WAHLERI - WAHLERA

29.09.13
KulturKultur, Politik, News 

 

von Kurt Wolfgang Ringel

Das freigeistige Wort zum Sonntag, den 29.09.2013

Nicht nur einige Online-Stimmen zur Bundestagswahl

»l Die Republik Stillstand geht gestärkt in die nächste Runde. Ohne Worte. Nichts gemerkt
(Gast)

l Der Wähler hat sich für eine Mehrheit links der Union entschieden. Aber Rot-Rot-Grün wird ausgeschlossen, bevor verhandelt wurde. Warum wird der Wille des Wählers ignoriert?
Kottan (Gast)

l In Deutschland leben um die 80 Millionen Leute. 61,8 Millionen waren wahlberechtigt. Davon haben so 72 Prozent gewählt. Ca. 42,5 Prozent der Leute stimmten für die CDU/ CSU. Anders gerechnet: Nach den letzten Hochrechnungen gaben 44,5 Millionen Wähler ihre Stimme ab. 42,5 Prozent davon gingen an die CDU. Diesmal reichten 18,9 Millionen Stimmen für den Sieg. Für mich keine Mehrheit.
Horst Schulze (Gast)

l Das Ergebnis ist für mich klar: In Deutschland gibt es mehr Reiche und Zufriedene, und genau für diese Menschen macht Merkel Politik. Die kleinen Parteien werden immer unten kleben bleiben. Seit 1949 wechseln sich CDU und SPD ab. Das ist für mich keine Demokratie.Ergebnis war ja klar
(Gast)

l Egal was kommt, wir Bürger sind die großen Verlierer.
Lara (Gast)

l Eine rot-rot-grüne Regierung täte uns mal ganz gut.
Marc (Gast).« [1]

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wie Recht hat die 'Rhein-Neckar-Zeitung'´mit ihrer Meinung:
»Betrogen hat die FDP, indem sie vor vier Jahren großmundig Steuersenkungen versprachen, die nicht verwirklicht wurden. Noch schlimmer: die Großspurigkeit, die seit Westerwelle mit liberalen Reden einhergeht. Nicht Inhalte, Sprüche wurden angeboten. Mit dieser Methode erreichte die FDP zwar ihr 14,8-Prozent-Ergebnis vor vier Jahren. Doch dann kam nichts. Die Sprüche entpuppten sich als ungedeckte Wechsel; der Absturz war überfällig.«
[2]

Doch betrogen hat nicht allein die FDP, sondern alle bürgerlichen Parteien. Deshalb gilt für all diese Parteien, was über die FDP geschrieben wurde. Der sogenannte  Wahlkampf ist nur ein Pokerspiel mit gezinkten Karten. Das Erschrecken der Wähler kommt nach der Wahl. Wahlversprechen heißt der Speck, mit dem auf Wählerfang ausgegangen wird. Und sehr viele Menschen fallen immer wieder auf ihn herein. Und wer sich nur mit den Parteienklüngel beschäftigt, der übersieht das wesentliche. Bei jeder Wahl ist die Auswahl entscheidend. Macht der Wähler seine Kreuze bei den Nieten, so ist seine Entscheidung kein Gewinn!

Der FDP sei nachgerufen: Wer seinen Mantel ständig nur nach dem Winde hängt, der wird von ihm hinweggeweht! Ich vermute, jetzt wird eine weitere Partei die Aufhebung der 5-Prozent-Klausel einfordern.

Aber was soll diese Sache mit der FDP? Sie ist unwichtiger, als der Sack Reis, der in China umfällt. Der Reissack verheißt, es ist noch Essen vorhanden. Eine solche Sicherheit haben wir auf keinen Fall bei dieser Partei. Wie hieß sie doch nur? 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

was ist nun das Wesentliche, was sehr viele Menschen nicht sehen oder auch bewusst verschweigen? Es die Wahrheit, die bei den meisten Politikern und Parteien unbeliebt ist und von der das Volk nichts erfahren soll. - Zu hohe Wahlgewinne führen zur Überheblichkeit.

So war in der Tagesschau vom 23. September 2013 die Meinung zu hören:
„Wozu brauchen wir, in einem Land mit Frau Merkel als Kanzlerin, in dem Milch und Honig fließen, noch die SPD?“ Und ist es für diese Partei nicht erniedrigend, als Notnagel mit der CDU/CSU eine Große Koalition zu bilden? Als kleiner Bruder, oder besser, als Laufbursche? Frau Merkel: “SPD, bei Fuß!“

Auffallend ist, die bürgerlichen Parteien haben keine charismatischen Politiker mehr. Bei der SPD war der Letzte der Björn Engholm. Die SPD hat den Oskar Lafontaine ziehen lassen. Aber DIE LINKE hat nie ihren Vorteil daraus so richtig zu nutzen gewusst.  Und die FDP hat den letzten Politiker von Format durch den Austritt von Frau Hamm-Brücher verloren. Weil Politiker mit Charakter in den meisten Parteien fehlen, fehlt ihnen auch die klare gradlinige Politik, sofern diese Parteien jemals eine solche hatten.  

Feige finde ich es, wenn bei Niederlagen Politiker, bzw. Parteivorstände zurücktreten. So wie jetzt bei der FDP und bei den Grünen. Den Menschen machen sie weiß, die Schuld für das miserable Ergebnis auf sich zu nehmen. Bald aber haben alle eine analoge andere Funktion in Politik oder Wirtschaft. Der Rücktritt hat deshalb nur einen Sinn: Drückebergerei. Diese Leute drücken sich nur davor, die Karre aus dem Dreck zu ziehen, in den sie diese gefahren haben. Das ist das falsche Signal. Richtig wäre die eigene Politik zu ändern; und das zum Nutzen und Wohle des gesamten Volkes. 

Jede absolute Mehrheit schädlich. Parteien ohne Konkurrenz haben Narrenfreiheit!! Es ist wie in der Wirtschaft, in dem ein Konzern keinen Wettbewerbspartner hat und somit die Alleinherrschaft ausübt. ( Und ist manche Partei vielleicht auch nur ein Polit-Konzern?) Das ist die Rückkehr ins Mittelalter, hin zum Absolutismus. Macht korrumpiert, und noch mehr Macht korrumpiert noch mehr.

Und alle profit-orientierten Parteien  sind ihrem Charakter nach etwas FDP, die ja bekanntlich für ihr Verhalten den Menschen gegenüber die eindeutige Quittung erhalten hat. Das politische Farbenspiel (Grün, braun, lila, schwarz, spd-rosa, blaugelb) sind für den Kapitalismus nur Fassadenfarbe. Farbanstriche ändern den Kapitalismus um keinen Deut. Ihn abzuschaffen, das müssen die Völker schon selber tun. Und die linken, die demokratischen Parteien und Organisationen dürfen keine Schlaftabletten-Opposition betreiben!

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

würden sich alle Parteien den Aufgaben annehmen, die sie den Menschen versprechen, wären wir schon ein Stück weiter. Aber dafür dürfen wir nicht nur die geforderte Anzahl Kreuze machen auf dem Wahl-Papier, sondern wir müssen die Einlösung aller Wahlversprechen auf der Straße einfordern. Die Wahlurne ist weniger ein Ort der Demokratie, sondern mehr ein Ort zum Vortäuschen. 

Interessanter könnten die Wahlen werden, wenn wir mehrere Parteien ankreuzen könnten, die ähnliche Programmziele haben (Wahl einer Regierungskoalition). Ein solches Systemwahlrecht sollten zur Diskussion gestellt werden. Vielleicht sind damit verkrustete politische und gesellschaftliche Strukturen aufbrechen! Der politische und gesellschaftliche Einfluss der Wähler auf den Ausgang der Wahl und auf die Abgeordneten muss dringend erhöht werden. Abgeordnete, die ihre Wahlversprechen nicht einhalten, müssen abgewählt werden können. Auch müssen sie regelmäßig vor ihren Wählern regelmäßig Rechenschaft ablegen, Deshalb sind Nachfolgekandidaten mit zu wählen.  

Der besonders in den EU-Staaten anwachsende Extremismus ist Ausdruck von Demokratieverweigerung durch die regierenden Parteien. Das bringt das turbokapitalistische System mit den Worten „Es gibt keine Alternative“ zu Ausdruck. 

Es sind keine Wahlen, wenn den Menschen ein Zettel in die Hand gedrückt wird, und ihnen gleichzeitig einbläut, eine vorher definierte Anzahl von Kreuzen zu machen. Und das, obwohl bei den meisten Menschen kaum die erforderliche politische Reife dazu vorhanden ist. - Ich muss gestehen, das ich mir vom SPD-Wahlwerbetisch einen Kugelschreiber mitgenommen habe. Das ist der einzige Gewinn, den mir die Bundestagswahl 2013 eingebracht hat. 

Die Wahlen haben wieder einmal gezeigt, wir haben in Deutschland keine Demokratie, sondern nur eine Bürokratie, eine relativ gut funktionierende Verwaltung. Wir sollten uns an die Zeit von 1989/90 erinnern. Der Wirtschaft und den Politikern müssen wir Menschen klarmachen:
WIR SIND DAS VOLK! WIR!!

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

das letzte Wort geben wir natürlich einem Leser:
»Was werden die Bundestagswahlen an Veränderungen im Interesse der Wähler bringen bei Themen, die den Normalbürger unmittelbar berühren? Im Wahlk(r)ampf wurden freilich die sozialen Themen wie Gesundheit, Pflege, Rente, Mindestlohn u. a. in unsäglichen Streitdebatten, gegenseitigen Anschuldigungen und vor allem ohne jede Lösung im Interesse des überwiegenden Teils der Bevölkerung diskutiert. Eine Gesellschaft, eine Wirtschaft, die jede soziale, menschliche Pflicht, Fürsorge und wirkliche Solidarität mit Alten, Kranken und Schwachen nur als Kostenfaktor betrachtet, die wird alle Mittel und Möglichkeiten haben können, sie wird es nicht wollen.«
 [3]  


QUELLEN:

[1] Online-Stimmen unserer Leser zum Ausgang der Bundestagswahl; Aus der 'Braunschweiger Zeitung' vom 24. September 2013 

[2] PRESSESTIMMEN/ 'Rhein-Neckar-Zeitung' aus Heidelberg schreibt, ebenfalls zur Bundestagswahl; In: Braunschweiger Zeitung vom 23. September 2013 

[3]  Was werden die Wahlen bringen? - Roland Winkler, 08280 Aue 'Neues Deutschland' vom 23.September 2013  

Ich wünsche uns allen ein sehr kritisches und nachdenkliches Wochenende. Bleiben Sie trotz allem sachlich, kritisch und optimistisch.

Mit menschlichen Grüßen
Kurt Wolfgang Ringel



VON: KURT WOLFGANG RINGEL






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