06. Juni 1944 – D-Day

03.06.14
InternationalesInternationales, Antifaschismus, Debatte 

 

von Karl Wild

oder "Der längste Tag" – Landung der Alliierten in der Normandie

Zum 70.Male jährt sich eine der bedeut- endsten Militäroperationen*) der an Kriegen so reichen Weltgeschichte.

Mit über 5.000 Transport- und Kriegschiffen, unterstützt von mehr als 11.000 Flugzeugen, landeten an diesem frühen Morgen hundertau- sende Soldaten der Westalliierten, US-Amerikaner, Engländer, Kanadier, Franzosen, Polen, an einem 78 Kilometer breiten Strandabschnitt der Normandie, wo Stunden zuvor bereits zwei amerikanische und eine britische Fallschirmjägerdivision das Hinterland der Seefront absicherten.

Völlig unterlegene deutsche Verbände, da die bereitgestellten Panzerdivisionen über viele Stunden durch Hitler zum Einsatz nicht freigegeben wurden, kämpften dennoch verbissen gegen diese größte maritime Landungsoperation der Militärgeschichte. Am Ende des Tages hatten die Angreifer nur etwa die Hälfte des vorgegebenen Raumge- winns erzielt und vor allem die US-amerikanischen Verbände erlitten am sog. Omaha-Beauch schwerste Verluste. An diesem einen Tag starben auf beiden Seiten mehr als 10.000 Soldaten und es sollte Wochen dauern, bis der Ausbruch aus dem Brückenkopf in der Normandie gelang und Frankreich befreit werden konnte.

Anmerkung:

Die erste Landungsoperation des Zweiten Weltkrieges fand im Mai 1941 durch deutsche Luftlandetruppen dei deutscher Luftüberlegenheit auf Kreta statt, wobei die dort stationierten britischen Truppen und Kriegsschiffe das Angriffsziel bildeten. Der Umfang der Operation war verglichen mit 1944 gering, die beiderseitigen Verluste dennoch beachtlich, so dass Hitler den massiven Einsatz von Fallschirmjägern aus der Luft für den Rest des Krieges verbot.

Aus geographischen Gründen fanden große maritime Landeoperationen ab Dezember 1941 vor allem im pazifischen Raum statt, erst relativ bescheidene durch die angrei- fenden japanischen Truppen, später sehr große durch die zurückschlagenden US-Trup- pen. Höhepunkt dabei war 1945 die Schlacht um Okinawa mit barbarischen Verlusten der japanischen Armee und Marine, wobei es zum Masseneinsatz von über 1.000 japanischen Kamikaze-Fliegern kam, die schwere Verluste bei der US-Navy verursachten.

Diese historische Reminiszenz wäre unvollständig, wenn unerwähnt bliebe, dass eine der Voraussetzungen für den (west-) alliierten Sieg in der Normandie - der im "Westen" gerne als größte und entscheidenste Schlacht des Zweiten Weltkrieges propagan- distisch in vielen Büchern und Filmen vor allem zu Zeiten des Kalten Krieges aufbereitet wurde - die Zerschlagung der stärksten an der Ostfront eingesetzten deutschen Heeeresgruppe Mitte durch die Operation "Bagration" der Roten Armee im Juni/Juli 1944 war. Von zwei Seiten koordiniert massiv angegriffen, müssten sich die geschlagenen Hitlerarmeen im Herbst 1944 Richtung der alten Landesgrenzen des Deutschen Reiches zurückziehen und Europa war größtenteils befreit.

Heute interessiert dieser Wende- und Markpunkt des Krieges 1944 vor allem noch die siegreichen Mächte von damals und die Feiern zum 70 Jahrestages sind Anlass und Gelegenheit, dass sich die heutigen Staatsmänner treffen, um nicht zuletzt die jetzige Gemengegelage an der neuen "Ostfront" eines wiedererauferstandenen Kalten Krieges zu diskutieren. So begegnen sich seit Ausbruch der Krise um die Krim und um die Ostukraine erstmals direkt die Mächtigen dieser Welt, Putin mit Obama, Hollande, Cameron und Merkel.

Es ist so Gelegenheit, folgt man unseren Medien, dem russischen Präsidenten von Angesicht zu Angesicht "diplomatisch" wegen seiner Ukraine-Politik in die Schranken zu verweisen. Dass dieser historsche Gedenktage würdig zu feiern weiß, zeigte er mit der am 09. Mai in Sewastopol zelebrierten Militärparade, wo nicht nur die 70 Jahre zurückliegende Befreiung der Krim von den deutschen Okkupanten begangen wurde, sondern auch der gerade erfolgte "Anschluss" der Krim an Russland medienwirksam verkauft wurde.

Beim Treffen der Staatsmänner und -frau in Frankreich besteht eine der vielen "letzten" Gelegenheiten, den Aufstand der prorussischen Seperatisten in der Ostukraine doch noch zu einem friedlichen Ende zu bringen, nachdem in den Tagen nach der ukrainischen Präsidentschaftswahlen vom 25.05.2014 die Kampfhandlungen eskaliert sind.

Voraussetzung dazu wäre ein Waffenstillstand mit anschließendem Rückzug der Regierungstruppen und der Entwaffnung und Auflösung der diversen aufständischen Milizen. Vielleicht kann beim direkten Aufeinandertreffen der Präsidenten Russlands und der Ukraine ein diplomatischer Durchbruch in dieser Richtung erzielt werden. Dann hätten die Feierlichkeiten zum D-Day über den Symbolwert hinaus noch einen praktischen Nutzen.

*) siehe hierzu die entsprechenden Stichworte auf wikipedia.org und meinen Artikel "Zweiter Weltkrieg 1944" auf der Startseite von: www.projekt3kw.wordpress.com
und bei:
www.scharf-links.de


VON: KARL WILD






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