Neuerscheinungen Natur und Soziales

20.02.21
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Uwe E. Kemmesies/Gerhard Trabert (Hrsg.): Solidarität in Zeiten von Corona und darüber hinaus. Ein Plädoyer für nachhaltige Armutsbekämpfung, oekom, München 2020, ISBN: 978-3-962-38264-3, 24 EURO (D)

Jenseits von Ansteckungs- und Sterberaten hat die Corona-Krise tief greifende Auswirkungen auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das alltägliche Leben der Menschen. Dieser Sammelband will dazu einladen, aus dem gemeinsamen Erleben der Corona-Krise Chancen für einen Perspektivwechsel in der Sozialpolitik, besonders in der Armutsbekämpfung, zu analysieren und geht der Frage nach, wie die Zukunft gemeinschaftlich und solidarisch gestaltet werden kann.

Dabei wird davon ausgegangen, dass schon vor der Krise viel im Argen lag, was sich nun noch verschlimmert hat. Dies wird aus unterschiedlichen Blickwinkeln in einzelnen Essays behandelt: aus Sicht der Politik, Medizin, Kultur, Medien, Wissenschaften, Zivilgesellschaft, der Obdachlosen- und der Millionärsperspektive.

Im ersten Essay wird der Begriff der Armut ausgeführt. Armut ist mehrdimensional: ökonomisch-materiell, sozial, kulturelle und psychisch. Reichtum wird als das Ergebnis von Armut verstanden. Armut ist kein Ausdruck individuellen Versagens, sondern Ergebnis komplexer Prozesse und wirtschaftlicher und sozialer Bezüge innerhalb einer Gesellschaft und zwischen Gesellschaften.

Jeder sechste Bürger in der BRD lebte vor der Pandemie an der Armutsgrenze, eine Verschärfung der Situation ist zu erwarten. Eine wissenschaftlichen Analyse von 2019 zufolge besitzt das oberste Prozent der bis zu 15% des Gesamtvermögens, eine der weltweit höchsten Vermögensungleichheiten.

In den einzelnen Beiträgen geht es vor allem und folgende Themenbereiche: die Effekte der Pandemie, materielle Ungleichheit, Kultur, die Kritik am Gesundheitssystem durch eine Ärztin, Überschuldung, Klassengegensätze, zivilgesellschaftliche Helfer, Erfahrungen aus der Zusammenarbeit zwischen Juden und Christen in der Armutsbekämpfung in New York, Kunst, Theater, Medien, Kreativität in der Krise, social distancing, gerechtere Steuerpolitik, ein Blick auf obdachlose Menschen und Geflüchtete in Lagern, Sozialpsychologie, globale Solidarität.

Außerdem gibt es einen Einblick eines an Covid-19-Erkrankten, der beschreibt, was die Quarantäne, das Virus, und die Erlebnisse während der Erkrankung für eine neue Sichtweise auf Dinge innerhalb des persönlichen Umfeldes und die Gesellschaft geschaffen haben. Ein aus dem Gefängnis Entlassener berichtet über seine Situation, ein vierzigjähriger Obdachloser teilt seine Alltagserfahrungen am Rande der Gesellschaft.

In diesem Sammelband vermessen Beiträge aus sozial- und kulturwissenschaftlicher Sicht die Situation inmitten der „Corona-Gesellschaft“ mit besonderem Schwerpunkt der Armut, wollen eine erste Bestandsaufnahme und Austausch ermöglichen und zeigen Perspektiven für die Zeit nach der Krise auf. Viele der Beiträge sind aus einer persönlicheren Sicht geschrieben, andere haben genuinen wissenschaftlichen Charakter. Lesenswert sind die meisten, die offen notwendige Veränderungen des Bestehenden nach der Corona-Krise anmahnen. Dabei wird allerdings die Frage, ob ein bedingungsloses Grundeinkommen die Zunahme von Armut während der Krise verhindert hätte und ein probates Mittel nach der Krise ist, nicht behandelt. Auch die Perspektive der Sans-Papier, also der „Illegalen“ in der BRD, hätte Beachtung verdient.

Gut ist: Die Autor*innen schreiben ehrenamtlich, Der Erlös des Buches wird an drei Institutionen der Armutsbekämpfung in der BRD weitergegeben.

 

Buch 2

Hans D. Knapp/Siegfried Klaus/Lutz Fähser (Hrsg.): Der Holzweg. Wald im Widerstreit der Interessen, oekom, München 2021, ISBN: 978-3-962-38266-7, 40 EURO (D)

Drei Trockenjahre in Folge haben in der BRD Waldschäden bislang nicht gekannten Ausmaßes sichtbar werden lassen. In diesem Buch kommen besorgte und kritische Stimmen zur Situation des Waldes zu Wort. 36 Expert*innen legen ihre Einsichten und praktischen Erfahrungen dar. Sie üben Kritik an verfehlten Forstpraktiken, wollen die Öffentlichkeit und Zivilgesellschaft wachrütteln und die Politik dazu bewegen, die längst überfällige ökologische Waldwende einzuleiten: „Wir erleben nicht eine Krise des Waldes, sondern eine Krise des Systems Forstwirtschaft auf ‚dem Holzweg‘.“ (S. 460)

Dazu gibt es verschiedene spannende Vorschläge und Forderungen:

Die sich vielfältig in langen Zeiträumen entfalteten Wälder müssen als sich selbst optimierende Ökosysteme begriffen werden. Noch naturnahe, gesunde Laubwälder müssen ausnahmslos aus der forstlichen Nutzung herausgenommen werden. Die Schaffung eines Netzwerkes von Wäldern ohne Holznutzung ermöglicht eine natürliche Waldentwicklung und schützt dynamische Prozesse und alle davon abhängige Arten ohne Einfluss des Menschen. Die für Mitteleuropa typischen Ökosysteme sollten möglichst großflächig geschützt werden. Aus landschaftsökologischer Sicht sollte ein zügiger Waldumbau von Nadelholzformen in Laubwälder passieren. Weiterhin sollte eine Naturverjüngung von Laubbaumarten und auch der Pionierbaumarten wie Birke, Eberesche auf Umbau- und Kalamitätsflächen zugelassen und gefördert werden. Um eine Grundwasserspeicherung und Kühlung zu gewährleisten, geht es um den Aufbau vorrats- und totholzreicher alter Laubwälder, vor allem Buchenwälder.

Es wird ein Verbot von Kahlschlägen, Nutzung von Sukzession, sanfte Betriebstechniken, insbesondere motormanuelle Holzernte mit Forstwirten und Techniken, die Bodenschäden minimieren, gefordert. Profitmaximierung sollte zugunsten von ökologischer Regeneration des Waldes zurückstehen.

Im Februar 2020 wurde in Berlin eine „Waldallianz“ gegründet. Sie besteht aus einer Gruppe von ca. 20 waldorientierten Fachleuten, die den Paradigmenwechsel durch den praktischen Beweis seiner Vorstellhaftigkeit ehrenamtlich oder mit ihrer Organisation unterstützen wollen. Grundlage dieser Arbeit ist der Erwerb von Wäldern, die Problemstrukturen aufweisen, die in der Klimakrise aufgetreten sind. Es wird beabsichtigt, auf diesen Flächen mit verschiedenen ökosystemorientierten Strategien alternativer Lösungen umzusetzen und diese als Modellwälder zu Begutachtung und Diskussion anzubieten. Es soll ein lernendes Netzwerk von Institutionen und Wäldern geschaffen werden. Das Ziel liegt darin, „ökosystembasierte Prinzipien für die zukünftige Waldentwicklung und -bewirtschaftung unter den Bedingungen des beschleunigten anthropogenen Klimawandels zu identifizieren, fachlich zu belegen, bekannt zu machen und ihre Praxistauglichkeit zu beweisen.“ (S. 463f)

Dies sind nur einige von zahlreichen Anregungen und Forderungen, die aus verschiedenen Sichtweisen vorgetragen werden. Alle fußen darauf, dass bei der forstwirtschaftlichen Nutzung viel in den letzten Jahrzehnten schief gelaufen ist und es eine Wende hin zum ökologischen Wald hin gibt. Das Konzept von Wildnis, also einer Landschaft, in der die Natur ihren Lauf nehmen darf, selbstbestimmt und vom Menschen unbeeinflusst, ist dabei besonders spannend. Ein lesenswertes Buch.


Buch 3

Sabine Simeoni: Mit der Natur verbunden, AT Verlag, Aarau/München 2020, ISBN: 978-3-03902-047-8, 26 EURO (D)

Sabine Simeoni ist Wald- und Wildnispädagogin, Naturmentorin, Yogalehrerin, Autorin und ausgebildet in traditioneller Phytotherapie. Mit diesem Buch will sie Menschen durch einfühlsames Begleiten in ihren persönlichen Fähigkeiten zu stärken und ihre Beziehung zur Natur nachhaltig zu vertiefen. Sie stellt verschiedene Projekte von naturhandwerklichen Arbeiten vor, die weitgehend auf industriell vorgefertigte Materialien verzichten: „ Dieses Buch soll eine Inspiration sein und zu einer ähnlichen Arbeitsweise anregen, da eine Tätigkeit mit ursprünglichen Materialien tief in den Prozess eintauchen lässt und die Materialien und Techniken wirklich intensiv kennengelernt und erfahren werden können.“ (S. 72)

In den ersten Abschnitten werden die Grundlagen für ein tieferes Verständnis für die Arbeit mit Naturmaterialien gelegt: Dabei werden der natürliche Kreislauf des Lebens, verschiedene Alltagsroutinen wie Naturtagebuch, eine nachhaltige Lebensweise, die Sicherheit im Verarbeitungsprozess und notwendige Werkzeuge behandelt. Außerdem werden die Produkte von Bäumen, Sträuchern, Wildpflanzen, der Erde, Naturmaterialien von Tieren und Naturmaterialien zum Räuchern vorgestellt.

Danach geht es weiter mit den Projekten: Sie beginnen mit handwerklichen Arbeiten wie die Fertigung einer Laptoptasche aus Leder, das Flechten eines Trockenkorbes oder der Bau einer Holzflöte. Die Herstellung von Produkten zur Körperpflege wie Pflanzenwasser, Blütenkernseife oder Cremes aus Wald und Wiesen werden danach präsentiert. Anschließend geht es um Heilmittel aus der Natur wie Harzbalsam, Tinkturen oder ein pflanzliches Schmerzmittel aus Weidenrinde.

Die Projekte werden einzeln durch einen einleitenden Text zunächst vorgestellt, dann folgen eine Auflistung des notwendigen Materials und ggf. Werkzeug. Dann gibt es Schritt für Schritt-Anleitungen in Wort und Bild, manchmal auch Zeichnungen und das fertige Endprodukt im Bild.

Im Anhang wird die Autorin noch vorgestellt, ein Register, Literaturverzeichnis oder Links fehlt.

Das Buch schafft ein Bewusstsein für Naturmaterialien und eine Art von Verbundenheit mit den Schätzen, die die Natur hervorbringt. Es werden viele Handwerkskünste, Techniken, Werkzeuge und Materialien, vorgestellt, die von relativ schwierig bis leicht, zeitaufwändig und kurz reichen. So kann man individuell entscheiden, was für einen das Richtige ist. Natürlich lassen sich zusätzlich auch zum Beispiel Waldbaden oder Meditation und Achtsamkeit in der Natur anwenden.



Buch 4

Esther Gonstalla: Das Waldbuch. Alles, was man wissen muss, in 50 Grafiken, oekom, München 2021, ISBN: 978-3-962-382111-7, 24 EURO (D)

In diesem Buch hat Esther Gonstalla zusammen mit Wissenschaftler*innen die wichtigsten Zahlen, Fakten und Aspekte zum weltweiten Zustand der Wälder in 50 Grafiken zusammengetragen.

Nach einem Vorwort von Prof. Dr. Hansjörg Küster vom Institut für Geobotanik der Universität Hannover wird in einer Gegenüberstellung der unterschiedliche Wert des Waldes für Klima und Lebewesen und die Vorteile des Menschen als Nutzer von Waldökosystemen skizziert.

Danach folgen die Grafiken, die in fünf Schwerpunktbereiche geordnet sind. Los geht es mit dem Ökosystem Wald, wo zum Beispiel eine Graphik die Wälder der Erde (temperierte und subtropische Wälder, tropische Wälder, boreale Wälder, industrielle Baumplantagen) oder die Bedeutung von Totholz als wichtiger Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen zeigen.

Danach geht um Wald um Klima, wo in Zusammenhängen die Folgen der Klimakrise und die Möglichkeiten des Waldmanagements wie die Erhöhung der Stabilität und Klimaflexibilität der Wälder, die Erforschung fremder Arten und die Förderung von dürreresistenten Baumarten erklärt wird. Beim Schwerpunkt Wald und Mensch werden unter anderem die Ökosystemleistungen des Waldes und die Verbesserung der psychischen Gesundheit, die Effekte des Waldbadens und die Heilkräfte aus Waldpflanzen gegen Schmerzen, Diabetes, Malaria usw. veranschaulicht.

Unter der Rubrik Wälder in Gefahr werden zum Beispiel die steigende Degradation, also Wälder, in die Menschen so stark eingreifen, dass die Ökosystemfunktionen und die Artenvielfalt vermindert wird, oder die gefährdeten, stark gefährdeten, vor dem Aussterben bedrohte und bereits ausgestorbene Tierarten behandelt. Der Waldschutz mit der Vorstellung von 10 Punkten für die Schutzverbesserung folgt danach. Dabei wird auch die Great Green Wall, ein Mosaik von Renaturierungsprojekten in knapp dreißig afrikanischen Ländern, die sich durch die Sahelzone zieht. Dort werden Bodenschutz- und Wasserverbesserungsmaßnahmen umgesetzt, um die Regionen wieder ergrünen zu lassen.

Im Anhang gibt es noch ein Quellenverzeichnis mit dazugehörigen Seitenzahlen und Informationen zur Autorin.

Hier wird visuell auf die Zusammenhänge zwischen menschlichem Handeln und den negativen Veränderungen des Lebensraumes Wald hinweisen, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, das Ökosystem endlich noch mehr zu schützen auch im Hinblick auf künftige Generationen. Das Buch erklärt anschaulich auf wissenschaftlicher Grundlage die verschiedenen Gründe, die zur Belastung des Ökosystems führen, die negativen Folgen für Mensch und Umwelt, aber auch schon existierende und erwünschte Gegenmaßnahmen. Einzig das Konzept des Wilderness einer sich selbst überlassenen Natur fehlt. Eine spannende Herangehensweise zu allen Bereichen der Erde.

 

Buch 5

Henry Firth & Ian Theasby: Speedy Bosh! Schnell, einfach, vegan, EMF, Igling 2020, ISBN: 978-3-7459-0506-9, 22 EURO (D)

In ihrem vierten Kochbuch der veganen Bestsellerautoren gibt es über 100 vegane Rezepte, die nur 30 Minuten Zubereitungszeit brauchen. Sie eignen sich für ein Abendessen nach einem langen Arbeitstag, das schnelle Familienfrühstück oder das sonntägliche Meal-Prepping für die kommende Woche.

Im ersten Teil des Buches werden Basiszutaten im Kühlschrank bzw. Vorratsschrank, eine Liste mit Küchenzubehör, Tipps zur Küchenorganisation oder Tipps für schnellere Zubereitungstechniken zum Beispiel wie man mehrere Schritte gleichzeitig ausführt. Außerdem gibt es noch spezielle Zutatentipps für das Zubereiten von Speisen, die traditionell viel Zeit erfordern, ohne Geschmacksverlust schneller hinzukriegen wie Béchamelsauce oder Geschmortes. Es werden weiterhin eine Sammlung von Rezepten für jede Gelegenheit mit den entsprechenden Seitenzahlen im Buch präsentiert: Schnellversionen von klassischen Rezepten, Low-Budget-Gerichte, alle Farben auf dem Teller, proteinreiche Gerichte für Sportler, kohlenhydratreiche, fettarme Rezepte, Gerichte für das Meal-Prepping, Essen für Partys, Tofu-Rezepte, Streetfood, Bestände aus dem Vorratsschrank.

Weiter geht es mit dem Rezeptteil: Dort werden zuerst herzhafte Rezepte wie Pasta mit Auberginen-Linsen-Bällchen oder Gochujang-Schnitzel mit Reis und Kimchi vorgestellt. Rezepte zum Mitnehmen wie Jackfrucht-Rendang-Burger oder Kartoffel-Chaat mit Knusperkichererbsen folgen danach. Gerichte zum Teilen wie Chimichurri-Seitan-Fajitas oder Falafeln mit gegrillter Aubergine und leichte Gerichte wie Kurkumagelber Röstblumenkohl oder Teriyaki-Tempeh kommen dann zur Sprache. Süße Kleinigkeiten oder Desserts wie cremige Lemon Pie oder rotes Samtsorbet werden dann präsentiert, bevor Getränke wie Deep South Dirty Martini oder bittersüßer Pfirsisch-Bellini behandelt werden. Frühstückskreationen wie Tacos mit Hash-Füllung oder Grünzeug-Toast mit Kapern-Crumble runden den Rezeptteil ab.

Im Anhang findet man noch ein Register.

Dieses Buch ist für vegane Berufstätige oder mit einer größeren Familie geeignet. Beim dem Versprechen, eine Mahlzeit in höchstens 30 Minuten zuzubereiten, ist die Vorarbeit schon mit eingerechnet und auch die Tipps zur Zeitersparnis sind für geübte Köche leicht umsetzbar. Das notwendige Küchenwerkzeug und das Besorgen der Zutaten bieten keine hohen Hürden. Gut ist das Verzeichnis von Mahlzeiten für alle Gelegenheiten, die Vielseitigkeit der veganen Küche mit internationalem Flair wird auch repräsentiert. Ausgefallene Kreationen gibt es weniger.



Buch 6


Urs Niggli: Alle satt? Ernährung sichern für 10 Milliarden Menschen, Residenz, Wien/Salzburg 2021, ISBN: 978-3-7017-3419-1,

Urs Niggli leitete bis 2020 das Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL und ist Mitglied der Scientific Group des Ernährungsgipfels 2021 der Vereinten Nationen. In diesem Buch präsentiert er seine Visionen, wie in nächster Zeit zehn Milliarden Menschen auf der Erde ernährt werden könnten.

Seine Vorschläge, Forderungen und Anregungen sind die Folgenden: Die Verpflichtung der Regierungen in ihrem nationalen Einflussbereich die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung umzusetzen, die derzeit nicht erfüllt werden, müssten mit Druck und Aktivismus aus der Zivilgesellschaft eingefordert werden. Zweitens sollte die Notwendigkeit eines Wandels in der Landwirtschaft nach und nach im öffentlichen Diskurs und schließlich im individuellen Verhalten etabliert werden. Einer positiven Kommunikation der Umstellung von Ernährung könnte durch Einkaufsführer auf Smartphones mit individuell auf die Größe des Haushalts abgestimmten Echtzeitempfehlungen und die Kennzeichnung von Lebensmitteln, wo deutlich für die Verbraucher wird, dass sie ökologische Nachhaltigkeit und eine gesunde Ernährung unterstützen.

Weiterhin müssten die zahlreichen Förderinstrumente der Agrarpolitik so umgebaut werden, dass sie der Allgemeingesellschaft dienen, also Bodenschutz, Tierschutz, Klimaschutz usw. Umweltfreundliche Landwirte müssten begünstigt, umweltbelastende benachteiligt werden, dies könnte mit gesetzlichen Grundlagen für Umweltlenkungsaufgaben geschehen. Damit könnten Pestizide, Herbizide, synthetische Stickstoffdünger, Phosphorhandelsdünger und die Energie verteuert werden. Damit könnten höhere Zahlungen für Klimaschutzmaßnahmen und Agrarökologie finanziert werden. Außerdem werden eine Zusammenarbeit mit den Konsumentenverbänden und die bessere Bündelung ihrer Macht angemahnt. Dies gilt auch für eine soziale und ökologische Innovationskultur. Des Weiteren werden technologische Innovationen wie Genom-Editierung, mit dem Züchter Veränderungen am Erbgut von Pflanzen auslösen, die auch durch eine natürliche Mutation entstehen könnten. Genannt wird auch Wissenschaftsdisziplin der Bionik. Bionik befasst sich mit der technischen Umsetzung und Anwendung von Konstruktionen, Verfahren und Entwicklungsprinzipien biologischer Systeme. Dieses Übertragen von Phänomenen der Natur auf die Technik ist ein neueres interdisziplinäres Forschungsfeld. Im Zuge der Entdeckung der Natur und der Ökologie wird davon ausgegangen, dass die belebte Natur durch evolutionäre Prozesse optimierte Strukturen und Prozesse entwickelt, von denen der Mensch lernen kann.

Das Buch schafft ein Bewusstsein für ganzheitliche Zusammenhänge des Ernährungssystems und bietet viele Alternativen und Konzepte für die Umgestaltung des Bestehenden. Ob das allerdings in naher Zukunft umgesetzt werden kann, darf bezweifelt werden. Das augenblickliche Zaudern der Politik, die traditionelle Landwirtschaft und deren Verbände sowie Großunternehmen sind wohl übermächtige Gegner, wobei schon ein verändertes Bewusstsein zu konstatieren ist. Auch die allmähliche Transformation, von der Niggli ausgeht, müsste in schnelleren Schritten umgesetzt werden, vor allem bei der biologischen Landwirtschaft.









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