Neuerscheinungen Sachbuch und Digitalisierung

03.01.21
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Mathias Forster/Christopher Schümann (Hrsg.): Das Gift und wir. Wie der Tod über die Äcker kam und wie wir das Leben zurückbringen können, Westend, Frankfurt/Main 2020, ISBN: 978-3-86489-294-3, 29,95 EURO (D)

Dieses Buch wurde von dreißig anerkannte Expertinnen und Experten aus aller Welt über den Einsatz chemisch-synthetische Pestizide in der Landwirtschaft, der Forstwirtschaft oder im eigenen Garten und ihrer Folgen für Mensch und Umwelt verfasst. Das Buch besteht aus fünf großen Teilbereichen, die mit einem grundlegenden Prolog beginnen.

Pestizide sind chemisch-synthetische Stoffe und Stoffkombinationen, die giftig auf im jeweiligen Anwendungsbereich unerwünschte Organismen (Tiere oder Pflanzen) wirken. Sie töten, vertreiben, hemmen das Wachstum oder die Keimung. Je nachdem ob sie gegen Unkraut, Insekten oder Pilze eingesetzt werden, spricht man auch von Herbiziden, Insektiziden oder Fungiziden. Ursprünglich wurden die Substanzen eingesetzt, um unerwünschte Organismen in der Landwirtschaft zu beseitigen. Seit den 1950er Jahren kommen Pestizide in der industriellen Landwirtschaft weltweit in großem Umfang zum Einsatz, was zu massiven Eingriffen in die natürliche Umwelt geführt hat.

Ihr Einsatz vernichtet nicht nur die so sogenannten Unkräuter und Schädlinge. Da diese auch die Nahrungsgrundlage und Schutzräume vieler Tiere in der Agrarlandschaft sind, tragen Pestizide maßgeblich zum Verlust der biologischen Vielfalt bei und bedrohen grundlegende ökologische Prozesse.

Die Auswirkungen ihres massenhaften Einsatzes wurden aber zur Bedrohung für die Gesundheit des menschlichen Körpers. Die Rückstände der Chemikalien finden sich überall. In Nahrungsmitteln, in Kleidung und auch in unseren Körpern Besonders gefährlich für Verbraucher sind die langsamen und zeitversetzten Wirkungen von Pestiziden: Sie können die Zellteilung stören, das Entstehen von Krebs begünstigen, das Erbgut verändern, das Immunsystem beeinträchtigen, Allergien auslösen. Dies wird in diesem Teilbereich vorgestellt.
Im nächsten Schwerpunkt „Das Panorama“ geht es über die intensive öffentliche und wissenschaftliche Debatte über die Frage, ob Glyphosat Krebs erzeugen oder die Krebserzeugung fördern kann. Außerdem werden rechtlichen Fragen, verschiedene Umweltstandards innerhalb der Welt, Profiteure des jetzigen Systems und Kosten und Folgekosten.

Im letzten Kapitel werden Auswege aus dem Dilemma und der Ausstieg aus der flächendeckenden Verwendung von Pestiziden gezeigt.

Neben dem bekannten Postulat nach einer Steigerung der ökologischen Landwirtschaft gibt es die Entwicklung von direkten und indirekten Alternativen zu chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln. Im Bereich der vorbeugenden Maßnahmen kann die Züchtung neuer, krankheitsresistente Sorten, ebenso Anbaumethoden, um Nützlinge zu fördern oder die altbewährte Fruchtfolge im Ackerbau zu verfeinern, ein Mittel sein. So hilft etwa das Einnetzen von Obstbäumen, Hagelschäden zu vermeiden; Gewächshäuser oder innere geschlossene Kreisläufe können ein Mittel sein. Verschiedene andere Forschungsansätze und Ergebnisse werden ebenso vorgestellt.

Wer beim Naturgärtnern nach dem Prinzip des integrierten Pflanzenschutzes vorgeht, kann durch Vorbeugung und andere Maßnahmen auf Pestizide verzichten und so Umwelt und Artenschutz bewahren.

Der richtige Standort zählt und kann viel dazu beitragen, dass wenige oder gar keine Pestizide eingesetzt werden müssen. Ob der Standort richtig gewählt ist, liegt hierbei an den Bodenverhältnissen, dem Schatten-Sonne Verhältnis und dem trocken-feucht Verhältnis. Pflanzen die sich an ihrem Standort Wohlfühlen, benötigen erheblich weniger Pflanzenschutzmittel.

Ein weiterer Tipp wie Pflanzenschutzmittel vermieden werden können, ist die Wahl von besonders widerstandsfähigen Sorten, welche weniger anfällig für Krankheiten sind, wie sie bei Obstbäumen, Weinreben oder Rosen besonders oft vorkommen. Pflanzenkrankheiten werden nicht selten durch den Menschen von Pflanze zu Pflanze übertragen. Zum Beispiel sollte man die Gartenschere immer reinigen, um die Sporen der Krankheitserreger nicht zu übertragen.

Um Nützlinge zu fördern und anzulocken, braucht es blühende Pflanzen die Nektar und Pollen als Nahrung zur Verfügung stellen. Besonders interessant für viele Nützlinge sind Pflanzen aus den Familien der Korbblütler und Doldenblütler 

Außerdem ist es wichtig, dass man die ersten Schädlinge toleriert, denn diese sind die Nahrungsgrundlage für die Nützlinge. Ebenso wichtig sind kleine Strukturen wie Laub-, Holz- oder Steinhaufen die den Nützlingen als Rückzugsorte und Lebensraum dienen.

Auch Pflanzen hilft eine gesunde Ernährung. Pflanzenstärkungen wie Auszüge oder Jauchen aus Ackerschachtelhalm, Brennnesseln, Beinwell oder Rainfarn, aber auch Komposttees können helfen. Die Verwendung von organischem Dünger wie z.B. Kompost und eine möglichst durchgehende Bodenbedeckung helfen außerdem.

Viele Schädlinge und auch Beikräuter lassen sich erfolgreich durch mechanische und physikalische Methoden in Schach halten. Die klassische mechanische Methode zur Unkrautvernichtung ist immer noch das Unkraut jäten. Es gibt für die verschiedenen Anwendungszwecke unterschiedliche Geräte die einem die Arbeit erleichtern, wie diverse Hacken, Gartenkrallen, Fugenkratzer und einiges mehr.

Treten trotz aller vorbeugenden, pflanzen stärkenden und mechanischen Pflanzenschutzmaßnahmen gewisse Schädlinge oder Pflanzenkrankheiten in einem störenden Ausmaß auf, stehen eine Reihe von biologischen Pestiziden zur Verfügung, deren Wirkstoffe natürlichen Ursprungs sind. Beispiele für biologische Insektizide, also diejenigen, die ihre Pflanzen vor unerwünschten Insektenbefall schützen sind hier Neem, Pyrethrum und Spinosad.

Quer durch das Buch werden immer mehr Rubriken mit der Überschrift „Verlustanzeige“ eingestreut, wo Tiere, die beinahe oder ganz ausgerottet wurden, wie der Baumweißling, die Bachforelle, die Feldlerche, die Westliche Honigbiene, die Turteltaube oder die Schwarze Mörtelbiene vorgestellt werden.

In welchem Umfang Pestizide maßgeblich zum Verlust der biologischen Vielfalt beitragen, grundlegende ökologische Prozesse bedrohen und nicht zuletzt den Erfinder und Verursacher, den Menschen selbst, schädigen, wird hier ausführlich und fachgerecht dargelegt. Die wissenschaftliche Forschung zu Alternativen für den Einsatz von Pestiziden hat zwar in den letzten Jahren Fortschritte erzielt, ein Wundermittel gibt es jedoch nicht. Die bisherigen Alternativen werden hier vorgestellt, auch was jeder individuell im eigenen Garten dazu beitragen kann.

 Es wird auch deutlich, dass der Umbau der Landwirtschaft hin zu ökologisch arbeitenden Betrieben schneller vorangehen muss als bisher. Das wird zwar den Verbraucher mehr kurzfristig mehr kosten, dafür werden die teuren Folgeschäden aber wesentlich minimiert und gesundheitliche Risiken ebenso.

Buch 2

Marie-Luise Wolff: Die Anbetung. Über eine Superideologie namens Digitalisierung, Westend, Frankfurt/Main 2020, ISBN: 978-3-864-89304-9, 22 EURO (D)

Die Managerin Marie-Luise Wolff bewertet die soziale, politische, ökonomische und technologische Bedeutung der digitalen Transformation und das Neuentstehen von Firmen wie Google oder Facebook. Sie zeichnet ein sehr düsteres Bild der neuen Märkte, auf denen Menschen nur noch Lieferanten von Verhaltensdaten. Der gläserne Mensch ist nicht mehr Herr der digitalen Welt, sondern ihr Sklave, Objekt der Internetfirmen zum Scheffeln von noch mehr Geld. Unzählige Nutzer geben Unmengen an ihren Verhaltensdaten meist freiwillig an die jeweiligen Firmen.

Vor der Gefahr einer Überwachung und Manipulation durch Datenmonopolisten wird gewarnt. Auch vor dem Sterben des Einzelhandels und der Krise der Medien- und Verlagshäuser. Blinder Fortschrittsglaube sollte es bei der Digitalisierung nicht geben: „Wir dürfen vor der Digitalisierung nicht weiter in Anbetung erstarren. Damit das Digitale gut wird, müssen wir es kritischer einordnen und stärker führen. Wir müssen aufhören, uns von der Technologie treiben zu lassen.“ (S. 7)

Die Rückgewinnung der Souveränität des Menschen über seine Verhaltensdaten und die Kritik an digitalen Trugbildern ist das Credo von Wolff. Stattdessen gilt es, eine sinngebende Ökonomie zu schaffen, die auf der (analogen) Realwirtschaft vor Ort basiert. Weiterhin fordert sie, dass die Instrumente einer die Wirtschaft ordnende auf die Digitalsphäre angewandt werden soll, nicht nur rechtlich.

Natürlich gibt es Gefahren beim Eintritt ins digitale Informationszeitalter, was die Autorin auch zu Recht herausarbeitet.

Google, Facebook, Alibaba setzen disruptive Technologien ein, also Innovationen, die die Erfolgsserie einer bereits bestehenden Technologie, eines bestehenden Produkts oder einer bestehenden Dienstleistung ersetzen oder diese vollständig vom Markt verdrängen. Sie ziehen  Gewinn aus Vermögenswerten ziehen, die jemand anderes aufgebaut hat, wie es dem Urheber nicht möglich gewesen wäre. Die Gefahr durch die vier Unternehmen für die Gesellschaft sind eine zu hohe Marktkonzentration und der damit verbundene Verlust von demokratischer Kontrolle.

Durch das Marktmonopol einiger weniger Streaming-Dienste und deren Möglichkeit zur Manipulation einer Wirklichkeit gibt es auch Gefahren für die Demokratie. Ein Prozess, der nicht zukunftsoffen und gestaltbar verläuft, sondern ausschließlich mathematisch definiert ist, ist keine autonome Willensbildung mehr.

Die Gefahren dieser Entwicklung werden verstärkt herausgehoben und dämonisiert. Die Chancen der Digitalisierung fehlen aber zumeist, so dass Wolffs Darstellung zu einseitig ist.

Man muss zwischen drei verschiedene Handlungsfeldern unterscheiden: Unternehmerische, individuelle und gesellschaftliche. Die unternehmerischen Handlungsfelder lassen in dem Schlagwort „New Work“ zusammenfassen. Ein dynamisches Konzept des Arbeitsflusses, das Open Source-Konzept sowie der positive Bezug für Veränderungen kennzeichnen dies. Individuelle Handlungsfelder bestehen aus einer Flexibilisierung und Neuinterpretation von Arbeit, der zwangsweise Aneignung digitaler Kompetenzen und der persönlichen Vernetzung und einem entregulierten Arbeitsumfeld. Gesellschaftliche Folgen können aus folgenden Punkten bestehen:  In der neuen digitalisierten Welt entkoppelt die digitale Vernetzung Ort und Präsenz, die menschliche Interaktion wird weniger werden und auch manche Jobs werden demnächst wegfallen können. Eine Chance könnte daher das bedingungslose Grundeinkommen sein.

Im unternehmerischen Bereich breiten sich ein neues Führungsverständnis im Sinne von Agile Leadership und die Vorstellung eines neuen dynamischeren Verständnisses von Arbeit aus, was Vorteile gegenüber traditionellen bietet. Arbeitsmodelle werden individualisiert mit entsprechenden Chancen für mehr Selbstverwirklichung und besser Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben. Die Chancen für die Gesellschaft sind die Verbesserung der Umwelt, der Infrastruktur, des Gesundheitssystems und mehr Freizeit für sinnvolle Tätigkeiten.

Digitalisierung muss sich also durchaus nach menschlichen Bedürfnissen ausrichten. Es bleiben nur ernsthafte Zweifel, ob es eine humane Nutzung der neuen Technologien im kapitalistischen Wirtschaftssystem geben kann, wo es um Konkurrenzdenken, Gewinnmaximierung und darwinistische Prinzipien geht und nicht um eine menschliche, solidarische Gesellschaft für alle. Gerade in Großkonzernen, auch den hier genannten, kann es schon aus Prinzip keine Ethik und Moral geben, die sich an menschlichen Werten misst. Daher bleiben die hier entwickelten Ideen, die eigentlich fundiert und durchdacht sind, auf halbem Wege stehen. Es bedarf einer humanen Wirtschaftsstruktur und einer humanen Digitalisierung.

 

Buch 3

Fauna. Wunderwelt der Tiere, DK, München 2020, ISBN: 978-3-8310-4027-8, 39,95 EURO (D)

Dieses Buch zeigt facettenreiche Phänomene aus dem Tierreich in mehr als 1400 Farbfotografien und kompakten Texten. Sowohl die Schönheit der Tiere als naturwissenschaftliche Tatsachen und Zusammenhänge werden hier veranschaulicht.

Im ersten Kapitel werden Grundlagen wie Evolution, die Gestalt der Tiere, Käfer, Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel, Säugetiere und prähistorische Tierkunst behandelt. Im Kapitel „Form und Größe“ geht es um Symmetrie, Asymmetrie, Radiärsymmetrie, verschiedene Körper von Tieren, die Möglichkeiten der Gestaltveränderung und Schweben im Wasser. Weiterhin werden auch phantastische Tiere und der Blick der Renaissance auf Tiere skizziert.

Die dann folgenden Kapitel sind nach verschiedenen Gliedmaßen geordnet. Dies beginnt mit Skeletten: Dabei werden verschiedene Formen von Skeletten, Wirbeltierpanzer, Säugetierhörner, Hirschgewölbe und das Beispiel eines Geparden gezeigt.

Haut, Kleid und Panzer stehen dann im Mittelpunkt: Tarnung, Waffen und Kämpfe, Schalenbildung, Schutz vor der Kälte, Aspekte der Haut, Federn bilden Schwerpunkte und werden konkret an verschiedenen Tieren gezeigt. Weiter geht es mit den Sinnen: Verschiedene Formen der Wahrnehmung, Sinne unter Wasser, der Geschmack der Luft, das Wahrnehmen von Wärme, Licht und Farben, der Geruchssinn, das Hören und Echoortung werden näher behandelt. Dies wird unter anderen bei Delfinen, Eisvögeln oder Fledermäusen illustriert.

Mäuler, Kieferfunktionen, Gesichtsausdruck sowie Schnabelformen werden dann anhand von Würmern, dem großen Panda oder Geparden vorgestellt. Beine, Arme, Tentekel und Schwänze bei Vögeln, Kraken, beim Orang-Utan oder beim Alpensteinbock behandelt. Flossen, Flipper und Fluken und wie Fische schwimmen und auf dem Meeresgrund laufen, wird dann gezeigt. Flügel und Flughäute, verschiedene Flugstile und das Gleiten werden anhand vom Bartgeier, Kaiserpinguin oder Turmfalke illustriert. Eier und Jungtiere schließen die Kapitel ab: Schwerpunkte sind Befruchtung, Brutpflege, Metamorphose und die Aufzucht. Dabei werden Beuteltiere, der Eisbär oder verschiedene Vogeleier und deren Schalenfarben präsentiert.

Dabei werden hochauflösende Bilder und Detailzeichnungen verwendet. Hintergrundinformationen und bestimmte Schwerpunkte werden in kleineren Blöcken vorgestellt. Manchmal werden auch naturgeschichtliche Fakten und ästhetische Veränderungsprozesse in der visuellen Darstellung von Tieren beschrieben.

Im Anhang gibt es noch ein Glossar und ein Register, Literaturangaben fehlen.

Dies ist ein Streifzug durch die Welt der Tiere mit ästhetisch-optischen herausragenden Aufnahmen und Zeichnungen. Mit großformatigen Abbildungen und Detailaufnahmen steht die optische Gestaltung im Mittelpunkt, der Textanteil beschränkt sich auf das Wesentliche. Es gibt aber Infokästen für speziellere Informationen und einige naturwissenschaftliche Zusammenhänge vermittelt.

Buch 4

Reinhard Bleiber: Digitale Geschäftsmodelle. Neue Potentiale in kleinen und mittleren Unternehmen erkennen und erfolgreich umsetzen, Haufe, Freiburg/München/Stuttgart 2020, ISBN: 978-3-648-13764-2, 39,95 EURO (D)

Reinhard Bleiber zeigt in diesem Fachbuch die grundsätzlichen Charakteristika von digitalen Geschäftsmodellen und beschreibt sowohl für Gründer als auch für traditionelle Unternehmen die verschiedenen Möglichkeiten der erfolgreichen Transformation.

Im ersten Kapitel werden Inhalte, Umfang und Geschwindigkeit der Digitalisierung, Kommunikation als Weg, die Rolle von Daten, KI, die Risiken der Digitalisierung und verschiedene Ansprüche von Akteuren beschrieben. Notwendige Veränderungen und Chancen für Unternehmen werden danach behandelt. Unterschiede in den Leistungen, den Kundengruppen, Vertriebswegen und Leistungserbringung bei digitalen Geschäftsmodellen und der Bezug zur Unternehmensgröße werden dann aufgezeigt. Die verschiedenen Bausteine digitaler Geschäftsmodelle und typische Modelle kommen dann zur Sprache. Die Möglichkeit, digitale Funktionen für Teile ihrer Abläufe und Aufgaben mit analogen und digitalen Funktionen zu mischen, wird außerdem an Beispielen dargelegt und die Erfolgsaussichten beschrieben. Die Funktion des Controllings und die neuen Inhalte im digitalen Zeitalter folgen danach.

Digitale Geschäftsmodelle im Mittelstand werden dann in den Sparten Einzelhandel, Großhandel sowie In-und Export, Handwerk, Industrie und Dienstleister präsentiert. Digitale Lösungen sind abhängig von der unternehmerischen Funktion, die unterstützt werden muss. Wie dies geschieht, wird danach in den Bereichen Marketing, der Beschaffung, der Logistik, Forschung und Entwicklung, Fertigung, Instandhaltung, Buchhaltung Controlling, IT gezeigt. Eine Matrix zeigt danach, welche digitalen Möglichkeiten in der jeweiligen Kombination von Art und Funktion in der Praxis den größten Erfolg erwarten lassen.

Die Chancen der Transformation in digitale Geschäftsmodelle werden danach analysiert. Zum Abschluss gibt es eine Tabelle über reale Chancen, die weiterhilft. Es folgen die Risiken und Fallstricke: Häufig auftretende Risiken und Fehler werden genannt, deren Auswirkungen beschrieben, die Möglichkeiten zur Erkennung und geeignete Maßnahmen zur Reduktion von Gefahren aufgezeigt.

Das nächste Kapitel behandelt die Transformation: Dabei werden die entsprechende Planung, die Notwendigkeit ausreichender finanzieller und personeller Ressourcen und einzelne Schritte beschrieben. Anschließend wird noch ein Überblick über die wichtigsten Chancen und Risiken, die mit der Wahl des Zeitpunktes, zu dem in das digitale Geschäftsmodell gewechselt werden soll, gegeben. Dazu gibt es eine Checkliste.

Im Anhang findet man noch ein Abkürzungsverzeichnis und ein Stichwortverzeichnis.

Dieses Buch führt grundlegend in Denkweisen, Strukturen und Abläufe der Transformation hin zu digitalen Geschäftsmodellen ein. Die globalen Risiken und Chancen werden genauso aufgezeigt wie individuelle. Es fehlt wohl ein Literaturverzeichnis zur selbständigen Vertiefung von Teilbereichen.

Das Buch macht auch deutlich: Die digitale Transformation bedeutet nicht, dass das Geschäftsmodell auf Dauer Bestand hat. Der dynamische Markt wird permanente Veränderungsprozesse erfordern. Nur mit einer flexiblen Strategie und Anpassungsvermögen kann darauf reagiert werden.

Buch 5

Bernhard Küppers: Business-Know-how für Gründer. Geschäftserfolg in der Start-Up-Szene, Schäffer Poeschel, Stuttgart 2020, ISBN: 978-3-7910-4888-8, 39,95 EURO (D)

Bernhard Küppers und verschiedene Experten, die Teilbereiche des Buches verfassen, möchten Gründern bei den ersten Schritten unterstützen. Das Buch stellt die Rahmenbedingungen, rechtliche Fragen bezogen auf die BRD, mögliche Fallstricke dar, beschreibt erfolgreiche Gründungen und gibt Handlungsempfehlungen zu allen notwendigen Vorüberlegungen und Schritten.

Im ersten Kapitel geht es um die Grundlagen des Entrepeneurships, Innovationsmethoden, Ansätze für Start-Ups im Feld der Digitalisierung, eine kurze Beleuchtung von Chancen und Risiken und das erfolgreiche Start-Up Viva con Agua.

Anschließend werden im zweiten Kapitel zunächst Informationen erhoben, wie und warum andere erfolgreich geworden sind und warum einige gescheitert sind. Außerdem wird aufgezeigt, auf welcher Basis Entscheidungen getroffen werden sollten Die Elemente einer kompetenten Herangehensweise, der richtigen Wahl und Anwendung von erprobten empirischen Methoden und Instrumenten wie die Business-Planung kommen ebenfalls zur Sprache. Der Blick eines professionellen Investors wird am Beispiel der tye GmbH eingestreut.

Gründer unterschätzen häufig die Bedeutung des potentiellen Kunden für den erfolgreichen Aufbau eines Start-Ups, was diese oft scheitern lassen. In diesem Kapitel geht es darum, Hintergrundwissen über Markteintrittsstrategien, Kundensegmentierung, Marktpotential, Mitbewerber am Markt, Nutzwert des Produktes für den Kunden, Marketing und Vertrieb, Vertriebscontrolling, Preisgestaltung, Kundenbindung und das Generieren von professionellen Vertriebs- und Marketingmitarbeitern.

Das vierte Kapitel dreht sich um Investition und Finanzierung: Schwerpunkte sind dabei Investitionsrechnung, Finanzierungsplanung, Finanzierungsarten, Phasen, mögliche Kapitalgeber, Fördermittelstrategien, ausgewählte Förderprogramme, die Crowdfinanzierung, die Elemente der Vereinbarungen mit Investoren und Finanzierungs- und Verhandlungsstrategien.

Das nächste Kapitel betont die Kommunikation und das richtige Stakeholder-Management: Der Einfluss und die Bedeutung der Stakeholder selbst, die Bedeutung, Besonderheiten, Planung und Ziele des Stakeholdermanagements und Strategien für die Stakeholder-Beziehungen werden dort behandelt.

Das Risikomanagement folgt danach: Dabei werden die Risikoanalyse, gewerbliche Schutzrechte, Geschäftsbedingungen, Verträge, das versicherungstechnische Risikomanagement, die verschiedenen Rechtsformen der Personengesellschaften, Kapitalgesellschaften und Rechtsformen für Social Entrepeneure, Grounding und Exit beschrieben.

Danach geht es um Führungsaufgaben und den Umgang mit Mitarbeitern: Die Rekrutierung neuer Mitarbeiter, Teambuilding, verschiedene Formen des Projektmanagements, Führung im digitalen Zeitalter, Kennzeichen erfolgreicher Führung und Formen des Selbstmanagements wie Selbstregulierung, Bewegungstraining, ein Ausblick in den Sport, der Umgang mit Rückschlägen und Selbstwirksamkeit werden angesprochen.

Ein kurzes Fazit dient noch einmal zur eigenen Reflexion.

Jedes Kapitel enthält einleitende Bemerkungen und am Ende ein Literaturverzeichnis und Links zum Weiterlesen.

Im Anhang findet man noch die Biografie der Autoren, ein Abbildungsverzeichnis und ein Stichwortverzeichnis.

Dieses Buch geht hauptsächlich von den Rahmenbedingungen in der BRD aus und ist aus Sicht der Gründenden geschrieben. Es werden die einzelnen Schritte von der Vorgründungsphase über den Businessplan. Finanzplan, Tragfähigkeitsanalyse, Risikomanagement, Gründungsphase, Finanzierungoptionen, Banken-/Investorenkommunikation, Crowdinvesting, Crowdfunding. Fördermittelberatung bis hin zur Rechtsformwahl mit allen Chancen, Risiken und Fallstricken vorgestellt. Einige Beispiele machen veranschaulichen dies in der Praxis. Man bekommt einen guten Eindruck, was alles bei einer Gründung beachtet werden muss und woran sie scheitern könnte.

Das Buch dreht sich aber nicht nur um den Geschäftserfolg, es ist auch ein Mindset für Gründer zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit und die notwendigen Charaktereigenschaften sowie Reflexion.

Was wohl fehlt, sind mögliche Beratung, Rechtsfragen und Austauschmöglichkeiten in Interessensverbänden wie der Bundesverband Deutsche Startups in Berlin oder Das Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland (SEND) mit Adressen und Kontaktmöglichkeit.

Buch 6

Götz Richter (Hrsg.): Lernen in der digitalen Transformation. Wie arbeitsintegriertes Lernen in der betrieblichen Praxis gelingen kann, Schäffer Poeschel, Stuttgart 2020, ISBN: 978-3-7910-4822-2, 39,95 EURO (D)

Die digitale Transformation erfordert neue Aufgabenzuschnitte und Verantwortlichkeiten in Betrieben und öffentlichen Verwaltungen. Dieses Fachbuch, an dem verschiedene Expert*innen mitwirken, setzt sich mit den Möglichkeiten arbeitsintegrierten Lernens auseinander, beschreibt dessen Voraussetzungen und zeigt operativen Führungskräften ihre Gestaltungschancen auf.

Im ersten Kapitel gehen Götz Richter, Mirko Ribbot und Anita Tisch auf die Anforderungen der digitalen Transformation der Arbeit von Beschäftigte, Führungskräfte und Organisationen ein, skizzieren die Förderung des arbeitsintegrierten Lernens als ressourcenorientierte Strategie und stellen die folgenden Beiträge vor. Peter Dehnbostel beschäftigt sich mit Lernorten, Lernräumen und Lernarchitekturen. Dabei stellt er fest, dass die digitale Arbeitswelt virtuelle und hybride Lernorte schafft und die bisherigen um Lernräume und Selbstlernarchitekturen erweitert. Selbstgesteuertes Lernen, das individuelle und kollaborative Lernprozesse umfasst, wird als Modell der Zukunft angesehen.

Werner Stark, Pia Sue Helferich und Thomas Pfeil zeigen auf, welchen Nutzen arbeitsintegriertes Lernen für Beschäftigte, Führungskräfte und Organisationen mit sich bringen kann. Sie stellen das Konzept der digitalen Kompetenzen vor, das aus den drei Perspektiven (Kommunikationswissenschaft, Betriebswirtschaft, Pädagogik/Gesellschaftswissenschaften) besteht und gehen auch auf zukunftsorientiertes Lernen ein.

Stefanie Hiestand behandelt die Frage, wie individuelle und organisationale Lern- und Entwicklungsprozesse verknüpft werden können. Dabei weist sie auf Faktoren wie eine Fehlerkultur, Selbstwirksamkeitsüberzeugungen, individuelle und kollektive Reflexionsprozesse und eine kooperative Führungskultur hin. Annegret Bolte und Judith Neumer gehen auf Erfordernisse, Lernhemmnisse und Erwerb von erfahrungsbasiertem Kontextwissen ein. Sie stellen Anforderungen an eine lernförderliche Arbeitsplatzgestaltung sowie praktische Möglichkeiten, die Beschäftigten beim Erwerb von Kontextwissen unterstützen, dar.

Mirko Ribbot nimmt die besondere Rolle beim arbeitsintegrierten Lernen in den Blick. Er geht dabei besonders auf das Konzept von Learning Contracts ein, das Lernmotivation bei der Arbeit, individuelle Entwicklungspfade und die strategische Organisationsentwicklung verbindet. In ihrem Beitrag gehen Götz Richter und Ingo Mühlenbrock vom zeitlichen Zusammentreffen des wachsenden Anteils Älterer in vielen Belegschaften und der beschleunigten digitalen Transformation der Arbeit aus. Sie stellen die Potentiale von Veränderungskompetenz und Job-Crafting vor und machen dies durch Fallbeispiele und empirische Ergebnisse deutlich.

Aufgrund von eigenen Beratungserfahrungen präsentiert Friedrich Fuß die kulturellen und organisatorischen Voraussetzungen der digitalen Transformation und stellt fest, dass die Organisation eine Feedback- und Fehlerkultur benötigt. Benjamin Höhne und Jörg Langmuß heben hervor, dass agile Lernprojekte eine funktionale, zuverlässige und möglichst niedrigschwellige Kommunikations- und Kollaborationsstruktur benötigen. Außerdem stellen sie hilfreiche Unterstützungssysteme vor. Kai Reinhardt analysiert Auswirkungen des zunehmenden Einsatzes von Künstlicher Intelligenz auf das betriebliche Lernen. Schwerpunkt ist dabei das konnektionistische Lernen, ein enger Austauschprozess des gegenseitigen Lernens von menschlicher und künstlicher Intelligenz.

Alle Beiträge beginnen mit einem Abstract und schließen mit einem Fazit oder Ausblick sowie einem Literaturverzeichnis.

Im Anhang findet man noch ein Stichwortverzeichnis und Informationen über die Autor*innen.

Dieses Buch bezieht sich ausschließlich auf die Möglichkeiten arbeitsintegrierten Lernens, nicht auf Gruppenlernen oder Weiterbildung in Form von Seminaren oder Workshops. Neben theoretischen Grundlagen werden empirische Erkenntnisse, Erfahrungswerte und organisatorische Konzepte ausführlich vorgestellt und auf die praktische Umsetzung bezogen. Die Schaffung eines wohlfühlenden Arbeitsatmosphäre durch unterschiedlichen Formen, Formate, Licht und Farben wird allerdings nur am Rande gestreift, obwohl Studien belegen, dass dadurch effizienter und motivierter gelernt werden kann.

 







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