Zum Teufel mit der Laizität?

04.04.21
InternationalesInternationales, Kultur, Debatte 

 

Ein Kommentar von Georg Korfmacher, München

Diesen Eindruck muss man haben, wenn man die immer wiederkehrenden Kommentare katholischer Autoren zu den widerlichen, religiös motivierten Morden in Frankreich und der Welt liest. Zu den eigentlichen Mordtaten wird nichts gesagt. Sie werden nur weitschweifig genutzt, um gegen die Laizität zu wettern. "Laizismus ist keine Lösung" titelte die katholische Wochenzeitung Die Tagespost, um dann in einem wilden Reigen die Laizität zu verteufeln und verschiedene Ursachen und Wirkungen nach eigenem Belieben zu verdrehen.

Zum besseren Verständnis der in Frankreich entstandenen Laizität muss man auf deren geschichtlichen Hintergrund blicken. Mit der Ausrufung der 3. Republik 1870/71 und nach der kurzen Zeit der Commune kam Frankreich wieder auf den politischen Weg zurück, den es mit der französischen Revolution und der Erklärung der Menschenrechte1789 eingeschlagen hatte: Liberté, Egalité, Fraternité in einer säkularen Gesellschaft. Einigkeit und Recht und Freiheit lassen grüßen. In der ganzen Entwicklung seitdem lag ein Bereich allerdings noch sehr im Argen: die Bildung. Sie war noch immer fest in der Hand der Catholica und eher an doktrinären und machtpolitischen als an pädagogischen Zielen ausgerichtet.

In dieser Situation beauftragte die neue republikanische Regierung Ferdinand Buisson, einen Pädagogen und liberalen Protestanten mit der Organisation des Schulwesens in Frankreich. Im wird die Wortschöpfung Laizität (Laïcité, Laienstand) als Kontrapunkt zum Clergé (Geistlichkeit) zugeschrieben. Er packte an und krempelte um. Für die Qualifikation als Lehrer forderte und organisierte er eine sachbezogene, qualifizierte Ausbildung in neu geschaffenen pädagogischen Hochschulen mit vom Staat vorgegebenen Lehrprogrammen, an denen zum ersten Mal auch Frauen willkommen waren. Ein langer schwarzer Rock und/oder eine Haube waren keine Qualifikation mehr für ein Lehramt an öffentlichen Schulen. Diese wurden ab sofort vom Staat organisiert und waren für alle Pflicht und zugänglich.

Erst als das Grundgerüst eines von Religion befreiten Bildungswesens stand und von der breiten Öffentlichkeit geschätzt wurde, konnte dann 1905 die Trennung von Staat und Kirche per Gesetz festgeschrieben werden. Seitdem regelt der Staat seine Geschäfte autonom. Seit 1946 ist die Laizität mit strikter Neutraliät gegenüber Religionen und Weltanschauungen für das gesamte Staatswesen in der Französischen Verfassung festgeschrieben. Religion ist reine Privatsache.

Von einer "Nivellierung zu einer staatlich betriebenen, einheitlichen Zivilreligion", wie das der aufgeblasene katholische Sozialethiker und Erziehungswissenschaftler in der Tagespost schrieb, kann also keineswegs die Rede sein. Allerdings ist von einem Sozialethiker, dessen Kirche bis heute die Menschenrechte nicht anerkennt und demokratische Strukturen nicht zulässt, nicht zu erwarten, dass er sich kompetent zu Dingen der res publica äußert. Das verbietet ihm schon das erste der zehn Gebote, das nur einen eifersüchtigen Gott ohne Gewaltenteilung und Mitspracherecht kennt. Also muss er ein Staatsgebilde ohne Religion/Gott als zentrale Angel zum Teufel jagen. Insofern ist für ihn ein laizistischer Staat ein Kardinalfehler. Religiös motivierte Falschbeurteilungen der Laizität werden durch laizistische Staaten wie Japan, Portugal, Mexiko und Frankreich ad absurdum geführt. Vive la Laïcité!







<< Zurck
Diese Webseite verwendet keine Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz