Chinas explodierende Lebenshaltungskosten

01.01.12
InternationalesInternationales, Wirtschaft, News 

 

von Reinhold Schramm

Stadt Beijing erhöht den gesetzlichen Mindestlohn - 2012 


In den Lebenshaltungskosten gehören Beijing und Shanghai zu den zehn teuersten Städten in Asien. Laut einer aktuellen Studie liegen sie mit Rang sieben beziehungsweise acht noch vor Hongkong. Im weltweiten Vergleich befindet sich Beijing auf Platz 35 und Shanghai auf Platz 41 der teuersten Städte der Welt. (Vgl. Xinhua) [1]

Ab dem Stichtag 1. Januar 2012 will die Stadt Beijing den monatlichen Mindestlohn um 8,6 Prozent erhöhen. Der gesetzliche Mindestlohn für Beijing soll um 100 Yuan auf 1260 Yuan (ca. 153 Euro)* angehoben werden.

Auch die zuständige Behörde in der südchinesischen Stadt Shenzhen hat angekündigt, im Jahr 2012 die monatlichen Löhne zwischen 15 und 23,4 Prozent anzuheben. Die steigenden Lebenshaltungskosten in den Städten und der damit verbundene Mangel an Arbeitskräften zwingen zu einer Anhebung der Löhne.

Im Oktober 2011 hatten 21 Provinzen, Autonome Regionen und Munizipalitäten (administrative Gemeindestruktur) das Minimalgehalt im “Durchschnitt“ um 21,7 Prozent angehoben, so Yin Chengji, Sprecher des Ministeriums für Humanressourcen und Soziale Sicherheit. (Vgl. China Daily) [2] *

Chinas Sorge: die Inflation - und mögliche soziale Spannungen  

Im August 2011 stiegen die Verbraucherpreise in China “durchschnittlich“ um 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vor allem verteuerten Lebensmittel die Lebenshaltungskosten. -

»Der Kampf gegen die Inflation hat für die chinesische Regierung oberste Priorität, nicht zuletzt aus Furcht vor möglichen sozialen Spannungen im Land. Mit Steigerungsraten im August von 6,2 % bzw. im Juli von 6,5 % gegenüber Vorjahr - wenngleich regional abweichend - kletterten die Verbraucherpreise nicht nur deutlich über die 4 %-Toleranzgrenze der Regierung, es sind auch die höchsten Stände seit drei Jahren. Die starken Anstiege der Lebenshaltungskosten in den letzten Monaten sind dabei vor allem auf die Lebensmittel zurückzuführen, die für circa 70 % der Preissteigerungen stehen {...} Sie stiegen zuletzt um 13,4 % gegenüber Vorjahr.« -

»Ein Beispiel: Die Preise für Fleisch haben sich per August 2011 gegenüber Vorjahr um etwa 30 % verteuert. Preissteigerungen, die die Chinesen direkt in ihrem Geldbeutel spüren, zumal immer mehr Chinesen von Reis auf eine proteinreichere Ernährung (u. a. Fleisch) umsteigen.« (Vgl. Quelle:) [3]  

Chinas Bevölkerungsbewegungen und die “Krankheit der Stadt“

“Ein gutes Management der kolossalen treibenden Bevölkerung Chinas ist entscheidend mit der allgemeinen volkswirtschaftlichen Entwicklung verbunden, und das muss dringend verbessert werden“, sagte Zhang Chunsheng, Direktor der Generaldirektion der Kommission für Bevölkerung und Familienplanung, bei der Vorstellung des Berichts über die Entwicklung der Migrantenpopulation Chinas 2011 (Bericht im Oktober 2011). -  

Chinas Wanderarbeiterbevölkerung (ca. 242 Millionen Menschen ohne nichterwerbstätige Familienangehörige) erhöhte sich in den letzten Jahren um jährlich etwa zehn Millionen Menschen (ohne Familienangehörige). Man rechnet damit, dass weitere 300 Millionen Menschen in den nächsten 30 Jahren aus ländlichen Regionen in die städtischen Gebiete abwandern (- einschließlich Familienangehörige). -

“Bei solch großen und schnellen Bevölkerungsverschiebungen, betritt Chinas Urbanisierung eine kritische Phase und ihr Management muss weiter gestärkt werden, um mit den dabei auftauchenden neuen Problemen umzugehen“, sagte Zhang Chunsheng. -

Zu diesen Problemen gehört die “Krankheit der Stadt“, dazu zählen Armut, erzwungene Abrisse von Wohngebäuden und die Herausforderungen in Bezug auf die Nachhaltigkeit natürlicher Ressourcen und die Umwelt. (Vgl.) -

“Von all diesen sind die Probleme eines ausufernden Wohlstandsgefälles zwischen Wanderarbeitern und Städtern von entscheidender Bedeutung, weil sie [die Probleme] die soziale Stabilität stören“, sagte Wang Qian, ein Abteilungsleiter der Kommission für Bevölkerung und Familienplanung. -

»Etwa 4,5 Prozent der Arbeitsmigranten verdienen weniger als 500 Yuan (rund 50 Euro) pro Monat, 27 Prozent weniger als 1.000 Yuan, und etwa 20 Prozent können es sich überhaupt nicht leisten, in den Städten zu arbeiten und leben, hieß es.« -

»Schlechte Fähigkeiten und kaum Zugang zu Berufsausbildungen sind vor allem an solch niedrigen Einkommen Schuld, sagte Zhang. Nur 17,8 Prozent der Migranten haben Berufsbildungs- oder Qualifizierungsmaßnahmen von der Regierung erhalten, so der Bericht.« (Vgl. China Daily) [4]

Quelle:
[1] Xinhua - China Internet Information Center (CIIC) am 08.12.2011. »Explodierende Lebenshaltungskosten: Beijing und Shanghai sind teurer als Hongkong«
http://german.china.org.cn/china/2011-12/08/content_24107770.htm

[2] Tageszeitung China Daily - CIIC am 31.12.2011.
Die Stadt »Beijing will den gesetzlichen Mindestlohn um 8,6 Prozent erhöhen«
http://german.china.org.cn/china/2011-12/31/content_24301315.htm *

* Chinesischer Renminbi Yuan (CNY) - Euro (EUR), Werte von 30.12.2011: 1260 Chinesischer Renminbi Yuan (CNY) = 152,868 EUR. Quelle: Bankenverband, Währungsrechner - Wechselkurse.

[3] Vgl.: »Fokus: Chinas Sorge: die Inflation« - Von Stefan Scheurer, Senior Analyst. Kapitalmarktanalyse von Allianz Global Investors. Stand der Daten: September 2011.
http://www.allianzglobalinvestors.de/web/download?file=Analysen-und-Trends-Chinas-Sorge-Inflation.pdf 

[4] Tageszeitung China Daily - CIIC am 11. Oktober 2011.
»China: Massenmigration, massenweise Probleme«
http://german.china.org.cn/china/2011-10/11/content_23594463.htm

 


VON: REINHOLD SCHRAMM






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