EU-Parlament stimmt über Gesetz zu digitalen Diensten ab // VIER PFOTEN kritisiert fehlende Maßnahmen gegen Online-Handel mit Heimtieren

23.01.22
InternationalesInternationales, Umwelt, Wirtschaft 

 

Von Vier Pfoten

VIER PFOTEN: Chance, illegalen Welpenhandel zu unterbinden, wurde leider versäumt

Das vom Europäischen Parlament abgestimmte Gesetz zu digitalen Diensten erwähnt den florierenden illegalen Handel mit Hunden und Katzen zwar als Problem, sieht jedoch keine schärferen Maßnahmen zur Bekämpfung der Anonymität der Verkäufer:innen vor. Solche Maßnahmen würden den Online-Handel sicherer machen, Konsument:innen schützen und den illegalen Handel mit Tieren stark einschränken.

Daniela Schneider, Kampagnenverantwortliche für Heimtiere bei VIER PFOTEN: „Wir sind sehr enttäuscht, dass das Europäische Parlament diese wichtige Chance verpasst hat, den illegalen Handel zu erschweren und damit Millionen Tiere zu schützen. Es ist höchste Zeit, dass es Regeln für Online-Plattformen sowie soziale Medien gibt, denn hier sind die Kriminellen besonders aktiv. Umso wichtiger ist es jetzt, dass die Bundesregierung ihre Versprechen des Koalitionsvertrags in die Tat umsetzt. Als erstes braucht es eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Hunde und Katzen. Dann muss es scharfe Regeln für Online-Plattformen geben, wonach sie sowohl die Identität der Anbietenden als auch die Herkunft der Tiere überprüfen müssen.“ 

Kleine und mittelgroße Kleinanzeigenseiten müssen die Identität der Verkäufer:innen nach wie vor nicht überprüfen. Da die meisten Online-Haustierkäufe über solche Plattformen abgewickelt werden, kann der illegale Welpenhandel im Internet weiter florieren. 

Pierre Sultana, Direktor des European Policy Office (EPO) von VIER PFOTEN: „Es hat sich bereits gezeigt, dass es bei weitem nicht ausreicht, die Identitätsüberprüfung im Ermessen der Kleinanzeigenseiten zu lassen. Derzeit sind Kundinnen und Kunden weitestgehend auf sich allein gestellt, um seriöse und kriminelle Angebote zu unterscheiden. Doch Konsumentinnen und Konsumenten haben kaum die Möglichkeit, die oft auch erfundenen angegeben Daten auf Richtigkeit zu überprüfen.“ 

Hintergrund 

Es ist davon auszugehen, dass die Heimtierbranche weiter stark wachsen wird. Allein für die Märkte für Heimtierfutter und -pflege wird für 2026 ein Wert von 21,38 Mrd. Euro bzw. 10,95 Mio. Euro prognostiziert, während die Zahl der Heimtierbesitzer:innen in der EU, in der bereits rund 68 Millionen Hunde und 75 Millionen Katzen in Haushalten leben, um zwei Prozent pro Jahr steigt. Etwa 438.000 Hunde und 80.000 Katzen werden jeden Tag in der EU online angeboten. Der Handel ist weitgehend anonym und illegale Verkäufer:innen nutzen Online-Plattformen, so dass die Verbraucher:innen gleichermaßen gefährdet sind. 

Die EU-Strategie zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität (2021-2025) bestätigte die Ernsthaftigkeit des illegalen Tierhandels als organisiertes Verbrechen während eines Workshops der kroatischen Ratspräsidentschaft („Illegaler Heimtierhandel: Game Over“). 92 Prozent der Expert:innen erklärten, dass EU-weite Regeln für den Handel mit Heimtieren erforderlich sind, 93 Prozent gaben an, dass Online-Plattformen für die Überprüfung der Angaben der Verkäufer:innen verantwortlich gemacht werden sollten, und 90 Prozent gaben an, dass nur registrierte Katzen und Hunde inseriert werden dürfen. Es liegt nun an den politischen Entscheider:innen dafür zu sorgen, dass das Wohl der gehandelten Heimtiere, der Verbraucher:innenrechte und der öffentlichen Gesundheit entsprechend berücksichtigt wird. 

Gesundheit der Verbraucher gefährdet 

In der EU werden täglich etwa 438.000 Hunde und 80.000 Katzen online angeboten. Illegale Verkäufer:innen von Heimtieren nutzen die Anonymität von Online-Plattformen und die fehlende Überprüfung der Identität aus. Auch die Herkunft der Tiere lässt sich oft nicht zurückverfolgen, da es keine Möglichkeit gibt, ihre Identifikationsdaten wie Mikrochip-Nummern und Registrierungen zu überprüfen. Dies stellt neben dem Tierschutzaspekt auch ein ernstes Problem für die öffentliche Gesundheit dar.  

Vor der Corona-Krise wurden etwa acht Millionen Welpen benötigt, um die jährliche Nachfrage zu decken. Seriöse Züchter:innen konnten das nicht erfüllen. Mit der Pandemie stieg die Nachfrage nach Hunden, vor allem Welpen, sprunghaft an, sodass der illegale Handel boomt. Die Auswirkungen der Pandemie boten weitere Gelegenheiten zum Geldverdienen: Das knappe Angebot trieb die Preise um das Fünffache in die Höhe, sodass die in der Regel schwerkranken und traumatisierten Tiere sogar für bis zu 3.000 Euro verkauft wurden.







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