Faschismus oder wie militärische Einsätze gegen Bürger zur akzeptablen Option werden

11.05.14
InternationalesInternationales, Antifaschismus, Debatte 

 

von Franz Witsch

Der Ukraine-Konflikt spitzt sich zur Zeit jeden Tag mehr zur; vermutlich befindet sich die Ukraine längst im Bürgerkrieg, in dem Mensch- enleben immer weniger zählen. Irgendwann zählen sie wie in Syrien gar nicht mehr. So macht nicht nur unruhig, sondern erzeugt, jedenfalls bei mir, massive Ängste. Zumal vor allem der Westen unter US-Führung sich hartnäckig weigert, die Lage zu entspannen.

Jemand, der den anderen sanktioniert und ihm beständig mit schärferen Sanktionen droht, ist im Ernst nicht wirklich gesprächsbereit. Putin jedenfalls droht bislang noch nicht mit Gegensanktionen; auch wenn diese sich schon mittelfristig nicht vermeiden lassen, etwa wenn sich Russland sich gezwungen sieht, wirtschaftlich mehr mit China zulasten Europas zusammenzutun, schlicht um wirtschaftlich zu überleben, und nicht um den Westen zu bestrafen.

Lächerlich, ein großes Land wie Russland mit Sanktionen unter Druck setzen zu wollen. Der existiert für Russland durch die politische Lage in der Ukraine viel stärker, auch nach innen, als es jemals der Westen durch Sanktionen zustande bringt.

Putin weiß das und macht deshalb, was im seinem ökonomischen Interesse und innen- politisch geboten ist. Dass das dem Westen, Europa erheblich mehr als die USA, selber zum Nachteil gereicht, ökonomisch wie sozial, v.a. auch unter dem Gesichtspunkt innenpolitischer Stabilität, macht sich hierzulande kein Politiker klar. Sind die denn alle nur noch verrückt, die Medien eingeschlossen; die veröffentlichte Meinung, jedenfalls, berichtet nur noch gleichgeschaltet über die Ukraine berichten?

Das merkt mittlerweile auch der Bildzeitungsleser. Das legen jedenfalls viele Stellung- nahmen zu Internet-Texten herrschender Medien wie FAZ.Net, Zeit- oder Spiegel-Online nahe. Einige Texte aus dem Internet sprechen jedenfalls für diese Behauptung, und sie belegen darüber hinaus, dass der Westen ziemlich unbefangen mit Faschisten koope- riert, die sehr wahrscheinlich für das eine oder andere Massaker an der Bevölkerung verantwortlich zeichnen; Links und Überschriften zu den Artikeln finden sie unter „Quellen“:

In diesem Zusammenhang möchte ich den LeserInnen einen neuen Text von mir ans Herz legen. 

Der Link dazu lautet:
www.film-und-politik.de/K02.pdf

Es ist ein psycho-analytischer Text; er bildet den Auftakt zu weiteren Texten, die sich mit der Psychoanalyse und ihrer Geschichte kritisch auseinandersetzt. In den Texten bemühe ich mich schwerpunktmäßig darum, eine Verbindung der Psychoanalyse zu aktuellen (welt‑) politischen Konflikten im Kontext, zu dem, was die veröffentlichte Meinung daraus macht, und nicht zuletzt eine Verbindung zu herrschenden sozial-ökonomischen Theorien herauszuarbeiten. Also genau das zu machen, wofür sich die Psychoanalyse seit Freud viel zu wenig interessiert. Es ist ihr um „Heilung“ zu tun; in welchem gesellschaftlichen Umfeld das geschieht, ist ihr egal.

Man könnte abstrakter auch sagen: Es geht um die Verbindung von Subjekt (seinem Innenleben) und gesellschaftlichen Kontext, eine Verbindung, um die sich das Subjekt immerzu wieder aufs Neue bemüht – mehr oder weniger sozialverträglich, mittlerweile immer sozialunverträglicher. Die Gewalt in der Politik bis hin zu Kriegen und militärischen Einsätzen im Inneren, die uns immer mehr auf die Pelle rücken, ist nur der mittlerweile augenfällige Ausdruck dieser Sozialunverträglichkeit.

Man glaube nur nicht, dass zukünftig in Deutschland militärische Einsätze nicht stattfinden würden, dann nämlich, wenn sich die sozialen Konflikte immer massiver zuspitzen. Dass sie sich immer weiter zuspitzen, ist meines Erachtens mehr als wahrscheinlich. Die Steinschläge – sie rücken näher. Das möchte man nicht wahrhaben. Man verleugnet die soziale Realität – realitätsblind, weil man Angst vor der Wahrheit hat.

Dem gegenüber sagte Bertrand Russel in einem Vortrag von 1927 einmal, ich zitiere: 

„Wir wollen die Welt so sehen, wie sie ist, und uns nicht davor fürchten“. 

Dieses Motte habe ich meinem Text vorangestellt, haben wir doch allen Grund, uns zu fürchten: In der Ukraine bereitet der Westen seine Bürger schon mal darauf vor, was und wie’s geht, modellhaft; nämlich dass der militärische Einsatz gegen protestierende Bürger ggf. eine Option ist. Davor sollten wir unsere Augen nicht völlig verschließen; wie es unsere Medien tun: "nichts sehen, nichts hören, nichts sagen."
(Klaus-Jürgen Bruder in einem Vortrag, siehe meinen Text:
www.film-und-politik.de/K02.pdf)

Herzliche Grüße
Franz Witsch

www.film-und-politik.de

Quellen:

Ulrich Heyden, Gab es Drahtzieher der Tragödie von Odessa?, Telepolis vom 06.05.2014
www.heise.de/tp/artikel/41/41668/1.html

Ukraine: Über Nacht kam die Angst nach Odessa, Zeit Online vom 05.05.2014
www.zeit.de/politik/ausland/2014-05/odessa-ukraine-russland-kaempfe-unruhen/komplettansicht

Richard Zietz, Der Medien-GAU von Odessa, Freitag vom 04.05.2014
www.freitag.de/autoren/maennlicherlinker/der-medien-gau-von-odessa

Paul Schreyer, Auf Kriegsfuß mit den Lesern, Telepolis vom 15.04.2014
www.heise.de/tp/artikel/41/41507/1.html

LEH-RRS: Herwig Lewy, Der „gemäßigte Ukrainer“ und die Figur Dmytro Jarosch. Der Anführer des ukrainischen Rechten Sektors präsentiert sich im Spiegel, Telepolis vom 01.05.2014
www.heise.de/tp/artikel/41/41634/1.html

Nationalistenführer Jarosch: "Jeder Ukrainer soll eine Schusswaffe tragen dürfen", ein Interview von Benjamin Bidder, Kiew, Spiegel Online vom 23.04.2014
www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-krise-interview-mit-rechter-sektor-kommandeur-jarosch-a-965498.html

Juschtschenkos Mythen, german-foreign-policy vom 01.05.2014
www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58853

Reinhard Merkel, Die Krim und das Völkerrecht: Kühle Ironie der Geschichte, FAZ vom 07.04.2014
www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-krim-und-das-voelkerrecht-kuehle-ironie-der-geschichte-12884464.html

Reinhard Merkel, Syrien: Der Westen ist schuldig.

Wie hoch darf der Preis für eine demokratische Revolution sein? In Syrien sind Europa und die Vereinigten Staaten die Brandstifter einer Katastrophe. Es gibt keine Rechtfertigung für diesen Bürgerkrieg, FAZ vom 02.08.2013
www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/syrien-der-westen-ist-schuldig-12314314.html


VON: FRANZ WITSCH






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