Die Betriebsfibel

15.06.14
KulturKultur, Wirtschaft, Arbeiterbewegung, TopNews 

 

von syndikat-a

Wieder erschienen:
Berni Kelb - Die Betriebsfibel

Die Betriebsfibel wurde von "links unten" ge- schrieben und gehört dadurch zur authentisch- en Ratgeber- und Agitationsliteratur. Sie berich- tet von innen, aus eigener Betroffenheit heraus. Hinter ihr steht keine Organisation, kein arbei- terverstehender, besserwissender Akademiker, sondern spiegelt die Praxis eines klassenbe- wußten Arbeiters. Die Voraussetzung ist einfach: "Der Feind steht oben".

Nun liegt die Betriebsfibel endlich wieder in gedruckter Form vor, nachdem sie vor einigen Jahren dankenswerterweise als PDF-Datei im Internet zur Verfügung gestellt wurde:
http://syndikalismus.files.wordpress.com/2010/04/betriebsfibel.pdf

Wir geben den Text ohne jedweden Versuch einer Aktualisierung unverändert wieder heraus; auch hier gilt, „daß uns die Klassiker keine Automatenstraße hinterlassen haben, sondern Handwerkzeug.“ (Berni Kelb in „Organisieren oder organisiert werden“, ebenfalls bei von unten auf wieder erschienen.)

Ebenso haben wir auf den Anhang „Bilanzanalyse“ der Originalausgabe verzichtet, diente er doch lediglich dazu, den brillianten und kurzgefaßten Text „taschenbuchfähig“ zu machen. (Auch in der oben genannten PDF-Datei ist er enthalten.)

Die Betriebsfibel erschien 1971 in – für heutige Verhältnisse – sagenhafter Auflage und sorgte nicht nur in der damaligen Lehrlingsbewegung für einigen Wirbel.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände erkundigte sich gar beim Verlag nach „Lebenslauf und sonstigen Unterlagen“ über den Autor.

Berni Kelbs brilliante Antwort [1] findet sich unter der Rubrik „Texte“auch auf:
www.von-unten-auf.org .

Der Autor

Berni (eigentlich Bernhard) Kelb, geboren 1934, war in den 1950er Jahren Hauptamt- licher Sekretär der illegalen FDJ in Hamburg, nach deren sang- und klangloser Auflösung weiter aktiv in der illegalen KPD. Der gelernte Metallarbeiter (Schlosser) aus kommunis- tischem Hause über das soziale Umfeld seiner Jugend: „Ja, wir waren Stalinisten. Auch ich selber. Ich habe im Chor gesungen und weiß jetzt noch etliche Kantaten auf Stalin auswendig.“ Und: „Wir meinten, für die gerechteste Sache der Welt zu kämpfen, und waren bereit, dafür persönliche Risiken und soziale Unsicherheit in Kauf zu nehmen.“

Nach interner Kritik wurde der junge Funktionär von der Partei wieder zur Arbeit als Schlosser in verschiedenen Betrieben in Hamburg-Barmbek „verurteilt“, unter anderem der legendären Kampnagelfabrik („Maschinenfabrik N&K“). „Das galt wohl als Strafe.“ Seine Erfahrungen mit linker, revolutionärer Betriebsarbeit mündeten in dieser „Betriebs- fibel“.

Berni Kelb - Betriebsfibel
40 Seiten, € 2,50
Erhältlich beim Syndikat-A-Medienvertrieb

Bestell-Link: 
www.syndikat-a.de/?p=productsMore&iProduct=6778&sName=B.-Kelb--Die-Betriebsfibel

Weitere Texte von Berni Kelb auf der Webseite:
http://von-unten-auf.org

[1] “Der Arbeitgeber” fragt – Berni Kelb antwortet

von vonuntenauf

der arbeitgeber
Offizielles Organ der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitergeberverbände
5 Köln 51, Oberländer Ufer 72
Fernruf 387062/63
Der Chefredakteur
Köln, den 8.1.1973
Unser Zeichen Dr. H/Reu
Ihr Schreiben
der Arbeitgeber 5 Köln 51. Oberländer Ufer 7
Klaus Wagenbach Verlag
1 Berlin 31
Jenaer Str.6

Sehr geehrte Herren,

in Ihrem Verlag ist die “Betriebsfibel” von Herrn Berni Kelb erschienen, die jetzt auf den verschiedensten Lehrlingsveranstaltungen kursiert. Mehrere Leser erbitten in diesem Zusammenhang nähere Einzelheiten über die Person von Herrn Kelb. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir ggfs. einen Lebenslauf oder sonstige Unterlagen hierzu übersen- den würden.
Mit freundlichen Grüßen
(Dr. Heinrichsbauer)

1 Berlin 31, den 10.1.73
Jenaer Straße 9
Berni Kelb
c/o Verlag Klaus Wagenbach

An den arbeitgeber
- Der Chefredakteur -

Sehr geehrter Herr Dr. Heinrichsbauer,

ich beziehe mich auf Ihr Schreiben vom 8.1.73. Der Verlag Klaus Wagenbach hat – feige, wie es von einem linken Verlag nicht anders zu erwarten ist – sich vor der Beantwortung Ihrer berechtigten Fragen zu drücken versucht, indem er Ihren Brief an mich weiterlei- tete. Ich werde mich bemühen, Ihnen angemessene Auskunft zu geben.

Ich stamme also aus einer Familie, die seit vielen Generationen damit beschäftigt war, Arbeit zu nehmen, obwohl geben nach einem bekannten Zitat eigentlich viel seliger ist, denn nehmen. Wir lebten davon, daß wir für die genommene Arbeit auch noch Geld forderten: die ständig steigenden Löhne. Den Verlockungen eines so bequemen Lebens- wandels konnte auch ich mich nicht entziehen: durch die Erlernung eines Metallberufes setzte ich die Familientradition fort.

Verschlagen, wie unsereins ist, merkte ich bald, daß bei den Unternehmern außer Arbeit und Lohn noch mehr zu holen sein muß. Von da an war ich nur noch von der Gier getrie- ben, ihnen alles zu nehmen. Als geeignetes Mittel dazu erschien mir eine planmäßig aus- geweitete Kumpanei mit dem Ziel, auf Insubordination gerichtete Zusammenrottungen hervorzurufen. Das verdichtete sich bei mir zu der ‘Primitivformel: ”Der Feind steht immer oben!”‘, wie Clemens Steindl es auf Seite 978 der Nummer 23/24-1972 Ihres Organs so treffend charakterisiert. Das Unbehagen gegenüber dieser Losung und ihre Ablehnung als Vereinfachung teilen Sie übrigens mit Nikolaus Neumann, der in der bekanntlich DKP-nahen ‘Deutschen Volkszeitung’ meint, mein ‘eigentlicher Feind’ seien die ‘organisierte Arbeiterschaft, die kommunistischen Parteien und die Gewerkschaften’. Ich verstehe die Welt nicht mehr! Sie werfen mich mit den Leuten in einen Topf, die mich mit Ihnen in einen Topf werfen.

Doch weiter im Lebenslauf. Das schreckliche Ende des letzten Krieges brachte es ja mit sich, daß unsere Gesellschaft von Aufweichungstendenzen demokratischer, liberaler undselbst sozialistischer Art durchdrungen wurde. Auch ich kam mit solchen Liberalen, Intellektuellen und ähnlichen zwielichtigen Gestalten in Berührung (im Vertrauen: man- che waren gar Juden!) Sie stifteten mich an, meine bösen Gedanken zum Zwecke der Verbreitung aufzuschreiben.

Das Ergebnis liegt Ihnen ja vor.

Im Ernst: Wir haben mit Fleiß darauf verzichtet, Daten zur Person des Verfassers zu veröffentlichen, wie es sonst bei Büchern üblich ist. Ich betrachte mich nicht als Schriftsteller. Andererseits habe ich es abgelehnt, ein Pseudonym zu wählen; denn ich kann zu dem, was ich geschrieben habe, stehen.

Wenn Ihnen mein bloßer Name nicht gefällt, hier einkleiner Tip. Einer meiner früheren ‘Arbeitgeber’ wüßte plötzlich über meinen Lebenslauf sehr detailliert Bescheid. Er ließ auch durchblicken, dan meine Vermutung, woher er seine Informationen wohl habe, richtig sei. Was einem einzelnen ‘Arbeitgeber’ möglich ist, dürfte für Sie als Verallge- meinerung des ‘arbeitgeber’ doch sicher keine nennenswerte Schwierigkeit bereiten.

In der Hoffnung, Ihnen hiermit gedient zu haben, verbleibe ich
mit schönen roten Grüßen

Berni Kelb


VON: SYNDIKAT-A






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