Zu den Verbrechen des deutschen Imperialismus in Polen:

01.09.09
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Deutsche Geschichte, ungeschminkt.
Zur deutschen imperialistischen Ausrottungspolitik in Polen.

Von Reinhold Schramm

Die Auswirkungen der deutschen Okkupation und der Umgang mit "leistungsunfähigen" Gruppen der polnischen Bevölkerung.

Ein ungeschminkter Quellenauszug: >Die leistungsunfähig gewordenen Menschen bekamen entsprechend dem Konzept von der Beseitigung nutzloser Esser keine Überlebenschance. Diejenigen, die als Arbeitssklaven nicht mehr ausgebeutet werden konnten, wurden zu Opfern der Vernichtungspolitik. So äußerte sich z. B. Bormann in seinen Weisungen für die Ostgebiete sehr präzise: "Die Slaven sollen für uns arbeiten. Soweit wir sie nicht brauchen, mögen sie sterben." (Der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher, Bd. XIX, 1948, S. 558). Die Einteilung in "leistungsfähige", "nützliche" Arbeitssklaven und "Leistungsunfähige", "Unbrauchbare" (zu dieser Kategorie zählte man chronisch Kranke, Behinderte, alte Menschen ...) begann schon in den ersten Monaten der Okkupation Polens im Rahmen der Aussiedlungsaktionen aus den sogenannten eingegliederten Gebieten und erlangte in den folgenden Jahren erschreckende Ausmaße. Die Leistungskriterien wurden durch rassenpolitische Gesichtspunkte ergänzt, die noch größeren Gruppen der polnischen Bürger das Existenzrecht absprachen. Bereits in der Denkschrift des "Rassenpolitischen Amtes der NSDAP" über die Behandlung der Bevölkerung der besetzten polnischen Gebiete vom 25.11.1939 wurde gefordert, diese rassenpolitischen Gesichtspunkte verstärkt zu berücksichtigen. Personen, die nicht "eingedeutscht" werden konnten, sollten streng isoliert gehalten und am besten entfernt werden. In diesem Zusammenhang begann auch bereits in den ersten Monaten der Okkupation die grausame Vernichtung von psychisch Kranken (als Leistungsunfähigen), Juden (als Rassenfremden) und Angehörigen der polnischen Intelligenz (als politisch gefährlicher Gruppe).

 Mit der Ermordung psychisch Kranker und geistig Behinderter in den psychiatrischen Einrichtungen Polens begann man im Herbst 1939. So wurden die Patienten der psychiatrischen Kliniken und Anstalten von Owinska (in der Nähe von Poznan), von Chelm Lubelski, von Choroczez (in der Nähe von Bialystok), Obrzyce (Obrawalde) u. a. auf grausame Weise umgebracht, die Patienten des psychiatrischen Krankenhauses von Kobierzyn (bei Krakau) im Konzentrationslager Auschwitz vergast. Das Schicksal der erwachsenen Patienten teilten die geistig behinderten Kinder; viele von ihnen starben in den sogenannten "Kinderfachabteilungen" der deutschen Krankenanstalten Eichberg, Görden und Idstein im Zuge der seit 1939 in Deutschland laufenden "Kindermordaktion" (vgl. WANKIEWICZ 1983, S. 241). 221 geistig behinderte Kinder von Lublinec in Schlesien wurden durch Überdosen von Schlafmitteln umgebracht; die Sonderschüler aus der Anstalt Owinska wurden erschossen und die geistig behinderten Kinder aus Lódz in der Anstalt Kochanówka vernichtet. Exakte Zahlenangaben zu den in den psychiatrischen Einrichtungen Polens ermordeten Patienten können nicht mehr festgestellt werden, aber betroffen waren mindestens 12.000 Patienten. Viele psychisch Kranke wurden dabei auch durch Nahrungsentzug umgebracht (vgl. JAROSZEWSKI 1982, S. 13). So berichtete z. B. Dr. Med. E. Hellmann in seinem Beitrag über das Problem der Geisteskranken im Generalgouvernement, dass für 13 Millionen Einwohner des Generalgouvernements nur zwei staatliche Anstalten vorhanden waren. Es waren die Kliniken Tworki in der Nähe von Warschau und Kobierzyn in der Nähe von Krakau. Hellmann schrieb, dass im Laufe des außerordentlich harten Winters 1939/1940 die Zahl der Kranken abzusinken begann und das polnische Pflegepersonal (in Tworki etwa 1000 Kranke - 255 Angestellte und in Kobierzyn etwa 950 Kranke - 272 Angestellte noch im Herbst 1940) verringert wurde.(19) Er bedauerte, dass im ehemaligen polnischen Staat die Gedanken der Erbbiologie keine Anerkennung fanden.
Was er in seiner Darstellung zu verschweigen versuchte, war die Tatsache, dass das Okkupationsregime die geistig Behinderten ohne ausreichende Verpflegung, Heizung, Fürsorge und medizinische Behandlung ließ und das polnische Pflegepersonal, das zu Zeugen dieser Verbrechen werden konnte, entließ. Auf diese Weise bereitete man die Umwandlung dieser psychiatrischen Einrichtungen in Vernichtungsanstalten vor und begann die Beseitigung ihrer Patienten (vgl. dazu BOGUSZ 1980, S. 610). Diejenigen von ihnen, die unter diesen Bedingungen noch am Leben blieben, wurden später ins Konzentrationslager gebracht. Die Anstalt Kobierzyn wurde nach der "Räumung" der "Hitlerjugend" zur weiteren Verfügung gestellt. Einige andere polnische psychiatrische Anstalten wurden von den Okkupanten für die Tötung psychisch Kranker aus anderen Gebieten des Reiches benutzt, so z. B. die Anstalt in Obrzyce ("Provinzial-Irrenanstalt Obrawalde bei Meseritz") (vgl. RADZICKI; RADZICKI 1980, S. 652). Zwangsarbeiter, die während des Einsatzes im Deutschen Reich psychisch erkrankten, wurden nicht in das Generalgouvernement zurückgeschickt, sondern man befahl, deren Schicksal dem Innenministerium zu überlassen, was die Aussonderung und Überweisung in die psychiatrischen Vernichtungsanstalten Deutschlands bedeutete (vgl. Polozenie polskich robotników 1975, S. 312).

 Beabsichtigt war von den faschistischen Machthabern auch die Vernichtung anderer Gruppen arbeitsunfähig gewordener Menschen. Es existierten Pläne zur Aussonderung aller "unbrauchbaren" Polen in sogenannte Renten-Dörfer. Hier sollten alle Kranken, Alten, Gebrechlichen und diejenigen, die nicht für die Eindeutschung in Frage kamen, zugrunde gehen (vgl. BROSZAT 1965, S. 164.; ROTH 1984d, S. 263). Welch grausames Schicksal die faschistischen Okkupanten der ganzen polnischen Bevölkerung bereiteten und welch ungeheures Ausmaß die "Einteilung" in "Brauchbare" und "Nutzlose" nach dem "Endsieg" annehmen sollte, lässt die "Umsiedlungsaktion von Zamosc" ahnen. Diese Aktion kann als erster Versuch angesehen werden, die Hauptrichtlinien des "Generalplanes Ost" noch während des Krieges in der Praxis zu verwirklichen. Im Sommer 1941, bei einem Besuch Heinrich Himmlers in Lublin, war der Plan entstanden, die Stadt Lublin und den Kreis Zamosc zum ersten deutschen "Großsiedlungsgebiet" im Generalgouverment zu gestalten. Die Stadt Zamosc sollte künftig "Himmlerstadt" genannt werden. Im November 1941 begannen die Massenaussiedlungen der polnischen Bevölkerung und die gleichzeitige Ansiedlung deutscher Kolonisten aus dem Distrikt Radom auf dem "gesäuberten" Territorium. Die vertriebene polnische Bevölkerung wurde in ein Sammellager nach Zamosc gebracht und dort "selektiert". Die genauen Vorschriften zu dieser verbrecherischen Prozedur arbeitete der Gestapochef SS-Gruppenführer Heinrich Müller aus. Die Ausgesiedelten wurden in vier verschiedene Wertungsgruppen eingeordnet. Die Wertungsgruppen I bis II erfassten Personen, die zur "Eindeutschung" geeignet erschienen. Die anderen Wertungsgruppen bestanden aus Menschen, die für die Germanisierung nicht in Frage kamen. Hinzu kamen außerdem Kinder und alte Menschen über 60 Jahre, Kranke und Gebrechliche, also alle, die nicht für Arbeitsleistungen einsatzfähig waren. Einige von ihnen wollte man in den "Renten-Dörfern" zugrunde gehen lassen, die anderen (Wertungsgruppe IV) sollten im Konzentrationslager Auschwitz vernichtet werden. Diese "Umsiedlungsaktion" zeigte, auf welche verbrecherische Weise die vom "Generalplan Ost" vorgesehene Aussiedlung von 80 bis 85 Prozent der polnischen Bevölkerung vollzogen werden sollte. 30.000 Kinder von Zamosc wurden der Organisation "Lebensborn" übergeben, welche die endgültige Entscheidung treffen sollte, ob diese Kinder zur Germanisierung geeignet seien (vgl. WANKIEWICZ 1983, S. 241). Nur einige Hundert der Kinder konnten durch polnische Bürger unter Einsatz ihres Lebens gerettet werden. Insgesamt wurden während des Krieges aus Polen etwa 15.000-20.000 Kinder nach Deutschland verschleppt (vgl. PILICHOWSKI 1980, S. 12; MADAJCZYK 1984, S. 93). Nur wenige von ihnen kehrten nach dem Krieg nach Polen zurück und fanden ihre Eltern oder Verwandten wieder. Ein Zentrum der Organisation "Lebensborn" in Polen befand sich auf dem Territorium des Warthegaus in Kalisz, die sogenannte "Polizeiliche Meldestelle II in Kalisch/Warthegau".
Hier wurden polnische Kinder im Alter von 6 Monaten bis 12 Jahren, die "arische" Merkmale aufwiesen, gesammelt. Nach Änderung aller personellen Angaben erfolgte die Überweisung dieser Kinder in entsprechende Heime im "Deutschen Reich" und in Österreich (vgl. HRABAR 1980, S. 597 ff.). In diesem Kinderheim, das von Johanne Sander geleitet wurde, herrschte eine brutale Ordnung. Die hilflosen Kinder wurden nicht nur zur schweren Arbeit herangezogen, sondern auch misshandelt und sogar totgeschlagen (vgl. KASZNICKI; FIJALEK 1980, S. 644). Polnische Kinder, die für "Eindeutschung" nicht in Frage kamen, brachte man in ein spezielles Lager nach Lódz, das sogenannte "Polen-Jugendverwahrlager der Sicherheitspolizei Litzmannstadt". Es war ein Konzentrationslager für Kinder, von dessen Insassen nur wenige das Kriegsende erlebten. In der Zeit von 1942-1944 wurden hier 13.000 Kinder gequält und misshandelt. 11.000 von ihnen starben (vgl. MAUSBACH; MAUSBACH-BROMBERGER 1979, S.111). Schwere Arbeit von 6 Uhr morgens bis 20 Uhr abends, Hungerkost, schlechte Bekleidung usw. führten zur Verbreitung verschiedener Krankheiten. "Die häufigsten Krankheiten waren Lungenentzündungen, Hirnhautentzündungen, Lungen-Tbc, Körpergeschwüre und Geschwüre in der Mundhöhle, Geschwüre in der Kehle, Durchfall, Kinderlähmung. Im November 1943 trat eine Epidemie des Bauch und Flecktyphus auf. Die Sterblichkeit unter den völlig entkräfteten Kindern nahm ständig zu."(ebenda, S. 112). Kranke Kinder bekamen im Krankenlager nur eine halbe Verpflegungsportion. Die wenigen Kinder, die dieses Lager überlebten, litten für ihr weiteres Leben unter den dort erworbenen Gesundheitsschäden.< [1]
 
Anmerkung: Das vom deutschen Faschismus und Imperialismus okkupierte polnische Gebiet war bis zum Kriegsende zu einem gewaltigen Vernichtungslager geworden, in dem die polnische Bevölkerung terrorisiert, gequält und getötet worden ist. Von allen vom deutschen Imperialismus besetzten Ländern verlor Polen den größten Anteil seiner früheren Bevölkerungszahl. In den Jahren des deutschen imperialistischen Vernichtungskrieges kamen laut "Bericht über die Kriegsverluste in Polen in den Jahren 1939 bis 1945",  6.028.000 polnische Bürger ums Leben. Dabei fanden 644.000 Menschen während der unmittelbaren Kriegshandlungen den Tod,  5.384.000 Menschen fielen dem deutschen faschistischen Terror zum Opfer. Die physische Vernichtung polnischer Bürger erfolgte in einer Vielzahl von Konzentrationslagern, Arbeitslagern, Ghettos, Gefängnissen ..., die sich auf dem Territorium Polens und im "Dritten Reich" und den anderen vom imperialistischen Deutschland okkupierten europäischen Ländern befanden. [2]

Quelle: [1] Medizin unterm Hakenkreuz. Herausgegeben von Achim Thom und Genadij Ivanovic Caregorodcev. VEB Verlag Volk und Gesundheit Berlin 1989. Hier: 16. Die Auswirkungen der faschistischen Okkupation auf das Gesundheitswesen Polens und den Gesundheitszustand des polnischen Volkes.(*)  [1] 16.5. Der Umgang mit chronisch Kranken, geistig Behinderten und anderen "leistungsunfähigen" Gruppen der polnischen Bevölkerung. S.410-412.
Anmerkung: (19) Vgl. Hellmann, E.: Problem Geisteskranke. - In: Kampf den Seuchen! - Vgl. Anm. 4. - S.108.
[2] Medizin unterm Hakenkreuz. Vgl.: 16.6. Biologische Auswirkungen und Spätfolgen der faschistischen Okkupation. S.412.
(*) Anmerkung zum Quellentext im Buch: Von Dr. Phil. Natalia Decker, Karl-Marx-Universität Leipzig, Bereich Medizin, Karl-Sudhoff-Institut für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften. (1989)
 
Empfehlung:
Sozialdarwinismus in Deutschland ist geleugnete Realität. (2009)
Die Staatsaufgabe in der 'sozialen Marktwirtschaft' (Kapitalismus und Imperialismus): Beseitigung der Armen und nicht der Armut.
Im Internet: http://www.triller-online.de/index2.htm - analog bei: www.scharf-links.de







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