Timoschenko

04.05.12
InternationalesInternationales, Kultur, Debatte 

 

von Dieter Braeg

Im Jahre kiew (SN-krö, strick, dpa). 2004 wurde Julia Timoschenko gefeiert, als Vorkämpferin der orangen Revolution in Kiew. Wer vorkämpft muss allerdings auch den Nachkampf mit all seinen Folgen aushalten und da beginnt jener Sack Reis, der in China umfällt, zu stinken.

Viktor Janukowitsch der „Wahlfälscher„ war für sie, die sich wie die hl. Johanna im Kampf für Frankreich gegen Bischöfe und Engländer fühlte, der Gegner Nr. 1. Johanna endete ja auf dem Scheiterhaufen, sie, mit Blutergüssen im Gefängnis.

Der heutige Präsident hatte sie deshalb vor einem halben Jahr von einer willfährigen Justiz einsperren lassen. Dieses Bild wird von jenen verbreitet, die man als Timoschenko Fans bezeichnen darf. Der der Nichtfreiheit der Meinung dienende Medien, verbreiten derzeit ein Bild bei dem ein Teil fehlt.

Wer ist diese 51 Jahre alte „Gasprinzessin“, die als Politikerin auch Macht ausübte und wenig mit Demokratie am blonden Haarkranz hatte, wirklich?

Geburtsort: Dnjepropetrowsk in der östlichen Ukraine. Eine langweilige und öde wirkende Industriestadt. Vaterlos wuchs Julia dort auf und heiratete mit 19 Jahren den Armenier Alexander Timoschenko. Ein Jahr nach der Heirat kommt Tochter Jewgenija zur Welt, die ein Einzelkind bleibt. Die Timoschenkos verdienen ihr erstes Geld mit einem Videoverleih.

Die große Chance begann für die Timoschenkos nach dem Untergang der Sowjetunion. Es gab durch Alexander schon immer gute Kontakte nach Russland und nach der „Wende“ verdiente das Ehepaar im Erdölgeschäft die erste Million. In den Jahren von 1995 bis 1997 gelang der endgültige Durchbruch zum Erfolg. Julia Timoschenko wird Chefin des Energieriesen EESU und steigt zur „Gasprinzessin“ auf.

Sie profitiert, wie viele andere Oligarchen von der raschen Privatisierungen die damals zu Niedrigstpreisen abgewickelt wurden. O-Ton von Timoschenko zu den damaligen Geschäftspraktiken: „Jeder, der damals auch nur einen Tag in der Wirtschaft gearbeitet hat, könnte heute eingesperrt werden.“ Die EESU („Vereinigte Energiesysteme“) importierte subventioniertes Gas aus Russland und verkaufte es mit Milliardenprofiten zu Weltmarktpreisen weiter. Die steigenden Gaspreise bei uns aber, die wurden nie mit dieser Tatsache begründet, obwohl dies bekannt war.

Wo sind die Gewinne geblieben, sind die jemals versteuert worden oder schlummert das Vermögen auf Konten Schweizer Banken?

Dies sollte in einem zweiten Prozess gegen Timoschenko, der kürzlich in Charkiw begonnen hat, geklärt werden. Es geht, so die Anklagebehörde, um Steuerhinterziehung in Höhe von 300 Millionen Euro. Was da für eine Wahrheit an’s Licht kommen wird, die dem Präsidenten Janukowitsch genehm wäre, ist abzuwarten.

Timoschenko hatte stets Feinde im Kreis der Oligarchen. Schon im Jahre 2001 gab es, wegen ihrer Geschäftspraktiken 40 Tage Untersuchungshaft.

Danach soll es zu einer Läuterung gekommen sein und Frau Timoschenko wurde zur Frontkämpferin der Opposition. Ihr Haar erblondete und mit dem geflochtenen Haarkranz , der wie ein Heiligenschein wirkt, erreicht sie politisch Erfolg. Viktor Juschtschenko und sie stellen sich an die Spitze der orangen Revolution – und triumphieren. Doch Timoschenko und Juschtschenko zerstreiten sich. Juschtschenko, von 2005 bis 2010 Präsident, sagt heute: „Der größte Fehler meines Lebens heißt Julia Timoschenko.“

Auf offener Bühne ist sie jahrelang Premierministerin. Gleichzeitig pflegte sie ihr Vermögen. Für eine Demokratisierung tut sie wenig. 2009 schließt Timoschenko mit Russland einen Gasvertrag. Dabei bootet sie Dmytro Firtasch als Zwischenhändler aus.

Dieser Oligarch allerdings finanziert die Partei von Viktor Janukowitsch. Als der 2010 die Präsidentenwahl gegen Timoschenko gewinnt, fordert Firtasch den Kopf der Verliererin. Anderthalb Jahre später verurteilt ein Kiewer Gericht Timoschenko zu sieben Jahren Haft – ein Akt der Rachejustiz, wie die EU samt dazugeHÖRIGER Medienlandschaft urteilt.

Dieses „Urteil“, das nun „fußballpolitisch“ umgesetzt wird, hat allerdings einige Zeit auf sich warten lassen. Das hat nämlich nichts mit der Fußball EM zu tun, sondern die Kämpferinnen und Kämpfer für Timoschenkos Freiheit wissen, dass die Gasleitung durch die Nordsee fertig ist, die Ukraine also nicht mehr als Bremser von Gaslieferungen in diese schöne EU Welt auftreten kann. Für dann stattfindende Überteuerungen dieser Gaslieferungen wird es sicher auch Erklärungen geben.

Die private und öffentliche RECHTliche Medienlandschaft in Wort Bild und Ton, die ja die Bevölkerung entsprechend informierte freut sich nun, dass das Volk jene Meinung vertritt, die es bezahlt per Rundfunkgebühren und Werbespotglotzerei..

Europa Fußballmeisterschaft in Gefahr?
Schiedsrichter Telefon!

Dieter Braeg

 

 


VON: DIETER BRAEG






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