Faschisten - ukrainische „Helden“?

06.05.14
InternationalesInternationales, Antifaschismus, TopNews 

 

von Reinhold Schramm

Die neofaschistischen PartnerInnen – von sozialdemokratischer und christdemokratischer GroKo, BND-Bundeswehr und CIA – in der heutigen Ukraine.

Am 5. März 2011 fand in Iwano-Frankiwsk eine Parade zum 61. Todestag von Roman Schuchewytsch statt. An der Spitze marschierten „Swoboda“ und der „Kongress Ukrainischer Nationalisten“. Die Neonazis riefen unter anderem „Tod den Feinden“, „Ukraine zuerst“.

Am 28. April 2011 erinnerte „Swoboda“ an die Gründung der Galizischen SS-Division vor 68 Jahren. Teilnehmer einer Kundgebung skandierten Losungen wie „Schuchewytsch, Bandera – Helden der Ukraine“ und „Galizier – eine Division von Helden“.

Im Oktober 2011 beschloss eine Mehrheit im Gemeinderat von Railow, die „Friedensstraße“ in „Nachtigall-Straße“ umzubenennen. Damit ehrte der Gemeinderat das „Bataillon Nachtigall“, das im Juni 1941 in Lwiw Juden und Kommunisten massakriert hatte.

Anfang 2012 erklärte der Nationalist Andrej Libych bei der Enthüllung eines Denkmals für Bandera, die Ukraine befinde sich gegenwärtig in einer Periode der „Jidokratie“. „Unser Führer habe nicht für eine Ukraine gekämpft, in der Land und Boden den Feldmans, Kolomoiskis, Achmetows und anderen Jidden gehören.“

Der Berliner Historiker Grzegorz Rossolinski-Liebe berichtete über eigene Ukraine-Erfahrungen. Für seine Doktorarbeit hatte er das Leben Banderas erforscht. „Swoboda“ denunzierte ihn ob seiner Aussagen als „ukrainephob“ und „liberalen Faschisten“. In Lwiw waren den Organisatoren seiner Vortragsreise Veranstaltungsräume verweigert worden, in Dnipropetrowsk sagten die Veranstalter die Vorträge schon vor der Anreise ab. „In Kiew wurde das Zentrum für visuelle Kultur, nachdem es mich eingeladen hatte, vom Direktor geschlossen.“

Grzegorz Rossolinski-Liebe führt diese Reaktionen selbst bei „normalen“ Ukrainern unter anderem darauf zurück, dass die Pogrome und der ukrainische Faschismus „nicht aufgearbeitet“ werden. „Ich habe mal vorgeschlagen, zwei Denkmäler für die Opfer der Lemberger Pogrome von 1918 und 1941 zu bauen. Lemberger Akademiker haben mich daraufhin für verrückt erklärt.“ -

„Nach meinem Vortrag in Kiew haben mir Studenten erzählt, dass sie zum ersten Mal eine andere Meinung über Bandera und die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) gehört haben. Ein Professor bestätigte mir, Historiker könnten in der Ukraine nicht offen über die Geschichte sprechen. Heikle Themen an der Uni zu diskutieren, ist dort tabu.“

Vgl. Wagner, Helmut: Rechte in der Rada. „Swoboda“, Nationalismus und Kollaboration mit den Faschisten in der Ukraine und in Europa. Unter Mitarbeit von Frank Schumann. Verlag am Park – Berlin 2013.


VON: REINHOLD SCHRAMM






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