AUFKLÄRUNG – Über menschliche Verhaltensweisen

07.06.14
KulturKultur, Soziales, News 

 

von Kurt Wolfgang Ringel

„Das freigeistige Wort zum Sonntag“ den 08.06.2014      

Was heißt "Aufklärung" heute?

Nach Immanuel Kants Definition ist Aufklärung "der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit". Wenn ein Mensch unfähig, zu bequem oder feige ist, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen und selbst zu denken, ist er "unmündig". Dem wirkt die Aufklärung entgegen, welche den Menschen befähigen soll(te), einschränkende und anerzogene Normen zu hinterfragen. Insofern ist die "Aufklärung" auch in der Gegenwart aktuell. « [1]

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

sie stimmen mit mir sicher überein, dass es kein Einheitsmaß gibt, wie und wie weit Aufklärung Menschen beeinflusst. Das Thema passt zu dem Fest „Hohe Maien“, welches bei den Christen „Pfingsten“ genannt wird. – Welchen Sinn hat nun die Aufklärung des Menschen? Sinn und Zweck ist, das der/die Menschen ein sinnerfüllten, selbstbestimmtes Leben führen können. Und das weitestgehend ohne diskriminierende Fremdbeeinflussung.

  Im Prinzip ist jede Aufklärung von Menschen Aufklärung. Was ist damit gemeint. Wir Menschen werden oft und viel im Leben aufgeklärt. Bekannt ist jedem die sexuelle Aufklärung, ebenso erfolgt die Aufklärung über manche Probleme, Verhaltensweisen, Zusammenhänge. Trotz allem sind dies nur Teilbeiträge zur Aufklärung des Menschen.

   Worum es bei der Aufklärung heute tatsächlich geht, sagt Karlheinz Deschner sehr deutlich: »Mir geht es um kritische Aufklärung. Sie ist ... wichtiger als alles. Und darum wird sie auch mehr als alles gehasst, bekämpft, totgeschwiegen und totgetreten. Warum wichtiger als alles? Weil sie alles brandmarkt, was – nicht erst heute – die Welt terrorisiert und verelendet: Krieg, Ausbeutung, Hunger, Korruption, Verdummung und grenzenloser Heuchelei, von oben bis unten, oben aber vor allem! Für nichts auf der Welt, nicht einmal für Rüstung, für ihre Ruinierung, wird so viel Geld verplempert wie für ihre Verdummung. « [2]

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Aufklärung, das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Ihr Ziel ist es, zur Erziehung der gesamten Menschheit beizutragen. Aber Aufklärung ist, wie auch Freiheit, unbequem. Zwei Dinge stehen dem Ausgang aus der Unmündigkeit entgegen. Einmal ist es das Trägheitsgesetz des Menschen, besonders seines Denkens und die negativen Einwirkungen der kapitalistischen Spaß- und Spielgesellschaft!

   Der freie selbstständige Mensch ist die Voraussetzung für eine von Ausbeutung freie menschliche Gesellschaft. Um dies zu reichen, sind nach Karl Marx »Alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist. « [3]

Aber was erleben wir heute? Sozialabbau: Hartz IV, Niedriglöhne, Umweltverschmutzung, Arbeitslosigkeit, gestörte Verhältnisse zwischen Arbeitszeit und Freizeit. So schlimm und traurig es ist, die meisten Menschen nehmen alles ohne Kritik und Gegenwehr hin. „Da wird halt der Gürtel ein Loch enger geschnallt.“ [4] Für solche Leute scheint die Aufklärung nur ein kurzzeitiger Ausflug in die Welt der Freiheit und Selbstständigkeit zu sein. Manch einer scheint sich unter dem Pantoffel der politischen, religiösen und sonst welcher Abhängigkeit wohler zu fühlen als in Freiheit und Mündigkeit. Eine negative Rolle in Sachen Aufklärung betreiben die Mainstream-Medien. Treffend charakterisiert dies folgender Spruch: » Wie viel Aufklärung enthält ein Weltbild, dessen Umfang dem Querschnitt eines Fernsehers entspricht? « [5]

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

betrachten wir die Probleme der Aufklärung in der Geschichte so kommen wir zu folgendem Ergebnis: »Sowohl zu Kants als auch zur heutigen Zeit lässt sich die Unmündigkeit an denselben Ausprägungen - der Feigheit und Bequemlichkeit, seinen eigenen Verstand zu gebrauchen - erkennen. Viele Mitglieder der heutigen Gesellschaft akzeptieren nach wie vor Normen und Regeln unüberlegt und selbstverständlich. Ein Mensch, der sich einer Gruppe in Bezug auf Kleidung, Meinung oder Verhaltensweisen anpasst, um aufgenommen bzw. nicht abgelehnt zu werden, tut dies aus Bequemlichkeit, ohne sich seines eigenen Verstandes oder Geschmacks zu bedienen. Er hofft durch diese Angleichung möglichen Konflikten aus dem Weg zu gehen. Derartigen "verirrten" menschlichen Verhaltensweisen liegt heute noch dieselbe Ursache zu Grunde wie zu Kants Zeit: die Verweigerung des Gebrauchs der eigenen Vernunft. Eben diesen Missstand zu beseitigen, ist bis in die heutige Zeit hinein das Ziel der Aufklärer bzw. ihr Verdienst. Hier muss man unterscheiden zwischen den Aufklärern aus der literarischen Epoche der Aufklärung, die mit der Intention handelten, aufzuklären (wie z. B. Lessing), und Aufklärern der Gegenwart wie Wissenschaftlern, Philosophen, aber auch z. B. Journalisten oder Schriftstellern, die beabsichtigt oder unbeabsichtigt aufklären, d.h. die Menschheit zum selbstständigen Denken und zur Verwendung des angeborenen Verstandes anregen.« [6]

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wie alles in der Welt hat auch die Aufklärung ihre Grenzen. Und trotzdem ist sie nützlich und für die Erziehung des Menschengeschlechts, wie Johann Gottfried Herder es forderte. »Andererseits kann niemand vollständig aufgeklärt leben, da dies bedeuten würde, dass er ständig alles hinterfragen müsste, selbst die gefundenen Antworten. Für ein erfülltes Leben braucht der Mensch aber einen Rahmen von feststehenden Regeln, Erkenntnissen und Erfahrungen, die ihm Handlungsmöglichkeiten vorgeben und seine Person definieren. Ein Mensch, der keine Grenzen anerkennt und der für sein Leben keine Grundsätze festgelegt hat, muss mit der Zerstörung seines Charakters und seiner Seele rechnen. « [7]

   Liegen wir deshalb falsch, nur weil alles seine Grenzen hat, auch die Möglichkeiten der Aufklärer. Nein, alle Aufklärer werden immer wieder notwendig sein, weil das Verhältnis zwischen Aufklärung und Gegenbewegung dynamisch ist. So wie es keine absolute Wahrheit und Freiheit gibt und geben kann, so gibt es auch keine absolute Aufklärung.

   Was aber der Mensch unbedingt nötig hat, darf ihm nicht verwehrt werden: über sich, sein Leben und über seine Ziele selbst zu entscheiden. Es geht auch darum, mittels Aufklärung allen Menschen gleiche Bedingungen für das Leben und die Lebensgestaltung zu schaffen. Und alle Menschen müssen die Möglichkeit erhalten, ein eigenes und selbstbestimmtes Leben zu führen.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

»Die Intention der Aufklärer ist damals wie heute nicht, vollständig aufzuklären (das widerspräche ihrer Maxime) und somit die Menschheit ins Verderben zu stürzen, sondern den Menschen zu einem vernünftigen, gemäßigten Maß aufgeklärter Lebensweise zu animieren, indem er eigenes Handeln und vorgegebene Muster kritisch reflektiert.« [8]  

Zum Abschluss noch ein Argument, warum manche Menschen etwas gegen Aufklärung haben könnten: »Aufklärung ist Ärgernis, wer die Welt erhellt, macht ihren Dreck deutlicher. « [9]  


QUELLEN:

[1]  AUFKLÄRUNG – EINE DEFINITION Gefunden auf der Web-Seite des Gymnasiums am Ritterberg (Ludwigstraße 20 in 67657 Kaiserslautern /2009

[2] Karlheinz Deschner ( 1924 -2014), deutscher Religions- und Kirchenkritiker, „Oben ohne“, Seite 361f

[3] Karl Marx: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung (1844)

[4] Aussage eines betroffenen Bürgers

[5] Autor unbekannt  

[6] Siehe [1]  

[7] Siehe [1]  

[8]  Siehe [1]  

[9]  Karlheinz Deschner ( 1924 - 2014), deutscher Religions- und Kirchenkritiker

Ich wünsche uns allen ein sehr kritisches und nachdenkliches Wochenende. Bleiben Sie trotz allem sachlich, kritisch und optimistisch.

Mit menschlichen Grüßen
Kurt Wolfgang Ringel


VON: KURT WOLFGANG RINGEL






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