Das UN-Ding

27.09.20
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Ein Kommentar von Georg Korfmacher, München

Einer gegen alle, muss man nach den völlig unqualifizierten Äußerungen des US-Präsidenten zur Lage der Welt und zum „China-Virus“ beim 75. Geburtstag der UN feststellen. Merkel ist für Zusammenarbeit, Macron beschwört den Zusammenhalt, um nicht in den Streit zwischen USA und China hineingezogen zu werden, und manche halten einen neuen „Kalten Krieg“ für möglich. Und China? Der Chinesische Präsident will weder einen kalten noch einen heißen Krieg, sondern konstruktive Gespräche, ganz unaufgeregt.

Wichtig in dieser für uns alle bedrohlichen Lage ist, wie Europa sich in dieser Situation verhält und handelt. Unsere Meinungsbildung wird geprägt durch die penetrante Hetze der USA gegen China  ebenso wie durch unser Unwissen bzw. unsere Vorurteile gegenüber China. Nach gut 40 Jahren exportgetriebener chinesischer Wirtschaft entdeckt China jetzt und infolge der dümmlichen Drohungen und Maßnahmen der USA die Wichtigkeit der eigenen Privatwirtsachft für die Erreichung der nationalen Ziele. Paradoxerweise waren es vor  gut vierzig Jahren gerade US-Firmen, die mit aller Macht in China Hersteller für gute und billige Produkte suchten, um ihre Margen und Ptofite zu verbessern. Dadurch haben sie ganz entscheidend zum erstaunlichen Aufholen der chinesischen Wirtsachft beige-tragen, ohne sich je um die Kultur der ältesten Nation der Welt zu kümmern. Bedenkenlos lieferten sie über Jahrzehnte Know-How für die Fertigung und Weiterentwicklung und beschuldigen China heute des Diebstals geistigen Eigentums. Das versteht nur, wer böswillig ist. Und die Boykotte von TikTok und WhatsApp sind ebenso heuchlerisch wie lächerlich in Anbetracht des Datenmissbrauchs durch Facebook, Google & Co.

Angesichts der neo-kapitalistischen Skandale in unserer Privatwirtschaft (WireCard, Deutsche Bank, Cum-Ex, Fleischindustrie etc.) kann man China nur Erfolg mit der neuen Initiative für die Privatwirtschaft dort wünschen. Dabei ist China allerdings unumgänglich mit der Offenheit des globalen Wirschaftssystems konfrontiert und auch darauf angewiesen. Gleichzeitig aber ist diese Offenheit eine Herausforderung für die uralte chinesischen Kultur, in der Demokratie nach unserem Verständnis keine Rolle gespielt hat.

Gleichwohl ist das Gemeinwohl in China seit Konfuzius ein hohes Gut. Bildung und Sinn für die Gemeinschaft sind durchgängig seit 2.500 Jahren Leitmotive chinesischer Kultur und Politik. Die Ausführungsformen mögen uns in Europe manchmal befremdlich sein, aber noch nie hat China z.B. Eroberungskriege gegen andere Länder geführt, worin sich unser christlich geprägtes Abendland besonders auszeichnete. Und sicherlich haben seit Deng Xiaoping so manche Emporkömmlinge mehr an ihr Wohl als an das der Gemeinschaft gedacht. Daher mahnt die Regierung heute mehr Verantwortung in der Privatwirtschaft an. Die neue Marktwirtschaft ist in China ein Mittel zur Entwicklung  und kein Selbstzweck. Der  neue Unternehmenstyp soll nicht allein dem Profit, sondern ganz sozialistisch auch der gesellschaftlichen Entwicklung dienen und ganz nach chinesischer Tradition dem guten Beispiel folgen.

Chinesische Unternehmen werden froh über die Zuwendungen und Wertschätzung vom Staat sein, das durch mehr Patriotismus honorieren und sich für besondere Auszeichnungen ins Zeug legen. So trägt das UN-Ding des US-Präsidenten dazu bei, dass China sich als zuverlässiger Partner im Kreise gutwilliger Staaten etablieren und profilieren kann.







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