Neuerscheinungen Kultur

26.02.21
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Eva Knels: Der Salon und die Pariser Kunstszene unter Napoleon I. Kunstpolitik, künstlerische Strategien, internationale Resonanzen, Olms, Hildesheim/Zürich/New York 2019, ISBN: 978-3-487-15774-0, 72 EURO (D)

Der Pariser Salon war die größte und wichtigste Ausstellung zeitgenössischer Kunst in Europa im 19. Jahrhundert. Er war Bühne künstlerischer Selbstvermarktung und Ort des Wettstreits, Kunstmesse, Massenattraktion, kulturelles Aushängeschild und staatliches Propagandaministerium in einem. Er versammelte Künstler, Kritiker, Sammler und Händler, war Anlass für ästhetische Debatten und zog ein internationales, sozial heterogenes Publikum in seinen Bann.

Dies ist die Promotion von Eva Knels in Kunstgeschichte an der Technische Universität Berlin und der Université Paris IV – Pantheon-Sorbonne, betreut durch Prof. Dr. Bénédicte Savoy und Prof. Dr. Barthélémy Jobert. Sie untersucht darin die Zeit des Pariser Salons unter Napoleon I. Dabei stehen zwei Fragen im Zentrum der Untersuchung: die Frage nach dem tiefgreifenden Wandel des Salons, der über ihn ausgeübte Kunstpolitik, seiner Akteure und die von ihnen ausgestellten Kunstwerken in den Jahren 1799 bis 1815 und die Frage nach der internationalen Rezeption und damit der Bedeutung der napoleonischen Ausstellungspolitik außerhalb von Frankreich. Die Arbeit verfolgt einen sozialgeschichtlichen Ansatz, der die wechselseitigen Beziehungen von kultureller bzw. künstlerischer Praxis und deren gesellschaftlichen historischen Kontext betont.

Die Untersuchung stützt sich auf breite Basis unveröffentlichter und veröffentlichter Quellen in deutscher, englischer, französischer, italienischer und am Rande spanischer und niederländischer Sprache. Den wichtigsten Ausgangspunkt stellen die Salonkataloge (Livrets). Die Korrespondenz des Museumsdirektors, Dominique Vivant Denon, Dokumente aus den Archives nationales und den Archives des musées nationaux und Künstlermonografien wurden ebenfalls herangezogen. Für den rezeptionsgeschichtlichen Teil wurden private Korrespondenzen, Zeitungen und Zeitschriften, druckgrafische Sammelbände, Reiseberichte und Memoiren auf ihrer Paris-Rezeption und speziell auf die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer französischer Kunst und den Salon hin untersucht.

In der Einleitung wird ein bisheriger Forschungsüberblick gegeben, die Fragen und der Aufbau der Arbeit vorgestellt.

Im ersten Teil geht es um die Organisation und Konzeption des Salons unter Napoleon I. Eine topografische Bestandsaufnahme der Orte zeitgenössischer Kunst verdeutlicht, wo man um 1800 in Paris zeitgenössische Kunst sehen konnte und inwiefern sich die Ausstellungsbedingungen mit der Revolution von 1789 verändert haben. Danach werden die Entstehung, die konzeptionelle Neuausrichtung und das Funktionieren der napoleonischen Salonpolitik beschrieben.

Im zweiten Teil wird eine differenzierte Betrachtung der Salonteilnehmer vorgenommen. Die Künstlerschaft, die ca. 1300 Personen umfasst, wird in typologische Gruppen unterteilt und diese anhand ausgewählter Akteure untersucht. Es wird skizziert, welche Rolle bestimmte Künstlergruppen im Salon spielten, wie sie sich gegenüber der dominanten kunstpolitischen Struktur positionierten und welche Sichtbarkeit sie über die Ausstellung hatten.

Der dritte Teil beschäftigt sich mit Ausstrahlung, Reichweite und Resonanzen des Salons. Es wird an ausgewählten Beispielen gezeigt, ob und wie sich Reisende nach Paris als Multiplikatoren des Pariser Salons fungierten. Danach werden verschiedene Medien (Zeitschriften, Reiseberichte, Memoiren, druckgrafische Erzeugnisse) nach der Frage untersucht, welche Rolle der Salon, im Gegensatz zum Musée Napoleon, in der Wahrnehmung europäischer Reisender spielte und welches Bild diese Medien von der Pariser Kunstszene generierten und verbreiteten.

Folgende Ergebnisse ergaben die Untersuchung: Dem in den Revolutionsjahren demokratisiertem Kunstbetrieb wurde durch Napoleon I. ein neues Programm für die Kunst übergestülpt. Systematisch miteinander verknüpft wurden Auftragspolitik und Salonorganisation erst mit dem Amtsantritt von Dominique Vivant Denon, der eine Schlüsselrolle spielte. Die Ausstellung im Louvre wurde als Bühne und Werkzeug politischer Propaganda benutzt. Über gezielte Aufträge an Künstler ließen sich politische Inhalte per Bild an ein breites Publikum vermitteln.

Die Integration ausländischer Künstler war ein Teil der Strategie, um die internationale Bedeutung von Paris als Kunstzentrum zu unterstreichen und sie gleichzeitig in nationalistischem Duktus als Vergleichsfolie heranzuziehen, um eine vermeintliche Überlegenheit der französischen Kunst abzuleiten. Neu an der napoleonischen Salonpolitik waren das Aufgreifen von künstlerischen Trends, wie anekdotische Erzählmodi, monumentaler Schlachtendarstellung und die Förderung im Bereich der Ankäufe von Gattungen wie Landschafts- oder Genremalerei. Es gab auch neue mediale Vermittlungsversuche, um der staatlichen Kunstförderung Sichtbarkeit zu verleihen.

Eine neue Generation von Künstlern der neuen französischen Schule spielten eine immer größere Rolle unter den Ausstellern: „Während sich David und die alte Elite von der offiziellen Kunstszene und dem Salon mehr und mehr zurückzogen, waren es gerade die jungen, neuen Künstler, teils aus der Provinz stammend, teils autodidaktisch gebildet, die sich am geöffneten Salon schnell einen guten Ruf erwarben. Grundsätzlich kennzeichnete diese Generation eine große Flexibilität, mit der sie auf den Wandel des Salons, die neue Auftragspolitik, aber auch Moden des Kunstmarktes und Sammlerinteressen reagierten.“ (S. 384)

Ein Großteil der Künstler arrangierte sich mit der Salonpolitik von Denon, sie stellte im Vergleich zum Absolutismus für alle Nichtakademiker eine Demokratisierung dar. Pragmatismus und Überlebensstrategien kennzeichneten diese Generation, die aber auch von der Öffnung und den neuen Möglichkeiten, auf dem Kunstmarkt sichtbar zu werden, profitierten. Die Autorin negiert „das Bild einer durch und durch von Propagandakunst durchdrungenen Ausstellung“ und spricht von einer „Diversität und Vielfalt“ der Kunst dieser Zeit. (S. 385)

Die internationalen Resonanzen des Salons und die Berichterstattung über ihn waren von einer „deutlichen Asymmetrie“ gekennzeichnet. Deutschsprachige Journale zeigten ein ausgeprägtes Interesse, englische Salonbesprechungen waren überschaubar, italienische Zeitschriften lieferten keine Salonbesprechung. Dies lasse sich teilweise durch politische Konstellationen und Kontexte erklären. Auch die Resonanzen des Salons in der Gattung Reiseberichte waren verhalten. Der Ton war kritischer, was sich inhaltlich in allen untersuchten Medien gegen die Schüler Davids und deren als künstlich empfundene „Manier“ richtete, später auch gegen die sich von Salonjahr zu Salonjahr häufenden Darstellungen der Zeitgeschichte. Der Salon und seine Kunst berührten europäische Reisende nicht so sehr wie die aus europäischen Sammlungen konfiszierten und nach Paris abtransportierten Kunst- und Kulturgüter: „Die europäische Sichtbarkeit und Reichweite des Salons und seiner Kunst entpuppten sich damit als französisches Wunschdenken.“ (S. 387)

Nach dem Fazit findet man noch ein Quellenverzeichnis, die benutzte Sekundärliteratur, Nachschlagewerke, Lexika, den Abbildungsnachweise und ein Nachwort.

Insgesamt gesehen handelt es sich um eine ausgezeichnete Arbeit, die klar strukturiert ist, viele Quellen und Literatur aus unterschiedlichen Sprachen miteinbezieht und prägnante Thesen zu den Zusammenhängen von Kunstpolitik, Ausstellungspraxis, künstlerischer Produktion und deren Rezeption in Westeuropa liefert. Die Autorin liefert auch noch eine Darstellung der noch offenen Fragen (S. 381), was die vorherige differenzierte und klare Analyse noch aufwertet. Das Nachwort hätte besser an den Anfang gehört, um gleich als Leser mehr Informationen über die Art des Buches und die akademischen Zusammenhänge zu bekommen. Dies ist aber der einzige kleine Makel einer lesenswerten Monografie.


Buch 2

Heino Grunert (Hrsg.): Die Hamburger Wallanlagen. Von der Festung bis Planten un Blomen, Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 2020, ISBN: 978-3-862-18138-4, 39,90 EURO (D)

Die Hamburger Wallanlagen standen über 200 für die Wehrhaftigkeit einer nie eroberten Stadt. Mit der Entfestigung im 19. Jahrhundert erhielt Hamburg seinen ersten großen öffentlichen Garten. Der Wallring prägt mit seiner Architektur, seinen Kunstwerken und seiner Gartenarchitektur noch immer die Identität der Stadt.

Dieses Buch ist die erste umfassende Publikation zu 400 Jahren Wallanlagen und den internationalen Gartenschauen IGA. Es zeigt Facetten der Stadtgeschichte aus gartenkünstlerischer, städtebaulicher, architektonischer, botanischer und kunsthistorischer Sicht und präsentiert zum Teil unveröffentlichtes Bildmaterial.

In der vorderen und hinteren Innenseite des Buches findet man Luftbildaufnahmen mit Beschreibung, ehemalige Stadttore, Parkeingänge und Kunst am Wallring.

Zu Beginn untersucht Gert Kähler die städtebauliche Wirkung und Bedeutung der Wallanlagen und ihrer Tore, ihre Inanspruchnahme für das Stadtwachstum und ihrer Wahrnehmbarkeit bis in die heutige Zeit. Danach stellt Dirk Brietzke Hintergründe und Erfolg des Baus einer der mächtigsten Festungsanlagen im deutschsprachigen Raum und ordnet diese in einen größeren Zusammenhang ein. Anschließend skizziert Heino Grunert aus gärtnerischer und freiraumplanerischer Sicht die Entwicklung der Flächen beiderseits des Stadtgrabens, ihre zunehmende Belegung durch die schnell wachsende Stadt bis hin zur Anlage Planten un Blomen. Außerdem wird eine von Johann Christian Plath veröffentlichte Pflanzenliste mit der Auswahl einzelner Arten abgedruckt.

Kristina Vogt beschreibt den Wiederaufbau der grünen Wallanlagen nach 1945 und die Einflüsse der Nachkriegsmoderne bis zur letzten großen IGA 1971. Danach folgen Kurzbeiträge von Judith Rohrer, Annemarie Bucher, Ulrike Krippner und Lilli Licka, die die Gartenbauausstellungen in einen internationalen Kontext setzen. Patrick Siekendieck skizziert dann das Thema Transport in der Parkanlage. Danach stellt Eva Henze die nach der letzten IGA 1971 erfolgten Modernisierungs- und Umgestaltungsmaßnahmen der Parkanlage vor und benennt inhaltliche Schwerpunkte der Veränderung. Die zahlreichen neu entstandenen Denkmäler und Bauwerke werden danach von Jörg Schilling vorgestellt.

Martin Spruijt dokumentiert mit Motiven aus einer umfangreichen Sammlung historischer Ansichtskarten die Entwicklung des grünen Wallrings über mehr als 100 Jahre. Dabei werden Wandel, Vielfalt und öffentliche Wahrnehmung der Anlagen im Bild gezeigt. Barbara Engelschall und Hans-Helmut Poppendieck untersuchen danach die Geschichte und Bedeutung des Botanischen Gartens. Dieselben stellen die Gärtner, Garteninspektoren und die Technischen Leiter, die seit 200 Jahren die Pflanzenwelt und das Gesicht des Parks prägen, vor. Außerdem werden Pflanzenstauden und Pflanzenporträts wie die Mexikanische Riesenkakteen oder das Mammutblatt präsentiert.

Jens Beck benennt dann die Schwierigkeiten der Erfassung und Benennung einer Denkmallandschaft, die ständig im Wandel war und auch heute noch ist. Weiterhin liefert er eine Übersicht über die wichtigsten Kunstwerke und Denkmäler am Wallring. Zum Schluss ordnet der Landschaftsplaner Klaus Hoppe den Wallring in das Grüngefüge der Stadt ein und zeigt Perspektiven für die Entwicklung im 21. Jahrhundert auf.

Innerhalb der einzelnen Beiträge werden historische Karten, Dokumente, Grundrisse, Ansichtskarten, Stadtpläne, Medaillen, Gemälde, Plakate, aktuelle Gartenbilder und Luftaufnahmen gezeigt. Wichtige Zitate werden hervorgehoben.

Im Anhang findet man eine Zeittafel von 1616 bis 2020, ein Literaturverzeichnis, Informationen zu den Autoren, den Abbildungsnachweis, ein Personenregister und ein Orts- und Sachregister.

In diesem Buch geht es vornehmlich um die Entfestigung und Umgestaltung der Wallflächen zu ersten große öffentliche Grünfläche, der Bau der Wallanlagen im 17, Jahrhundert und die folgende Geschichte bilden keinen Schwerpunkt. Die Stationen dazu, insbesondere Ausstellungen wie die Niederdeutsche Gartenschau Planten un Blomen (1935) und die nachfolgenden Internationalen Gartenbauausstellungen werden ausführlich gezeigt und auch ein Blick auf künftige Aufgaben geworfen. Man hätte noch extra auf die zahlreiche Straßennamen eingehen können, die an die früheren Wallanlagen erinnern, oder den Pionier der Umwandlung in Grünanlagen, Isaak Altmann, in einem eigenen Kapitel würdigen können.

Insgesamt ist ein aufwändig gestaltetes Fachbuch, das durch seine Verbindung zwischen sachkundigem Text und der Visualisierung hervorsticht. Hervorzuheben sind auch die ausführliche Beschäftigung mit der Vielfalt der Pflanzenverwendung und die detaillierte Beschreibung von Kunstwerken und Denkmälern.

 

Buch 3

Dirk Schubert/Peter Michelis (Hrsg.): Hamburger und Altonaer Reformwohnungsbau der 1920er Jahre. Vergleichende Perspektiven von Modellen der Moderne, Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 2021, ISBN: 978-3-86218-139-1, 39,90 EURO (D)

Der Band geht auf eine Fachtagung mit demselben Titel, die von der Fritz-Schumacher-Gesellschaft e.V. und der Gustav-Oelsner-Gesellschaft e.V. veranstaltet wurde. Im Zentrum stehen die Wohnungsreformbestrebungen in den 1920er Jahren in Hamburg und Altona bevor die beiden Städte 1937 zu Groß-Hamburg wurden. Die beiden Protagonisten waren Gustav Oelsner und Fritz Schumacher, die vor unterschiedlichem Hintergrund in den beiden Städten mit diversen Strategien auf die Baukultur und den Wohnungs- und Städtebau einwirkten, und bis heute stilprägend sind. Beide agierten als Partner auf Augenhöhe, um die gemeinsamen städtebaulichen und hafenbezogenen Probleme der Städte Hamburg und Altona zu lösen.

Die einleitenden Beiträge beschäftigen sich mit Schumachers Wirken in Hamburg und Oelsners in Altona. Fritz Schumacher sah Städtebau als Instrument der Sozialreform. Seine Ideen, Konzepte, Methoden und Umsetzungsstrategien werden von Dirk Schubert näher vorgestellt und seine aktuelle Bedeutung analysiert.

Peter Michelis sieht die architektonische Leistung Gustav-Oelsners in der des Chefarchitekten der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft SAGA im Wohnungsbau und im städtischen Schulbau und stellt heraus, dass seine Architektursprache im Stil des „Neuen Bauens“ bis heute Teile des Altonaer Stadtbildes prägen.

Danach skizziert Anna Zülch in Bezug auf Wohnungsmangel und Siedlungsbau den Übergang der Planung von Kleinwohnungen zu Kleinstwohnungen. Monika Isler Binz skizziert den Beitrag des Architekten Karl Schneider im Bereich des Wohnungsbaus, bevor Roger Popp das erste Vorhaben des „Sozialen Wohnungsbaus“ am Dulsberg und dort die Umsetzung der Reformvorstellungen Schumachers.

Anschließend wird der hohe Wert der Freiraumplanung in den neuen Stadtquartieren verdeutlicht. Zunächst geht Joachim Schnitter auf die Freiraumplanung am Dulsberg, die zur Entwicklung einer neuen gesunden Gesellschaft beitragen sollte. Olaf Bey skizziert die Parkensembles in Altona und dabei besonders den Volkspark. Heino Grunert geht auf den Garten- und Freiraumplaner Leberecht Migge ein, der Vorstellungen zur nutzbaren Freiraumgestaltung und zu Siedlergärten entwickelt hatte.

Der Schulbau für eine Gesellschaftsreform steht dann im Mittelpunkt. Claus Kurzweg skizziert am Schulbau von Fritz Schumacher unterschiedliche Phasen des Schulbaus. Peter Michelis untersucht die Berufliche Schule B.E.A., die in seiner Bauweise damals einen einzigartigen Schulbau darstellte.

Anschließend geht es um andere deutsche Städte und ihre Wohnungsbauprojekte in den 1920er Jahren. Winfried Brenne dokumentiert den Umgang mit Baudenkmälern und die denkmalpflegerische Wiederherstellung am Beispiel der Berliner Reformsiedlungen. C. Julius Reinsberg skizziert das „Neue Frankfurt“ als Archetyp der modernen Großstadt. Olaf Bartels analysiert die Tätigkeit Oelsners in der Türkei und geht auf Oelsners Rückkehr nach Hamburg nach dem 2. Weltkrieg und seinen Beitrag zum Wiederaufbau ein.

Es folgen Beispiele und Erfahrungen aus dem Ausland. Michael Koch beschreibt den Weg zur dezentralisierten „Großstadt Schweiz“. Im Zuge des „Roten Wiens“ stellt Werner T. Bauer die Wohnungsbautätigkeit und dabei besonders die Siedlung Karl-Marx-Hof dar. Danach beschäftigt sich Car Wagenaar mit der Wohnreformbestrebung in den Niederlanden. Gabriele Rembarz erörtert vor dem Hintergrund der politischen Veränderungen in Polen die Debatte um Wohnungs- und Städtebau in Polen.

Die Herausgeber skizzieren abschließend in einem vergleichenden Rückblick und einem Ausblick die Vielschichtigkeit der baukulturellen und wohnungsreformerischen Ambitionen der 1920er Jahre.

Programm des sozialen Wohnungsbaus fügen sich in einen gesamteuropäischen Trend zum Aufbau wohlfahrtsstaatlicher Leistungen ein. Sie würdigen Schumacher, dem es gelang, für den Wohnungsbau bestehende Pläne zu reformieren und umzugestalten, neue Bauflächen zu erschließen und mit Wohnungen von gemeinnützigen und freien Trägern bauen zu lassen. Die Leistungen von Schumacher und Oelsner mit öffentlichen Parkanlagen in der weiteren Umgebung der neuen Siedlungen werden auch hervorgehoben.

Sie sehen als aktuelle Aufgabe an, diese Wohnungsbestände zukunftsfähig zu machen und ihre Nutzbarkeit zu erhalten, damit sie auf dem Wohnungsmarkt konkurrieren können. Das Verhältnis von Stadt und Gesundheit, wie es in den 1920er Jahren in der Freiraumplanung in den neuen Stadtquartieren umgesetzt wurde, sollte auch im Hinblick auf aktuelle Verhältnisse nachgedacht werden.

Am Ende jedes Aufsatzes findet man die Anmerkungen und ein Literaturverzeichnis.

In allen Beiträgen werden historische Bilder, aktuelle Bilder mit Außen- und Innenperspektive, Grundrisse, Entwürfe, Dokumente und Stadtkarten gezeigt.

Im Anhang findet man noch ein Verzeichnis der Autoren und Autorinnen mit kurzer Biografie.

In diesem Band werden Perspektiven auf die Vielfalt von Baukulturen der 1920er Jahre aufgezeigt, die neu entdeckt und unter anderen Vorzeichen wieder genutzt werden können.

Mit Sicherheit kann der Reformwohnungsbau der 1920er Jahre auch heute noch als an der Gegenwart angepasstes Vorbild dienen. Da geben die Herausgeber und auch Teile der Autoren spannenden Hinweise und Anregungen. Besonders die Ablehnung marktradikaler Strategien, die Förderung von Selbstverwaltung, Mitbestimmung und ein Bauen nach den Bedürfnissen der Menschen sind da Kernpunkte. Enteignungen oder die Reduzierung der Macht von großen Gesellschaften werden leider nicht angesprochen.

Der formale Rigorismus und die klare asketische Form, die damals Allgemeingültigkeit und Objektivität repräsentieren, sind jedoch nicht mit der Schaffung von humanen Wohnen und krankmachender Architektur vereinbar. Da ist als Weiterentwicklung auch Kreativität gefragt, wie heutige Vorstellungen von Ästhetik zum Beispiel durch Street Art oder eine ökologische Umgebung integriert werden können.

Eine kurze Darstellung des wirtschaftlichen und sozialen Kontextes der Wohnungspolitik in der Weimarer Zeit mit Wohnungsmangel, Bauförderung und Wirtschaftskrise und Wohnungspolitik als ein Bestandteil der Sozialpolitik hätte noch an den Anfang gesetzt werden können und mit theoretischen Traktaten von Reformern verbunden werden können. Sonst gibt der Band einen tiefen Einblick in den Reformwohnungsbau der Weimarer Republik, es gibt Vergleiche zu anderen deutschen und internationalen Großstädten und Bezüge zur aktuellen Wohnungskrise.

Buch 4

Wolfgang Bonß/Oliver Dimbath/Andrea Maurer/Helga Pedizäus/Michael Schmid: Gesellschaftstheorie. Eine Einführung, transcript, Bielefeld 2021, ISBN: 978-3-8252-5459-9, 25 EURO (D)

In diesem Buch soll überblicksartig eine aufeinander bezogene Darstellung wichtiger soziologischer Gesellschaftstheorien und der damit verbundenen Analysen gegeben werden. Dabei sollen Argumentationsstrukturen und Entwicklungslinien sowie Brüche sichtbar werden; weiterhin geht es bei allen hier vorgestellten Positionen um grundlegende Fragen nach der Konstitution und Wandelbarkeit gesellschaftlicher Ordnung.

Das Buch gliedert sich in insgesamt sieben Schwerpunkte, wo jeweils drei Gesellschaftstheorien und exemplarische Vertreter vorgestellt werden. Am Anfang steht jeweils eine kurze Einführung zur Rahmung der dann folgenden Darstellung. Zunächst werden frühe Gesellschaftstheorien präsentiert, die erstmals das Problem sozialer Ordnungsbildung durch vernunftfähige und formal freie Individuen erfassen (Hobbes, Hume, Smith). Danach folgen Ansätze, die von einer grundsätzlichen Wandelbarkeit gesellschaftlicher Ordnung bzw. Revolution ausgehen (Comte, Marx, Spencer). Anschließend geht es um klassische Gesellschaftstheorien, die die Möglichkeiten und Formen sozialer Integration behandeln (Weber, Durkheim, Simmel).

Weiterhin werden Gesellschaftstheorien als Kritik präsentiert (Geiger, Mannheim, Horkheimer/Adorno). Der fünfte Schwerpunkt liegt in Strukturbedingungen und gesellschaftlicher Entwicklung (Elias, Polanyi, Parsons). Gesellschaftstheorien, die Mikro- und Makroebene verbinden und Machtverhältnisse sowie die Position von Individuen stärker akzentuieren, folgen danach (Foucault, Bourdieu, Coleman). Theorien von Veränderungen, Transformationen und schrittweiser Auflösung von gesellschaftlichen Mustern bis hin zum Übergang zu neuen postmodernen Formen runden die Kapitel ab (Luhmann, Beck, Bauman).

Dies passiert nach folgender einheitlichen Symptomatik: Jedes Unterkapitel beginnt mit Informationen zur Person und geistes- und sozialgeschichtliche Hintergründe. Danach werden zentrale Themenstellungen und gesellschaftstheoretische Positionen vorgestellt und mitunter auf andere hier auch im Buch vorgestellte Ansätze bezogen. Dann folgen drei Leitfragen: Wie wird Gesellschaft konzeptualisiert? Wie ist das Verhältnis von Mikro- und Makroanalyse angelegt? Wie wird die Veränderung bzw. Entwicklung von Gesellschaft beschrieben und analysiert? Am Ende findet man noch Lernkontrollfragen und Angaben zur Primär- und Sekundärliteratur.

In dem Schlusskapitel, der sich als Synthese begreift, werden die Gesellschaftstheorien entlang von drei Kategorien geordnet. Die erste Kategorie ist die Frage, ob die Gesellschaftstheorien, Wandel oder Beharrung als Ausgangsproblem thematisieren und entsprechend Modelle von sozialen Dynamiken oder Gleichgewichten oder Restabilisierungsprozessen vorlegen. Zweitens ist dies die Unterscheidung zwischen ideell und materiell und on die Erklärungen eher auf die Ebene des Individuums, auf der der Gesellschaft oder am Wechselspiel zwischen diesen beiden Ebenen ansetzen. Drittens sind dies die Pole kritisch-aufklärerische Ansätze und kritisch-rationale Ansätze.

Insgesamt gesehen werden hier die wichtigsten Bestandteile der jeweiligen Theorien, Entwicklungslinien sowie Perspektiven gut veranschaulicht, wobei die Beiträge über Marx und Elias etwas nach unten abfallen. Der Vorteil der Struktur des Buches liegt vor allem darin, dass Ausgangspunkte wie auch Weiterführungen entlang von Kritik und Verbesserung früherer Werke verdeutlicht werden.

Es gilt allerdings zu berücksichtigen, dass hier nur die Theoriebildungen westlicher Gesellschaften angesprochen werden, also lediglich ein Teil der weltweiten Modelle und Schriften.


Buch 5


Arthur Brehmer: Die Welt in 100 Jahren, Olms, Hildesheim 2020, ISBN: 978-3-487-31106-8, 19,80 EURO (D)

Im 1908 bat der Journalist Arthur Brehmer bat 22 damals führende Wissenschaftler und andere Persönlichkeiten um einen Beitrag, wie sie sich die Welt in 100 Jahren, also um 2010 herum vorstellten. Dies hat er in Buchform zusammengestellt. Dies ist ein Reprint der damaligen Ausgabe, der 12. Nachdruck der Ausgabe von 1910, mit einem Essay über den Inhalt des Buches vorangestellt. Hinzu kommen die Illustrationen von Ernst Lübbert.

Herausgekommen ist ein spannender Sammelband mit Zukunftsprojektionen und Visionen. Fast alle Essays besitzen eine positive Zukunftsentwicklung, die Hoffnung auf Morgen wird in Kontrast zu einer problematischen Gegenwart gesehen. Die technische, wirtschaftliche und geistige Fortschrittseuphorie ist spürbar. Die Menschheit hat mehr Frieden, Wohlstand, Gesundheit, Vernunft und Fortschritt. Der Glaube an den kollektiven Menschen, der Individualität abgelegt hat, und soziale Utopien waren auch weit verbreitet.

Die einzelnen Beiträge argumentieren aus dem Wissen ihrer Zeit, dies merkt man an den Vorstellungen vom Kolonialismus, der Überhöhung der Nation und auch beim Rassisten Cesare Lombroso, der damals allen Ernstes die These vertrat, Verbrecher könne man an ihrer Physiognomie erkennen. Bei einigen Dingen kann man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, wie die These, dass Theater nur noch bei Premieren besucht werden.

Viele Fehlprognosen sind dabei: Radium solle angeblich das Wundermittel für alle Arten von Krankheiten sein, geisteswissenschaftliche und künstlerische Prognosen sind auch eher begleitet von Wünschen und Desideraten der Autoren.

Technische und wissenschaftliche Voraussagen sind grob gesehen überraschend zutreffend: Das "drahtlose Jahrhundert" in der Kommunikation und die fortschreitende Technisierung des Krieges sind in diesem Zusammenhang zu erwähnen.

Der Reiz dieses Buches liegt vor allem darin, ob die Zukunftsprognosen auch eingetroffen sind oder ob es nur futuristische Schaumschlägerei war. Außerdem ist es spannend, rückblickend in die Denkweise der damaligen Denker eintauchen zu können.

Es gibt zwar ein einleitendes Essay von Georg Ruppelt, in dem in das Denken der Zeit von 1910 einführt und einige Verfasser und ihren Beitrag näher vorstellt. Manche dieser Personen sind aber heute völlig unbekannt, so dass es besser gewesen wäre, am Ende eine Kurzbiografie aller Autoren hinzuzufügen.


Buch 6

Gerald Poscheschnik (Hrsg.): Suchtfaktor Serie. Psychoanalytisch-kulturwissenschaftliche Perspektiven auf Games of Thrones, Babylon Berlin und Co, Psychosozial Verlag, Gießen 2020, ISBN: 978-3-8374-3026-9, 32,90 EURO (D)



Populäre Serien faszinieren aber nicht nur durch Schauspielkunst und spannende Geschichten; sie haben auch eine unbewusste Tiefendimension, die für ihre Zuschauer*innen eine psychische und psychosoziale Bedeutung hat. So dienen sie auch der Verarbeitung persönlicher und kultureller Ängste und Hoffnungen.

Indem sie Psychoanalyse mit Medien- und Kulturwissenschaft verbinden, ermöglichen die Beiträger*innen in ihren Interpretationen einen Blick auf das Unbewusste der Serien und ihres Publikums.

Eingeleitet wird das Buch durch ein Vorwort des Herausgebers über Fernsehserien als Gegenstand der Wissenschaften und ein Beitrag über Überlegungen zur Bedeutung und Funktion von Fernsehserien aus psychoanalytischer Sicht. Bei Letzterem geht es um Entstehung, Inhalt und Wirkung von Film und Fernsehen und Fernsehserien und ihre psychosoziale Funktionen (Realitätsflucht, Wunschmaschine, Adaptionshilfe, Bildungschance, Gemeinschaftsbildung).

Danach geht es in vier Teilbereichen um verschiedene Gattungen, zu denen jeweils eine Serie in einem Beitrag im Mittelpunkt steht.

Im ersten Teilbereich geht es um Krimis und Thriller. Dort beschäftigen sich Hermann Mitterhofer und Pia Andreatta mit Babylon Berlin mit dem Kommissar, der auf der Suche nach dem Mörder mit seiner eigenen Thematik konfrontiert wird und die historischen Bezüge rund um die Kriegsneurosen nach dem 1. Weltkrieg. Danach geht Thomas Pröll auf die düstere Detektivserie True Detective ein, in der zwei Ermittler eine brutale Mordserie im Umfeld einer Sektengemeinschaft aufklären und werfen die Frage auf, ob die Grenze zu den Verbrechen, die sie verfolgen, immer gewahrt bleibt. Lutz Ellrich und Lisa Wolfson analysieren danach die Serie Sherlock, eine moderne Version von Sherlock Holmes und Dr. Watson der Ermittlung von kongenialen Verbrechern.

Danach geht es um Comedy, Sitcom und Satire. Den Anfang macht Gianluca Crepaldi über The Office, wo der skurrile Alltag in einem deutschen Büro proträtiert wird und wirft dabei einen Blick auf das reale Verhältnis von Subjekt, Arbeit und Gesellschaft. Rainer Spieler befasst sich mit der Zeichentrickserie The Simpsons, und arbeitet die Persönlichkeit der Hauptfiguren heraus. Otto Teischel widmet sich Ally Mc Beal und untersucht die Absurdität und Aufrechterhaltung von Liebesbeziehungen unter dem Aspekt nach dem Wunsch eines erfüllenden Beziehungslebens. Achim Würker in seinem Beitrag über King of Queens um den Hauptdarsteller und seine Verkörperung von Männlichkeit. Barbara Neudecker beleuchtet die Gilmore Girls die Detailanalyse der exaltierten Fassade der Hauptdarstellerinnen.

Drama und Tragödie ist der nächste Schwerpunkt. Timo Storck interpretiert einige Personen der Serie The Deuce, die sich in unterschiedlichen Rollen im Rotlichtmilieu der 70er und 80er Jahre bewegen. Olaf Knellesen stellt die Serie Fauda vor, die sich rund um Terroristen und Agenten im isrealisch-palästinensischen Konflikt rankt. Catharina Thüner und Susanne Hörz-Sagstetter gehen auf die Miniserie Chernobyl ein, die die Reaktorkatastrophe nachzeichnet. Thomas Reichsöllner beschäftigt sich mit Breaking Bad über Drogenhandel, die Faszination für den Tabubruch und Verschränkungen mit der Polizei und konkurrierenden Syndikaten.

Mystery, Fantasy und Horror bilden den vierten Teil. Gerald Poscheschnik geht zunächst auf die Fantasy-Mittelalter-Serie Game of Thrones ein, wo er die Kultur des Niedergangs und die Hoffnung, dass Wandel oder eine alternative Welt möglich ist, untersucht. Lars Steffes beschäftigt sich mit der Fantasy-Mystery-Serie Akte X, in der zwei Agenten versuchen, unheimliche Fälle aufzudecken. Nina Kemereit skizziert anhand der Serie Stranger Things die Widerspiegelung und szenische Wiederholung von adoleszenten Psycho- und Beziehungsdynamiken.

Bei allen Beiträgen wird zunächst immer die Handlung beschrieben. Am Ende der Beiträge gibt es ein Literaturverzeichnis und die Vorstellung der Autor*innen.

Die Autor*innen beleuchten die psychologische unbewussten Aneignung, Bedürfnisbefriedigung und Botschaften von scheinbar trivialen weit verbreiteten Serien. So können zum Beispiel bei Rezipienten Realität und Fiktionen verschwimmen, können Identität wiederspiegeln oder helfen, die eigene Identität durch Annahme oder Ablehnung weiterzuentwickeln.

Die unbewusste Suche nach Helden oder Vorbildern hätte aber stärker in den Mittelpunkt gerückt werden können. Bei der Auswahl der Serien fehlen der Netflix-Klassiker Riverdale oder die Arztserie In aller Freundschaft, die sich schon seit mehr als 23 Jahren hält, für das Fernsehen eine ewige Zeit. Zu nennen ist das auch die Serie Monk, wo der intellektuelle Ermittler Adrian Monk in psychotherapeutischer Behandlung ist und sein Alltag von zahlreichen Phobien und Zwangsstörungen geprägt ist.


Buch 7

Stephan Orth: Couchsurfing in Saudi-Arabien. Meine Reise durch ein Land zwischen Mittelalter und Zukunft, Malik, München 2021, ISBN: 978-3-89029-570-1, 18 EURO (D)

Als in Saudi-Arabien erstmals Touristen einreisen dürfen, erkundet Stephan Ort als Couchsurfer das Königreich selbst und reiste für zahlreiche Wochen quer durch die einzelnen Regionen.

Viele Gesprächspartner, die hier zu Wort kommen, lernte er im Zuge des Couchsurfings kennen.

Einer sagt aus, dass viele Männer lieber eine Ausländerin als eine Einheimische heiraten würden, was staatlicherseits aber nicht erwünscht sei und mit hohen Hürden verbunden ist. Erst nach mehrmaligen vergeblichen Versuchen, eine Einheimische zu ehelichen, dürften Männer über 33 dies beantragen, Regierungsmitarbeitern oder Militärs ausgenommen.

Orth beschreibt weiterhin einen Besuch im Vergnügungspark, bei einem Parcours für Drohnenrennen und einer Oldtimer-Ausstellung, von Snackbuden und Shows von Multimediakünstlern. Eine Welt, wo ein neumodischer Wolkenkratzer im Blickfeld einer historischen Altstadt steht, wo es gleichzeitig die Mutava, die Religionspolizei, und Frauen ohne Kopftuch in der Öffentlichkeit gibt. Diese Parallelwelten von Altem und Neuen erklärt ein Gesprächspartner folgendermaßen: „Wenn es um Glauben und gesellschaftlichen Zusammenleben geht, dann gilt das, was im Koran und in den Hadithen steht, alles andere ist Bid’a, eine verwerfliche Neuerung. In weltlichen Dingen dagegen, in Medizin, Technologie und Wissenschaft, sind Innovationen erlaubt und richtig.“ (S. 82)

Löhne für Migranten seien abhängig von dem Herkunftsland abhängig. Einfache Arbeiter hätten wenig Rechte, ihnen werde der Pass vom Bürgen abgenommen, so dass jederzeit die Abschiebung drohe.

Er berichtet über Aramco, das wertvollste Öl-Unternehmen der Welt, das eines der schlimmsten Klimasünder ist, aber auch von herzlichen Menschen, gemeinsame Mahlzeiten und Ausflüge zu Sehenswürdigkeiten.

Immer mal wieder gibt es Exkurse über Gesellschaft, Politik, Geschichte, Religion und Kultur, zwei Strecken mit Farbbildern findet man auch im Buch.

Durch das Couchsurfing kommt Orth immer wieder mit anderen Leuten aus der Bevölkerung zusammen und kann einen Einblick in die tatsächliche Lebenswelt geben. Also einen authentischen Blick jenseits von politischen Verlautbarungen und Konstruktionen.

Dennoch sollten die Aussagen des Buches mit Vorsicht genossen werden: Orth hat einen subjektiven Zugang, der durch das westliche Wertesystem geprägt ist. Das Leben nach westlichen Prinzipien wird hier als gleichbedeutend mit Fortschritt gesehen. Außerdem ist die dort verbrachte Zeit relativ kurz und der Aufenthalt an verschiedenen Stellen im Lande bietet meist nur einen flüchtigen Eindruck.













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