Marx will Humanismus neu erfinden

14.06.14
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von Georg Korfmacher - München

Nach Marx sollen Christen an einem neuen Humanismus für Europa mitbauen. Mit die- sem neuen Humanismus müsse den globa- len Herausforderungen wie Migration, Um- weltzerstörung, Armut oder ungerechter Ressourcenverteilung begegnet werden. Dieser scheinheilige Vorstoß bedeutet aber nichts anderes, als dass die Christen auf diesen Feldern bisher offensichtlich versagt haben. Seit 2000 Jahren! Und jetzt soll es der Humanismus richten. Und wie soll der denn bitte aussehen? Dazu schweigt der Primat von der Isar weise.

Ein kurzer Blick zurück ohne Zorn macht überdeutlich, dass die Catholica bis dato alle humanistischen Ausdrucksformen und Ideen als Häresien bekämpft hat. Den Kirchen- mann Giordano Bruno ließ sie 1600 verbrennen, weil er infolge von Kopernikus anders und weiter dachte als sie.

Den von Descartes geprägten Rationalismus bekämpft sie bis heute aufs schärfste. Den Humanismus mit seinem Fokus auf den Menschen verdammt sie stur, ist ihr Fokus doch allein auf ihren Gott und dessen Himmel gerichtet, und der Weg zu diesem geht nur über die Catholica.

Und jetzt soll es gerade ein Humanismus neuer, christlicher Prägung schaffen, das kümmerliche Versagen der Catholica auszubessern. Hätte die Catholica von Anfang an das Wort des Konfuzius (551 – 479 v.u.Z.) beherzigt: Was man selbst nicht wünscht, das tue man anderen nicht an“, gäbe es heute deutliche weniger Mord und Totschlag und Hunger und Diskriminierung.

Man könnte dem umtriebigen Kirchenmann seinen kuriosen Vorstoß dann verzeihen, wenn er von dem von Loyola gemeinten Begriff der humanitas ausginge. Der hatte in Rom 1540 das ‘Collegio Romano’ als „Schule für Grammatik, humanitas und christliche Lehre“ gegründet, aus dem dann die Gregoriana wurde. Und damit wären wir – etwas verkürzt – bei unseren humanistischen Gymnasien.

Humanisten waren sehr gescheite und angesehene Leute in alten Sprachen und Philo- sophie und gelangten bis in die höchsten Ämter in der Kurie und an Adelshöfen. Aber diese humanitas kann der Primat von der Isar wohl nicht gemeint haben. Aber was denn dann, und was will er mit seinem europäischen Humanismus für das 21. Jahrhundert?

Da erleichtert ein Blick in die Amsterdam-Deklaration von 2002 die Sinnfindung. Dort werden in 7 Punkten (= Anzahl der Todsünden) die grundlegenden Prinzi- pien eines modernen Humanismus definiert:

  1. Dass Humanismus ethisch ist, sollte der Sozialethiker der Catholica eigentlich wissen. Also nicht neu!

  2. Dass Humanismus rational ist, muss er schon wegen der Verdammung durch seinen Ziehvater Benedikt ablehnen. Pech!

  3. Dass Humanismus Demokratie und Menschenrechte unterstützt, kann ihm absolut nicht passen, will er doch Demokratie in seiner Kirche nicht und hat diese doch immer noch nicht die Menschenrechte ratifiziert. Eigentor!

  4. Dass Humanismus darauf besteht, dass persönliche Freiheit mit sozialer Verant- wortung kombiniert werden muss, passt ihm auch nicht so recht. Börsenschmerzen!

  5. Und ganz ausrasten muss er, wenn Humanismus als eine Alternative zu  dogma- tischer Religion definiert ist. Volltreffer!

  6. Dass Humanismus für Kreativität, Imagination und Kunst  eintritt, geht noch durch (so la la), aber

  7. als Lebenseinstellung nicht. Sacklzement!

Also alles wieder nur medienheischiges Geschwafel ohne Substanz!?

www.georgkorfmacher.com


VON: GEORG KORFMACHER - MÜNCHEN






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