Saartire: Großhumpendorfer Fronleichnams kavalkade von 108 TV Stationen live übertragen

22.05.08
KulturKultur, Saarland, News 

 

Jungfrauenverein gewinnt erneut Wettbewerb um den schönsten Altar

Von Claude Michael Jung

Der diesjährige Umzug zu Fronleichnam, eine Massenbewegung der Frömmigkeit, führte die insgesamt rund 25 000 Teilnehmer aus allen Himmelrichtungen des Erdballs von der Pfarrkirche Sankt Donner und Doria ausgehend, entlang der längsten Brombeerhecke des Saarlandes, hinunter ins Jammertal und in die Venusfurche der uralten Tempelrittergemeinde Großhumpendorf an der oberen Saar. An der alten Schnapsbrennerei, die im 14. Jahrhundert als Kapelle errichtet wurde, allerdings nie einer Heiligen oder einem Heiligen geweiht worden war, endete die Kavalkade mit der Abschlusskundgebung, auf der Pastor Friedensreich Selighauer den Herrn im Himmel aufforderte, die Sozis im Land endlich zu bekehren, oder in der Hölle schmachten zu lassen.

Fernseh und Rundfunkstationen aus 108 Ländern übertrugen das Großereignis in alle Welt. Monsignore Don Camillo Lambrusco, vatikanischer Beobachter, meldete seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI., die gesamte Gemeinde sei ein Hort der Frömmigkeit und des ewigen Gebets. Das iranische Fernsehen blendete sich zwar aus, als Pastor Friedensreich Selighauer immer wieder den Kelch mit dem Premiummesswein aus dem Elsaß leerte, jedoch der eigens aus Teheran angereiste Reporter, war mehr als nur angetan von der Pracht und der Herrlichkeit des Umzugs im Mekka der Christenheit. Osama Bin Laden soll vor einem überdimensionalen Flachbild-TV in seiner Höhle in den Tora Bora Bergen Afghanistans sogar einige Kirchenlieder mitgesummt oder gebrummt haben, als das Blasorchester „Volles Rohr Großhumpendorf" unter der Leitung seines Dirigenten, dem Arzt, Schauspieler und Bergsteiger Dr. Hubert Engerling immer wieder sporadisch die populärsten Kirchenliederpottpuries anstimmte. Das staatliche nordkoranische Fernsehen zollt Lob und allerhöchste Anerkennung für die Großdemonstration zu Fronleichnam und vergleicht den Umzug mit dem Mainzer und Kölner Rosenmontagsumzug und den eigenen Giga-Paraden zu Ehren des Staatspräsidenten.

Zwischen zahlreichen Imbiss und Getränkebuden, zur Stärkung von Körper und Seele, waren entlang der fünf Kilometer langen Wegstrecke von den Großhumpendorfer Ortsvereinen vier prachtvoll mit Blumen geschmückte Altäre, errichtet worden. Die Blumenpracht hatte die Jugend des frommen Dorfes in der Nacht zuvor frisch, in der mit Großhumpendorf seit Jahrhunderten verfeindeten Nachbargemeinde Schlemmerbach, organisiert. Wie der Kommunechef, Bürgermeister Edgar Lump auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte, soll es dabei lediglich zu einigen unbedeutenden Vorfällen gekommen sein. Verletzte soll es bei der frommen Organisationstour nicht gegeben haben.

Den Wettbewerb um den schönsten Altar hat in diesem, wie auch in den vergangenen Jahren, der Großhumpendorfer Jungfrauenverein erneut für sich entschieden. Nackt wie der Herr sie geschaffen hat, tanzten sieben Jungfrauen nach der Choreographie von Beatrice Décolleté den Fruchtbarkeitstanz, mit dem bereits im Mittelalter die zarten Burgfräulein und Marketenderinnen die Tempelritter auf der Humpenburg arg stimulierten. Pastor Selighauer geizte hier nicht mit Weihwasser, mehrmals mussten seine Messdiener für Nachschub aus dem Dorfbrunnen sorgen, um die Jungfrauen aus der Gemeinde ausreichend zu benetzen. Der Großhumpendorfer Chronist, Studienrat Ernst Nonsens legt Wert auf die Feststellung, das es sich bei den Dorfjungfrauen, nach eigener Feststellung, tatsächlich um Jungfrauen handelt und nicht um Nutten, wie böse Zungen immer wieder behaupten. Nach Aussagen von Studienrat Ernst Nonsens ist es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Jungfrauengeburten in Großhumpendorf gekommen. Der Vatikan habe den apostolischen Visitator, Erzbischof Anro mit einem Gutachten darüber beauftragt, das allerdings noch ausstehe, so Studienrat Ernst Nonsens.

Im Verlauf der Abschlusskundgebung vor der historischen Schnapsbrennerei der Tempelrittergemeinde wurden mehr als 30 000 Luftballons, an denen Zettel mit Gebeten und Flüchen hingen, in den strahlend blauen Himmel aufsteigen gelassen. Die Rede von Bürgermeister Edgar Lump war der Höhepunkt des diesjährigen Fronleichnamsfestes an der oberen Saar. Der Pontifex der roten Saarkommune geisselte in seiner zweistündigen packenden Rede die Faulheit und Konzeptionslosigkeit der saarländischen Landesregierung und zog Saarfürst Peter Müller (CDU) mehrmals symbolisch die Ohren lang und den Hintern stramm.

Ein Augenzeuge will dabei beobachtet haben, dass während der Rede von Bürgermeister Edgar Lump mehrmals ein alter Täuberich über dem Kopf des Bürgermeisters gekreist war. Wie der Zeuge weiter sagte, soll es sich bei dem Vogel um den Heiligen Geist gehandelt haben, dessen zähflüssige Weisheit und Erkenntnis jedoch den Kopf von Bürgermeister Edgar Lump um einige Zentimeter verfehlte. Die Verdauung des Täuberichs landete auf dem Dach der alten Schnapsbrennerei, sowie auf der Uniformmütze von Brandmeister Rohrbruch, der mitten hinein in ein innbrünstiges Gebet zur Erlösung von SPD Chef Kurt Beck von seinem schrecklichem Bart, lautstark zu fluchen begann.

Mit 21 Salutschüssen aus der alten 8,8 Zentimeter-Flak, die von der Wehrmacht auf dem Rückzug 1945 am Ortsrand vergessen wurde und heute im Großhumpendorfer Heimatmuseum friedlich vor sich hindämmert und nur zu besonderen Anlässen von Museumsdirektor, Oberstleutnant a.D. Wilfried von Bockschuss, freigegeben wird, war die Großhumpendorfer Happy Kadaver-Party offiziell beendet. Gefeiert wurde bei Redaktionsschluss allerdings noch immer. Durch das intensive Flakfeuer soll es auf dem nahegelegenen „International Airport Saabrigge" zu erblichen Verspätungen bei zahlreichen Starts und Landungen gekommen sein. "Wie ein saarländischer Rundfunksender per „breaking news" meldete, haben sich einige Piloten, sowie die Besatzung des Saabrigger Towers, bedingt durch die Verspätungen, zu unverzeihlichen, blasphemischen Äußerungen hinreißen lassen.







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