Neuerscheinungen Natur und Gesundheit

08.05.20
KulturKultur, Umwelt, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Jackie Bennett: Die Gärten der Künstler, Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2020, ISBN: 978-3-8369-2167-1, 36 EURO (D)

In diesem Buch stellt Jackie Bennett selbst besuchte Gärten, Ateliers und Häuser von weltberühmten Künstlern vorgestellt, die als geheimer Rückzugsort, Inspirationsquelle, Heim und Freiluftatelier waren. Die grünen Oasen haben die Maler aus verschiedenen Jahrhunderten inspiriert und ihnen ein tieferes Verständnis ermöglicht: „Sie alle ließen sich von etwas Elementarem, dem Anbau von Früchten, Blumen und Gemüse, inspirieren. Sie verbanden das Schaffen des Gartens mit ihrer Kunst – ihre Gärten fanden den Weg in ihre Werke, ihre Kunst formte die Gärten. Wenn wir in diese Gärten eintauchen, auf den Wegen gehen, die auch sie gegangen sind, beginnen wir ihr Leben zu begreifen, vor allem aber ihre Bilder, die letztendlich die Wirklichkeit transformieren und transzendieren.“ (S. 13) Diese existieren noch heute und sind für Besucher geöffnet.

Der erste Teil des Buches handelt von Malern, die allein oder im engsten Familienkreis lebten. Dies sind im Einzelnen Leonardo da Vinci in Amboise, Peter Paul Rubens im heutigen Rubenshuis in Antwerpen, Paul Cézanne in Aix-en-Provence, Pierre-Auguste Renoir in der Champagne und an der Cote d’Azur, Max Liebermann und seine Villa am Wannsee, Joaquin Sorolla in Madrid, Henri Le Sidaner in Gerberoy, Emil Nolde in Seebüll, Frida Kahlo und das Blaue Haus in Coyoacan und Salvador Dali in Port Lligat und Pubol.

Im zweiten Teil werden Künstlerkolonien und ihre wichtigsten Vertreter vorgestellt. Dies sind die Impressionisten Claude Monet, Berthe Morisot, Gustave Caillebotte, Pierre Bonnard und die Seine-Maler, Anna und Michael Ancher, Laurits Tuxen, Marie und P.S. Kroyer und Viggo Johansen im dänischen Skagen, E.A. Hornel, George Henry, James Guthrie, Jessie M. King und die Glasgow-Schule im schottischen Kirkcudbright, William Morris, May Morris und Dante Gabriel Rossetti im englischen Oxfordshire, Frederick Childe Hassam, J Alden Weir, Maria Oakey Deweing und die Künstlerkolonien an der amerikanischen Ostküste, Wassily Kandinski, Gabriele Münter und Der Blaue Reiter im bayerischen Murnau sowie Vanessa Bell, Duncan Grant, Roger Fry und die Bloomsbury-Gruppe im englischen Charleston.

Alle Beiträge enthalten eine längere Beschreibung über Leben und Stil des Künstlers bzw. die Künstlergruppe, eine Vorstellung des Anwesens mit Garten und der Zusammenhang zu einzelnen Werken. Charakteristische Gemälde und Porträts werden abgedruckt, ebenso Kartenlegenden und Impressionen des Anwesens und der Gärten heute. Außerdem enthält jedes Kapitel einen Zeitstrahl.

Im Anhang findet man noch ausgewählte Literatur zur Vertiefung, ein Register und die jeweiligen Gartenadressen mit Webseiten und Öffnungszeiten. Neben den Adressen der Häuser, Ateliers und Gärten sind auch nahe gelegene Museen und Galerien aufgeführt.

Dies ist ein beeindruckendes Werk mit einer guten Übersetzung. Wie die Natur und die Gärten die einzelnen Künstler inspirierten und der Zusammenhang zum Entstehen ihrer Werke wird vortrefflich deutlich gemacht. Dass überproportional Impressionisten vertreten sind, liegt in der Natur der Sache des Aufkommens der Freiluftmalerei. Mit seinen tollen Aufnahmen macht das Buch auch Lust auf einen Besuch nahegelegener Gärten, Ateliers und Häuser.

Buch 2

Tobias Roth (Hrsg.): Gartenstadtbewegung. Flugschriften, Essays, Vorträge und Zeichnungen aus dem Umkreis der Deutschen Gartenstadtgesellschaft, Verlag Das Kulturelle Gedächtnis, Berlin 2019, ISBN: 978-3-946390-35-2, 24 EURO (D)

In diesem von Tobias Roth herausgegebenen Band werden ausgewählte Flugschriften, Essays und Vorträge von den Protagonisten und aus dem Umfeld der Deutschen Gartenstadt-Gesellschaft (DGG) gesammelt und abgedruckt.

Die Gartenstadtbewegung entstand in England am Ende des 19. Jahrhunderts. Als Reaktion auf die schlechten Wohn- und Lebensverhältnisse sowie die gestiegenen Grundstückspreise in den Großstädten durch die Industrialisierung wurden Modelle der planmäßigen Stadtentwicklung mit Kolonien im Grünen entworfen. Dies fand im Deutschen Reich schnell Nachahmer, 1902 wurde in Berlin die Deutsche Gartenstadt-Gesellschaft (DGG) gegründet. Angehörige des Friedrichshagener Dichterkreises und der Neuen Gemeinschaft wie Bernhard und Paul Kampffmeyer, Heinrich und Julius Hart sowie und der bekannte antiautoritäre Sozialist Gustav Landauer waren die bestimmenden Personen der ersten Stunde. Der Schwerpunkt lag aber nicht wie bei den Modellen in England auf Bauvorhaben, sondern die lebens- und sozialreformerische Organisation für die Idee der Gartenstädte. Die Verbreitung des Ideale und der Ziele wurden durch Vorträge, Veranstaltungen und die Zeitschrift Gartenstadt verfolgt.

Städtebaulich sollen mit einer weiträumigen und niedrigen Bauweise der Gartenstädte Wohnungen im Hinblick auf die Gesundheit geschaffen werden, die auch einen Zugang zu eigenem Garten einschließen. Unter Ablehnung des privatwirtschaftlichen Gedankens wie bei der Gründung von Villenkolonien in England war ein genossenschaftliches mit Gemeineigentum an Grund und Boden vorherrschend. Mieten wurden nach dem Kostendeckungsprinzip erhoben und sollten dauerhaft erschwinglich sein, die waren zugleich Genossenschaftsmitglieder und erhielten n ein von Seiten der Genossenschaft praktisch unkündbares Dauerwohnrecht. Dies erwies sich aber als nicht machbar, so wurden die Ziele im Laufe der Jahre verwässert und angepasst. Die Lebensreform wurde auf eine Bodenreform reduziert, auch die Idee der autarken Gartenstädte wurde zunehmend zugunsten von Wohnsiedlungen, Gartenvorstädten und Erweiterung von Städten im Sinne der Gartenstadt aufgegeben. Hans Kampffmeyer war für diese realistische Wende verantwortlich, die aber den Vorteil einer größeren Anerkennung in Teilen der Gesellschaft mit sich brachte. Der Beginn des 1. Weltkrieges war für die Bewegung eine Zäsur: Dadurch konnten vorliegende Pläne nicht realisiert werden, Bautätigkeiten mussten eingestellt werden. Viele von diesen Plänen versandeten nach dem Ende des Krieges oder wurden nochmals zurückgestellt. Bekannte Umsetzungen gab es in Hellerau, später von Dresden eingemeindet, Karlsruhe-Rüppurr Thelottviertel in Augsburg.

In einem ausführlichen Nachwort geht Tobias Roth auf diese Prinzipien, Entwicklungslinien und Umsetzungen der DGG ein und verknüpft dies mit einer Diagnose der Gegenwart: „Ökologische Bestrebungen in den Städten und industrielle Landwirtschaft draußen haben die Koordinaten der Gartenstadt verändert. Die Biodiversität ist in so mancher Vorstadt bereits höher als auf dem monokulturell ausgebeuteten Land; besonders für Vögel ist das interesselose Wohlgefallen der alten Gärten wichtig geworden. Wirklich verwilderte Bereiche, hundertjährige Pflanzen sind überall Seltenheit, aber in Gärten eher anzutreffen als zwischen Forsten und Feldern, die Plantagen sind.“ (S. 248) Im Anhang werden noch die benutzten Textquellen, die Bildquellen und weiterführende Literatur genannt.

Dieser Band ist keine bloße Ansammlung veralteter Ideen und die Erinnerung an eine Bewegung im Kaiserreich: Fragen der Wohnqualität, Wohngesundheit und die Wohnknappheit und die rasant steigenden Mieten und das Leben mit der Natur sind auch Fragen der Gegenwart. Anregungen aus der Vergangenheit für die Gestaltung von Gegenwart und Zukunft findet man hier durchaus.

Buch 3

MEIN SCHÖNER GARTEN: Ein Garten zwei Ideen. 100 Lösungen für jedes Budget und jedes Grundstück, Callwey, München 2020, ISBN: 978-3-7667-2474-8, 29,95 EURO (D)

Karina Nennstiel, Silke Eberhard und Kornelia Friedenauer sind die Planungsexpertinnen im Redaktionsteam des Magazins MEIN SCHÖNER GARTEN. In diesem Buch stellen sie für verschiedene Grundstücke/-risse und unterschiedliche 50 natürliche Gegebenheiten jeweils zwei Varianten vor, die den Garten schön und nutzbar machen. Es ist ein umfassendes Gestaltungswerk, das auf individuelles Budget, Geschmack und Nutzungswünsche Rücksicht nimmt. Es gibt Entscheidungshilfen und praktische Tipps zur Realisierung.

Dies passiert anhand von Vorher-Fotos, die die Ausgangslage beschreiben und Bilder des fertigen Gartens, so dass man leicht vergleichen kann, welche Ideen umgesetzt wurden. Dabei geht es um Sichtschutz, Wasserwelten, das Spiel mit Perspektiven, Sitzgelegenheiten, eine attraktive Bepflanzung und um eine stilsichere Ausstattung des Gartens. Aktuelle Trends wie die Rückbesinnung auf eine natürlich gestaltete Umgebung mit Biodiversität, sich den Garten wohnlich einzurichten und mehr Zeit mit Freunden oder Familie dort zu verbringen und eine persönliche Note werden in allen Beispielen aufgegriffen. Alle dafür ausgewählten Vorschläge wurden detailliert und maßstabsgetreu illustriert. Zu jedem Beispiel gibt es eine Auflistung des Vorschlag eines Pflanzplans sowie den durchschnittlichen Preis der verwendeten Pflanzen, die in Gartencentern oder Gärtnereien leicht zu besorgen sind. Außerdem wird immer ein Grundriss präsentiert, der beim Nachpflanzen hilft.

Hier werden die unterschiedlichsten Gestaltungsfragen von Gärten behandelt. Das Buch ist eine Zusammenstellung von individuellen Gärten, die vielfältig, kreativ und jeweils ihre eigene Philosophie haben. Unabhängig vom Budget finden sich hier viele Vorschläge, wie der eigene Garten teilweise oder ganz neu gestaltet werden kann. Der Bildband überzeugt durch eindrucksvolle Motive und die sachkundige Interpretation. Für die Entwicklung eigener Ideen gibt es zahlreichen Beispiele und Planungsskizzen im Buch.

Buch 4

Malte Rubach: Das Geheimnis des gesunden Alterns, Knaur Mens Sana, München 2020, ISBN: 978-3-426-65862-8, 20 EURO (D)

Malte Rubach ist Ernährungswissenschaftler und koordiniert seit sechs Jahren das Netzwerk Generation 55plus in Bayern. In diesem Buch beschreibt er, wie man Ernährung, Bewegung und Genuss in den Alltag integrieren und ein gesundes Altern positiv beeinflussen kann. Dabei bezieht er sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse der Altersforschung, die auf Mitteleuropa angewandt wird: „Der in diesem Buch vorgestellte gesunde Lebensstil, bei dem Ernährung und Bewegung in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen, beruht auf weltweit wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Alters- und Ernährungsforschung.“ (S.16) Dieses Buch will gleichzeitig mit „den größten Mythen über Gesundheit und das Älterwerden, die Ihnen in manchen Ratgebern als Nonplusultra präsentiert werden (…), aufräumen. (S. 13)

Zehn Punkte werden als Tipps dem Leser mit auf den Weg gegeben. Es soll alles gegessen werden, man braucht auf nichts zu verzichten, aber manche Lebensmittel nicht im Übermaß essen. Ein halber Teller Gemüse am Tag, wenig Fleischkonsum, aber von hoher Qualität, ausreichend Wasser am Tag, Mikrointervallfasten und ausreichend Bewegung für den Kreislauf sind weitere Bausteine. Ausreichende Erholungspausen, mindestens 5 Stunden Schlaf, Aktivitäten, die einem guttun und neue Entdeckungen im Leben halten jung.

Für Fragen gibt es auf Seite 314 im Buch noch eine E-Mail-Adresse des Autors. Im Anhang findet man eine Literaturliste und Adressen von Organisationen für Ernährungsberatung.

Es gibt nicht die absolute Faustformel für eine langes Leben und eine robuste Gesundheit. Diese ist immer personenabhängig zu betrachten. Für die einen ist Kulinarik Freude am Essen ein wichtiger Teil der Lebensqualität, die durch nichts eingeschränkt werden soll, andere haben chronische Beschwerden und können bestimmte Produkte nicht essen oder trinken. Wiederum andere sind überzeugte Vegetarier oder Veganer.

Hier werden aktuelle Erkenntnisse zu den Themen Gesundheit im Alter und Kulinarik zusammengefasst und dazu praktische Anweisungen mit auf den Weg gegeben, die umsetzbar sind. Was davon für den eigenen Alltag brauchbar ist, muss individuell entschieden werden.

 

Buch 5

Thomas Rampp: Wie Wasser heilt. Meine besten Tipps aus Forschung und ärztlicher Praxis, Knaur Balance, München 2019, ISBN: 978-3-426-65856-7, 19,99 EURO (D)

Thomas Rampp ist Oberarzt in einer großen Abteilung für Naturheilkunde und Integrative Medizin und beschreibt in diesem erzählenden Sachbuch die umfassenden Heilkräfte des Wassers und wie diese jeder für sich selbst anwenden kann. Neben traditionellen Anwendungen der Naturheilkunde geht es um die Fragen, weshalb Wasser so wichtig ist für Körper und Seele und wie sehr es zur Gesunderhaltung gebraucht wird, Dabei verbindet er neueste Forschungsergebnisse zur Heilkraft des Wassers mit den reichhaltigen Erfahrungen aus seiner ärztlichen Praxis.

Rampp beschäftigt sich ausführlich mit den Sebastian Kneipps und seiner Therapie. Kneipps wirksame Philosophie fußt eben auf den fünf Grundprinzipien Wasser, Pflanzen, Bewegung, Ernährung und Balance. Bereits bei den Griechen und Römern bekannt, setzte Kneipp die Behandlungsform im therapeutischen Sinn ein. Er erkannte den Wert der Wechselbäder, des Reizes auf die Haut durch Kaltwasseranwendungen und Warmwassermethoden. Die Hydrotherapie umfasst die Behandlung mit „Kneippgüssen“, Waschungen und Wickeln. Die Gefäße werden regelrecht „trainiert“, die Blutzirkulation angeregt. Die verschiedenen Reize durch das Wasser sind: thermisch (warm oder kalt) oder mechanisch (Blitzguss).

Bei Wassertreten, das auch in der Natur praktiziert werden kann, oder beim Gesichtsguss kommt es zur besseren Durchblutung der Haut. Mit der Aktivierung der körpereigenen Kräfte wird das Immunsystem gestärkt. Die Heilkraft des Wassers sorgt für positive Einwirkungen bei vegetativer Dystonie (Fehlsteuerungen des Stoffwechsels, Blutdrucks oder Hormone) und hilft bei funktionellen Störungen

Die Kombination aus sportlichen Betätigungen im Wasser, Aufenthalt im Thermalbad mit Whirlpools sowie die Nutzung professioneller Behandlungen im Spabereich tragen zur Prävention, Gesundheit und Lebensqualität bei. Die heilende sowie schmerzlindernde Wirkung von Thermalwasser mit unterschiedlichen Mineralstoffen spüren vor allem Menschen, die an Erkrankungen des Bewegungsapparates oder der Atmungsorgane leiden. Außerdem stellt er Onsen, die japanische Badekultur und seine Anwendungen und Wirkung vor.

Er stellt dar, wie viel Wasser der Mensch braucht, um gesund zu bleiben. Wasser ist der Hauptlieferant für die Zellen im menschlichen Körper. Wassermangel dickt das Blut ein und Organe, Muskeln und Gewebe können so nicht mehr optimal mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden. Werden die Hirnzellen mit weniger Energie versorgt, verringert sich die geistige Leistungsfähigkeit. Durch Wasser bleiben Gehirn-, Stoffwechsel- und Sinnesfunktionen bleiben und damit die Lebensenergie.

Die Klimatherapie, die Thalassothrerapie, Wasser in der traditionellen indischen und chinesischen Medizin und der Beeinflussung des Wassers von Körper, Geist und Seele. Verschiedene Methoden von Aqua-Fitness wie Aqua-Relaxing oder Aqua-Balancing werden ebenfalls vorgestellt.

Er setzt sich auch kritisch mit dem Konsumverhalten mit Wasser in den westlichen Ländern auseinander und gibt Tipps, wie man Wasser im Alltag sparen kann. 

Der Autor offenbart hier ein großes Wissen über die Anwendungsmöglichkeiten von Wasser und Methoden zur Gesundung oder Gesunderhaltung. Neben den medizinischen Beschreibungen finden sich auch viele alternative Heilansätze, auch aus anderen Kulturbereichen, die er in seiner ärztlichen Praxis anwendet. Der Teilbereich über energetische Einflüsse des Wassers klingt allerdings sehr esoterisch und weit hergeholt. Das Buch bietet insgesamt gesehen alle Möglichkeiten, sich über die Bandbreite  von Therapien zu informieren.

 







<< Zurck
Diese Webseite verwendet keine Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz