Neuerscheinungen Sachbuch

08.08.21
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Ibrahim Rüschoff/Paul M. Kaplick (Hrsg.): Islamintegrierte Psychotherapie und Beratung. Professionelle Zugänge zur Arbeit mit Menschen muslimischen Glaubens, Psychosozial Verlag, Gießen 2021, ISBN: 978-3-8379-3027-6, 39,90 EURO (D)

Der steigende Anteil muslimischer Patient*innen in der psychosozialen Versorgung führt unausweichlich zu der Frage, wie ein religionssensibler und islamintegrierter Zugang in der beruflichen Praxis aussehen kann. In einer der ersten deutschsprachigen Arbeiten zum Thema entwickeln die Beiträger*innen – theoretisch fundiert und praxisnah zugleich – eine Fülle von Perspektiven und Konzepten zur Integration religiöser Aspekte in professionelles Handeln. Die bekennenden muslimischen Therapeut*innen zeigen, wie es gelingen kann, den Anforderungen muslimischer Patient*innen sowohl aus islamischer als auch aus wissenschaftlich-psychologischer Sicht gerecht zu werden, und schaffen auf diese Weise die Grundlagen für eine verbesserte Behandlung.

Dies sind 16 Erfahrungsberichte aus der BRD und Österreich von Therapeut*innen, Berater*innen, Theolog*innen und Imame aus den verschiedenen Bereichen der psychosozialen Versorgung.

Zum Auftakt gibt es eine Einführung in die überwiegend englischsprachige Literatur zum Thema islamintegrierte Psychotherapie und zwei Beiträge zu grundlegenden theologischen und epistemologischen Konzepte aus Sicht der islamischen Theologie.

Danach gibt es eine theoretische Einführung über grundsätzliche Ideen und Konzepte aus dem angloamerikanischen Raum, die von Paul M. Kaplick eingeleitet wird. Danach beschreibt Julia Ruff mögliche empirische Vorgehensweisen, um einen Top-Down-Ansatz in seinen verschiedenen Formen hinsichtlich seiner Wirksamkeit und Wirkmechanismen zu überprüfen. Malik Keklik entwickelt am Beispiel von muslimischen Geflüchteten in der Folge ein theoretisches Modell, wie sich religiöse Ressourcen auf Bewältigungsstrategien traumatischer Fluchterfahrungen auswirken.

Martin Kellner stellt in seinem Beitrag ein islamisches Seelenmodell, das als methodischer Zugang die Texte klassischer Koranexegeten verwendet. Navid Chizari bietet eine kritische Positionierung aus der Perspektive der systematischen islamischen Theologie auf die vorgestellte Literatur.

Anschließend folgt der Praxisteil: In ihrem Beitrag zur religiösen Anamnese geht Malika Laabdalluoui der Frage nach, wie das in der BRD entwickelte Interview SPIR die verschiedenen Aspekte von Religiosität und Spiritualität erfasst und bei praktizierenden Muslim*innen anwenden lässt. Ibrahim Rüschoff zeigt in seinem Beitrag aus tiefenpsychologischer Sicht auf, wie als religiös erlebte oder aus der Religion begründete psychische Konflikte auf eine psychologische Ebene zu transferieren. Haday Hassan-Michl untersucht, wie elterliche und kindliche Ängste und Unsicherheiten vor Veränderungen durch den Bezug auf religiöse und spirituelle Ressourcen abgebaut und auf die Therapiemotivation anwenden lassen. Ahmed Karim zeigt die verschiedenen Kategorien der Integration islamischer Elemente in die kognitive Verhaltenstherapie.

Basierend auf der Klärungsorientierten Psychotherapie nach Sachse erläutert Amin Loucif, wie übergeordnete Regeln der islamischen Rechtslehre als therapeutische Prinzipien wirksam gemacht werden können und islamische Elemente in die Gesprächsführung von paartherapeutischen Sitzungen einfließen können. Elif Alkan-Härtwig gibt ein Beispiel eines Projektes in verschiedenen muslimischen Gemeinden bzw. Moscheen und zeigt die Chancen einer aufsuchenden Beratung und Informationen praktizierender Muslim*innen zum Thema psychischer Erkrankungen und auch die besonderen Bedingungen für ein Gelingen auf.

Sabrina Fuchs-El Bahnasawy diskutiert anhand von Fallbeispielen, inwieweit die religiöse Dimension gepaart mit prophetischen Überlegungen in die Schulsozialpädagogik integriert werden kann. Aus sozialpädagogischer Perspektive stellt Abdel Qader Borno stellt seine ambulante Arbeit mit jungen muslimischen Männern unter anderem in einem Moscheekontext vor. Mounib Doukali widmet sich den Unterschieden von therapeutischen und theologischen Zugängen. Danach geht Zeynep Elibal auf die Abgrenzung der Funktionen von Berater*innen und Sufimeister*innen und deren Methoden ein und stellt Meditations- und Achtsamkeitsübungen in Einzel- und Gruppensettings dar.

Ahmed Bransi geht in seiner telefonischen Umfrage unter verschiedenen psychiatrischen und psychotherapeutischen Einrichtungen der Frage nach, in welchem Umfang nicht nur migrations- und kulturspezifische Therapieelemente, sondern auch religionssensible therapeutische Angebote in der BRD gemacht werden. Mohammed Imran Sagir beschreibt die Besonderheiten der Beratungspraxis des muslimischen Seelsorgetelefons. Mounib Doukali, Imam einer Hamburger Moschee, beschreibt in einem Interview die Vielfalt der an ihn gerichteten Erwartungen und auch Schwierigkeiten, ratsuchenden Gläubigen dazu zu bewegen, fachliche psychologische Hilfe aufzusuchen.

Hier werden die Potentiale einer religionssensitiven Psychotherapie und Beratung deutlich gemacht und anhand von vielen Beispielen aus zahlreichen Bereichen beschrieben, wie religiöse Elemente bei der Gestaltung der therapeutischen Arbeit genutzt werden können. Ein lange vernachlässigtes Thema wird endlich im deutschsprachigen Raum zusammenfassend dargestellt. Es wird aber auch der Nachholbedarf deutlich, der noch im Vergleich zum angloamerikanischen Raum besteht. Ein Glossar für islamische Fachausdrücke fehlt allerdings, was das Verständnis erleichtert hätte.

 

Buch 2

Jörg Wöltje: Schnelleinstieg Unternehmensbewertung und Finanzkennzahlen, Haufe, Freiburg 2021, ISBN: 978-3-648-14721-4, 29,95 EURO (D)

Dieses Buch zeigt anhand von vielen Beispielen die geläufigsten Verfahren der Unternehmensbewertung, wie Substanzwert-, Ertragswert-, Discounted Cashflow- und Multiplikator-Verfahren. Außerdem erläutert der Autor Finanzkennzahlen, die zur Plausibilisierung der Unternehmensbewertung eingesetzt werden können und zeigt, was man beachten muss, wie Sie Daten analysieren und Bewertungsfehler vermeiden. Neben Betriebswirten in der Praxis ist das Buch auch für Studierende konzipiert.

Im ersten Teil des Buches werden traditionelle und moderne Verfahren der Unternehmensbewertung vorgestellt. Dies sind sowohl Einzel- als auch Gesamtbewertungsverfahren. Zu Beginn gibt es einen Überblick und eine Systematisierung der Verfahren zur Unternehmensbewertung.

Neben den zugrundeliegenden Theorien werden deren Vor- und Nachteile erläutert. Dies ist im Einzelnen Substanzwert-, Ertragswert-, Discounted-Cashflow-Verfahren und Multiplikatorverfahren. Dazu gibt es zahlreiche Tabellen, Abbildungen Beispielsrechnungen und Übungsaufgaben zur Selbstkontrolle mit Lösungen. Die Einordnung der Funktionen der Unternehmensbewertung in die Kölner Funktionslehre und die Funktionen des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) werden ebenfalls dargelegt. Am Ende des ersten Teils gibt es ein Fallbeispiel, bei dem alle Verfahren angewandt werden.

Im zweiten Teil des Buches werden wichtige Finanzkennzahlen zur Unternehmenssteuerung mit Beispielberechnungen aus Geschäftsbereichen von börsennotierten Unternehmen behandelt. Außerdem geht es um wertorientierte Kennzahlen, Steuerungsinstrumente eines Unternehmens, um den Marktwert zu steigern. Dazu werden das Shareholder-Value-Konzept, die Kapitalkosten, wertorientierte Kennzahlen und Kennzahlen zu absoluten Wertbeiträgen behandelt.

Im Anhang gibt es ein Literaturverzeichnis zur Unternehmensbewertung und zu den Finanzkennzahlen sowie ein Stichwortverzeichnis. Zu Beginn findet man noch ein Symbol- und Abkürzungsverzeichnis.

Den größten Teil des Buches nimmt der Überblick über die Verfahren der Unternehmensbewertung ein, die Finanzkennzahlen einen untergeordneten Teil. In den nächsten Jahren stehen in der BRD zehntausende Unternehmensnachfolgen an und es wird mehr Verkäufe geben. Um sich auf diese Situation vorzubereiten und eine grobe Preisvorstellung zu erhalten, eignet sich dieses Buch. Es ist praxisorientiert gehalten, übersichtlich konzipiert und bietet viele Beispielsrechnungen.


Buch 3

Dagmar Herzog: Die Politisierung der Lust. Sexualität in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts, Psychosozial Verlag, Gießen 2021, ISBN: 978-3-8379-3047-4, 39,90 EURO (D)

Dagmar Herzog arbeitet in diesem Buch die zentrale Bedeutung von Sexualität für das Verständnis historischer Entwicklungen heraus. Sie zeichnet die Sexualgeschichte Deutschlands von der Zeit des Nationalsozialismus über die verkrustete Adenauer Ära, den Aufbruch der 1968er und die realsozialistische DDR bis hin zur Wiedervereinigung nach und versucht zu zeigen, wie Sexualität, Moral und Erinnerung miteinander verwoben sind.

Im ersten Kapitel geht es um die Rekonstruktion von Debatten zur Sexualmoral im NS-Staat. Anschließend werden die Deutungen des Nationalsozialismus nach dem Krieg in den Blick genommen. Es folgt eine Untersuchung der Sexualkultur erst in den Westzonen, dann in der BRD. Danach geht es um die sexuelle Rebellion der 68er gegen autoritäre und verstaubte Werte. Weiterhin wird die Sexualdeutung in der SBZ bzw. der DDR in den Blich genommen. Dabei wird gefragt, ob sich die Sexualität in Ostdeutschland anders entwickelte und wenn ja, warum. Letztlich geht die der Frage nach, wie die gesellschaftlichen Bemühungen der westdeutschen 68-Generation nach 1968 und nach der „Wiedervereinigung“ gesehen wurden und was von diesen Impulsen geblieben ist. In einem Schlusskapitel werden die Thesen zusammengefasst und Leerstellen der Forschung angesprochen.

Die wichtigsten Erkenntnisse sind folgende. Der Nationalsozialismus präsentierte sich der Öffentlichkeit nach 1933 immer wieder als Restauratoren einer dahingegangenen Sittenstrenge. Es entwickelte sich aber eine völlig neue und in hohem Maße rassisch geprägte Sexualpolitik, auch bestand die NS-Politik auch in Teilbereichen aus liberaleren Tendenzen, die ihre Ursprünge bis in die Weimarer Republik hineinreichten, auf: „Sexuelle Freiheit und Zufriedenheit wurden zu Privilegien ausschließlich „gesunder“ und „arischer“ Heterosexuelle umdefiniert.“ (S. 312)

Die demonstrative Abkehr der postfaschistischen BRD von nationalsozialistischen Anschauungen etwa in Bezug auf vorehelichen Geschlechtsverkehr ging jedoch einher mit eindeutigen Kontinuitäten hinsichtlich eugenischer Vorstellungen und Homophobie einher.

Die 68-Generation ging davon aus, dass der autoritäre Charakter der bürgerlichen Kleinfamilie und die Unterdrückung von Sexualität mit dazu beigetragen haben, dass der NS an die Macht kommen konnte. Eine rigorose Abwendung davon und freiere Formen der Politik hingen für sie unmittelbar zusammen, Neue Formen antiautoritärer Erziehung und gemeinschaftlichen Zusammenlebens sollten psychologische Grundlage für eine neue sozialistische Gesellschaft sein.

Den neuen restaurativen, konservativen Kurs der Adenauer-Ära, der Autoritarismus und Prüderie beinhaltete, hätten die 68-Generation und die Neue Linke als eindeutige Kontinuität des Nationalsozialismus fehlgedeutet. Das Rebellieren gegen die Elterngeneration als Verantwortliche für NS, Krieg und Holocaust wäre eine reine Bewältigungsstrategie von Schuld und Verantwortung zu verstehen, die auch in den Bereich der Sexualität verschoben wurde. Erbe und Erinnerung an den Nationalsozialismus sei der zentrale Indikator für die deutsche Sexualpolitik der Nachkriegszeit.

Dies gelte auch die Aufweichung der konservativen Sexualpolitik mit der inneren Kämpfen in der alternativen Bewegung, der Lockerung des Sexualstrafrechts, der Kampf der Frauenbewegung gegen den Paragrafen 218 und die beginnende Schwulen- und Lesbenbewegung international und auch in der BRD.

In dem Kapitel über die DDR betont Herzog, wie der Umgang mit Sexualität bewusst in die staatliche Legitimation integriert wurde, der weniger offen politisiert war, weniger kommerzialisierter und weniger sexistischer als in der BRD war, dennoch in weiten Teilen eine spießige Note besaß.

Zu jedem Zeitpunkt spielten die von Zeitgenossen vorgebrachten Interpretationen der Vergangenheit eine wesentliche Rolle für die Legitimation wie für die Ausrichtung der jeweils gegenwärtigen Sexualpolitik. Sexualität wurde nicht nur zu einem Hauptschauplatz für soziale und kulturelle Konflikte, sondern auch zu einem Motor der Wirtschaftsentwicklung, zu einem Fokus für die gesteigerte Bedeutung des Einzelnen und zu einem Ort für Verhandlungen zwischen Staat und Bürgern. Sexualität wurde in einem ständig wachsenden Maße öffentlich.

Der Ansatz von Herzog, dass vorrangig das nationalsozialistische Erbe, Erinnerung und die Schulddebatten prägend für die deutsche Sexualpolitik in den postfaschistischen Dekaden bestimmten, ist aber zu einseitig. Zeitgeschichtliche Ereignisse oder geistesgeschichtliche Entwicklungen der 1960er und 1970er Jahre wie auch die Rolle von Musik, Interpreten oder Bands oder kulturelle Verschiebungen werden kaum berücksichtigt. Für das Verhältnis von Sozialpolitik und Sexualwissenschaften oder die Frage von Macht und Geschlechterhierarchien gilt dasselbe.

Der Ausblick auf die Entwicklung seit der „Wiedervereinigung“ ist viel zu kurz. Warum Österreich als vormaliger Teil des Deutschen Reiches nicht mitberücksichtigt wird, ist auch unverständlich.

Insofern kann das Buch dem eigenen hohen Anspruch nur partiell gerecht werden.


Buch 4

Joachim Hack: Jeep. Das Original kennt keine Grenzen, Motorbuch Verlag, Stuttgart 2021, ISBN: 978-3-613-04366-4, 39,90 EURO (D)

Das 80jährige Jubiläum des Jeeps ist für Joachim Hack der Anlass, eine ausführliche Historie der Marke in diesem Buch vorzunehmen.

Im Prolog wird die unmittelbare Vorgeschichte des Jeeps beschrieben. Bereits 1938 stellte die Firma American Bantam der US Army ihren BRC vor. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges und den Berichten über die hohe Mobilität der deutschen Armee bestand jedoch Handlungsbedarf für die Army. So wurde am 27. Juni 1940 eine Ausschreibung mit der Vorgabe gestartet, ein 4mal4 Geländefahrzeug bei ¼ Tonne Zuladung zu entwerfen. Auch die Firma Willys-Overland, die mit ähnlichen finanziellen Problemen wie Bantam zu kämpfen hatte, beteiligte sich an der Ausschreibung, konnte jedoch ihren Prototyp nicht rechtzeitig fertigstellen.

In zeitlich geordneten Kapiteln wird die Zeit von 1940 bis in die Gegenwart behandelt. Da die kleine Firma Bantam mit ihrem einzigen Werk zu unsicher als alleiniger Lieferant war, überzeugte das Verteidigungsministerium auch die Ford Motor Company in das Projekt einzusteigen. Die drei nun beteiligten Firmen hatten jetzt die Vorgabe je 1500 Fahrzeuge, die den Leistungen des Bantam entsprachen, zu produzieren. Um dies zu ermöglichen, erhielten Ford und Willys-Overland, trotz Protesten von Bantam, Zugriff auf die Entwürfe des BRC.

Nach ausgiebigen Tests entschied sich die Army für den Willys MA. Die Firma überarbeitete den MA nochmals in Anlehnung an den Ford GP und produzierte fortan den Willys MB“, bis zum Kriegsende wurden etwas mehr als 360.000 Einheiten fertiggestellt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stellte Ford die Jeep-Produktion ein.

Bereits während des Zweiten Weltkriegs plante Willys-Overland, den Jeep zivil zu vermarkten. Am 17. Juli 1945 war es dann soweit: Der erste CJ-2A rollte vom Band. Bald wurden auch andere Fahrzeuge von Willys unter der Jeep-Marke verkauft. Die CJ-Reihe wurde bis 1987 fortgesetzt, durch die wechselnden Besitzer der Marke Jeep und auch durch einige neue teilweise abermals durch militärische Entwicklungen beeinflusste Modellreihen. Das letzte Modell der CJ-Reihe war der CJ-7 (und der längere CJ-8) der durch den von AMC entwickelten Jeep Wrangler (YJ) ersetzt wurde.

Im Jahre 1950 wurden Willys-Overland vor Gericht endgültig die alleinigen Markenrechte für Jeep zugesprochen. Seither wechselte die Marke noch mehrmals den Besitzer. 1953 wurde Willys von Kaiser-Frazer aufgekauft, 1963 erfolgte die Umbenennung des Unternehmens in Kaiser-Jeep. Die American Motors Corporation kaufte das Unternehmen 1970 auf. 1987 wurde wiederum AMC von der Chrysler Corporation aufgekauft und wurde zur Jeep-Eagle Division Seit dem Zusammenschluss von Chrysler und Daimler Benz im Jahr 1998 war Jeep Bestandteil der DaimlerChrysler AG, mit dem Verkauf von Chrysler an Cerberus 2007 blieb die Marke Jeep bei der Chrysler Group LLC. Dies wird vom Autor als „vertane Zeit“ bezeichnet. Die Weltwirtschaftskrise 2007 machte sich bemerkbar, massive Absatzeinbrüche waren die Folge. Durch weitreichende Verbesserungen vor allem beim neuen Grand Cherokee oder dem Jeep Wrangler und andere Neuheiten konnte an die Boomjahre abgeknüpft werden. Der Renegate, die Schärfung der Modellpalette, dauernde Facelifts, Elektrifizierung, der Rubicon 392 oder der Wrangler 4xe und die Herausforderungen für die neue Holdinggesellschaft Stellantis kommen am Ende zur Sprache.

Technische Daten zu jedem Modell findet man im Anhang.

Hier werden Schwerpunkte bei den Rahmenbedingungen der wechselnden Besitzer und den Anfordernissen des Marktes sowie der neuen oder überarbeiteten Modellen gesetzt. Mit viel Fachkenntnis ist der Text gestaltet, es gibt Bilder von allen Modellen, manchmal auch Motoren, Illustrationen aus der Werbung oder wichtigen Personen. Die jeweiligen neuen Entwicklungen bei den einzelnen Modellen oder die Ausstattung von neuen Modellen werden ausführlich ersichtlich. Die technischen Daten sind allerdings etwas klein gedruckt und mit Mühe lesbar.


Buch 5

Bff: Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe, Nivedita Prasad (Hrsg.): Geschlechtsspezifische Gewalt in Zeiten der Digitalisierung. Formen und Interventionsstrategien, transcript, Bielefeld 2021, ISBN: 978-3-8376-5281-9, 35 EURO (D)

Digitale Gewalt kommt nicht nur im öffentlichen Raum vor, sondern auch in privaten Beziehungen – und hat in Kombination mit häuslicher und sexualisierter Gewalt eine deutlich geschlechtsspezifische Komponente. Durch Informations- und Kommunikationstechnologien haben Gewaltformen wie Doxing, Stalking, Hate Speech und Online-Belästigung und -Bedrohung stark zugenommen und durch die Nutzung des Internets ihre Wirkmächtigkeit verstärkt.

Die Beiträger*innen des Bandes liefern für den Umgang mit diesen Gewaltformen grundlegende interdisziplinäre Analysen und diskutieren sowohl juristische, technische und aktivistische Interventionen als auch Erfahrungen aus der Beratungspraxis. Dabei werden zentrale politische Änderungsbedarfe ausgemacht und entsprechende Handlungsoptionen aufgezeigt.

Der Sammelband beginnt mit dem Bereich der Digitalisierung geschlechtsspezifischer Gewalt als Diskussionsgegenstand. Nivedita Prasad gibt einen Überblick über die Erkenntnisse zur Digitalisierung geschlechtsspezifischer Gewalt. Dabei geht es im Einzelnen um eine Begriffsbestimmung, Formen, Ausmaß und Prävalenzen digitalisierter geschlechtsspezifischer Gewalt, deren Auswirkungen. Die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologie im Kontext von Menschenhandel, Umgangsstrategien mit Betroffenen, Präventionsstrategien auf verschiedenen Ebenen und einen Ausblick. Weiterhin werden noch der menschenrechtliche Schutzrahmen für Betroffene angesprochen und Formen, digitalisierter geschlechtsspezifischer Gewalt vertieft.

Danach geht es um Spezifika geschlechtsspezifischer Gewalt im digitalen Raum. Die Funktionsprinzipien des Internets und ihre Risiken und intersektionale Machtverhältnisse im Internet werden dort behandelt. Rechtliche Handlungsoptionen bei digitaler Gewalt kommen dann zur Sprache. Möglichkeiten und Grenzen strafrechtlicher Intervention, zivilrechtliche Interventionen und das öffentliche Recht sind dabei die Schwerpunkte.

Anschließend werden Erfahrungen und Strategien im Umgang mit digitalisierter geschlechtsspezifischer Gewalt behandelt. Erfahrungen mit der Beratung von betroffenen Mädchen und Frauen, die Auswirkungen smarter Geräte auf häusliche Gewalt, Stalkerware und digitale Überwachung im Kontext von Partnerschaftsgewalt, individuelle Strategien und der Umgang mit Online-Hate-Speech werden dabei vorgestellt. Prävention und Intervention folgen danach. Zwei Beiträge skizzieren die „digitale Erste Hilfe“ und Sicherheitsprinzipien für Berater*innen bei digitaler Gewalt und digitale Sicherheit für frauenspezifische Einrichtungen.

In einem Ausblick werden Möglichkeiten des effektiven Schutzes vor digitalisierter geschlechtsspezifischer Gewalt präsentiert. Dabei werden zwei zentrale Leerstellen angemahnt: erstens die mangelnde Präsenz der Digitalisierung bei digitalisierter geschlechtsspezifischer Gewalt und zweitens die Vernachlässigung der Auswirkungen von Gewalt bei neueren technologischen Entwicklungen. Um Gewaltsituationen zu erkennen, zu beenden und ein Gefühl für Kontrolle und Handlungsfähigkeit wiederherzustellen oder auch zur Beweissicherung sind aktualisiertes technisches Wissen und Medienkompetenz notwendig. Die Sensibilisierung einer breiten Öffentlichkeit wird angemahnt. Auch die Verantwortlichkeit von Plattformbetreiber*innen und Internetunternehmen wird thematisiert. Dort wird unter anderem angeregt, dass schon bei der Entwicklung von Produkten das Missbrauchspotential minimiert werden könnte.

Neben Studien zum Ausmaß digitalisierter geschlechtsspezifischer Gewalt wären auch spezielle Fragestellungen von Bedeutung. Neben den Erfahrungen und der Sicht der Betroffenen ist zudem sehr wenig von Seiten der Gewaltausübenden bekannt, außerdem fehlt es an einer Analyse spezifischer digitale Täterstrategien im sozialen Nahraum.

Zum Anschluss werden Best Practice Beispiele aus aller Welt vorgestellt. Viele Beispiele sind aus Initiativen zur Selbsthilfe oder Einzelpersonen entstanden. Einige verfügen über eine staatliche Finanzierung und Unterstützung. Teilweise sind bei diesen Projekten Meldestellen für Fälle digitaler Gewalt angesiedelt, die ein Monitoring der Entwicklung und einen Austausch mit Forschenden, Behörden, Plattformbetreiber*innen und Legislative ermöglichen.

Im Anhang werden noch die Autor*innen vorgestellt.

Dies ist eine ausführliche Bestandsaufnahmen und Sichtbarmachung von Leerstellen. Spannend sind vor allem die Best Practice Beispiele aus anderen Ländern. Ob allein die juristischen Strafandrohungen zu einer Verbesserung führen können, ist zweifelhaft. Formen der Selbsthilfe scheinen effektiver: Das Konzept des Empowerments könnte speziell auf die Gruppe von Betroffenen zugeschnitten werden, was zu einer besseren individuellen Handlungskompetenz und erfolgreichen Reaktion und Intervention führen kann. Die Verantwortung von „sozialen“ Medienplattformen wie Facebook oder ähnlichen zum Schutz vor Hate Speech sind sicherlich noch nicht ausgeschöpft.


Buch 6

Bernd Vetter/Frank Vetter: Tornado, Motorbuch Verlag, Stuttgart 2021, ISBN: 978-3-613-04356-5, 29,90 EURO (D)

In diesem erweiterten und überwiegend neu bebilderten sowie aktualisierten Band wird die gesamte Spanne der Entwicklung des Tornados inklusive der Erprobung über die Flugzeugtechnik bis zum aktiven Einsatz bei den Betreibern dargestellt.

Zuerst wird in einer geschichtlichen Betrachtung die Vorgeschichte der Entwicklung des Tornados beschrieben. 1967 schlossen sich die Niederlande, Belgien, Kanada, Italien und die Bundesrepublik Deutschland zur F-104-Replacement-Group zusammen, um gemeinsame Planungen für ein Mehrzweckkampfflugzeug als Nachfolger für den Starfighter aufzunehmen. Die Entwicklungsphase, der Prototypenbau, die Flugerprobung und die Serienfertigung werden dort im Folgenden behandelt.

Danach geht es um die technische Ausrüstung im Detail: Der Panavia Tornado wurde als zweisitziges Mehrkampf.-Kampfflugzeug gebaut und wird in den Versionen IDS und ECR bei der Luftwaffe eingesetzt. In einzelnen Kapiteln werden Zelle, APU, Fahrwerk, Kraftstoffsystem, Elektrik, Hydraulik, Cockpit, Flugsteuerung und Regelung, Avionik, Bewaffnung und Ausrüstung beschrieben. Anschließend werden die Aktivitäten der Airbus Defence and Space im Zusammenhang mit dem Tornado vorgestellt. Dann geht es um Tornados bei der Bundeswehr. Dabei wird die Wehrtechnische Dienststelle 61 in Manching, die das „Kompetenzzentrum der Bundeswehr für sicheres und einsatzbereites bemanntes und unbemanntes Fluggerät“ darstellt, (S. 114) und die bisherigen Erprobungen präsentiert.

Es folgen die Anfangszeit und aufgelöste Verbände. Die von BRD, Großbritannien und Italien im englischen Cottesmore betriebene Trainingseinrichtung ITTE, die Marinegeschwader 1 und 2 sowie die Einrichtungen der Bundeswehr werden dort behandelt.

Die Tornados beim Einsatz (Das Taktische Lufwaffengeschwader 33 und 54, Tornado-Ausbildung, Waffenunterstützungssystem 1) kommen dann zur Sprache. Außerdem wird der Einsatz Counter Daesh, wo 2016 von der türkischen Basis Incirlik Einsätze über Syrien und dem Irak geflogen wurden, vorgestellt. Britische Tornados bei der Royal Air Force, Tornados bei der italienischen und bei der königlich saudischen Luftwaffe runden den Hauptteil ab.

Die vielen Aufnahmen des Buchs sind zum Teil mit sehr ausführlichen Unterschriften und Erläuterungen versehen.

Im Anhang findet man noch in tabellarischer Form die Meilensteine der Entwicklung und Einsatz der Tornados, der Verbleib der Bundeswehr-Tornados, ein Abkürzungsverzeichnis und die Literaturquellen.

Dieses Buch ist sehr umfassend und deckt alle notwendigen Informationen ab. Die Darstellung aktueller Einsätze und Übungen sowie die technischen Details, sofern sie verfügbar sind, sind mit viel Aufwand und Details dargelegt. Die Mischung von Text und Aufnahmen sind ungefähr 60: 40 Prozent, ein gute Mischung. Da die meisten Quellen von der Bundeswehr stammen, liegt hier auch ein Schwerpunkt. Ein wenig fehlen spezielle Interviews mit Piloten oder Konstrukteuren, die einen authentischeren Blickwinkel gegeben hätten.











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