Neuerscheinungen Freizeit

04.08.21
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Heinz Wohner: Die Ostseeküste fotografieren. Die schönsten Motive auf Hiddensee, Rügen und Usedom, dpunkt, Heidelberg 2021, ISBN: 978-3-86490-840-8, 24, 90 EURO (D)

Der Reise- und Landschaftsfotograf Heinz Wohner stellt in diesem Fotoscout die schönsten Plätze und Motive auf den drei Ostseeinseln Rügen, Hiddensee und Usedom und anhand von vielen Bildbeispielen vor. Dabei werden nicht nur die bekannten Highlights wie Kreidefelsen auf Rügen oder Strände auf Usedom berücksichtigt, sondern auch versteckte Kleinode im Hinterland der Inseln.

Zu Beginn findet man eine geografische Karte mit den oben angesprochenen Inseln. Danach gibt es Tipps zu Anreise, Unterkunft, Reisezeit und notwendiger Ausrüstung. Anschließend wird das Frühaufstehen empfohlen, um den Sonnenaufgang zu erleben, und es werden Warnhinweise und Sicherheitsaspekte behandelt.

Danach folgen die acht Touren in einzelnen Kapiteln. Zu Beginn gibt es eine geografische Karte mit den eingezeichneten Orten, die dann einzeln beschrieben werden. Es gibt sechs Touren auf Rügen, eine jeweils für Hiddensee und Usedom. Anstatt möglichst viele Orte vorzustellen, beleuchtet Wohner ausgewählte Spots aus verschiedenen Perspektiven und Blickwinkeln bis hin zu serieller Fotografie.

Zu jedem Fotospot gibt es genaue Ortsbeschreibungen mit Koordinatenangaben, Empfehlungen für die besten Aufnahmestandorte, Tages- und Jahreszeiten, zum besten Licht und ein Gefühl für verschiedene Stimmungen desselben Motivs. Darüber hinaus gibt es viele praktische Tipps zu Technik und Gestaltung. Und natürlich auch viele beeindruckende Bilder.

Zum Abschluss gibt es noch ein ausführliches Kapitel zum Fotografieren mit den wichtigsten Filtern in der Landschaftsfotografie wie Verlaufs-, Grau- und Polarisationsfilter. Im Anhang findet man noch einen Index.

Der Haupttitel ist unglücklich gewählt, da die Ostseeküste in Schleswig-Holstein und auch Teile Mecklenburg-Vorpommerns wie Fischland, der Darß, die Halbinsel Zingst mit den Möglichkeiten der Vögelbeobachtung und Fotografie nicht berücksichtigt sind. Rügen ist der Schwerpunkt des Buches, es werden aber auch viele Locations in Hiddensee und Usedom vorgestellt.

Wohner rückt er die Schönheit und Vielfalt der Landschaften in den Vordergrund, von daher ist das Buch als Inspirationsquelle und Ratgeber für Landschaftsfotograf*innen gedacht. Teilweise eignet sich das Buch auch für Naturfotograf*innen oder Reisefotograf*innen. Die gelungenen ausdrucksstarken und stimmungsvollen Aufnahmen sind immer mit technischen Hinweisen verbunden.


Buch 2

Daniela Spiegel: Urlaubs(t)räume des Sozialismus. Zur Geschichte der Ferienarchitektur in der DDR, Wasmuth & Zohlen, Berlin 2020, ISBN: 978-3-863-02105-2, 58 EURO (D)

In der DDR, die den Urlaubsanspruch für Werktätige bereits mit ihrer Staatsgründung 1949 gesetzlich festlegte, wurde der Urlaub von Beginn an als ein systemstabilisierender und -legitimierender Faktor erkannt und staatlich gesteuert. Auch aufgrund der beschränkten Reisefreiheit verbrachten drei Viertel der Bevölkerung ihre Ferien im eigenen Land. Der Urlaub veränderte auch in der DDR wirtschaftlich und architektonisch Landschaft, Kultur und Gesellschaft. Ziel dieses Buches ist es, die Entwicklung des räumlichen, architektonischen und kulturellen Rahmens des staatlich gesteuerten Urlaubs in der DDR zu rekonstruieren und dabei die Verhältnisse von Prozessen zu untersuchen, die zur Planung und Umsetzung der Ferienbauten geführt haben. Das Hauptaugenmerk liegt dem baulichen Rahmen des gewerkschaftlich organisierten Urlaubs durch den FDGB-Feriendienst. Nicht berücksichtigt wurden Urlauberschiffe, Kinderferien- und Pionierlager, Campingplätze. Interhotels werden dagegen berücksichtigt.

In der Einleitung gibt es eine Kurzdarstellung der Geschichte des gewerkschaftlichen Urlaubs in der DDR. Danach folgt ein Prolog, der die Ursprünge und Entwicklung der Ferienarchitektur bis 1945 darstellt. Die ersten beiden Kapitel widmen sich den ersten beiden Jahrzehnten in der DDR. Dies war eine Zeit des Suchens und Ausprobierens, um adäquate Architekturformen und Typologien für den Urlaub zu finden und die DDR als attraktives Urlaubsland zu etablieren, das international mithalten konnte. Im dritten Kapitel wird die Spätphase der Ulbricht-Ära vorgestellt, wo sozialistische Utopien und Visionen auch auf Erholungsorte angewandt wurden. Anschließend geht es um die real existierende Ferienarchitektur, die nach dem Machtwechsel zu Erich Honecker angewandt wurde und das Bild des Urlaubs in der DDR bis heute noch maßgeblich prägt. Weiterhin wird in übergreifender Form auf die Inneneinrichtung und Gesellschaftsbereich der Ferienheime eingegangen.

Ein abschließender Epilog wirft einen Ausblick auf das Ende des staatlichen Urlaubs nach dem Mauerfall und dem anschließenden Umgang mit dem baulichen Erbe der DDR. Dies geschieht in drei Bereichen: Ferienorte an der Küste, an den Binnenseen und im Gebirge. Aus denkmalpflegerischer Sicht betrachtet, ist die DDR-zeitliche Ferienarchitektur bislang nur mit wenigen Objekten auf den ostdeutschen Denkmallisten vertreten.

Dazu gibt es jede Menge zeitgenössischer Bilder, Postkarten, Grundrisse, Lagepläne und städtebauliche Entwürfe zu sehen.

Im Anhang findet man noch die Anmerkungen geordnet nach Kapiteln, ein Literaturverzeichnis und die Abbildungsnachweise.

Folgende Thesen werden aufgestellt.

Um der enormen Nachfrage nach Ferienplätzen zu entsprechen, schufen Betriebe und Kombinate, aber vor allem der Feriendienst des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes unzählige Erholungseinrichtungen im gesamten Land. Dennoch blieben Urlaubsplätze in der DDR aber Mangelware. Die Ferienobjekte waren Teil eines Propagandamodells für eine neue sozialistische Gesellschaft: Ferienheime und Urlaubersiedlungen betonten den kollektiven Aspekt des in Gemeinschaft verbrachten Urlaubs. Gestalterisch waren die ersten Bauten sehr heterogen, die Strömungen des sozialistischen Klassizismus über „Nationale Traditionen“ bis hin zu Einflüssen der Klassischen Moderne. Danach gab es in den verschiedenen Dekaden der DDR veränderte Planungsstrategien. Bei der Inneneinrichtung und den Gesellschaftsbereichen der Ferienheime gab es das Bemühen, den Ferienheimen ein individuelles Gepräge zu verleihen und sie aus der Masse des Gebauten herauszuheben. Bis zum Ende der DDR blieb der Feriendienst ein defizitäres Unternehmen mit stark eingeschränktem Handlungsspielraum.

Der Vergleich mit anderen europäischen Ländern zeigte, dass sich die DDR auf der Planungs- und Entwurfsebene durchaus mit anderen Ländern messen konnte: „Die Verschränkung der Planungsinteressen zwischen der Wirtschaft und dem Erholungswesen, das bei der Renaturierung von Tagebaugebieten und der Anlage von Talsperren nachgewiesen wurde, gab es in ähnlicher Form auch in der Schweiz. Gleichwohl schlug die DDR einen problematischen Sonderweg ein, als sie sich dafür entschied, das staatliche Erholungswesen der DDR nahezu auf die Versorgung der eigenen Bevölkerung zu fokussieren und es nicht, wie beispielsweise Rumänien und Bulgarien, auch als Wirtschaftszweig zu etablieren.“ (S. 240)

Dies ist die erste umfassende Beschäftigung mit dem staatlich gelenkten Erholungswesen in der DDR mit dem Schwerpunkt auf touristischer Infrastruktur, Erholungseinrichtungen und Architektur. Erlebnisberichte von Urlauber*innen oder Planer*innen oder ideologische Leitlinien finden sich leider nur selten dabei. Dafür werden die deutliche Veränderung der Regionen an der Küste, den Seen wie Orten an der Mecklenburgischen Seenplatte oder der Bergregionen zum Beispiel in Thüringen und ein Vergleich zu anderen Ländern, ob realsozialistisch oder kapitalistisch, sehr ausführlich betrieben. Der Pluspunkt des Werkes sind die vielen Abbildungen, die den informativen Text gut visualisieren.


Buch 3

Ellen Borggreve/Daniel Laan: Praxisbuch Wälder fotografieren. Stimmungsvolle und märchenhafte Fotos zu jeder Jahreszeit, dpunkt, Heidelberg 2021, ISBN: 978-3-86490-813-2, 32, 90 EURO (D)

Ellen Borggreve und Daniel Laan haben sich auf die Fotografie von Wäldern spezialisiert und zeigen in diesem Buch, wie man zu ausdrucksstarken und verträumten Bildern gelangt. Das Buch führt Schritt für Schritt von der Entwicklung einer persönlichen Bildidee über die ersten Erkundungen des Ortes bis hin zur Aufnahme und anschließender Nachbearbeitung am PC ein.

All unsere Vorlieben, Erfahrungen, Charakterzüge, aber auch die Dinge, die wir nicht mögen, beeinflussen die Bilder, die wir machen. Fotografie als Kunst ist eine Form des Selbstausdrucks. Davon ausgehend wird im ersten Kapitel bewusst gemacht, welche eigenen Assoziationen und Vorlieben man selbst hat und wie man erreichen kann, dass das Bild das persönliche Gefühl für die Szene wiederspiegelt. Außerdem wird gezeigt, wie ein eigener Stil daraus geprägt werden kann.

Danach geht es wichtige Elemente der Vorbereitung: Dabei werden Wald- und Parzellentypen vorgestellt, Punkte aufgezählt, wie man einen Wald erkundet, das Fotografien von monumentalen Bäumen nähergebracht und praktische Apps und Webseiten präsentiert. Außerdem geht es um den Umgang mit verschiedenen Wetterbedingungen, die Reize jeder Jahreszeit und illustriert, wie die Stimmung im Foto maßgeblich durch den Lichttyp und die Begleitumstände bestimmt werden (Sonnenaufgang, bei Nebel, Abendlicht).

Anschließend werden die richtige Ausrüstung, verschiedene kompositorische Aspekte, Bildformate, die Vorteile eines Spaziergangs ohne Kamera und die Möglichkeit, mit Bildern Geschichten zu erzählen angesprochen. Ferner geht es um Kontraste, die Vorstellung verschiedener Farbschemen, Kameraeinstellungen und Focus-Stacking und Panoramen aufnehmen vor Ort.

Die Nachbearbeitung steht dann im Mittelpunkt. Die Raw-Datei als Grundlage für die weitere Nachbearbeitung und mehrere Schritte zu deren Überprüfung, verschiedene Software, Plug-Ins, Tools, das Arbeiten mit mehreren Aufnahmen in der Nachbereitung, das Vorbeugen und Bereinigen von Color Branding und Sensorflecken werden dabei behandelt. Außerdem werden Ansätze vorgestellt, einem Foto verträumte oder malerische Effekte hinzuzufügen.

Das letzte Kapitel besteht aus einem Fallbespiel vom Finden der Vision bis hin zur Nachbearbeitung als praktische Umsetzung des zuvor Vermittelten. Dabei geht es um eine alten Wald im Nationalpark Parco del Monte Cucco im italienischen Perugia.

Im Anhang gibt es noch einen Index.

In dem Buch liegt der Schwerpunkt auf künstlerische Fotografie des Waldes, um Stimmungen beim Betrachter zu erzeugen, nicht auf dem dokumentarischen Aspekt. Die meisten großformatigen und stimmungsvollen Bilder stammen aus Wäldern der Niederlande und Belgien. Das Buch wurde aus dem Niederländischen gut übersetzt, so dass keine Missverständnisse beim Verstehen des informativen Textes zu erwarten sind. Es ist auch jederzeit mit Büchern zur Naturfotografie kombinierbar.









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