Das Armageddon der USA

06.08.15
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70. Jahrestag der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki

Von Karl Wild

Aus eurozentristischer, vorherrrschender Sichtweise war der 2. Weltkrieg schon Geschichte und die „großen Drei“ Churchill/Attlee, Truman und Stalin trafen sich zur Neuordnung der Welt im Schloss Cecilienhof der preussischen Residenzstadt Potsdam, da stand der Krieg im Pazifik gegen den „anderen“ Kriegstreiber Japan erst vor der Entscheidung. Und Ende Juli 45 wurden auf der „Potsdamer Konferenz“ zwei wichtige Entscheidungen gefällt:
Die Sowjetunion tritt am 08. August in den Krieg gegen Japan auf dem chinesischen Festland ein und befreit Mandschuko/die Manschurei, wo der größte Teil der japanischen Bodentruppem konzentriert ist, vom japanischen Kolonialjoch und der US-amerikanische Präsident gibt den Einsatzbefehl für die beiden ersten Atombomben und teilt dies einem scheinbar unbeeindruckten und vorinformierten Stalin mit.

Zur Vorgeschichte
Nach der Rückeroberung des einstigen US-Protektorats der Philippinen durch große See- und Luftoperationen, den Kriegsverlauf 41-45 prägend, die die Landung begrenzter Heerestruppen („Marines“) ab dem Februar 45 ermöglichten, mit der Folge katastrophalerVerluste Japans und den ersten Kamikaze-Angriffen, wurde mit der strategisch wichtige Insel Iwo Jima erstmals das japanische Staatsgebiet angegriffen, was in erbittersten Bodenkämpfen auch hohe US-amerikanischen Verluste forderte. Bei der Eroberung der letzten Verteidigungslinie vor den Japanischen Hauptinseln, Okinawa, vom 01. April bis Ende Juni verlieren die USA über 10.000 Soldaten, nicht zuletzt durch tausendfache Kamikaze-Angriffe. Aufgrund der für US-amerikanischen Verhältnisse immensen Verluste begründet die US-lastige Geschichtsschreibung den Atombombeneinsatz gegen Japan (Hiroshima 06. – Nagasaki 09. August) mit hochgerechneten Verlusten in den Hundertausenden bis zu einer Million Mann bei der Eroberung und Besetzung der vier japanischen Hauptinseln.

Und tatsächlich kapituliert nach dem atomaren Doppelschlag erstmals in seiner Geschichte Japan auf Befehl des „Tenno“, des gottgleichen japanischen Kaisers Hirohito, und es kommt zur „friedlichen“ Besetzung Nippons. Auch durch vorhergehende Luftangriff mittels massiven Bombereinsatzes starben im Zweiten Weltkrieg Millionen Zivilisten, von Shanghai, Warschau über Belgrad und Leningrad hin zu Hanburg und Dresden. Der folgenschwerste konventionelle Bombenabwurf auf dicht besiedeltes Gebiet traf am 09. März 1945 Tokio mit mehr als 90.000 toten Zivivilisten und einer völlig niedergebrannten Stadt. Insofern stehen die unmittelbaren zivilen Opfer von Hiroshima und Nagasaki, 140.000 an der Zahl, in einer ganzen Reihe von Kriegsverbrechen der kriegsführenden Mächte beider Seiten (die Sowjetunion verzichtete im 2.Weltkrieg als einzige Macht auf den „strategischen" Luftkrieg). Das Besondere an der Atombombe war deren furchtbare Wirkung, die Entfesselung der Kraft von „1000 Sonnen“, die Verstrahlung der Natur und die immense Zerstörungskraft, die 10.000 Tonnen und mehr herkömmlichen Sprengstoffes entsprach. Nach Hiroshima und Nagasaki trat die Menschheit in ein neues Zeitalter der Fähigkeit zur mehrfachen Selbstvernichtung ein, da der Aufbau „atomarer Vernichtungskapazität“ für diejenigen zur Selbstverständlichkeit wurde, die über die notwendigen technischen Kapazitäten verfügten. Heute lebt Israel, selbst Atommacht, in der Erwartung der iranischen Bombe und bereitet sich trotz jüngstem Abkommen in Wien (5+1-Gespräche) auf das Schlimmste vor. Nordkorea ist der jüngste Staat mit der „Bombe“ und Vorbild für all diejenigen, die sich dem „Empire“ nicht fügen wollen. Indien und Pakistan stehen sich atomargerüstet in ungelösten Konflikten gegenüber und allgemein gilt für alle Großmächte, dass wieder verstärkt in die Modernisierung und Schlagkraft der Atomwaffen „investiert“ wird.

Allgemein wird heute außerhalb der USA davon ausgegangen, dass der Atombombeneinsatz neben dem Ziel, Japan zur bedingungslosen Kapitulation zu veranlassen und die Eroberung des japanischen Kernlandes überflüssig zu machen, drei Ziele hatte:

- die Erprobung der beiden verfügbaren Typen an A-Waffen, urangestützt im Falle Hiroshimas und plutoniumbasierend im Falle Nagasakis;
- die Warnung an die Sowjetunion, in ihrem Expansionsdrang einzuhalten;
- im absehbaren Wettrüsten der sich abzeichnenden zwei neuen Supermächte USA und Sowjetunion siegreich zu bestehen, da die Öffentlichkeit der USA von der Wirsamkeit und Notwendigkeit der neuen Waffe schlagkräftig überzeugt wurde.

"No more Hiroshimas. No more Nagasakis."
(n-tv.de, 06.August 205) Dies ist nicht nur heute die Forderung der japanischen Überlebenden, sondern all derer, die mit Beklemmung angesichts der Weltlage mit ihren Kriegen und den konventionellen und atomaren Aufrüstungsprogrammen in die Zukunft sehen. Mögen manche Fundamentalisten das „jüngste Gericht“ herbeisehnen und die Welt sich verglühend wünschen, so gilt umso mehr, das globale Armageddon zu verhindern. Dies zu versuchen, sind wir auch den Verbrannten und den Nachkommenden von Hiroshima und Nagasaki schuldig.

https://projekt3kw.wordpress.com/2015/08/06/aktuell-das-armageddon-der-usa







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