Nachhaltige Sicherheit statt Abschreckung

04.08.21
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Von pax christi

Erklärung zum Gedenken an die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945

Die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen ICAN, zu der auch Pax Christi International gehört, hat 2017 den Friedensnobelpreis für ihren Einsatz zur Abschaffung von Atomwaffen erhalten. Dieser Preis ist auch uns Verpflichtung, immer wieder an die Schrecken der Atombombenabwürfe zu erinnern. Die Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki mahnen uns, für eine Welt frei von Atomwaffen einzutreten.

Auch nach 76 Jahren ist die Bereitschaft, Atomwaffen abschaffen zu wollen, trotz aller Mahnungen immer noch nicht in Sicht. Weltweit existieren mehr als 13.000 dieser Massenvernichtungswaffen, deren Einsatz katastrophale, weitreichende und langanhaltende Folgen für Mensch und Umwelt nach sich ziehen würden. Seit Januar diesen Jahres gilt der Atomwaffenverbotsvertrag, der allerdings bislang von keiner einzigen Atommacht unterzeichnet wurde. Auch Deutschland hat den Atomwaffenverbotsvertrag nicht unterschrieben.

Im Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen, den Deutschland 1969 unterzeichnet hat, verpflichten sich die Vertragsparteien dazu: in redlicher Absicht Verhandlungen über wirksame Maßnahmen zur Beendigung des nuklearen Wettrüstens in naher Zukunft zu führen, zur nuklearen Abrüstung und über einen Vertrag zur allgemeinen und vollständigen Abrüstung unter strenger und wirksamer internationaler Kontrolle. Die deutsche Bundesregierung argumentiert, dass ausgerechnet der neue UN-Vertrag über das Verbot von Atomwaffen, der seit Januar für die Unterzeichnerstaaten in Kraft ist, die Erfüllung dieser Verpflichtung behindert.

Dies ist aus unserer Sicht eine Schutzbehauptung; Deutschland und alle Atomwaffenstaaten haben die Verpflichtung zur vollständigen Abrüstung aus dem Nichtverbreitungsvertrag nicht erfüllt. Die Bundesregierung steht weiter zur atomaren Abschreckung und behauptet: Solange es Staaten mit Atomwaffen gibt, braucht Europa „weiterhin den nuklearen Schutzschirm der USA". Daher ist eine „entschlossene Fortsetzung der nuklearen Teilhabe Deutschlands und die Bereitstellung der notwendigen Mittel dafür“ weiter nötig.

pax christi ist der festen Überzeugung, dass es keines nuklearen Schutzschildes bedarf, da der Einsatz von Atomwaffen Menschenleben vernichtet und in der Natur unwiederbringliche Schäden anrichtet.

Die Zerstörung der Städte Hiroshima und Nagasaki, deren Opfer wir gedenken, erinnert an die historische Wahrheit, dass die USA als erstes Atomwaffen gebaut und eingesetzt haben. Die Folgen dieses Einsatzes sind noch heute, 76 Jahre später, weit über die Grenzen dieser Städte deutlich spürbar. In den Abrüstungsverhandlungen setzen die USA auf eine perfide Verhandlungsstrategie, die von anderen Atomwaffenstaaten erste Abrüstungsschritte verlangt und erst dann zu eigenen Schritten bereit ist.

Büchel in der Vulkaneifel ist ein Ort, wo Deutschlands Verflechtung in das System der nuklearen Abschreckung sichtbar ist. An diesem Ort wurde im Juli bereits zum vierten Mal mit einem „Kirchlichen Aktionstag gegen Atomwaffen!“ protestiert. „Noch immer lagern hier Atomwaffen mit einer Sprengkraft, die Hiroshima und Nagasaki in den Schatten stellen. Noch immer wird hier so deutlich, dass in viel zu vielen Köpfen nukleare Abschreckung probates Mittel der Politik ist. Noch immer begreift man hier, dass Frieden auf dem Spiel steht. Immer wieder und jeden Tag von Neuem. Mag sein, dass diese Atomsprengköpfe nie zum Einsatz kommen. Sie könnten es. Und die Waffen auch aus unserem Land, die gerade in diesem Moment woanders in der Welt Menschenleben bedrohen und vernichten, sind ein Schlag ins Gesicht all derer, denen Frieden etwas bedeutet.“ (Kirchenpräsidentin Wüst am 3. Juli in Büchel)

„Gerade in den letzten Monaten in der Pandemiezeit wird uns der Widersinn vor Augen geführt: Die Situation in den armen Ländern ist verheerend, das Virus ist grenzüberschreitend vernichtend, die Klimaveränderungen sind für viele Menschen existenzzerstörend, Menschen fliehen, um sich und ihre Familien zu retten, der Hunger nimmt zu – aber die Menschheit rüstet ihre Waffensysteme auf.“ (Predigt Bischof Kohlgraf am 3. Juli 2021 in Büchel)

pax christi tritt für eine Politik ein, die nicht nur auf die eigenen Interessen ausgerichtet ist, sondern die globalen Folgen ihres Handelns reflektiert. pax christi fordert eine Politik, die nicht mehr auf Abschreckung und Gewalt setzt, sondern Kooperation und das Wohlergehen aller Menschen als Voraussetzungen nachhaltiger Sicherheit in den Fokus setzt. Die Bundestagswahl ist die nächste Gelegenheit, die Abschreckungsdoktrin endlich abzuwählen.







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