Weltfrauentag: Ärzte ohne Grenzen fordert bessere Versorgung für Opfer sexueller Gewalt

06.03.09
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Johannesburg/Berlin, 5. März 2009. Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März
hat Ärzte ohne Grenzen heute mit einem Bericht auf die Folgen sexueller
Gewalt aufmerksam gemacht. Der Bericht "Shattered Lives; Immediate medical
care vital for sexual violence victims" basiert auf der Arbeit der
internationalen Hilfsorganisation u.a. in Liberia, Burundi, der
Demokratischen Republik Kongo, Südafrika sowie Kolumbien und betont die
Notwendigkeit medizinischer Nothilfe für Vergewaltigungsopfer. Betroffene
müssen umgehend Zugang zu Hilfe haben,  und es müssen ihnen Vertraulichkeit sowie eine umfassende Behandlung garantiert werden.

"Im Jahr 2007 haben unsere Teams weltweit mehr als 12.000 Opfer sexueller
Gewalt sowohl in Konfliktgebieten als auch in stabileren Kontexten behandelt",
sagte Meinie Nicolai, Programmverantwortliche in Brüssel. "Das sind rund 35
Menschen täglich - allein in Projekten von Ärzte ohne Grenzen. Alle erzählen
eine Geschichte voller Schrecken, Schmerz und Erniedrigung - oft zugefügt
von Soldaten oder Menschen, die eigentlich Schutz bieten sollten wie Väter,
Onkel und Nachbarn. Bei allen besteht die Gefahr ernster langfristiger
Gesundheitsschäden."

Ein wichtiger Teil der medizinischen Versorgung nach einer Vergewaltigung
ist die Prophylaxe zur Vermeidung einer HIV-Infektion. Dabei muss die
Medikamenteneinnahme so schnell wie möglich und in jedem Fall innerhalb von
72 Stunden beginnen, um wirksam zu sein. Behandelt werden müssen aber auch
andere sexuell übertragbare Krankheiten wie Hepatitis B. Jene Opfer, die bei
dem Übergriff körperlich verletzt wurden, benötigen Tetanus-Impfungen. Bis
zu fünf Tage nach dem erzwungenen Geschlechtsverkehr ist nachträgliche
Empfängnisverhütung möglich, um eine ungewollte Schwangerschaft zu
verhindern.

"Wir müssen aber immer wieder feststellen, dass spezielle Nothilfe für
Vergewaltigungsopfer in jenen Ländern, in denen wir arbeiten, entweder kaum
oder gar nicht vorhanden ist", sagte Thilde Knudsen, medizinische Beraterin
und Expertin für sexuelle Gewalt bei Ärzte ohne Grenzen. "Die Schädigung
kann nicht ganz rückgängig gemacht werden, und gewisse psychische Folgen
werden wahrscheinlich ein Leben lang bleiben. Aber mit der richtigen
Kombination aus rechtzeitiger medizinischer Betreuung, Traumabehandlung und
sozialer und rechtlicher Unterstützung kann die Schädigung begrenzt und dem
Menschen beim Leben danach geholfen werden."

Ärzte ohne Grenzen beschreibt in dem Bericht auch Schwierigkeiten, Hilfe zu
leisten. So ist es nicht einfach, zu gewährleisten, dass die betroffenen
Menschen überhaupt Hilfe suchen und schnell genug zu entsprechenden
Anlaufstellen kommen. Wird die medizinische Versorgung für Opfer sexueller
Gewalt in allgemeine Gesundheitszentren integriert, kann dies gegen
Stigmatisierung helfen. Doch selbst dann ist nach Erfahrung der Organisation
noch eine intensive Sensibilisierungskampagne nötig, um soziale Tabus zu
brechen und die Menschen dazu zu bewegen, Hilfe aufzusuchen.

Den vollständigen Bericht "Shattered Lives; Immediate medical care vital for
sexual violence victims" finden Sie unter www.aerzte-ohne-grenzen.de.
Interviews mit MitarbeiterInnen u.a. in Liberia und Kolumbien können
vermittelt und Bildmaterial bereit gestellt werden.

Weitere Informationen: Pressestelle, Christiane Winje, Svenja Kühnel, 030
22337700







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