„Requiem für Kaza Kathárinna"

05.06.08
KulturKultur, Antifaschismus, Rheinland-Pfalz, TopNews 

 

Trier/Wittlich (sg) - Mosel Musikfestival eröffnet mit einem aussergewöhnlichen Musikprojekt in der Synagoge Wittlich

Dem Andenken aller verfolgten ‚Zigeuner’ ist das „Requiem für Kaza Kathárinna" gewidmet, das am Sonntag, 15. Juni, 17 Uhr in der Kultur- und Tagungsstätte Synagoge Wittlich aufgeführt wird. In der aufwändigen Produktion wird die Lebensgeschichte der ‚Zigeunerin’ Kaza Kathárinna dargestellt,

Das „Requiem für Kaza Kathárinna" beschreibt exemplarisch die Lebensgeschichte einer Sintizza. Sie wurde am 17.11.1908 in Deutschland geboren wurde, überlebte die Konzentrationslager und verstarb 1984. Ihre Leiden wurden nie anerkannt, sondern sondern verharmlost, verspottet, verdrängt und vergessen. In drei ineinander übergehende Abschnitte gegliedert, beschreibt das Werk im ersten Teil die Zeit vor den Weltkriegen, im zweiten den Faschismus mit seiner mörderischen Verfolgung der ‚Zigeuner’ und Jenischen und reflektiert im Schluss das Leben der Sinti und Roma in der Gegenwart.

Sinti und Roma bilden heute im vereinten Europa mit über 10 Millionen Menschen die größte europäische Minderheit, die über ein reiches kulturelles Erbe verfügt.

Der Komponist Gerhard Rosenfeld, ein Schüler verknüpft in seiner Komposition traditionelle Folklore der Roma mit moderner Kammermusik im klassischen Sinne Das von der Kulturpreisträgerin der Romani Union Anita Geigges stammende Libretto baut auf eine strenge, fast archaische Sprache. Interpretiert wird das Requiem von einem Sinti- und Roma-Ensemble (Violine mit verschiedenen Begleitinstrumenten wie Gitarre, Cymbal, Bass) sowie einem Ensemble klassisch ausgebildeter Musiker (Mezzosopran, Harfe, Schlagzeug) mit der Geigerin Jenny Abel. Die Rolle der Sprecherin übernimmt Hanna Linde.

In drei ineinander übergehenden Teilen beschreibt das Werk im ersten Teil die Kinder- und Jugendzeit von Kaza Kathárinna vor den Weltkriegen. Die Großfamilie reiste mit Pferdewagen umher, übte die traditionellen Handwerks- und Handelsberufe aus. Das Leben wandernder ‚Zigeuner’ war entbehrungsreich; teilweise fühlten sie sich frei, meist galten sie dabei jedoch für die Mehrheitsgesellschaft als vogelfrei. Der zweite Teil umfasst die Zeit der Weltkriege, vor allem die mörderische Verfolgung der ‚Zigeuner’ im „Dritten Reich". Kazas Familie wurde 1943 nach Auschwitz verschleppt, ihr Vater von der SS erschossen. Ihre Zwillingstöchter wurden durch den berüchtigten KZ-Arzt Mengele bei dessen Menschenversuchen ermordet, nur ihr ältester Sohn überlebte. Der dritte Teil befasst sich mit dem Leben der ‚Zigeuner’ in Deutschland nach dem Krieg. 1947 kam Kaza in eine Stadt am Rhein. Sie lebte von Sozialhilfe, vom Hausieren und Schrottsammeln. Wiedergutmachung erhielt sie nicht, weil sie nicht als „rassisch verfolgt" anerkannt war.

Begleitet wird dieses Konzert von einem Einführungsvortrag. Es referieren Prof. Dr. Herbert Uerlings und Dr. Iulia-Karin Patrut von der Universität Trier über die Stigmatisierung und Verfolgung der ‚Zigeuner’. Die Referenten sind mit dem Projekt „Fremde im eigenen Land. Zur Semantisierung der ‚Zigeuner’ von 1850 bis zur Gegenwart" in dem Sonderforschungsbereich „Inklusion/Exklusion" der Deutschen Forschungsgemeinschaft engagiert

http://www.moselfestival.de/







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