Generalstreik in Griechenland und die KKE

21.10.11
InternationalesInternationales, Bewegungen, Debatte 

 

von Sozialistische Linke (SoL), Hamburg

In Griechenland haben diverse Gewerkschaften und alle linken Kräfte angesichts der Verabschiedung weiterer „Sparmaßnahmen“ zu einem 48-stündigen Generalstreik aufgerufen. Es war abzusehen, dass die Beteiligung diesmal immens sein würde. Es wurde sogar von der „Mutter aller Streiks“ gesprochen.

Der erste Tag lief dann auch wie erwartet: Es gab zwei große Demos, eine von der PAME bzw. KKE (die KKE ist die sog. kommunistische Partei Griechenlands und die PAME ihre Gewerkschaft), und eine von allen anderen, von den gelben Gewerkschaften über AnarchistInnen bis zu KommunistInnen. Ab dem Mittag gab es bei den verschiedenen Versuchen, das Parlament zu erreichen, immer wieder Zusammenstöße mit der Polizei. Besonders engagiert zeigten sich hierbei die TaxifahrerInnen, für die sehr viel auf dem Spiel steht. Insgesamt beteiligten sich mehrere Hunderttausend Menschen.

Der zweite Tag verlief lehrreicher. Wie üblich fand zuerst die Demo der PAME/KKE statt. Doch diesmal zog diese nicht wie gewohnt vom Parlamentsplatz ab, sondern bildete mehrere Ketten um das Parlament herum. In ihren Erklärungen sprachen sie davon, das Parlament blockieren und so die für den Nachmittag und Abend geplanten Abstimmungen verhindern zu wollen. Tatsächlich spielten sie die Rolle der Polizei: Sie hinderten Menschen mit Gewalt am Erreichen des Platzes und machten jeden Versuch zunichte, die Abstimmung im Parlament zu be- oder verhindern. Entgegen ihrer Behauptungen waren es Mitglieder der PAME, der KKE und der KNE (der Jugendorganisation der KKE), die andere DemonstrantInnen angriffen. Dies führte schließlich zu Auseinandersetzungen mit AktivistInnen der „I don't pay“-Bewegung und einigen Hundert AnarchistInnen. Es entwickelte sich eine brutale Straßenschlacht, bei der die AnhängerInnen der KKE alles auffuhren, was sie in der Auseinandersetzung mit der Staatsmacht verdammen: Helme, Vermummung, Knüppel, Steine usw. Mindestens drei DemonstrantInnen sollen von den staatstreuen SchlägerInnen an die Polizei übergeben worden sein. Im weiteren Verlauf solidarisierten sich BasisgewerkschafterInnen, KommunistInnen und verschiedene Linksradikale mit den Angegriffenen, indem sie durch Blockaden die Polizeikräfte davon abhielten, auf Seiten der PAME/KKE zu kämpfen. Nachdem sich die Lage beruhigt hatte, zogen PAME und KKE vom Platz ab. Eine Polizeieinheit übernahm den Schutz des Parlamentes. Wachwechsel in Athen.

Auch wenn der Militanzfetisch einiger griechischer AnarchistInnen nicht unsere Unterstützung hat und wir die Ideologie des Anarchismus ablehnen, so ist das Vorgehen der PAME-Leute nicht nur beschämend, sondern offenbart ihren Charakter.

Noch zu erwähnen ist, dass der 53-jährige Dimitris Kotsaridis, der Mitglied der PAME war und während des Tages an einem Herzinfarkt starb, laut dem offiziellen Krankenhausbericht keine Kopfverletzungen hatte, wie verschiedene bürgerliche Medien behaupteten, um die heutigen Kämpfe zu deligitimieren. Er starb am Tränengas, das die Bullen eingesetzt haben.

Dieser Tag hat vor allem eines vor Augen geführt: die Auseinandersetzung mit Reformismus und Revisionismus ist in Zeiten des Kampfes kein intellektueller Streit zwischen Fraktionen, sondern eine Frage von Sein oder Nichtsein, von Revolution oder Untergang.

Neu ist das nicht und erschüttern tut uns das auch nicht. Am 15. Oktober, dem weltweiten Occupy-Tag, haben sich Leute der COBAS-Gewerkschaft in Rom ähnlich verhalten. Auch hier wurden Militante angegriffen und der Polizei ausgeliefert (vgl. hierzu die Erklärungen von Red Block, Proletari Communisti und Partido dei CARC). Auch beim G8-Gipfel 2009 in L'Aquila haben wir derartige Erfahrungen mit der COBAS gemacht.

„They have chosen their side. They should burn with it.“ Dies ist das Fazit eines Kommunisten, der vor Ort kämpfte. Mehr gibt es nicht zu sagen.

http://www.sol-hh.de/index.php/component/content/article/1-internationales/168-generalstreik-in-griechenland-und-die-kke

Es gibt eine Fotodokumentation, die zeigt wie die Auseinandersetzungen begonnen haben:
http://www.tsantiri.gr/koinonia-kinimata/dite-pos-archise-i-machi-pame-koukouloforon-fotoreportaz.html?iframe=true

Videos von den Kämpfen:
http://www.youtube.com/watch?v=DE8LoPxfquE&feature=player_embedded
http://www.youtube.com/watch?v=3r6ZUafNEVY

 

 


VON: SOZIALISTISCHE LINKE


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