Neuerscheinungen Bildung und Erziehung

02.10.20
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Julia Egbers/Armin Himmelrath (Hrsg.): Das Schuljahr nach Corona. Was sich nun ändern muss, Hep Verlag, Bern 2020, ISBN: 978-3-0355-1865-8, 21 EURO (D)

In diesem Buch werden viele vorläufige, aber neue spannende Ansätze für Schule und Bildung für die Zeit nach Corona gegeben. Verschiedene Schulakteure (Schüler, Lehrer, Fachleute, Wissenschaftler) begreifen in diesem Sammelband die Corona-Krise auch als Chance: „als Chance zum Umbau bisher verkrusteter Strukturen, als Möglichkeit zum Ausprobieren neuer Lernwege, als Anstoß zum Denken bisher ungedachter Möglichkeiten“. (S. 10) Die Beiträge sind bis zum Sommer 2020 entstanden. Es sind wissenschaftliche Studien, Essays, Handlungsempfehlungen und persönliche Erfahrungsberichte zu finden.

Die einzelnen Beiträge werden in die Oberthemen gesellschaftlich-psychologische Ebene, pädagogische Ebene und Organisationsebene gegliedert. Drei besonders spannende Beiträge aus jedem der drei Teilbereiche werden kurz vorgestellt.

Ulrich Bauer, Dekan der Fakultät für Erziehungswissenschaft an der Universität Bielefeld, und Klaus Hurrelmann, Professor of Public Health and Education an der Hertie School pf Governance in Berlin, stellen eine „Fantasielosigkeit, Steuerungsprobleme und das Defizit im Umgang mit modernen Lern- und Kommunikationstechnologien“ schon vor der Pandemie fest. (S. 20) Sie fordern eine Intensivierung der Reformen in folgenden Punkten: die Gestaltung einer bedarfssensiblen Steuerung des Schulsystems, die Koordination von digitalem und analogem Lernen und neue Formen der Förderung von benachteiligten Schülern.

Sebastian Funk, Lehrer für Mathematik und Physik am Privatinternat Villa Wewersbusch in Velbert, sieht in der Krise die „beste Chance“ für die digitale Schule. ( S. 121). Ein Methodenmix zwischen digitalem und analogem Lernen wird von ihm angeregt. Außerdem fordert er Diensttablets für Lehrer und Tablet-Computer für Schüler, Zugang zum Internet mit einem stabilen und schnellen WLAN, einen neu überdachter Datenschutz speziell für digitale Schulen und einen sicherer Cloud-Speicher.

Myrle Dziak-Mahler, Leiterin des Zentrums für LehrerInnenbildung der Universität zu Köln, ist der Ansicht, dass die Corona-Zeit gezeigt hätte, dass Probleme durch Einzelne oder auch durch kleine, selbstorganisierte Teams schnell, effektiv und schülerorientiert gelöst werden können. Sie schlägt ein Organisationsmodell vor, das „die Kollegien in die Lage versetzt, eigenverantwortlich und zum Besten aller Beteiligten und Betroffenen zu agieren.“ (S. 156) Dabei sollte Schulen ihre Arbeitsstrukturen verändern und an den folgenden Leitbegriffen ausrichten: Eigenverantwortung, Augenhöhe, Partizipation, Transparenz und Vertrauen. Dazu entwirft sie ein eigenes Modell.

Dies ist eine augenblickliche Bestandsaufnahme von vielfachen Anregungen für die Schullandschaft in den deutschsprachigen Ländern. Sicher gibt es noch mehr Teilbereiche, wo Reformen nötig sind: Mehr digitale Ausbildung für Lehrkräfte oder Weiterbildung, neue Formen der Didaktik, mehr Flexibilität in den Lehrplänen (z.B. fächerübergreifender Unterricht), geänderte Finanzkonzepte öffentlicher Schulen. Auf jeden Fall ist der Bedarf da, keine Frage.

Buch 2

John Bowlby: Bindung als sichere Basis. Grundlagen und Anwendungen der Bindungstheorie, 4. Auflage, Ernst Reinhardt Verlag, München 2018, ISBN: 978-3-497-02826-9,

John Bowlby schildert in diesem Buch Anfänge, Grundkonzepte und empirische Prüfung der Bindungstheorie. Er zeigt, wie sich seine Erkenntnisse in der Psychotherapie anwenden lassen und beschreibt Grundzüge einer sicheren Elternschaft.

Eingeleitet wird das Buch von einem Aufsatz von Jeremy Holmes über Bowlbys Thesen und der Weiterentwicklung innerhalb der Forschung.

Die Bindungstheorie erklärt die positive Mutter-Kind-Beziehung als eine dyadische Beziehung zwischen Säugling und Mutter, die dem Säugling eine sichere Basis bietet, von der aus die Welt erkunden und wahrnehmen kann. In Bezug auf kognitive, soziale und Verhaltensbereiche haben sicher gebundene Säuglinge tendenziell günstigere Langzeitergebnisse, während unsicher gebundene Säuglinge eher nachteilige Ergebnisse haben. Die Elternschaft von Jugendlichen kann die normale Entwicklung von Jugendlichen stören, und diese Störung beeinflusst die Entwicklung der emotionalen und kognitiven Fähigkeiten, die für mütterliche Verhaltensweisen erforderlich sind, die eine sichere Bindung fördern.

Bowlby beschrieb die Bindung als eine einzigartige Beziehung zwischen einem Säugling und seiner Pflegekraft, die die Grundlage für eine weitere gesunde Entwicklung bildet. Für ihn ist die Bindungstheorie ein inhärentes biologisches Reaktions- und Verhaltenssystem, um die grundlegenden menschlichen Bedürfnisse zu befriedigen.

Säuglinge jugendlicher Mütter sind einem Risiko für schlechte Bindungsergebnisse ausgesetzt, die mit langfristigen nachteiligen Folgen in kognitiven, adaptiven und Verhaltensbereichen verbunden sind Eine sichere Bindungsbeziehung entsteht aus der Fähigkeit einer Mutter, reflektiert, reaktionsschnell und sensibel auf die Bedürfnisse ihres Kindes zu reagieren, und führt dazu, dass das Kind im späteren Leben Vertrauen, Zuversicht und Belastbarkeit entwickelt. Heranwachsende Mütter können diese Merkmale, die aufgrund ihres eigenen Entwicklungsstadiums eine sichere Bindung fördern, möglicherweise nicht intuitiv annehmen Anzeichen einer schlechten Bindung zeigen sich durch Beobachtung der Interaktionen der Mutter mit ihrem Kind. Sichere Bindung ist ein wichtiger Bestandteil der Grundlage für ein gesundes Leben. Daher müssen die Wechselwirkungen zwischen Mutter und Kind, insbesondere in dieser jugendlichen Hochrisikopopulation, im Rahmen der pädiatrischen klinischen Versorgung bewertet werden.

Im Anhang findet man noch ein Personen und ein Sachregister.

Dieser Klassiker bietet einen Überblick über die Bindungstheorie und die Bindungsperspektive im Allgemeinen und die von Bowlby im Besonderen. Obwohl in den letzten Jahren sich die Forschung weiterentwickelt hat, sind Bowlbys große Teile seiner Thesen immer noch aktuell. Ein lesenswerter Einblick in das Denken eines wichtigen Beitrags zur Psychologie und Psychoanalyse. Die Qualität der Übersetzung ist gut, es sind keine groben Verständnisschwierigkeiten zu erkennen.

Buch 3 

Andreas Kost/Peter Massing/Marion Reiser (Hrsg.): Handbuch Demokratie, Wochenschau Verlag, Frankfurt/Main 2020, ISBN: 978-3-7344-0951-6, 39,90 EURO (D)

Dieses Handbuch will eine umfassende Einordnung des demokratischen Systems der Bundesrepublik bieten. Zahlreiche renommierte Experten kommen dabei zu Wort. Es setzt sich mit historischen Grundlagen und grundlegenden Prinzipien (Institutionengefüge, Interessensvermittlung durch politische Parteien und anderen Institutionen, Entscheidungsprozesse) auseinander. Weiterhin gibt es Beiträge zu ideengeschichtlichen und theoretischen Grundlagen. Vier Essays gehen auf demokratische und nicht demokratische Herrschaftsformen, direkte und repräsentative Demokratie, Konsens- und Mehrheitsdemokratie, parlamentarische, präsidentielle und semipräsidentielle Regierungsformen ein. Außerdem werden europäische, regionale Aspekte, Demokratie in der Einwanderungsgesellschaft und der Zusammenhang zwischen Demokratie, Politikdidaktik und politischer Bildung diskutiert. Die Frage, ob sich die Demokratie in einer Krise befindet oder ob es schon postdemokratische Zustände gibt, wird in einzelnen Beiträgen ausgebreitet.

Eine Sorge um die Erosion des heutigen herrschenden Verständnisses von Demokratie schimmert immer wieder durch. Exemplarisch ist dies im Vorwort der Herausgeber festzumachen: „Die Demokratie als politische Ordnung steht somit vor vielfältigen globalen und nationalen Herausforderungen. Aktuell zeigt sich anhand unterschiedlicher Anzeichen ihre politische Fragilität und Gefährdung. Ob die Demokratie dadurch nachhaltig gefährdet wird oder sie sich stabilisiert bzw. sogar noch gestärkt wird, hängt davon ab, wie die politischen Akteur*innen und die Bürger*innen diese aktuellen Herausforderungen vor dem Hintergrund der Frage nach der Legitimität und Leistungsfähigkeit der Demokratie wahrnehmen und bearbeiten.“ (S. 20)

Die Tendenz des Buches geht zu sehr auf „Stärkung“, „Bewahrung“ und „Verteidigung“ der Demokratie, hat also eher konservative Züge. Demokratie ist kein abgeschlossenes Modell, die Vorstellungen über Inhalte und Verfahrensweisen sind dynamisch und entwickeln sich immer weiter. Verschiedene Anzeichen für eine Krise der repräsentativen Demokratie müssen nicht zwangsläufig eine Krise der Demokratie sein.

Die repräsentative Demokratie ist nur eine von zahlreichen Varianten, muss nicht das Endprodukt sein. Was auch schon in einigen Beiträgen durchschimmert.

In der repräsentativen Demokratie werden die Vertreter nur einmal alle Jahre gewählt, dann fehlen wesentliche Einflussmöglichkeiten auf politische Entscheidungsprozesse. Die direkte Demokratie ist Garant für eine Einflussnahme des offiziellen Souveräns auf die Entscheidungsprozesse der parlamentarischen Regierung. Ohne sie ist es nicht realisierbar, dass an der Formulierung von Gesetzentwürfen mehr als nur das Wissen und die Interessen der dafür amtlich Zuständigen bzw. der daran kommerziell interessierten Personen beteiligt ist.

Das Handbuch setzt sich folglich insgesamt nicht ausreichend mit alternativen Formen von Demokratie auseinander und rückt zu sehr die Version der repräsentativen Demokratie in den Fokus.

Buch 4

Manfred Pretis: Teilhabeziele planen, formulieren und überprüfen. ICF leicht gemacht, Ernst Reinhardt Verlag, München 2020, ISBN: 978-3-497-02976-1, 22,90 EURO (D)

Das Bundesteilhabegesetz sowie die ICF sehen vor, dass in allen pädagogischen Handlungsfeldern Teilhabeziele für Kinder mit Entwicklungsschwierigkeiten erarbeitet werden. ICF, In deutscher Übersetzung „Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit“, ist eine Klassifikation von der Weltgesundheitsorganisation, die erstmals 2001 erstellt und herausgegeben wurde, vor. Mit Hilfe der ICF kann die aktuelle Funktionsfähigkeit jedes Menschen oder ihre Beeinträchtigung beschrieben und klassifiziert werden. Beschrieben werden der Gesundheitszustand und die mit dem Gesundheitszustand verbundenen Zustände.

Dafür sollen Fachkräfte gemeinsam mit Eltern in Teilhabezielen denken und handeln. Dieses Buch des Heilpädagogen und klinischen Psychologen, Manfred Pretis, richtet sich an Fachkräfte, die einen Anforderungswandel erleben: Bisher standen bisher oft fachlich begründete Maßnahmen im Vordergrund anstelle der aktiven Perspektive des Kindes im Mittelpunkt. Beispiele von Förder- und Therapiemaßnahmen zeigen, wie kontextorientierte Teilhabeziele für Kinder und Jugendliche unterschiedlichen Alters und mit verschiedenen Entwicklungsschwierigkeiten aussehen können.

Im ersten Kapitel wird der Begriff der Teilhabe definiert und näher ausgebreitet. Eine zentrale Eigenschaft ist die aktive Mitgestaltung und Mitbestimmung von Lebenssituationen. Förderung, Begleitung, Therapie oder Behandlung zielen darauf ab, größtmögliche Teilhabe zu erreichen. Teilhabe schließt immer strukturelle, funktionale oder umweltorientierte Aspekte ein. Die individuellen Fähigkeiten eines Kindes oder einer Familie sowie deren Interessen und Werte spielen bei der Planung der Teilhabe eine zentrale Rolle. Teilhabe repräsentiert im Regelfall die Gesamtheit der koordinierten Aktivitäten in einem jeweiligen Kontext.

Teilhabeziele nach der ICF werden im zweiten Kapitel weiter ausgeführt. Dies sind im Einzelnen Teilhabe und Gesundheitssorgen, Teilhabe und personenbezogene Aspekte, Teilhabe und Umwelt, Teilhabe und Körperstrukturen, Teilhabe und Körperfunktionen.

Anschließend geht es um Messen und Bewerten der Teilhabe, aus den daraus resultierenden Ergebnissen werden Teilhabeziele für das jeweilige Kind erarbeitet. Teilhabeziele müssen in Einklang gebracht werden mit den Erwartungen oder Wünschen der Eltern oder des Kindes, wenn es Ziele selbst formulieren kann, mit den durchgeführten Beobachtungen und mit daraus resultierenden Teilnahmebeeinträchtigungen. Außerdem werden sprachliche Kennzeichen und Merkmale bei einem Beobachtungsteil eines Dokuments näher ausgeführt.

Im folgenden Kapitel werden die wichtigsten Teilhabeitems aus der ICF aufgelistet und vorgestellt: Dies sind Lernen, allgemeine Aufgaben und Anforderungen, Sich verständigen, Sich fortbewegen, Sich selbst versorgen, häusliches Leben, mit anderen auskommen bzw. miteinander umgehen, an bedeutenden Lebensbereichen teilhaben, am Gemeinschafts-, sozialen und staatsbürgerlichen Leben teilnehmen.

Die Ergebnisevaluation von Teilnahmezielen bewertet, inwiefern wohldefinierte Ziele mit den dafür vorgesehenen Mitteln erreicht wurden. Wie das geschieht, ist Gegenstand des finalen Kapitels. Schwerpunkte sind dabei die Vorstellung der Instrumente zur Messung der Zielerreichung, die indirekte Messung und die Evaluation mit Eltern und im Team.

Im Anhang findet man noch ein Literaturverzeichnis und ein Sachregister.

Hier wird anhand des vorliegenden Schemas das Handlungsfeld der Teilhabe speziell für Kinder mit Entwicklungsschwierigkeiten anhand der rechtlichen Vorgaben des Bundesteilhabegesetzes sowie der ICF wohlstrukturiert und für Fachkräfte verständlich vermittelt. Obwohl wichtige Thesen didaktisch hervorgehoben sind, wäre eine Zusammenfassung am Ende jedes größeren Kapitels sinnvoll. Oder in einem Fazit am Ende. Die Zahl der Beispiele hätte auch größer sein können.

Buch 5

Kerstin Held: Mama Held. Jedes Kind hat das Recht auf Familie, Kösel, München 2020, ISBN: 978-3-466-37260-7, 20 EURO (D)

Kerstin Held, Vorsitzende des Bundesverbands behinderter Pflegekinder, hat in den letzten 20 Jahren zwölf Pflegekinder, zehn davon schwerbehindert, ein neues Zuhause gegeben. Zusammen mit einem Team von Pflegekräften betreut sie die Kinder und erledigt den behördlichen Austausch und die damit verbundenen Angelegenheiten wie Anträgen oder Stellungnahmen.

In diesem Buch erzählt sie aus ihrem Alltag und von Hürden ihrer Arbeit. Eine Voraussetzung für dieses Engagement lag in ihrer eigenen Kindheit. Sie wuchs mit einer behinderten Schwester aufzuwachsen, was zunächst nicht leicht war. Sie fühlte sich lange Zeit als Kind zweiter Klasse, da ihre Schwester aufgrund ihrer Behinderung immer im Vordergrund stand, bis das Verhältnis sich als Jugendliche stetig verbesserte.

Ihre Pflegekinder mit ihren (teilweisen) Behinderungen, den Umgang damit und die Fortschritte und erlebte Nähe werden detailliert beschrieben. Es gab traurige und positive Berichte, so wie im wirklichen Leben.  Dabei ist zu spüren, dass sie mit ganzem Herzen dabei ist, den Kindern ein neues Zuhause mit viel Liebe zu geben. Die Geschichten sind dabei nicht immer chronologisch aufgebaut, was etwas verwirrend ist.

Schockierend wird es dann, wenn sie von Schwierigkeiten innerhalb der Gesetzgebung und teilweise der Behörden berichtet, die ihr dann noch zusätzlich Steine in den Weg legen. Kraft, die besser in Entspannung oder in mehr Zeit für die Kinder investiert wäre. Oder die Tatsache, dass es immer noch viel zu viel Vorurteile gegen und Ablehnung von Menschen mit Behinderung gibt, die selbst vor Kindern nicht haltmachen.

Ein lesenswerter Einblick in den Alltag mit Pflegekindern mit Behinderung, der auch die tolle Persönlichkeit von Kerstin Held zeigt. Ein Buch, das auch generell Eltern von Kindern mit Behinderung Mut macht.

 

Buch 6

Sabine Achour/Siegfried Frech/Peter Massing/Veit Strassner (Hrsg.): Methodentraining für den Politikunterricht, Wochenschau Verlag, Frankfurt/Main 2020, ISBN: 978-3-7344-0721-5, 39,90 EURO (D)

Dieses Buch beschäftigt sich auf aktueller wissenschaftlicher Grundlagen mit Methoden für den Politikunterricht im Sinne von politischer Mündigkeit. Es will keine fertigen Rezepte für Lehrkräfte liefern, sondern eine Ergänzung zu den reflektierten eigenen Erfahrungen sein und zur Verbesserung der eigenen Kompetenzen beizutragen. Die Herausgeber und andere Autoren sind allesamt in der Ausbildung und Fortbildung von Lehrern tätig.

Der „Mehrwert“ des vorliegenden Buches zu schon erschienenen Büchern mit verwandter Thematik liegt darin, dass „die Methoden explizit an Kompetenzen orientiert sind. Die hier vorgestellten Methoden fördern die Kompetenzen, wie sie in den meisten Kompetenzmodellen der Politikdidaktik und in den Lehrplänen der Mehrzahl der Bundesländer für den Politikunterricht benannt sind.“ (S. 10), Außerdem werden alle Methoden in einem politik-bzw. sozialwissenschaftlichen Kontext dargestellt und erklärt, vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Heterogenität und in Bezug auf ihren Beitrag zur individuellen Förderung beschrieben und die Förderung sprachlicher Kompetenzen deutlich gemacht.

Um Studierenden und Lehramtsanfängern eine politikdidaktische Einbettung der Methoden und Arbeitstechniken zu ermöglichen und Hinweise zur Planung von Politikunterricht zu geben, geht es im ersten Teil des Buches um politikdidaktische Grundlagen. Dabei werden auch die einzelnen Phasen des Politikunterrichts einzeln vorgestellt.

Im zweiten Teil werden orientiert an den verschiedenen Unterrichtsphasen die einzelnen Methoden und die Sozialformen und die Arbeitstechniken vorgestellt. Außerdem geht es um Methoden der Leistungsbemessung und Beurteilung. Die Methoden werden praxisorientiert an Beispielen vorgestellt, Checklisten sollen auf häufig auftretende Probleme und Fallen aufmerksam machen.

Weiterhin gibt es noch die Möglichkeit, Checklisten und Kopiervorlagen unter einer Adresse im Buch (S. 7) herunterzuladen.

Die vertretene These, als Ziel eines politischen Unterrichts ist, eine eigenständige, „objektive politische Urteilsbildung“ zu erreichen, ist jedoch nur in Teilen richtig. Wenn diese „objektive politische Urteilsbildung“ sich auf diskriminierende, rassistische, menschenverachtende oder sonstige Stereotype beziehen oder diese als Werturteil angenommen und propagiert werden, kann dies nicht Ziel des Unterrichts sein. In Teilen der Gesellschaft akzeptierte Diskriminierungsmuster sollten vielmehr dekonstruiert werden. Politisches Lernen und Unterricht sollte im präventiven Sinne auf menschenverachtende Gesinnungen hinweisen und verstehen lernen, diese als solche zu erkennen und Möglichkeiten zu finden, diesen zu begegnen. Sonst ist der Band eine Fundgrube für gängige Methoden und Arbeitstechniken für den Politikunterricht und auch teilweise für den außerschulischen Kontext der politischen Bildung.







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