Verhaftungen von Chimkis Waldschützern


20.04.11
InternationalesInternationales, Umwelt, TopNews 

 

von Bernhard Clasen

Erneut sind am Dienstag Umweltschützer des Moskauer Vorortes Chimki in unmittelbarer Nähe des internationalen Flughafens Scheremetjewo verhaftet worden, weil sie sich den Rodungen des Waldes widersetzt hatten.

Bei den Verhaftungen von zehn Aktivisten seien auch einige misshandelt worden, unter ihnen auch Sergej Udalzow, der Sprecher der „Linken Front“. Auch die Sprecherin der Waldschützer, Jewgenija Tschirikowa, ist verhaftet worden.

Über Twitter konnte sie mitteilen, dass man sie bei der Polizei gesetzwidrig einer vollständigen Körperkontrolle unterzogen habe. Ihr Kollege Jaroslaw Nikitenko berichtet ebenfalls über Twitter von blauen Flecken im Gesicht und einem Arm. Derzeit warten Tschirikowa und die anderen Verhafteten auf einen Haftprüfungstermin.

Bereits am Samstag war es im Wald von Chimki erstmals in diesem Jahr zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Umweltschützern und Angehörigen einer privaten Sicherheitsfirma gekommen, als die Umweltschützer am Samstag neue Rodungen verhindern wollten. Dies berichten russische Medien und „Greenpeace Russland“.

Obwohl die nach einem Moratorium von Präsident Medwedew im August letzten Jahres gestoppten Rodungen der umstrittenen neuen Autobahn von Moskau nach St. Petersburg erst für Mai geplant sind, war ein erster Bautrupp im Eichenwald, unweit des Moskauer Flughafens „Scheremetjewo“, bereits am Samstag aufgetaucht.

Innerhalb weniger Stunden waren 50 Umweltschützer vor Ort. Die Männer der Sicherheitsfirma gingen mit Gewalt gegen die Umweltschützer vor. Brutal hatten sie deren Sprecherin, Jewgenija Tschirikowa, in den Schnee geworfen. Als deren Mann zur Hilfe eilen wollte, hatte man ihm die Nase blutig geschlagen.

Seit über vier Jahren kämpfen die Umweltschützer von Chimki gegen die geplante Autobahn durch den Eichenwald von Chimki. Diese würde die ohnehin schon stark fragmentierte „grüne Lunge“ Moskaus noch weiter zerstören. Es gebe auch andere mögliche Trassenführungen, argumentieren die Umweltschützer, die ohne Rodungen möglich wären.

Doch bei der geplanten Autobahn geht es um sehr viel Geld. Allen Beteuerungen der Machthaber zum Trotz, es würde nur eine für die Straße erforderliche Schneise in den Wald geschlagen, eine kommerzielle Nutzung entlang der Trasse werde man nicht zulassen, haben die Umweltschützer herausgefunden, dass die Straße nur als Vorwand dient, wertvolles Land in unmittelbarer Nähe des internationalen Flughafens Scheremetjewo einer kommerziellen Nutzung zuzuführen. Die Makler-Firma „Chimki-Land“ biete bereits Land an der geplanten Autobahn zum Verkauf für kommerzielle Nutzung an.

In den nächsten Tagen planen Umweltschützer, Anarchisten, Linke und Oppositionspolitiker aus Chimki und Moskau täglich Mahnwachen, Blockaden und weitere Aktionen gegen die Rodungen.

Fotos:
http://bb-mos.livejournal.com/696105.html

 







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