Zu Gerd Elvers Text über Kuba

15.09.11
InternationalesInternationales, Sozialismusdebatte, TopNews 

 

von Max Meer

Der Versuch sachlich und zurückhalten zu sein, mag man als lobenswert sehen, den Zuständen und Problemen in Kuba wird er nicht gerecht.

Alle Erklärungen, Embargo etc. für die bedauernwerten Zustände können und dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass in Kuba eine korrupte Bürokratendiktatur herrscht, gegen die auch Teile einer möglicherweise andersdenkende Elite nicht ankommen.

Das Auftreten der Staatsorgane gegenüber Dissidenten ist nicht nur nicht zu rechtfertigen, es ist im Sinne jedes sozialistischen oder revolutionären Ansatzes kontraproduktiv.
Der ganze Artikel ist durchzogen von der Hoffnung die Kubanische Revolution könnte vor dem Kollaps bewahrt werden, ohne dass der Autor selber daran glaubt.

All die Rechtfertigungen für Zustände auf die Einzugehen dann immer "hier nicht der rechte Platz" ist, obwohl die Menschenrechtsverletzungen in Kuba ja das zentrale Problem darstellen, sind unlauter. Wer Menschenrechtsverletzungen - bei allen Einwendungen die gegen die Formalien möglich und angebracht sind - verurteilt, muss dies auch im Falle Kubas tun.

Die Behauptung, und Hoffnung des Autors, die er versucht seinen Lesern zu verkaufen, ein Einparteiensystem könne von innen heraus reformiert werden entbehrt jeder Plausibilität. Es gibt weder ein historisches Beispiel, noch spricht sonst etwas dafür, dass dies ein machbarer Weg wäre. Jedes System dass sich, aus welchen Gründen und Notwendigkeiten auch immer, systematisch gegen Kritik und Austausch abschottet hat, erzeugt aus sich heraus Selbsterhaltungsmechanismen die es gegen jeden Veränderung nahezu immun machen. Es muss aufgelöst werden.

Ohne Pluralität, ohne politische und ideologische Alternativen, muss die herrschende Nomenklatur jede Glaubwürdigkeit einbüßen. Für die gesamte jüngere Bevölkerung ist Sozialismus nur Bevormundung, Unterdrückung und Mangel und alle rationalen, außen- und weltpolitischen Gründe sind dagegen irrelevant.

Jeder der den Führungsanspruch der Castros unterstützt wird zum Reaktionär. Fidel war vor 50 Jahren ein Held, aber jetzt ist er ein alter Mann. Niemand hat sein Leben lang Recht. Hier wird Personenkult betrieben, der sich dann hinter Formulierungen wie: ein Glückwunschreiben ist nicht der rechte Platz um Kritik zu üben, versteckt.

Wer aus Angst vom der falschen Seiten Applaus zu bekommen Kritik unterläßt, macht sich genau der Doppelmoral schuldig, die den Gegnern immer vorgehalten wird. Die Zustände in Kuba sind unhaltbar und dies nicht auszusprechen ist nicht nur feige, es ist kontra-revolutionär.


VON: MAX MEER


Leserbrief von Hans-Dieter Wege zu Max Meers Anmerkungen über Gerd Elvers 'Kuba'-Text  - 16-09-11 14:28
Gregor Gysi: “Wir brauchen endlich Demokratie in Kuba!”. Weiß er, wovon er spricht? - 09-09-11 20:45




<< Zurck
Diese Webseite verwendet keine Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz