppen einsetzen könne. Katastrophale Folgen für die Operation hatte schließlich der Schlag, den die kubanischen Organe rechtzeitig gegen den konterrevolutionären Untergrund im Lande geführt hatten: die CIA hatte gerade auf die Untergrundbewegung ihre größten Hoffnungen gesetzt.

Der erste Angriff der amerikanischen Bomber B-26 auf die kubanischen Flugplätze erschien den CIA-Chefs erfolgreich. In Wirklichkeit war dem aber nicht so, denn das Kommando der kubanischen Streitkräfte hatte vorher den größten Teil der Flugzeuge auf Ausweichflugplätze verlegt.

Einer der B-26-Bomber, der vom ersten Angriff auf Kuba am Sonnabend, dem 15 April, zurückkehrte, landete wie beabsichtigt in Miami, und sein Pilot erklärte, er sei aus der kubanischen Luftwaffe desertiert. Dieses provokatorische Manöver sollte den Eindruck verwischen, den die Bombardierung Kubas auf die Weltöffentlichkeit hervorgerufen hatte. Das Manöver misslang jedoch. In der UNO wurden die Vereinigten Staaten der Aggression gegen die Insel der Freiheit überführt.

Inzwischen hatte die Söldnerabteilung ihr Lager verlassen und nahm auf sieben langsamen Transportschiffen im Geleit von US-Kriegsschiffen Kurs auf die Küste Kubas. Kurz darauf teilte der Berater des Präsidenten, McGeorge Bundy, aus dem Stab Kennedys Bissell telefonisch mit, der Präsident habe entschieden, den zweiten Angriff der Luftstreitkräfte, die der kubanischen Brigade zugeteilt worden waren, nicht durchzuführen zu lassen. General Charles P. Cabell, der an jenem Abend die Funktion des CIA-Direktors wahrnahm, begab sich darauf zusammen mit Richard Bissell ins Außenministerium zu einer Beratung mit Rusk. Der Außenminister bestätigte, dass der Präsident diesen Entschluss im Zusammenhang mit den verstärkten Protesten in der UNO gefasst habe, und riet General Cabell, sich direkt an den Präsidenten zu wenden, der sich in seinem Landhaus bei Middlberg (Virginia) aufhalte. Cabell rechnete sich aus, dass es sinnlos sei, sich an den Präsidenten zu wenden, und kehrte zum Stab zurück, wo er sich mit dem Komitee der Vereinigten Stabschefs in Verbindung setzte. Hier fragte er an, was die regulären Streitkräfte zur Hilfeleistung unternehmen könnten. Man entschied sich für die Präsenz des Flugzeugträgers „Boxer“ in der Nähe der Schweinebucht. Selbst wenn seine Flugzeuge nicht eingesetzt werden konnten, so sollte er den Teilnehmern der Operation zumindest psychologischen Rückhalt geben.  

In der Nacht zum 17. April landeten die Hauptkräfte der „Brigade 2506" in der Schweinebucht. Vier von fünf Bataillonen gingen an den vorgesehenen Punkten der Küste an Land. Das fünfte Bataillon konnte zwar nicht an der geplanten Stelle landen, schlug sich aber letzten Endes doch zur Küste durch und nahm den Kampf auf. Kurz nach der Ausschiffung der Landungstruppe ließ man kleine Fallschirmspringergruppen absetzen, die an vorher bestimmten Punkten die Verbindungswege abschneiden sollten. Schon bei Tagesanbruch griffen jedoch die Luftstreitkräfte Kubas in den Kampf ein, so dass die Chancen für einen Erfolg der Operation für die Söldner von Stunde zu Stunde mehr und mehr schwanden. Die kubanische Luftwaffe versenkte eines der Landungsschiffe, vernichtete einen beträchtlichen Teil der Munition und der Nachrichtenmittel, beschädigte ein anderes Schiff und zwang die anderen aufs Meer zurück. Obwohl die am zweiten Tag eingesetzten amerikanischen B-26-Bomber einen Schlag gegen die kubanischen Streitkräfte führten, war am Ausgang des Kampfes schon nichts mehr zu ändern. Am dritten Tag, d. h. 72 Stunden nach Beginn der Operation, war alles zu Ende. Der Hauptteil der Brigade, mehr als tausend Mann, war gefangengenommen. Viele der Gefangenen konnten als ehemalige Batista-Verbrecher identifiziert werden. Fast alle erklärten, sie seien von der CIA betrogen worden.

Robert Kennedy hat den Tag, an dem die Intervention scheiterte, als den schwärzesten Tag im Leben seines Bruders bezeichnet. Die Bilanz zog der amerikanische Publizist Andrew Tully: Die übertrieben optimistische Einschätzung der Lage durch die CIA brachte Präsident Kennedy dazu, das Prestige der Nation einem kleinen Haufen schlecht ausgebildeter Kubaner anzuvertrauen, und als deren Abenteuer scheiterte, verloren die Vereinigten Staaten in den Augen der Weltöffentlichkeit das Gesicht. [A. Tully, CIA - The Inside Story, New York 1962.]

F. Kennedy erteilte General Maxwell Taylor den Auftrag, eine Kommission zur Untersuchung der Tätigkeit des Geheimdienstes zu bilden: Der Streich der CIA hatte, wie es in der amerikanischen Presse hieß, „äußerst zugespitzte politische und internationale Probleme“ geschaffen, die nicht mit Schweigen übergangen werden konnten. Der Kommission gehörten auch der Justizminister Robert Kennedy, Admiral Burke und Allen W. Dulles an. Die amerikanische Presse gab der Befürchtung Ausdruck, dies geschehe nicht, um die Außenpolitik vom bösen Geist der CIA zu befreien, sondern um die praktizierten Dolch-im-Gewande-Methoden zu verbessern.

Innerhalb der CIA beauftragte Allen W. Dulles den Generalinspekteur Kirkpatrick, zu untersuchen, wie die Operation geplant und durchgeführt worden war. Die Analyse der politischen Entscheidungen, die die Invasion betrafen, gehörte nicht zu seiner Aufgabe. Mehrere Monate lang studierten die Mitarbeiter Kirkpatricks alle Aspekte der Operation und sprachen mit den Mitarbeitern der CIA, die damit befasst gewesen waren. Der von dieser Gruppe erarbeitete Geheimbericht trug kritischen Charakter.

Nach dem Scheitern der Invasion wetteiferten alle Regierungsstellen Washingtons darin, ihre Beteiligung an ihr abzuleugnen und die Verantwortung auf andere abzuwälzen.

Die einen machten das Verteidigungsministerium und das Komitee der Vereinigten Stabschefs für das Fiasko verantwortlich; die anderen versicherten, an allem seien die Gegner der Operation schuld, die einen störenden Einfluss auf den Präsidenten ausgeübt und damit zum Scheitern der Invasion beigetragen hätten.

Richard Bissell zum Beispiel, der Stellvertreter von Allen W. Dulles, der in seinem Interview in der Zeitung „Washington Star“, die Behauptungen der treuesten Anhänger John F. Kennedys - seines Mitarbeiters Philip S. Sorensen und seines Sonderberaters Arthur Schlesinger - widerlegte, dass die Hauptschuldigen am Scheitern des Kuba-Abenteuers die CIA und das Pentagon seien, schob die ganze Verantwortung dem Präsidenten zu, der entgegen der Ansicht der CIA keine konterrevolutionäre Exilregierung gebildet, sie nicht finanziell unterstützt und die Invasionsbrigaden nicht durch „Freiwillige“ (d. h. nicht durch USA-Marine-Infanterie) verstärkt habe.

Präsident Kennedy sagte, dass alle Beteiligten die Verantwortung für den Misserfolg trügen. Was aber auch immer geredet wurde, dieser Misserfolg war vor allem ein Misserfolg der CIA.  
Die anschließende, mehr als zehnjährige Geschichte der Entwicklung der Republik Kuba gibt die überzeugendste Antwort auf die Frage, warum die amerikanische Aktion in der Schweinebucht so schmählich endete.

Was aber geschah mit dem Chef der CIA und seinen würdigen Helfern?

Stewart J. Alsop beschreibt das Fazit dieses politischen Skandals und meint, dass bald nach den Ereignissen in der Schweinebucht, als der Präsident sein seelisches Gleichgewicht und seinen Sinn für Humor wiedergefunden hatte, er Dulles, Cabell und Bissell zu sich rief und ihnen seinen Entschluss mitteilte, alle drei abzulösen, sobald der Form halber eine gewisse Zeit verstrichen sein würde. Nach englischen Gepflogenheiten, sagte er lächelnd, hätte er gehen müssen, aber nach amerikanischen, fürchte er, würden sie gehen müssen. Entsprechend diesem Entschluss löste am 29. November 1961 John A. McCone Allen W. Dulles in seiner Eigenschaft  als Direktor der CIA ab. Cabell trat ebenfalls in den Ruhestand und zwei Monate später trat Richard Helms an die Stelle von Bissell.

Neue Männer hatten ihren Einzug in die CIA gehalten, was sich aber eigentlich nur auf das innere Leben der Geheimdienstzentrale auswirkte. Wie die amerikanische Presse unter Berufung auf die Worte eines CIA-Veteranen mitteilte, erinnerten die Mitarbeiter der CIA in jenen Tagen „an einen kranken Hund. Jeder konnte uns einen Tritt geben, in der sicheren Überzeugung, dass wir nicht zurückbeißen konnten. Noch drei Wochen nach der Katastrophe wollte selbst der Präsident nichts mit diesem Hund zu tun haben und weigerte sich, die Berichte der CIA zu lesen. In jenen Tagen schien es so, als stehe die ganze Organisation am Rande des Zusammenbruchs.“  Aber es kam zu keinem Zusammenbruch. Mehr noch, es änderte sich gar nichts in der Tätigkeit dieser Organisation. Nach wie vor erfüllt die CIA eifrig die Funktionen, für die man sie geschaffen hatte.«
[Auszug.]

Quelle:
Geheimnisse der USA-Geheimdienste. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1975. Vgl.: Zweites Kapitel. Die CIA als Hauptinstrument im geheimen Krieg des USA-Imperialismus. Das Unternehmen in der Schweinebucht. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Invasion_in_der_Schweinebucht
https://www.youtube.com/watch?v=W50RNAbmy3M&feature=player_embedded

 


VON: REINHOLD SCHRAMM






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