Notizen vom Kriege


Bildmontage: HF

18.05.17
InternationalesInternationales, Debatte 

 

Von Karl Wild

Kriegstagebuch, Frühjahr 2017

Die Kriege an der scheinbaren Peripherie der westlichen Ziilisation dringen nur sporadisch und wie durch das Wasserglas verzerrt in unsere der reinen Wahrheit verpflichteten Medien und so in unsere Wahrnehmung. Syrien, Putin Land, wird weitgehend befriedet, da entsetzt und empört ein Giftgasangriff im nordsyrischen Chan Sceichun mit über 80 Opfern die Welt und D. Trump, ohne eine unabhängige Untersuchung abzuwarten, feuert eine Breitseite Marschflugkörper auf einen nahe gelegenen Luftwaffenstützpunkt der Regierung. Auch der IS kontert und Selbstmordattentäter greifen ein kurdisches Flüchtlingslager an.

In Mossul, dessen Fall vollmundig alle Vierzehntage verkündet wird, das moderne Stalngrad, wo in den IS-kotrollierten westlichen Stadtteilen hunderttausende Zivilisten ein apokalyptisches Martyrium erleiden, tobt ein "Kampf der Infanterie" (Tagesschau, 21.04.2017), d.h. einige hundert IS-Fanatker gegen hunderttausend Angreifer. Der asymetrische Krieg zwingt in Afghanisten durch spektakuläre Aktionen des IS und der Taliban die primär von den USA unterstützeten Regierungskräfte in die Defensive und zur Aufgabe immer mehr Landes. So explodiert eine Bombe in der Hochsicherheitszone Kabuls nahe der US-Botschaft und in Nord-Afghanistan greift ein kleines IS-Kommando Ende April eine große Kaserne nahe dem Lager der deutschen "Mission" an, 300 (!) Regierungssoldaten sind tot oder verwundet. D. Trump zeigt die Macht der USA und befiehlt den Abwurf der stärksten nichtatomaren "Mutter aller Bomben" (tagesschau.de, 14.04.2017) auf ein Höhlensystem. Die IS-Kämpfer werden un unbekannter, aber sehr hohen Zahl pulverisiert. Im angrenzenden Beluschistan/Nordost-Pakistan – weiteres Expansionsgebiet des IS – kommen hunderte Menschen seit Jehresbeginn bei Anschlägen ums Leben (siehe n-tv.de, 05.04.2017) Zu und um Ostern mordet der IS in Ägypten munter koptische Christen und greift deren Kirchen an. Ausnahmezustand. Am Karfreitag tötet ein Palästinenser einen jungen Briten mit einem Messer – ein weiteres Beispiel unter vielen für den Tatendrang junger Männer im Dienste des einzigen Gottes. Eine Woche zuvor kam mal wieder ein Auto als Waffe zum Einsatz und im Westjordanland ein Israeli zu Tode. Afrika, der geschundene Kontinent und erklärtermaßen Schwerpunkt der EU, wird zwar breit in den Medien anhand von Hungersnot, Seuchen – Cholera, Ebola im Kongo – ,Staatenzerfall und Kriegen bedauert, konkrete Berichterstattung kommt jedoch kaum vor. Das Rätsel Boko Haram steht für den ultimativen Schrecken: "Nun berichtet Unicef, dass die afrikanische Terroristengruppe immer öfter Kinder zwingt, Selbstmordanschläge zu verüben. Demnach sprengten sich in den ersten drei Monaten des Jahres 27 Kinder an öffentlichen Plätzen in Nigeria und Nachbarstaaten in die Luft.".(n-tv.de, 12.04.2017) In Libyen, dem Ausgangstor für die Flüchtlinge - "Viele geraten in die Hände von Menschenhändlern. Zeugen berichten von Folter, Erpressungen und Mord." (ebda..) - nach Italien, stehen diverse westlich hoffierte Banden dem IS in nichts nach. In Somalia, dies ist dann doch die Meldung wert, wird zum ersten Mal seit 25 Jahren ein US-Soldat (!?)in getötet. "Er starb bei einem Einsatz gegen die radikalislamische Al-Shabaab-Miliz westlich der Hauptstadt Mogadischu." (tagesschau.de, 05.05.2017)

Diese erste Frühjahshälfte verschonte auch Europa – ganz im Gegenteil – nicht vorm Schrecken des Terrors. Ein Attentat auf die St. Petersburger U-Bahn forderte 14 Tote. Es heißt: "Aus dem Nordkaukasus haben sich Hunderte Männer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen." (n-tv.de, 04.04.2017). Bei einem LKW IS-Anschlag in Stockhom; vier Toote und zahlreiche Verletzte. Am 10. erfolgt ein Bombenattentat auf den Dortmunder Fußballclub. Offensichtlich krimineller Hintergrund. Last not least stirbt in der Ostukraine ein OSZE-Beobachter durch eine Mine und im unerklärten Cyber-Krieg der Geheimdienste und Gangster gibt es am 13.05. eine beispiellose weltweite Blockierung sensbler Computersysteme.Der Terror hat immer mehr Gesichter!

Das Feld der Politik – kriegsbegleitend sozusagen – stand im "Jahr der Wahlen" im Frühjahr ganz im Vordergrund. (s. u.) Und da beging die Medienmeute am 29.04 ausufernd, gehässig und öffentlichkeitswirksam die ersten 100 Tage des US-Präsidenten im Amt. Zur Monatsmitte im Mai diskutiert mensch schon ein mögliches Amtsenthebungsverfahren des Donald Trump. Die Hunde bellen, und die Karawane wird weiterziehen! Dies dürfte auch für die gespielte Aufregung um die Enttarnung einer neonazistischen Terrorzelle in der Bundeswehr gelten. Unsere Soldat*innen waren und sind doch von der brauen Vergangenheit gefeit und mit Herz und Verstand einer "Parlamentsarmee" verpflichtet. Nun denn ...

PS: Im "Krieg gegen die Drogen" tut sich widersprüchliches. Während auf den Philippinen der von Präsident Duterte erklärten Ausrottungspolitik gegen Dealer ud Junkies 7.000 Menschen in kurzer Zeit zum Opfer fallen, verkauft Uruguay Cannabis in den Apotheken.

Hintergrund

Zum "Debakel" und zum Sieg "Europas" über die Rechtspopulisten sollte dieser Wahl-Frühling nach herrschender Ansicht werden, zur großen Volksabstimmung gegen die Extremisten von Rechts bis Links.. Nachem angeblich – trotz riesiger Stimmengewinne - in den Niederlanden der dortige EU-Feind und Moslemhasser Wilders in die Schranken gewiesen worden war, ging es in Frankreich und Deutschland um die zwei wichtigsten Kernländer der durch den Brexit geschockten EU.

Die Ouvertüre der Schlacht um unser aller Zukunft in der (neiliberal-reaktionären) Wertegemeinschaft Europa war das sog. Referendum Erdogans am 18. April über die Installierung einer neuen Paschatums in der Türkei. Trotz einer vorbildlosen Kampagne in der EU waren es gerade die in Deutschland lebenden Türken der zweiten oder dritten Generation, die mit 63% Zustimmung den knappen Gesamtsieg des starken Manns am Bosporus ermöglchten. Die Kurd*innen und linken Türken verloren trotz allem Heroismus. Eine Wiederauflage des Osmanischen Reiches geht voran.

Schlag auf Schlag ging es weiter. Am 23. April fand die erste Runde der frz. Präsidentenwahl statt Drei starke Lager formierten sich. Marine le Pens Front Natioanal, "des Teufels Tochter" (ARD), errang 21,3%, der neoliberale proeuropäische Macron mit seiner neueen Bewegung "En marche!" den knappen Sieg mit 24,01%, der rechte Kandidat Fillion kam auf 20,5% und der Kandidat der Linken Mélenchon 19,5% und damit zu einem historischen Sieg über die Sozialisten. Zum zweiten Wahlgang am 07. Mai verbündete sich alles, was für die Republik an Seiten von Angela Merkel steht und Maccron triumphierte über le Pen (66 zu 34%). Die Linke ging entweder nicht zur Wahl, gab ungültie Stimmzettel ab oder wählte unter Protest Macron. Etwa 11 Mio Stimmen sind sowohl der radikalen Rechten wie Linken zuzuordnen. Das relative Übergewicht des "alten" zersplitterten Frankreichs der Eliten muss nun aber bei den Parlamentswahlen Anfang Juni sich erst noch zukunftsträchtig erweisen. Le Pen und die Linke werden so oder so die zukünftigen sozialen Kämpfe um die Merkelsche Zurichtung Frankreichs, dessen Wettbewerbstauglichkeit, entscheiden

Bei den "richtungsentscheidenden" Landtagswahlen in Schleswig-Holstein (07. Mai) und in NRW (14. Mai) setzte sich der Niedergang der europäischen Sozialdemokratie wie schon in Holland trotz des "Heilsbringers" Schulz zur Freude des rechten Lagers von CDU und FDP fort, welches deutlich gewann. Die SPD steht vor dem selbstverschuldeten Scherbenhaufen der Abgrenzung gegen links. Und die Neue (alte) Rechte AfD? Stabil weit über der 5%-Hürde, zu "Loosern" wie die Linke von denjenigen erklärt, die einen neuen neoliberalen Aufbruch in den kriegsbewegten Zeiten wollen, geht die AfD unter dem starken Mann Gauland frohen Mutes in die Bundestagswahl im September. Inhaltich formiert sich eine ganz große GroKo aus CDU/CSU, SPD, FDP und Teilen der B90/Grünen. Rot-Rot-Grün hat in dieser Republik (noch) keine Perspktive. Noch, denn der Höhenflug der deutschen Ökonomie wird in der nächsten Krise abrupt beendet werden.

Nachsatz

Auf der koreanischen Halbinsel, wo jederzeit die Waffen wieder sprechen können, brachte die Präsidentenwahl in Seoul am 9. Mai die auf Aussöhnung mit Kim Jong Un bedachten oppositionellen Kräfte an die Macht. Ein Hoffnungsschimmer in trüben Zeiten!







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