Assange-Schauprozess: Nahost-Korrespondenten packten aus

08.10.20
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Von Hannes Sies

In der letzten Prozesswoche konnte die Verteidigung erneut bedeutsame, unabhängige Zeugen einbringen. Sie bestätigten bislang bekannt gewordene Verbrechen gegen den Karlspreisträger Julian Assange im Botschaftsasyl, ssowie Verbrechen der Briten und der USA, um deren Vertuschung es geht. Beschuldigungen, Assange hätte Geheimnisverrat begangen und damit US-Informanten gefährdet bzw. er habe "Blut an seinen Händen", weil US-Spione durch die Wikileaks-Enthüllungen entlarvt und getötet worden wären erwiesen sich als Lügen. Vor zehn Jahren hatten die USA damit Stimmung gegen Wikileaks gemacht und ihre Hexenjagd auf Assange gerechtfertigt.

Nachtrag zur Anhörung - Mittwoch, 30. September (Stella Morris)

Am Mittwoch nahm das Gericht eine Reihe von Aussagen zu Protokoll, die von Julians Anwälten verlesen wurden. Der Nahost-Korrespondent des Independent im Nahen Osten, Patrick Cockburn, der über Afghanistan und den Irak berichtete, äußerte sich zu den Auswirkungen der Veröffentlichung von WikiLeaks in den Jahren 2010 und 2011. Edward Fitzgerald QC sagte: „Er und andere Reporter vermuteten, dass die US-Behörden (also US-Streitkräfte, US-Geheimdienste und Söldnerfirmen in US-Diensten, HS) dort Zivilisten in erheblicher Zahl töteten. Sie konnten (vor den Wikileaks-Enthüllungen, siehe das Wikileaks-Video Collateral Murder) jedoch keine stichhaltigen Beweise für solche verbrecherischen Machenschaften der USA vorlegen. (Bis dahin wurden solche Berichte über Menschenrechtsverletzungen vom westlichen Medien-Mainstream immer wieder totgeschwiegen, abgeleugnet, als „Verschwörungstheorie“ oder Propaganda verunglimpft oder bestenfalls abwiegelnd als „Collateral Damage“ bezeichnet, oft mit dem Hinweis, die Gegenseite hätte sich hinter „menschlichen Schutzschilden“ verschanzt, sei also für die Toten durch US-Bomben verantwortlich zu machen -all diese Medienbehauptungen wurden auf einen Schlag als Lügen, Vertuschungen und westliche Kriegspropaganda entlarvt, HS).

„Die WikiLeaks-Dokumente enthüllten, wie die USA als einzige Supermacht der Welt ihre Kriege tatsächlich geführt hat -etwas, das die militärischen und politischen Einrichtungen als Schlag gegen ihre Glaubwürdigkeit und Legitimität betrachteten. Es gab also verheerende Enthüllungen (auf die das Pentagon mit der Beschuldigung gegen Julian Assange reagiert hatte, durch die Publikation der Files wären zahlreiche US-Informanten getötet worden, Assange habe „jetzt Blut an seinen Händen“; dies diente als Propaganda gegen Wikileaks und als Rechtfertigung für die mit kriminellen Methoden betriebene Hexenjagd auf ihn, HS).

Independent -Nahost-Korrespondent Patrick Cockburn, erklärte weiter, dass das Pentagon ein Team von 120 Spionageabwehrbeamten auf die Wikileaks-Publikationen angesetzt hatte (um die „er hat Blut an seinen Händen“-Beschuldigung zu belegen). Aber unter den Tausenden von amerikanischen Agenten und geheimen Quellen keine einzige Person finden konnte, bei der nachgewiesen werden konnte, dass sie aufgrund der Wikileaks-Enthüllungen getötet worden wäre.

Auspioniert durch die CIA

Das Gericht hörte zwei Aussagen von Mitarbeitern des spanischen Sicherheitsunternehmens UC Global, die sich für den Sicherheitschef der ecuadorianischen Botschaft, David Morales, mächtig ins Zeug legten, um Assange und seine Anwälte im Auftrag der USA auszuspionieren. Sie bestätigten, dass Morales mit US-Behörden einen Deal hatte, ihnen Informationen und Berichte zu liefern - als Gegenleistung für immer größere Geldsummen. Er ersetzte die Kameras in der Botschaft durch solche, mit denen auch gelauscht werden konnte. Er zeichnete Treffen zwischen Julian und seinen Anwälten auf und gab seine Aufnahmen bei den Amerikanern ab. Der zweite der Zeugen gab zu, dass sie beauftragt wurden, eine Windel des Julian regelmäßig besuchenden Babys zu stehlen, um auszuspionieren, ob Julian der Vater war. In der Erklärung heißt es: „Die Amerikaner waren diejenigen, die die Vaterschaft testen wollten…. Es gab einen Plan, die Windeln zu stehlen. “

Briten und USA folterten in Libyen

Der Guardian-Journalist und Autor Ian Cobain gab bei der Anhörung zu Protokoll, dass Großbritannien bei Folter zusammengearbeitet und die Amerikaner geplant hätten, Journalisten zu ermorden. In einer Erklärung beschrieb er, wie die Enthüllungen von Wikileaks das Vereinigte Königreich gezwungen hatten, seine Beteiligung an Folter zuzugeben. London musste sich für die Verwicklung des MI6 (Britischer Auslandsgeheimdienst) bei einem Mann und seiner schwangeren Frau zu entschuldigen, die 2004 von der CIA in eines der Gefängnisse von Muhammar Gaddafi in Libyen entführt und dort gefoltert wurden (Gaddafi war zu diesem Zeitpunkt noch Verbündeter der USA und erkaufte sich deren Wohlwollen durch Helferdienste bei Menschenrechtsverbrechen, erst als Gaddafi sich aus dieser Abhängigkeit vom Westen lösen und China zuwenden wollte, lancierte die CIA den Putsch in Libyen und Gaddafis Ermordung durch US-orientierte Islamisten).

In der Erklärung sagt Ian Cobain: „Wären die Dokumente nicht wie geschehen enthüllt worden, hätte die britische Regierung zweifellos weiterhin behauptet, dass "das Vereinigte Königreich niemals an der Anwendung von Folter teilnimmt, sie anfordert, ermutigt oder duldet". Diese offizielle Behauptung wurde vollständig widerlegt durch die jetzt (durch Wikileaks) verfügbar gemachten, für diesen Fall dokumentierten Beweise. Also für einen Fall, in dem sich die Britische Regierung bei dem Paar entschuldigen und eine Zahlung an die Frau leisten musste. Eine von der Familie eingereichte Klage wurde so außergerichtlich beigelegt. Stefania Maurizi, eine investigative Journalistin der italienischen Zeitung La Republica, bestätigte das öffentliche Interesse der Leaks und bestätigte die Verantwortung des Guardian für die Veröffentlichung der nicht redigierten Akten, (also der Depeschen, deren Publikation durch den Verrat des Passworts im Guardian-Buch von David Leigh erfolgte, wofür David Leigh, der Guardian und die US-Ankläger wahrheitswidrig Julian Assange die Verantwortung in die Schuhe schieben wollten, worauf die Anklage wegen angeblichen „Geheimnisverrats“ zentral basiert, HS).

Quelle

https://www.crowdjustice.com/case/julianassange/







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