Notizen vom Kriege

01.01.17
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Von Karl Wild

Kriegstagebuch, Dezember 2016

Unsere gleichgepolten "Lügenmedien" wären nur zu gerne in den weihnachtlichen Besinnungstaumel gefallen und hätten das doch so erfolgreiche Jahr – zumindest an den wichtigen Aktienörsen – gefeiert. Nun wird von einem schwarzen Jahr 2016 gesprochen. Was ist passiert?

Das Dauerthema gab, kein Wunder, der Kampf um Aleppo, wo der gefürchtete Putin zu jedem Kriegsverbrechen nach UN und dem Westen im Besonderen bereit war, um den "Massenmörder" al-Assad zum Sieg gegen die "Opposition" zu verhelfen. Mit Entsetzen musste zur Kenntnis genommen werden, wie ganz Aleppo fiel und das Image Putins wuchs und wuchs. Eine vage Dreierallianz Putin-Erdogan-Teheran gibt nun D. Trump den Takt im "Krieg gegen den Terror" vor. Doch dies war eher ideologischer Hintergrund, vergleichbar der Ostukraine, wo Russland wegen seiner Uneinsichtigkeit weiter zu strafen sei. Jedenfalls fand das Sterben weit weg statt, und der Kampf um das wiederum zu "befreiende" Mossul im Nordirak, wo nun zu Monatsende über 100.000 Mann sich abmühen, die zahlenmäßig unterschätzten barbarschen IS-"Milizen" zu eliminieren.und von zunehmenden Anschlägen gegen die Schiiten abzuhalten, kommt nur langsam voran. Es muss sogar mit Gegenangriffen wie bei Mossul oder Palmyra gerechnet werden! All die, die den Sieg über den IS vollmundig verkündeten, verkennen, so vielfach der Autor dieser Zeilen, den Charakter, die Statur und die Ideologie des Dschihadismus.

Nun ist der "Gottesstaat" in der Tat schwer unter Druck. Zehntausende IS-Kämpfer sollen laut Pentagon allein durch 15.000 USA-dominierte Luftschläge in zwei Jahren ums Leben gekommen sein. Die Bundeswehr ist mit über 1.000 Einsätzen "unterstützend" dabei. Über 60 Nationen in diversen Allianzen bomben ohne Unterlass, ihre Spezialtruppen sind vor Ort und starke Akteure am Boden (die Türkei, die Peschmergas, die PKK in Syrien, die Hisbollah wie die Milizen des Iran) werden letztendlich die verbleibenden Hochburgen des IS (Raqqa, Mossul) ebenso erobern wie im Dezember das lokale Kalifat in Sirte/Libyen nach monatelanegen Drohnenkrieg fiel. Auch in Nordnigeria muss Boko Haram der Übermacht weichen. Stellt sich die Frage, wohin?

Das neue Kampfgebiet der Dschihadisten könnte die große Türkei werden, groß an Einwohnern, Fläche und Konfliktfelderm. Anfang des Monats zeichnet ein Attentat auf Polizisten in Istanbul die Handschrift der kurdischen "Falken", dessgleichen Mitte des Monats ein Anshlag auf Soldaten in der Zentraltürkei. Am 19. wird der russische Botschafter auf einer Vernissage in Istanbul von einem türkischen Sicherheitsmann auf offener Bühne erschossen. Und dann dies: In der Silvesternacht Schießerei im "Club der Clubs" (tagesschau.de) der Reichen und Schönen mit Dutzenden Toten. Handschrift hier wie in vielen Angriffen auf Freizeitevents rund um den Globus des IS. Nach Ägypten?

In diesem ebenfalls großen Land, vom Militär gegen die islamistische Mehrheit brutaö regiert, ssind lokale IS-Ableger aktiv. So sterben in Kairo am 9. mal sechs Polizisten, am 11. trifft es die Zentralkirche der Kopten, der Sinai ist no-go-area. Vielleicht nach Jemen? Dieses bereits völlig zerrüttene Bürgerkriegsland wird nicht nur durch Saudi-Arabien abgeschnürt und zerbombt, auch der IS ist rührig und Selbstmordattentäter reißen im umkämpften Aden am 10. Dezember 45 Soldaten in den Tod, eine Woche später sind es noch einmal 30 arme Regierungswächter. Auch ein weiteres befriedetes Land spürt den Todeshauch des IS. Im Süden Jordaniens wird eine altertümliche Stätte bei Karak und damit Touristenziel am 17. vom IS angegriffen. Unter den 10 Toten ist eine kanadische Touristin auf Abenteuerurlaub. Eine erkennbare Strategie des IS ist die Schädigung der Touristeneinnahmen und damit der Volkswirtschaft vieler Länder. Doch weiter im Text. Nähern wir und den großen "blinden Fleck" Afrika. Bei einem Anschlag auf den Hafen der somalischen Hauptstadt Mogadischu sind mindestens 30 Menschen getötet worden.. Die islamistische Terrorgruppe al-Shabaab bekannte sich zu dem Angriff. Lt. Spiegel-omline vom 9. bzw. 11. Dez. sprengen sich auf belebten Marktplätzen Nordnigerias mitten unter Flüchtlingen kleine Mädchen in die Luft. Die Opferangaben sind hoch, unbestimmt und vage. Flüchtlinge zählt mensch hier schon gern nach Millionen. Im bevölkerungsreichsten Staat Afrikas tickt m.E, die gefährlichste Uhr der nackten Hoffnungslosigkeit. Aber bei der Suche nach Fluchtwegen des IS darf mensch keinesfalls Afghanistan vergessen, auch wenn dies nun ein sicherer Zufluchtsort sein soll. Mitte des Monats werden fünf berufstätige Frauen auf dem Weg zur Arbeitsstätte auf dem Flughafen vpn Kandahar durch die Taliban, alter Freund des IS, gemeuchelt.

Kommen wir nun endlich zu dem Vorfall, der uns die Weihnachtsfreude gründlich vergällte. Am Weihnachtsmarkt an der geschichtsträchtigen Gedächtnis-Kirche in der Mitte Berlins raste am Montag Abend vorm Fest ein Lkw – siehe Nizza – in die Menschenmenge. 11 Besucher sind tot, genauso wie der polnische eigentliche Lkw-Lenker. Ein Tunesier wird als Täter identifiziert und nach europaweiter Suche eher zufällig bei Mailand von der Polizei erschossen. Der IS bekennt sich zur Tat – Entsetzen. Trauer, Wut. Doch nicht bei uns!

Zum Schluss etwas außerhalb der Reihe: An diesem Neujahrstag sterben beim "Krieg auf der Straße" allein bei einem Unfall sechs Personen und die Autobahn sieht aus wie nach einem Luftangriff. Und im "aussichtslosen Kampf" (tagesschau.de., 30.12.16) im mexikanischen "Drogenkrieg" zählt unsere Presse 200.000 Tote in den letzten zwanzig Jahren. Ist der normale Alltag in unserer "freiheitlichen" Gesellschaft nicht Horror genug?

Ein in jeder Hinsicht besseres Jahr 2017 wünsche ich meinen Lesern. Venceremos!







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