Das ZDF macht den Schlußverkauf

16.09.13
KulturKultur, Politik, TopNews 

 

von Arno Klönne

Gaukelei mit der "Sonntagsfrage"

Die Annäherung an den Bundeswahltag schafft auch Entlastung: Nur einmal noch, am Donnerstag mit dem Ergebnis des ZDF- Politbarometers, muten uns die Medien zu, über Konsequenzen aus den Antworten auf die beliebte "Sonntagsfrage" zu rätseln.

Wochenlang haben die geschäftigen Firmen für Meinungsforschung ihre einschlägigen Produkte angeboten, und journalistische Nutzer derselben sind auf ihre Rechnung gekommen, gelegentlich auch die Taktiker in den Parteizentralen. In Zahlen ausgedrückte Umschwünge, Verluste und Gewinne im Parteienspektrum haben ja ihren emotionalen Effekt.

Sie können, was das Wahlverhalten angeht, Auftrieb hervorbringen, Resignation - oder auch neues Kalkül, die Abgabe oder Verteilung der Stimmen betreffend. Die Annahme, dass die öffentliche Verwertung von Demoskopie auf Wählerinnen und Wähler Einfluß nimmt, ist plausibel; wohin dieser nun genau wirkt, läßt sich allerdings kaum ermitteln.

Ihre Bedeutung haben die demoskopischen Botschaften nicht so sehr bei den hochprozentigen Großparteien; für kleinere oder neue Parteien aber, die vor der 5-Prozent-Hürde stehen, können sie einen möglichen Erfolg verhindern, wer will denn schon seine Stimme wegwerfen...

Die Medien ziehen ihren Vorteil aus den rasch aufeinander folgenden und konkurrierenden "Sonntagsfragen", so läßt sich Spannung in das Wahlthema bringen, ohne eigene intellektuelle Mühen. Ihren Nutzen haben auch die demoskopischen Unternehmen, sie werden ständig genannt, das ist Werbung für ihre wirtschaftliche Haupttätigkeit abseits der Politik.

Die gar nicht erfreuliche Seite dieser meinungsforschenden Betriebsamkeit: Da wird Gaukelei betrieben, zahlenmagisch eine Exaktheit vorgespielt, die nicht besteht. Die Methodik der "Sonntagsfragen" ist alles andere als hieb- und stichfest. Die Demoskopiefirmen wissen das und weisen zu Teil auch darauf hin - nachvollziehbar freilich nur für Experten.

Beispielsweise stecken sogenannte "Fehlertoleranzen" in den Prozentangaben für die Parteivorlieben, bis zu Plus oder Minus von 3,5 Prozent - in den Medien jedoch bleibt dies durchweg ohne Erwähnung. Wenn also eine Partei angeblich gerade um einige Prozente hochgeklettert ist, handelt es sich um eine Vermutung, die mit der Realität keineswegs etwas zu tun haben muß.

Wer solche Zahlen für bare Münze nimmt, hat dann Pech. Also, in Abwandlung eines Ratschlages zum Umgang mit Statistik: Trau vor einer Wahl nur dem Trend, den du selbst vermutest.


VON: ARNO KLÖNNE






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