Neuerscheinungen Natur und Kulinarik

17.09.21
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Josef H. Reichholf: Fluss Natur. Ein faszinierender Lebensraum im Wandel, oekom, München 2021, ISBN: 978-3-962-38285-8, 24 EURO (D)

In den Flüssen drücken sich extreme Wetterereignisse oft unmittelbar aus. Dürren und Fluten sind jedoch nicht allein Folgen des Klimawandels: Weil über Jahrzehnte Auwälder gerodet, Feuchtgebiete trockengelegt, Zuflüsse begradigt und Flächen versiegelt wurden, wird die Wasserführung der Flüsse immer extremer.

Josef H. Reichholf nimmt die Leser*innen mit hinaus zu verschiedenen Flüssen Mitteleuropas. Er berichtet von erfolgreichen Renaturierungen, von Stauseen, die sich zu Vogelparadiesen entwickelt haben, und er bringt ihnen die Natur der Flüsse mit ihrer Schönheit und vielen besonderen Bewohnern nahe

Dabei betont er die Wasserqualität als bedeutender Faktor für die Fließgewässer und die Zusammengehörigkeit der Flüsse mit ihrem Umland. Flüsse können nicht künstlich getrennt von Auwald und Flussniederung betrachtet werden. In diesem Zusammenhang beschreibt er unter anderem das Bachtal in der Nähe des Nationalparks Kellerwald in Nordhessen und Auwälder an der Elbe. Dies geschieht in Form von Spaziergängen an Flüssen, deren Eindrücke biologisch, romantisch und zum Teil auch philosophisch und literarisch widergegeben werden.

Das Ökosystem Fluss mit seinen tierischen Bewohnern, Pflanzen als Grundlage selbsternährender Systeme, verschiedene Baumarten werden auch dem Leser nähergebracht.

Die Eingriffe des Menschen und dessen Nutzung der Kraft des Wassers bilden ebenso einen Schwerpunkt. Bei der Nutzung von Wassers käme es auf die Verhältnismäßigkeit an: „Viele Probleme unserer Zeit kamen zustande, weil die Eingriffe in die Natur unverhältnismäßig ausfielen.“ (S. 217) Lernen könne der Mensch vom Biber: „Sie bauen so wirkungsvoll, dass sie Hochwässern ihre Wucht und Zerstörungskraft nehmen, weil sie die Fluten verteilt zurückhalten und dosiert abfließen lassen.“ (S. 218)

Er mahnt auch das Artensterben und die Bedrohung vieler Arten durch die menschliche Zerstörung von Rückzugsräumen von Tieren, nicht nur in der Nähe oder in Gewässern an.

Der Autor spricht sich für die verstärkte Zurückbauung stark denaturierter Fließgewässer aus und erläutert dies an bereits durchgeführten Beispielen der Isar in München oder im Flussnationalpark Untere Oder. „Wasser speichern, Rückhaltebecken, Wiedervernässung, Vorsorge gegen Dürren und Hochwasser, Entgiftung der Abflüsse aus der Landwirtschaft mit der Verminderung des Eintrags von Düngestoffen in die Fließgewässer sind die hauptsächlichen Herausforderungen unserer Zeit.“ (S. 288)

Mit Recht werden ein Umdenken und ein anderer Umgang mit Flüssen gefordert. menschliche Eingriffe werden sich nicht vermeiden lassen, sollten aber verhältnismäßig sein. Was dieses Wort bedeutet und wie es sich praktisch umsetzen lässt, wird hier ausführlich demonstriert.

Das Buch ist sinnlich geschrieben, nicht nur aus Sicht der Gewässerökologie. Es weckt ein Bewusstsein für Flüsse und das Umland. Die Stärke des Buches liegt darin, dass Reichholf es schafft, sprachlich ansprechend seine Beobachtungen der Natur und Umgebung zu beschreiben.


Buch 2

Nadiyas Backwelt, Ars vivendi, Cadolzburg 2021, ISBN: 978-3-7472-0290-6, 24, EURO (D)

Netflix-Star Nadiya Hussain widmet sich in diesem Buch ihrer Leidenschaft, das Backen. Dazu stellt sie mehr als 100 Rezepte von süß bis herzhaft vor.

In der Einleitung teilt sie ihre Begeisterung für das Backen und es werden die Kapitelinhalte vorgestellt.

Danach folgen die Rezepte: Diese beginnen mit Kuchen, Küchlein und Blechkuchen wie Tarta Cabrese mit karamellisierter weißer Schokoladensauce oder Erdbeer-Cupcakes mit Erdbeereis-Buttercreme. Weiter geht es mit Kuchen und Desserts, die ohne Backen hergestellt werden können, wie Blaubeer-Shinny-Kuchen oder vegane Schoko-Mousse mit Orangenfilets. Es folgen Gebäckkreationen für feierliche Anlässe wie Ricotta-Marmorkuchen mit Birnen oder Brioche-Kranz mit gebackenem Camembert. Kekse und kleine Naschereien wie Himbeer-Amaretti-Kekse oder Ingwer-Mandel-Florentiner werden danach präsentiert.

Torten und Pies wie französische Zwiebeltarte oder Tomaten-Galette und Desserts wie Tutti-Frutti-Pavlova oder Chai-Chia-Pudding kommen dann zur Sprache. Brot, Brötchen und Gebäck wie arabische Pfannkuchen mit Pistazien-Minze-Honig oder Facoccia mit Lachs-Dill-Füllung werden anschließend präsentiert. Abgerundet werden die Rezepte von herzhaften Kreationen aus dem Ofen wie Glasnudeln mit Hähnchen in Teriyaki-Sauce oder Pilze mit Estragon-Sauce und Eiern auf Toast.

Die Kapitel sind dabei systematisch aufgebaut: Zuerst gibt es eine kurze Vorstellung des Rezeptes. Dann folgen eine Zutatenliste und der Zubereitungsvorgang, der Schritt für Schritt erklärt wird. In Form einer Tabelle gibt es Informationen zu Zubereitungszeit, Backzeit, wann das Gericht am frischesten schmeckt und zur Aufbewahrung bzw. Haltbarkeit. Für die meisten Rezepte gibt es Bild des fertigen Gerichtes.

Im Anhang gibt es noch ein Register.

Hier werden internationale, kreative Rezepte für jeden Schwierigkeitsgrad vorgestellt. Einige davon sind eher traditioneller Art, andere ausgefallener. Das Buch hat eine atmosphärisch gute Aufmachung und besticht durch gelungene Food-Fotografie. Die Hinweise, die sich unglücklicherweise versteckt am Ende des Buches und nicht vorne befinden, sollten dabei beachtet werden.


Buch 3

Taliman Sluga: Das österreichische Roséwein-Kochbuch, Verlag Anton Pustet, Linz 2021, ISBN: 978-3-7125-1036-7, 19,99 EURO (D)

Die Roséwein-Küche setzt auf den qualitätsvollen Allrounder unter den Weinen. In diesem Buch werden Tradition und regionale Ausgangsprodukte mit innovativen Entwicklungen der weltläufigen Küche verbunden. Ein Gutteil der hier vorgestellten 100 Rezepte stammt aus südostösterreichischen Regionen.

Das Buch beginnt mit allgemeinen Informationen über Roséwein. Charakteristik, die wichtigsten Herstellungsverfahren, europäische Weinkulinarik und Sorten werden vorgestellt. Danach wird auf Weine eingegangen, die eine besondere Bekanntheit in Österreich haben: der steierische Schilcher und der Uhudler aus dem Burgenland. Der Charakter und die Anwendung von Roséweinen auf dem Tisch und auf dem Teller kommen danach zur Sprache.

Der Hauptteil mit den Rezepten folgt anschließend. Zuerst werden Vorspeisen, kleine Gerichte, Salate und Suppen wie Spargel mit Roséwein-Hollandaise, Bratkäse-Uhudler-Tarte, Roséwein-Dinkelbrot oder Polenta in Roséweinblättern. Es folgen Hauptspeisen und Beilagen wie Steinpilzragout mit Schafskäse-Knödel, Schilcher Krutfleckerl, Schweinsfilet in Uhudler-Zwetschgen-Sauce oder Lammkoteletts mit Traubenrahm und Marottenknödel.

Den Abschluss machen Desserts wie Apfelspalten in Uhudlerteig, Schilcherpudding (B’soffener Kapuziner), Roséwein-Erdbeersulz oder Roséweinpunsch.

Die Mengenangaben für die Rezepte beziehen sich grundsätzlich auf vier Personen. Zu einigen Rezepten ist das fertige Gericht im Bild zu sehen.

Im Anhang findet man noch ein Rezeptregister, ein Glossar für Fachbegriffe und eine Art Übersetzung österreichischer kulinarischer Begriffe, Literatur- und Quellenangaben, die Biografie des Autors und den Bildnachweis.

Die Tatsache, dass Wein in der Küche in bestimmten Mengen gesundheitsfördernd ist, hat sich längst etabliert. Wie Roséwein als Speisezutat einer modernen regionalen Küche zu behandeln ist, wird im allgemeinen Teil ausführlich gezeigt. Was fehlt, sind Karten zum Verbreitungsgebiet von Weinen in Österreich und Informationen über biologischen Weinanbau.

Die Rezepte gehen durch alle Menübereiche und sind zum Teil auf hohem Niveau. Die meisten aber können auch Hobbyköche ohne Probleme anwenden.









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