Der Sechs-Tage-Krieg 1967


Bildmontage: HF

02.07.17
InternationalesInternationales, Debatte, TopNews 

 

Von Karl Wild

Beispiel für den langen Kampf um den Nahen Osten

Kein Konflikt auf diesem Planeten hat eine solche Medienpräsenz wie der zwischen Israel und den Palästinenser*innen und zu keinem Konflikt wird so leidenschaftlich Position in den Medien bezogen. Vor allem antijüdische Ressentiments bezichtigen den Zionismus als den Schurken im Konflikt um den Nahen und Mittleren Osten. Die Solidarät mit den Palästinenser*innen geht bekanntlich hin bis zur Aufforderung, den jüdischen Staat Israel zu vernichten. Angesichts der deutschen Geschichte fällt eine Positionierung schwer oder sollte zumindest schwer fallen. Die Überzeugung, dass auf Grund des Holocaust Deutschen verwehrt sei, als Oberlehrer im israelisch-palästinensischen Konflikt zu agieren, hat starke Argumente für sich und eine Zurückhaltung ist durchaus angebracht. Speziell gilt dies für die unsäglichen Versuche, die Politik Israels und den Zionismus in die Nähe des Faschismus zu stellen.

Zuerst zu den Fakten vom "6-Tage-Krieg" .

Der dritte Krieg zwischen Israel (1) und seinen Nachbarn war kurz, prävemtiv und ist wegweisend für die Zukunft des Nahen Ostens. Am 05. Juni 1967 begann der "Blitzkrieg" gegen Ägypten, Syrien und Jordanien. Etwa 270.000 israelische Soldaten mit 800 Panzern und 400 Flugzeugen standen gegen eine differenzierte arabische Streitmacht, insgesamt 360.000 Mann mit 1.800 Panzern und 770 Kampflugzeugen, wobei letztere sofort düch die israelische Luftwaffe am frühen Morgen des ersten Kriegstages meist bereits am Boden ausgeschaltet wurden. (2) Dem Krieg war eine lange verbale und faktische Bedrohung der Existenz Israels vorausgegangen. Häfen Israels wurden blockiert und zur großen Schlacht zur Befreiung "Palästinas" mit sowjetischer Unterstüttzunng gerüstet. Dass gleichzeitig geheim und offen Frankreich und die USA Israel fit machten für den Krieg, ging in der arabischen Propaganda unter. Der Syrer Hafir al-Assad wollte im Mai 67 "... die zionistische Anwesenheit im arabischen Heimatland in die Luft jagen." und der ägyptische Präsident Gamal Nasser verkündete im großen Chor: „Unser grundlegendes Ziel ist die Vernichtung Israels. Das arabische Volk will kämpfen.“ (Zitate: Stichwort 6-Tage-Krieg bei de.wikipedia.org)

Ergebnis des Krieges waren 50.000 tote Soldaten auf arabisch-palästinensischr Seite (bei etwa 700 Verlusten Israels), die Besetzung der Golan-Höhen, Ost-Jerusalems, der West-Bank, des Gaza-Streifens und des Sinai, neue palästinensische Flüchtlingswellen und die Entstehung einer "Quasi-Supermacht" im Nahen und nun auch im Mittleren Osten. Ein Ergebnis war aber auch die Erstarkung der 1964 gegündeten Dachorganisation PLO unter Yassir Arafat als Befreiungsfront von Millionen Palästinenser*innen.

Der permanente Krieg

Eine Chronologie der israelischen Kriege nach 67 hat als Wesensmerkmal und Gemeinsamkeit die Auseinandersetzung zwischen Israelis und Palastinensern, wenngleic auch die arabischen Staaten mitbetroffen waren.Bis heute ist es der Kampf ums "Heilige Land" der Weltreligionen nicht entschieden.

Nach 67 entfaltete sich steigernd der Kampf der PLO gegen den Staat Israel mit dem Einsatz terroristischeer Mitteln (siehe Flugzeugentführungen oder den Anschlag auf die israelische Olympiamannschaft in München 1972). Basis der PLO waren die Flüchtlinslager vor allem in Jordanien, Libanon und Syrien. Dabei geriet die PLO in Jordanien ("Schwarzer September" 1970) und im Libanon in Widerspruch zu arabischen Staaten. Im "Jom Kippur-Krieg" 1973 versuchten Ägypten und Syrien durch einen Überraschungsangriff letztmalig das Ziel der Vernichtung Israels umzusetzen, Teile des Sinai wurden von ägyptischen Truppen besetzt. Allerdings gelang es Israel nach einigen Tagen, die ägyptischen Truppen einzukesseln und die Israelis standen schnell 120 km vor Kairo. Der Krieg wurde durch massiven Druck der USA im Zuge der "Entspannungspolitik" mit der Sowjetunion beendet. Das "Camp David-Abkommens" 1978 zwischen Israel und Ägyptens Präsidenten Anwar as-Sadat (später von Islamisten ermordet) bewirkte bis 1982 der Rückzug aus dem Sinai. Auch aus dem angrenzenden Gaza-Streifen wurden gegen den erbitterten Widerstand jüdischer Siedler (Scharon-Plan "Land gegen Frieden") 2005 die Truppen abgezogen und Gaza zum "größten Freiluftgefängnis der Welt". (Im Gefolge dieses Planes auch Rückzug 2000 aus dem 1978 besetzten Libanon mit Ausnahme des Gebiets der Shebaa-Farmen); Dagegen wurden völkerrechtswidrig 1980 Ostjerusalem und 1981 die Golanhöhen annektiert.

Die beiden Libanon-Kriege 1982 und 2006 dienten der Sicherung der israelischen Nordgrenze und der Vernichtung israelfeindlicher Kräfte. Tobte seit 1975 ein Bürgerkieg im Libanon, wobei es um die Ausrichtung des Landes pro Arabien (Syrien) oder pro "Westen" (Israel) ging, einer der unzähligen weltweiten blutigen. Stellvertreterkriege im sog. Kalten Krieg, so griff Israel im Juni 1982 mit überlegener militärischer Macht die im Süden des Landes agierende PLO an, belagerte den südlichen Teil der Hauptstadt Beirut und der Befehlshaber Scharon ermöglichte im September 82 schreckliche Massaker in palästinensischen Flüchtlingslagern durch die christliche Phalange. Es folgten Massaker der schiitischen Amal. Allein zwischen Juni und September 82 starben 20.000 Palästinenser*innen. Die PLO musste Beirut in Richtung Tripolis (Tunesien) verlassen. Aus den israelischen "Befreiern" wurde durch ihre Taten Okkupanten und die proiranische Hisbollah zur Bewahrerin der libanesischen Souveränität. Der Kleinkrieg im Südlibanon hielt auch nach dem israelischen Rückzug an und führte im Juli 2006 zum neuen Krieg mit enormen Zerstörungen im Libanon. Ab 14. August 2006 endeten nach Aufforderung des Weltsicherheitsrates der UN die offenen Kriegshandlungen.

Die im Exil geschwäche PLO verlagerte bereits ab 1987 ihren Widerstand in die besetzten Gebiete und der Aufruhr der Bevölkerung (Erste Intifada), der "Krieg der Steine", zwang Israel erstmals Rechte der Palästinenser*innen im sog. Oslo-Prozess 1993 ("Zwei-Staaten-Lösung") anzuerkennen. Der vereinbarte Abzug der Besatzungstruppen erfolgte jedoch nicht und auch das 2. Camp David-Treffen im Juli 2000 endete ergebnislos, ja der jüdische Siedlungsbau wurde forciert und die Zweite Intifada begannn bewaffnet und mit immer mehr Selbstmordanschlägen in Israel. 2003 isolierte Israel deshalb mit dem Bau von Sperranlagen (teilweise als Mauer) die palästinensischen Gebiete und zum Schutz der jüdischen Siedlungen im besetztn Land. Die Autonomie der Palästinenser*innen (unter ihrem Führer Jassir Arafat (verstorben November 2004) blieb Makulatur.

Nun verlagerte sich trotz des israelischen Abzuges der Siedlungen 2005 die Auseinandersetzung auf die islamistische Hamas und den Gaza-Streifen. Agriffe mit primitiven ungelekten Raketen zielten aufs israelische Kernland und die Bombardierung Gazas wechselten sich ab Der Erste Gazakrieg war so im Jahreswechsel 2008/9 die Folge.Zu dem noch im Gedächtnis verhaftenen 50tägigen Zweiten Gazakrieg ab August 2014 mit baarbarischen Folgen für die Bevölkerung tritt nahtlos die sog Stille Intifada der Auto- und Messerattacken "einsamer Wölfe" in Jerusalem und auf der West-Bank – mit unbekanntem Ausgang.

Politische Ein- und Ausblicke

Große Teile der weltweiten Linken, antiimperialistisch und antizionistisch im Selbstverständnis, ergreift seit den 60er Jahren einseitig Partei für die „palästinensische Sache“. In Deutschland formierte sich einerseits gegen diese Haltung Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts die sogenannte „antideutsche“ Strömung, die die Linke des Rassismus und Antisemitismus bezichtigt und ihr daraus begründet das Linkssein abspricht. Die Kritik an Israel kann nach dieser Position im Kontext der Geschichte immer nur einen völkermörderischen Antisemitismus befördern, der dem jüdischen Volk seinen Staat Israel das Existenzrecht abspricht. Andererseits wird der proisraelischen Argumentation hemmungslose Unterstützung einer „imperialistischen“ Gewaltpolitik vorgeworfen. Zionismus wird mit Rassismus gleichgesetzt und der Widerstand der Palästinenser*innen – gleich welcher Form – gegen die international einhellig verurteilte Siedlungspolitik begrüßt. Der hoch emotional aufgelade Zündstoff Jerusalem mit Klagemauer und al-Aqsa-Moschee und das nicht einmal in Ansätzen ge- und bedachte Problem der fünf Millionen palästinensischer Flüchtlinge (bei etwa acht Mio Israels, davon 1,5 Mio arabisch stämmig; fünf Millionen Palästinenser*innen im Gaza-Steifen und im Westjordanland und x-Mio zuwanderungswilligen Jüdinnen und Juden aus der „Diaspora“) erfordert bei Weiterexistenz des Willen zur Vernichtung des Staates Israel – nicht nur beim IS – sowohl kleine als auch große (diplomatische) Schritte. Langfristig erforderlich scheint die Zurückdrängung und Überwindung sowohl des annexionistischen Zionismus und des religiös motivierten aggressiven Fundamentalismus durch eine gestärkte israelische und palästinensische Linke. Jeder Schritt in diese Richtung und die Anerkennung des Lebensrechts aller Menschen – fern von völkischen oder religiösen Konzeptionen – ist zu begrüßen. Eine Zwei-Staaten-Bildung - derzeit noch (!) von der Staatengemeinschaft favorisiert, vom Likud vehement abgelehnt - ohne Lösung der Flüchtlingsproblematik und der Siedlungspolitik, so ist zu befürchten, wird langfristig den Konflikt nicht beenden Die Schaffung einer Föderation Israel/Palästina mit der gemeinsamen Haupstadt Jerusalem sollte langfristig angesichts der Bedrohung durch IS/Daesh/al-Qaida das gemeinsame Ziel sein.

(1) Bereits unmittelbar nach Staatsgründung Israels am 14. Mai 1948 – die Briten entließen ihr Kolonialmandat Palästina aufgrund des bewaffneten Aufstandes der Jüd*innen und internationalem Druck ins Ungewisse – begann der lange und scheinbar hoffnungslose Krieg von 48/49 gegen arabische Übermacht. Über 700.000 Palätinenser*innen wurden vertrieben und sind bis heute Flüchtlinge. Die Verbliebenen wurden zu Fremden in einem fremden Staat. Im Oktober 1956 kam es zur sog. Suez-Krise, in deren Verlauf Israel auf Seiten der alten Kolonialmächte GB und Frankreich gegen das Ägypten unter dem Befreiungshelden Gamal Nasser Partei ergriff. Auf Druck der USA und der UdSSR kam es rasch zu einem unrühlicchen Ende für die Aggressoren.

(2) Der Mythos vom deutschen "Blitzkrieg" – dem kombinierten Einsatz von konzentrierten Panzer- und Luftstreitkräften bei überraschendem Angriff - in israelischer Version machte damals die Runde und aus dem israelischen Kriegshelden Mosche Dajan wurde ein zweiter "Wüstenfuchs" Rommel, aus ehemaligen deutschen Kriegern Händler und aus den jüdischen Wucherern stolze Krieger..

Quellen: diverse Stichworte zu den Nahost-Kriegen auf de,wikipedia.org: eigene Aufsätze







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