Neuerscheinungen zur Reisezeit (Teil 2)


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13.02.18
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

1)    Stefan Blank: Ivanowski’s Sri Lanka. Tipps für individuelle Entdecker, 11. Auflage, Dormagen 2017, ISBN: 978-3-86197-164-1, 25,95 EURO (D)

Sri Lanka zieht trotz des abschreckenden Bürgerkrieges und seinen Folgen immer mehr Touristen an. Die Insel kann in drei verschiedene Landschaften eingeteilt werden: zentrales Hochland mit den berühmten Teeanbaugebieten und bis zu 2500 m hohen Bergen, Tieflandebenen, die schon vor Jahrhunderten durch künstliche Bewässerung fruchtbar gemacht wurden und den Küstenbereich mit Fischerei und Palmenstränden. Das zentrale Hochland im Südzentrum Sri Lankas ist das Herz des Landes. Im Kern des Hochlandes liegt ein in Nord-Süd Richtung 65 Kilometer langes Hochplateau. Im Westen und Osten grenzt das Zentrum des Hochlandes an zwei Plateaus; im Norden und Süden liegen weitere Gebirge, die jeweils durch Täler vom Zentrum getrennt sind. Die 240 Meter hohen Bambarakanda-Wasserfälle sind die höchsten Wasserfalle Sri Lankas.

Der größte Teil der Insel besteht aus großen tropischen Ebenen, die 30 bis 200 Meter über dem Meeresspiegel liegen. Im Südwesten gehen Gebirgsgrate und Täler langsam in das zentrale Hochland über. Im Südosten finden sich mit Laterit bedeckte Ebenen und Hügel. Der Übergang von der Ebene zum zentralen Hochland ist abrupt, sodass das Gebirge wie eine Wand wirkt. Die Ebene im Norden und im Osten ist flach und von engen Granitgraten in Richtung Hochland zergliedert.

Dieser Reiseführer Sri Lankas, der mittlerweile in der 11. Auflage erscheint, eignet sich besonders für Individualreisende. Zunächst stehen Hintergrundinformationen zu Land und Leuten im Mittelpunkt. Nach einem historischen Überblick werden die Landschaft, das Klima und die Tier- und Pflanzenwelt Sri Lankas beschrieben. Dann folgt ein Überblick der wichtigsten Ökonomiezweige, bevor dann auf Religion, die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung und Kunst und Kultur eingegangen wird. Danach werden in einem ausführlichen Teil Reisetipps und einen Einblick der möglichen Kosten gegeben.

Dann geht es um das Reisen in Sri Lanka, dabei werden in einem Übersichtskapitel zunächst die Regionen (die Hauptstadt Colombo, die Westküste, der Süden, Kandy und das Bergland, das kulturelle Dreieck, der Osten, der Norden) kurz vorgestellt, was danach detaillierter behandelt wird. Die Sehenswürdigkeiten, die kulturellen Höhepunkte, Karten, Unterkünfte sowie Redaktionstipps. Im Anhang gibt es noch eine spezielle Einführung in Ayurveda und die Möglichkeit einer Kur in Sri Lanka. Außerdem findet man dort noch ein kurzes Literatur- und Stichwortverzeichnis. Im Buch verstreut gibt es noch kurze weiterführende Insidertipps, Anekdoten und ein Interview.

In dem Buch findet man eine detaillierte Karte der Insel, 150 Fotos runden den Reiseführer ab. Durch das Scannen des im Buch enthaltenen QR-Codes sind noch mehr Karten zum Download bereitgestellt worden.

Sri Lanka besticht vor allem durch seine vielfältigen Möglichkeiten: Nationalparks mit seltener Flora und Fauna, Wandern im Bergland, Ruhe und Entspannung am Strand, eine Ayurvedakur und viele religiöse und kulturelle Sehenswürdigkeiten. Diese Vielfalt ist in dem Reiseführer bestens beschrieben, es gibt genügend Karten für Leute mit Mietauto und eine Kostenrechnung, so dass man anhand des eigenen Budgets, seine individuelle Reise planen kann.

 

2)    Karl Johaentges: Luana Castelli: Die letzten Venezianer. Leben in der Lagunenstadt, 2. Auflage, terra magica, Stuttgart 2015, ISBN: 978-3-7243-1054-9

Venedig ist aufgrund ihrer Lage, Schönheit und Kulturschätze einer der meistbesuchten Städte der Welt trägt nicht umsonst den Beinamen La Serenissima („Die Durchlauchtigste“). Ihr historisches Zentrum liegt auf einigen größeren Inseln in der Lagune von Venedig.

Doch auch die Stadt hat mit eigenen Problemen zu kämpfen, die nicht so sehr in der Öffentlichkeit präsent sind: Denn während sich der Massentourismus und da vor allem der Tages- und Kreuzfahrttourismus immer weiter verstärkt, sinkt die Einwohnerzahl der Lagunenstadt kontinuierlich), nimmt der Zweitwohnungsbesitz stark zu, bricht die Nahversorgung zusammen und meldet der Qualitätstourismus Leerstände.

Die Stadt ist auch  oft von Hochwasserbetroffen. Am 4. November 1966 ereignete sich eine Sturmflut mit einer Höhe von 194 cm über dem Normalpegel. Am 1. Dezember 2008 erreichte ein Hochwasser 156 cm. Der Meeresspiegel in der Lagune lag aufgrund der Klimaveränderung 2012 23 cm höher als um 1900.

Die Gentrifizierung ist für die einheimische Bevölkerung ein großes Problem: „Explodierende Mieten und Lebensmittelpreise haben zu einer beispiellosen Abwanderung geführt. 30.000 Menschen pendeln täglich vom Festland zu ihren Arbeitsplätzen in Venedig: Gondolieri, Kunsthandwerker, Lehrer und Feuerwehrleute, genau die Menschen, die diese Stadt noch lebendig erhalten, haben Zuflucht auf dem Festland gesucht.“ (S. 20)

Dieser Bildband möchte sowohl die kulturellen und natürlichen Schönheiten der Stadt als auch die Menschen in der Lagunenstadt, ihre Wünsche und Sorgen in Text und Bild präsentieren. Der renommierte Fotograf Karl Johaentges ist für die 400 Bilder der Stadt und ihrer Bewohner verantwortlich. Die gebürtige Venezianerin Luana Castelli, die abseits des Massentourismus die Führungen „Slowvenice“ anbietet, sorgte für den historischen, kulturellen und stadtgeschichtlichen Text und fungierte als Mittlerin, um den Einwohnern Venedigs eine Stimme zu geben.

Nach einer Einführung in die Historie und die mit vielfältigen Problemen belastete Gegenwart der Stadt wird zunächst das „Herz“ der Stadt um San Marco und dem Canal Grande vorgestellt. Dann geht es um das Porträt des alltäglichen Lebens und die Vorstellung ganz normaler Menschen von arm bis reich, unterschiedlichen Alters und Berufsstandes jenseits des Tourismus. Dann werden die Bedeutung der Gondeln in Venedig in Historie und Gegenwart gezeigt, dabei kommen Gondolieri, Bootsbauer und Vergolder zu Wort. Dann werden der Lido und die südliche Lagune sowie Torcello und die nördliche Lagune vorgestellt. Lokalitäten der Kunst und Kultur mitsamt ihren Mitarbeitern folgen anschließend. Die Probleme des Hochwassers und des Massentourismus und die Reaktionen darauf sowie die Wasseradern der Stadt werden dann porträtiert. Anschließend wird der neue Trend des Ruderns genauso wie seine historische Bedeutung anhand von verschiedenen Personen präsentiert. Es folgen Reisen in die kulinarische Welt Venedigs, die Welt der Straßenkünstler, des Theaters und besonders des Karnevals, der jedes Jahr Massen von Touristen anlockt. Danach folgen eine Reihe von Porträts von Mitarbeitern der öffentlichen Hand wie Müllentsorger, Krankenhausangestellte oder Wasserpolizei, bevor der große Industriekomplex „Arsenale“ aus historischer Sicht vorgestellt wird. Kirchen, Klöster, religiöse Feste und ein Blick auf handelnde Personen des Glaubens runden den Bildband ab.

Dieser Bildband vermittelt ein allumfassendes, realistisches Bild der Lagunenstadt. Wunderschöne und alltägliche Bilder wechseln sich ab, Bewohner aller Schattierungen kommen selbst kurz zu Wort und ein Blick auf die Schönheiten und kulturellen Zeugnisse Venedigs gibt es natürlich auch. Dieser Bildband ist speziell für Touristen geeignet, die längere Zeit in der Stadt bleiben wollen und Venedig von allen Seiten kennenlernen möchten.

 

3)    Jan Werner. Törnführer Ostseeküste. Travemünde bis Flensburg, Delius-Klasing, Bielefeld 2018, ISBN: 978-3-667-11224-8

Jan Werners Törnführer will wertvolle nautische Hinweise über die Reviere von Travemünde bis zur Flensburger Förde liefern. Dabei sind die Reviere verschieden: „Kieler Bucht und Mecklenburger Bucht bilden recht große Seeräume. Bei der Schlei, der Kieler Förde und auch dem Innenbereich der Flensburger Förde hingegen handelt es sich um sehr geschützte, ja intime Reviere.“ (S.7) Dies ist der erste Band über die Ostseeküste, ein anderer beschäftigt sich mit der Küste Mecklenburg-Vorpommerns bis zum Stettiner Haff.

Das inzwischen in der 6. Auflage erscheinende Standardwerk wurde auf den neuesten Stand gebracht, um nautischen Anfängern und auch Fortgeschrittenen das Segelrevier genau zu beschreiben und vor den Tücken zu warnen. Die Angaben zu Gezeiten und Wassertiefen basieren dabei auf dem aktuellen Stand des Bezugssystems LAT der deutschen Seekarten. Neben den nautischen Grundlagen informiert er auch über Geschichte, Kultur und Sehenswürdigkeiten der Ostseeküste.

Das Buch beginnt mit der notwendigen Planung schon zu Hause und gibt Informationen zur Anreise, zu den Seekarten und anderer Unterlagen, das Boot und die Ausrüstung. Informationen für den Törn selbst werden dann präsentiert: Revierdienste, Zoll, Häfen, Ankerplätze, Schifffahrtsvorschriften, Notfälle, die wichtigsten Sicherheitsregeln und die Voraussetzungen für einen Abstecher über die Grenze nach Dänemark.

Anschließend werden die einzelnen Reviere mit detaillierten Plänen und Bildern vorgestellt. Es beginnt mit der Mecklenburger und Lübecker Bucht, wo besonders die Fahrtenstrategie und die Naturverhältnisse zu berücksichtigen sind. Dann geht es um die Insel Fehmarn, wo touristische Aspekte, die Häfen und der Fermarnsund im Mittelpunkt stehen. Die Fahrtenstrategie, die Naturverhältnisse der Kieler Bucht und das speziellen Revier wird dann vorgestellt. Die Schlei und die Flensburger Förde mit der Möglichkeit eines Abstechers nach Dänemark und die Rückreise folgen noch. Die Verbindungen der Nord- und Ostsee wie der Nord-Ostsee-Kanal oder der Elbe-Lübeck-Kanal mit den dazugehörigen Karten werden noch präsentiert. Zwischendurch werden in den einzelnen Kapiteln historische Hintergründe und Anekdoten rund um die Ostseeküste und ihren Städten erzählt.

Alle wichtigen Informationen von der Planung, Häfen, Ankerplätze, Notfallhilfe, die Tücken und Vorzüge der verschiedenen Reviere, die Fülle an Karten und Hinweise vor Ort samt Sehenswürdigkeiten sind in diesem Törnführer enthalten. Berücksichtigt werden sollte, dass die hier vorgestellten Pläne nicht zur Navigation dienen und keine Seebootkarten oder andere offizielle nautische Unterlagen ersetzen können, worauf explizit im Buch hingewiesen wird.

 

4)    Nico Krauss/Lasse Johannsen: Kleine Klassiker. Geliebte Evergreens unter Segeln, Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2017, ISBN: 978-3-667-11072-5, 29,90 (D)

In diesem Bildband werden alte Klassiker von Segelfreunden vorgestellt, die aber noch aus Melancholie oder Verbundenheit gepflegt werden und auch noch seetauglich sind und für kleinere oder größere Fahrten geeignet sind. Kleinere Yachten und andere Evergreens werden mitsamt Bootsbesitzern oder Eignern in Text und Bild näher vorgestellt. Sie werden in verschiedenen Klassen unterteilt und dann einzeln präsentiert.

Lasse O. Johannsen, Chefredakteur der „Yacht classic“, ist dabei für die Archivrecherche, den Text und die ausführlichen Interviews verantwortlich. Nico Krauss, Yachtfotograf für Bildbände und Kalender, ist für die Shots der segelnden Klassiker aus verschiedenen Blickwinkeln und Perspektiven zuständig.

Das Buch beginnt mit der Vorstellung von verschiedene Varianten von Rennjollen, wobei auch ein „Hüter der Kleinstbootindustrie (S. 22) interviewt wird. Danach folgen die Wanderjollen wie Pirat oder Zugvogel, bevor dann die langen, schlanken Rennyachten wie Drachen, Languste oder Neptunkreuzer präsentiert werden. Anschließend folgen die so genannten Evergreens (KR-Boote-Vertenskreuzer, Folkeboot) mitsamt Hobby-Yachtenkonstrukteuren. Den Abschluss bilden dann die „Exoten“ wie Schweriner Einheitsjolle, Chiemsee-Platte, Segelkanu, Folke-Junior, L Boot, BB 17, 12-Fuss-Dinghy und Star. Dies sind spezielle Boote meist noch vor dem 2. Weltkrieg, deren Konstruktion den Besonderheiten ihrer regionalen Reviere Rechnung trägt und sie daher an anderen Orten wenig verbreitet waren.

Das Buch ist eine Hommage an die Faszination Segeln in ihrer ursprünglichen Form mit alten Booten, die nicht mehr den Komfort und die Größe heutiger Yachten besitzen. Es lebt von den schönen und aussagekräftigen Bildern, die zum Teil aus der Luft, an Land oder aus einem anderen Boot aufgenommen wurden. Lesenswert sind auch die Interviews mit Liebhabern der alten Klassiker, deren Leidenschaft und Lust man spürt, wenn sie einen großen Teil ihrer Freizeit für Pflege, Ausbesserungen und Segeltörns opfern.

 

5)    Hans Lurweg- im Gespräch mit Frank Vinken: Erlebnis Rhein. Faszinierende Ansichten des großen Flusses, Klartext Verlag, Essen 2017, ISBN: 978-3-837-51846-7

Der Rhein hat als Grenze und großes gemeinsame Naturphänomen in den Ländern immer Zeitalter und Epochen verbunden. Er ist der wasserreichste Nordseezufluss und eine der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt. Der Strom ist 1.232,7 km lang. Unter den Flüssen, die den deutschen Sprachraum berühren, liegt er jedoch hinter der insgesamt doppelt so langen Donau und vor der Elbe auf dem zweiten Platz.

Das 1801 von Clemens Brentano veröffentlichte Gedicht „Zu Bacharach am Rheine“ schuf den wohl berühmtesten Rheinmythos, die Geschichte von der schönen, aber traurigen Zauberin Lore Ley. Am Mittelrhein fand man keine liebliche Idylle oder kultivierte Landschaft wie sie das barocke Zeitalter schätzte, sondern das Unverfälschte und Ursprüngliche, nachdem die Romantiker sich sehnten. Als Vorläufer der Rheinromantik können die in den 1770er und 80er Jahren verfassten Reiseberichte von Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Hölderlin und Heinrich von Kleist am Rhein gelten. Lord Byron machte die Rheinlandschaft mit seiner Verserzählung Childe Harold’s Pilgrimage von 1818 in England populär. Die deutsche Dichterin Adelheid von Stolterfoth schuf zahlreiche Rheindichtungen. In der bildenden Kunst sorgte William Turner durch seine auf mehreren Reisen entstandenen Bilder vor allem bei Engländern für Aufmerksamkeit. Nicht nur Turner und der römische Vedutenmaler Salomon Corrodi, sondern auch viele Maler der Düsseldorfer Schule wandten sich den romantischen Motiven des Rheins zu. Die populärsten romantischen Rheinansichten, die in Reproduktionen unterschiedlichen Formats, darunter auch als Postkarten verbreitet waren, stammen von Nikolai von Astudin. Germaine de Staël war eine der ersten Schriftstellerinnen, die ihre Reiseberichte am Rhein in Frankreich veröffentlichte. Gérard de Nerval schrieb 1852 seinen stimmungsvollen Reisebericht Loreley. Mit dem Titel knüpfte er an den romantischen Loreley-Mythos, der zuvor durch die Ballade Lore Lay von Clemens Brentano (1800) und das Gedicht Die Lore-Ley von Heinrich Heine (1824) bekannt geworden war, an.

In einem Bildband, aber mit realistischerem Anspruch, nähert sich der Hobbyfotograf Hans Lurweg dem Rhein, dem „Fluss seiner Kindheit“, im Gespräch mit dem Pressefotograf, Bildredakteuer, Texter und Fotografie-Coach Frank Vinken an. Beide sind im Ruhrgebiet in der Nähe des Rheins groß geworden. Auf zahlreichen Reisen zum Rhein von 2011 bis 2015 entstanden seine Bilder aus verschiedenen Perspektiven, in dem er die unterschiedlichen Facetten des großen Flusses dokumentiert. Dieser Bildband ist also eine Sammlung von Reiseberichten über den Rhein von seinen alpinen Quellflüssen in der Schweiz bis zum Mündungsdelta in den Niederlanden. Für dieses Buch hat er intensive Recherchen über historische und politische Zusammenhänge, Verkehrswege und Warenströme durchgeführt. Dabei ist es dem Autor gelungen, „zwischen geerdeter Dokumentation und leidenschaftlicher Lichtbildnerei einen ganz persönlichen Weg am Rhein entlang zu finden, diesen konsequent zu gehen und liebevoll zu bebildern.“ (S. 7)

Seine Faszination für den Rhein stellt er in sechs Kapiteln vom Vorderrhein, Hinterrhein, Alpenrhein, über den Bodensee, den Hochrhein, Oberrhein, Mittelrhein und Niederrhein bis zum Mündungsdelta in die Nordsee dar. Jedes Kapitel beginnt mit einer Textseite, wo Frank Vinken Hans Lurweg Fragen über das Besondere dieses Rheinabschnitts stellt. Danach folgen die wunderschönen Bilder, die in ein bis zwei Sätzen näher beschrieben werden.

Man merkt in dem Buch, dass Hans Lurweg in seinem Beruf als Partner einer weltweit operierenden Prüfungs- und Beratungsgesellschaft um die Ströme großer Energieerzeuger gekümmert hat. Viele Bilder stellen den Rhein als Naturphänomen, Energiespender und Transportweg vor. Faszinierend sind vor allem seine im ersten Kapitel gezeigten Bilder aus einem Helikopterflug zu den verschneiten Quellen des Rheines. Insgesamt ein schönes Bilderbuch mit einer persönlichen Note des Autors.

 

6)    Gisela Ramming-Leupold: Armenien. Land am Ararat. Geschichte, Religion und Tradition, Mitteldeutscher Verlag, Halle/Saale 2017, ISBN: 978-3-95462-028-9

Armenien liegt am Übergang zwischen Kleinasien und Transkaukasien Der heutige Staat umfasst ein Gebiet von 29.800 Quadratkilometern im Nordosten des armenischen Hochlandes und am Südrand des Kleinen Kaukasus. Die Landesfläche Armeniens ist etwa so groß wie die des Bundesland Brandenburgs. Es grenzt im Norden an Georgien, im Osten an Aserbaidschan, im Südosten an den Iran, im Süden an die aserbaidschanische Exklave Nachitschewan und von Südwesten bis Westen an die Türkei. Die heutige Bevölkerungszahl beträgt etwa drei Millionen. Armenien ist ein sehr ausgeprägtes Gebirgsland – 90 % der Landesfläche liegen mehr als 1000 Meter über dem Meeresspiegel, die mittlere Höhe beträgt sogar 1800 Meter. Auch wenn der Berg Ararat heute in der Türkei liegt, ist er das Nationalsymbol der Armenier, die bis zum Völkermord an den Armeniern 1915 größtenteils in den sechs armenischen Ostprovinzen im Osmanischen Reich ihren Siedlungsraum rund um den Ararat hatten. Er war im Staatswappen der armenischen SSR und ist auch im Wappen Armeniens abgebildet: „Er ist der heilige Berg der Armenier, denn sie leiten nach Moses von Chrorene ihre Herkunft aus der Arche ab, von Noahs drittem Sohn Javith.“ (S. 7)

Auf einer Reise nach Armenien war die Autorin Gisela Ramming-Leupold sofort von dem Land und seiner reichen Kultur begeistert. Ihre angelesenen Kenntnisse und Gespräche mit den Menschen dort, wollte sie in eine „chronologische Reihenfolge“ bringen. Daraus wurde dieses Buch über die Kulturgeschichte Armeniens. Sie will die „Geschichte, Kultur, Mythen, Erzählungen und die zum Verständnis wichtigsten biblischen Geschichten“ des bislang wenig beachteten Landes weitergeben. (S. 7)

Sie beginnt mit der Vorzeit der Entwicklung Armeniens und stellt das Urartäische Reich in den Mittelpunkt. Dies war ein altorientalisches Reich um den Vansee in Kleinasien, das sich später bis in das Urmia- und Sewanbecken sowie die Arax-Ebene ausbreitete. Dann geht es um die Christianisierung Armeniens. Das Christentum ist bis heute tief verwurzelt, immerhin erhob Armenien im Jahre 301 als erstes Land der Welt das Christentum zur Staatsreligion. Die dominierende Konfession im Land ist das orientalisch-orthodoxe Christentum, das in Armenien die Armenische Apostolische Kirche repräsentiert; ihr gehören etwa 94 Prozent der Bevölkerung an. Sie spielt eine zentrale Rolle für die armenische Identität.

Dann geht es um die verschiedenen Klostergründungen und die Legenden darum, die das geistliche und weltliche Leben der Region in der Folgezeit bestimmte. Anschließend geht es um das Königreich Ani, der größten Stadt der Region mit viel religiöser Symbolik. König Aschot III. Bagratuni (951-977) machte Ani im Jahre 961 zur Hauptstadt seines armenischen Königreiches. Als König Gagik II. 1045 sein Reich den Byzantinern übergab, war das an der nördlichen Seidenstraße gelegene Ani weithin als „Stadt der 1001 Kirchen“ bekannt und zählte mehr als 100.000 Einwohner. Bei der größten Kirche handelte es sich um die zwischen 989 und 1001 durch den Architekten Trdat für den nach Ani transferierten armenischen Katholikos erbaute Kathedrale von Ani.

Am 16. August 1064 wurde Ani nach einer 25-tägigen Belagerung von den türkischen Seldschuken erobert, wodurch es unter islamische Herrschaft geriet. Im Zuge der Eroberung kam ein Großteil der Bevölkerung in Massakern ums Leben. Sultan Alp-Arslan überließ die Stadt 1072 den Schaddadiden, einer kurdischen Vasallendynastie, die sich hier hielt, bis Ani am Ende des 12. Jahrhunderts an das christliche Königreich Georgien fiel. Zwischen 1125 und 1209 gelang es diesen insgesamt fünfmal, die Stadt zu besetzen. Die Georgier setzten in Ani die armenischen Zakariden als Vasallen ein, unter denen die Stadt eine letzte kurze Blütezeit erlebte. Eine Belagerung durch die Mongolen konnte 1226 zurückgeschlagen werden. 1239 fiel Ani jedoch in mongolische Hände und große Teile der Bevölkerung wurden getötet. Im Jahre 1319 wurde das Schicksal der Stadt von einem Erdbeben besiegelt, woraufhin die Bevölkerungszahl ab dem 14. Jahrhundert – Ani gehörte nun zu den Reichen der Aq Qoyunlu und Qara Qoyunlu – langsam aber stetig sank. Die Stadt wurde 1380 von Timur erobert.  Nach 1534 war Ani Teil des Osmanischen Reiches und lag zwischen 1878 und 1917 auf dem Gebiet des Russischen Reiches.

Dann geht es mit der politischen Geschichte Armeniens weiter, wobei die Religionsgeschichte weiterhin eine wichtige Rolle spielt. Das armenische Kernland erlebte nach 1500 eine erneute Teilung zwischen dem Osmanischen Reich im Westen, das auch nach und nach alle von Armeniern bewohnten Gebiet in Kleinasien und Syrien unterwarf, und dem neuen schiitischen Safavidenreich im Iran im Osten; 1639 wurde im Großen und Ganzen die bis heute geltende Grenze zwischen dem persischen Ostarmenien und dem Osmanischen Reich festgelegt. In Ostarmenien schwand der Anteil der Armenier an der Bevölkerung weiter dahin, vor allem nachdem der Schah Abbas I. 1604 ca. 250.000 Armenier in den Iran deportierte, wo sie in Neu-Dschulfa eine bis heute bestehende Kolonie gründeten. Seit dem 18. Jahrhundert unterhielten die Armenier und das Katholikat Kontakte zum nach Süden vordringenden Russischen Reich. Der nordöstliche Teil Armeniens (das Gebiet der heutigen Republik Armenien) kam mit dem Frieden von Turkmantschai 1828 als Folge des Russisch-Persischen Krieges von 1826-1828 unter die Oberhoheit des Russischen Reiches. Der Großteil des heute armenischen Gebiets war als Gouvernement Eriwan organisiert.

Als im Jahr 1839 vor dem Hintergrund der außen- und innenpolitischen Krise des Reichs umfassende Reformen angestrebt wurden (Tanzimat = "Neuordnung"), gehörte dazu auch das Versprechen einer Gleichstellung der Nicht-Muslime mit den Muslimen. Damit begann eine Periode der Aufklärung für die armenische Gemeinschaft, armenisch Sarthong ("Erwachen"), die den Zeitraum zwischen dem frühen 19. Jahrhundert und der 1915/16 bestimmen sollte. So war mit der Wende zum 19. Jahrhundert in relativ kurzer Zeit besonders in Konstantinopel eine Blüte des kulturellen Lebens entstanden: Eine Mittelschicht, die sich aus den Handwerkszünften entwickelt hatte, war einflussreicher geworden, auch ihre finanzielle Kraft wuchs beständig. Die armenischen Gemeinden im Osmanischen Reich verfügten um 1860 über ein dichtes Netz von mehr als 70 Schulen. Viele dieser Schulen, deren Zahl bis 1914 auf mehr als 1000 anstieg, unterrichteten neben den Hauptsprachen Armenisch und Türkisch auch Italienisch und Französisch. Es waren Museen entstanden, Kulturvereine, öffentliche Bibliotheken, ein Krankenhaus. Eine Vielzahl an Zeitungen, die in engem Kontakt mit Europa standen, besonders mit Paris, berichteten über die Bedürfnisse und die Hoffnungen der Armenier.

Dieses kulturelle Erwachen führte auch dazu, dass Armenier große Bedeutung für die Kultur und Künste im Osmanischen Reich gewannen und zu den Pionieren einer Modernisierung in den Bereichen der Musik, der bildenden Künste und Fotografie, aber auch im Bereich des Theaterwesens gehörten. Mit diesem Prozess ging auch ein politischer Aufbruch einher, der zuvorderst auf eine Modernisierung der traditionell religiös geprägten Gemeinschaft zielte. So erarbeiteten die Armenier ein Gemeindestatut, das eine säkulare Reformierung der Gemeindestrukturen einleiten sollte. 1863 wurde sogar eine sogenannte "Nationalversammlung" innerhalb der kirchlichen Millet-Strukturen errichtet.
Vor dem Hintergrund einer sich zusehends verschlechternden Situation in den armenischen Siedlungsgebieten wurden schließlich aber auch Forderungen nach politischer Partizipation und nach Schutz der Gemeinschaft vor Willkür und Übergriffen durch die muslimische Bevölkerung formuliert. Getragen wurden diese Forderungen dabei zuvorderst von sozialistisch orientierten Parteien, die von Armeniern in Genf und Tiflis gegründet worden waren. Die gegen die Gewaltherrschaft Sultan Abdülhamids II. gerichtete Zusammenarbeit dieser Gruppierungen mit der jungtürkischen Opposition, von der man sich dann nach der Revolution im Jahr 1908 Emanzipation und Reformen erhoffte, sollte sich jedoch als Enttäuschung erweisen.

Dieser kulturelle, gesellschaftliche und politische Aufbruch wurde in den Jahren 1915/16 durch den Völkermord, dem Schätzungen zufolge zwischen 800.000 und über 1,5 Millionen Armenier zum Opfer fielen, radikal beendet.

Die Erinnerung an den Völkermord stellt – neben Religion und Sprache – die stärkste gefühlsmäßige Klammer dar, die das über rund 120 Staaten der Welt verstreute armenische Volk eint. Der 24. April, der Jahrestag der ersten Verhaftungen armenischer Intellektueller in Konstantinopel, wird regelmäßig als „Genozid-Gedenktag“ begangen und ist einer der wichtigsten nationalen Feiertage der Republik Armenien und des armenischen Volkes. An ihm pilgern alljährlich Hunderttausende zum Völkermordmahnmal Jerern auf dem Jerewaner Hügel Zizernakaberd („Schwalbenfestung“). Weltweit begehen weitere Millionen den Trauertag. Die tiefe emotionale Bedeutung des Völkermords für die Armenier erklärt auch, warum armenische Politiker, Organisationen und Lobbys in aller Welt seit Jahrzehnten so hartnäckig gegen seine Bagatellisierung und Leugnung kämpfen und danach streben, dass er auch offiziell als Genozid anerkannt wird.

Das heutige Armenien hat viele innenpolitische Probleme, wobei der Glauben eine innere Klammer im Land darstellt. Am 21. September 1991 erklärte sich Armenien von der sich in Auflösung befindlichen Sowjetunion für unabhängig. Das Parlament, die Nationalversammlung, wird alle vier Jahre gewählt. Es gibt nur eine Kammer mit 131 Abgeordneten. Die bedeutendsten Parteien sind die Republikanische Partei Armeniens, die mit Andranik Markarjan bis zu dessen Tod am 25. März 2007 den Premierminister stellte,  und die Armenische Revolutionäre Föderation.

Am 6. Oktober 1991 wurde Lewon Ter-Petrosjan zum ersten Präsidenten der armenischen Republik gewählt. Am 22. September 1996 wurde er wiedergewählt. Seine Popularität sank jedoch zunehmend. Im Februar 1998 wurde er zum Rücktritt gezwungen, weil er im Krieg um die Region Bergkarabach zusätzliche Zugeständnisse an Aserbaidschan zur Lösung des Konflikts machte.  Bei der Präsidentenwahl am 19. Februar 2008 kam es zu Ausschreitungen, die laut offiziellen Angaben acht Todesopfer und zahlreiche Verletzte forderten. Laut den Angaben von Human Rights Watch und Freedom House gab es insgesamt 10 Todesopfer und ca. 350 Verletzte. Armenien hat seit der Unabhängigkeit schwierige Transformationsprozesse durchlaufen. Das Land ist vielen internationalen Abkommen zum Schutz von Menschenrechten beigetreten. Im Januar 2001 wurde Armenien zum Mitgliedsstaat des Europarats und verpflichtete sich dadurch, Menschenrechte und Demokratie zu fördern.

Im Anhang findet sich ein Glossar, Personen- und Sachregister, ein geografisches Register, ein Quellenverzeichnis und ein Abbildungsnachweis.

Das Buch bietet eine kulturgeschichtliche Vorstellung eines Landes, das in Europa relativ unbekannt ist. Die Autorin bietet viel historisches Lokalkolorit und kirchengeschichtliche Know-How, das zum Verständnis der armenischen Kultur unerlässlich ist. Auch die vielen Fotos sorgen dafür, dass der Charme des Landes auf den Leser überspringt.

 

7)    Giovanni Fanelli: Rome. Portrait of a city, Taschen Verlag, Köln 2017, ISBN: 978-3-8365-6271-3

Dieses fotografische Porträt von Rom versammelt Hunderte von Aufnahmen von 1840 bis in die Gegenwart, und präsentiert die Geschichte, die Kunst und die Schönheit dieser Hauptstadt der Kultur. Mit gut 500 Fotografien in Sepia, Schwarzweiß, und Farbe präsentiert der Band Arbeiten von verschiedenen bekannten Fotografen als Geburtsstätte der Renaissance, in die Zeit der Grand Tour, zu deren bevorzugten Zielen und Motiven das Kolosseum oder das Forum Romanum gehörten. In der Zeit des Wirtschaftsaufschwungs wandelte sich Rom zu einer eleganten Weltstadt: elegante Mode, Berühmtheiten aus aller Welt, die Cafés der Via Veneto, deren Faszination Federico Fellini unsterblich gemacht hat. Größen aus Musik und Film, Literatur und Mode kamen und blieben in der ewigen Stadt.

Nachdem bereits in der späten Republik der Dichter Tibull für Rom die Umschreibung „die ewige Stadt“ gefunden hatte, wurde diese Vorstellung weiter entwickelt. So durch den römischen Dichter Vergil (70–19 v. Chr.), der nach dem Vorbild Homers die Aeneis verfasste, die eine Erzählung der Vorgeschichte und Bedeutung Roms darstellt. Dieses Buch wurde schon in jener Zeit zu einem Lehrbuch an römischen Schulen und gilt als das Nationalepos der Römer.

Rom kann fast 3.000 Jahre Kunstgeschichte, Architektur und Kultur von Weltrang vorweisen. Antike Ruinen wie das Forum und das Kolosseum zeugen von der einstigen Macht des Römischen Reiches. Die Vatikanstadt, Sitz der römisch-katholischen Kirche, ist Standort des Petersdoms und der Vatikanischen Museen, in denen Meisterwerke wie die Fresken Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle beheimatet sind.

In christlicher Zeit sind viele bedeutende Bauten entstanden, zum Beispiel die sogenannten vier Patriarchalbasiliken Sankt Paul vor den Mauern über dem Grab des heiligen Apostels Paulus aus dem 4. Jahrhundert, die Lateranbasilika, ebenfalls aus dem 4. Jahrhundert, von Francesco Borromini barockisiert, Santa Maria Maggiore aus dem 5. Jahrhundert und vor allem der Petersdom, der in der heutigen Form aus der Renaissance und dem Barock stammt.

In der Renaissance und im Barock fand die Stadt ein neues Gepräge, das hauptsächlich von Kirchen bestimmt wird, aber auch von neuen Straßenzügen mit Sichtachsen auf Obelisken, Palästen und Plätzen mit Brunnen. In diesem Zustand ist Rom bis heute verblieben, weshalb die römische Altstadt neben dem Vatikan eines der beiden Weltkulturerbe in der Stadt Rom darstellt.

Im ersten Kapitel geht es um die Entwicklung Roms 1849 bis zur Etablierung als Hauptstadt Italiens. 1849 stationierte Frankreich Truppen im Kirchenstaat. Im Sommer 1870 zog Frankreich diese nach seiner Kriegserklärung gegen Preußen aus Rom ab. Italienisches Militär nutzte die Gelegenheit und marschierte fast kampflos im Kirchenstaat ein; es entmachtete den Papst politisch und proklamierte wenig später Rom zur Hauptstadt Italiens.

Dann geht es um das Spannungsfeld zwischen Monumentalität und Armut in der aufstrebenden Stadt. Am 26. Januar 1871 wurde Rom die Hauptstadt des im Zuge des Risorgimento als Königreich entstandenen italienischen Nationalstaates; zuvor hatten Turin und ab 1865 Florenz diese Rolle innegehabt. Der seiner weltlichen Macht beraubte Papst sowie große Teile der katholischen Bevölkerung standen diesem neuen Staat jahrzehntelang feindlich gegenüber. Sichtbares Zeichen der neuen Verhältnisse wurde das monumentale Nationaldenkmal Monumento Vittorio Emanuele II nördlich des Kapitolhügels und des Forum Romanum, das 1911 eingeweiht wurde. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte ein starker Zustrom aus den ländlichen Gebieten Italiens ein, so dass Rom erstmals seit der Antike über die Stadtgrenze der Aurelianischen Mauer hinauswuchs.

Anschließend folgt die Entwicklung Roms unter der Schreckensherrschaft des Faschismus. Im Gefolge der gesellschaftlichen Konflikte nach dem Ersten Weltkrieg übernahmen 1922 die Faschisten unter Benito Mussolini die Macht in Italien. Unter deren Herrschaft wurden die Differenzen zwischen Staat und Kirche durch die Lateranverträge mit dem Heiligen Stuhl 1929 beendet und der unabhängige Staat der Vatikanstadt begründet. Außerdem wurde in dieser Zeit im Zuge der propagandistischen Verherrlichung der römischen Antike Altertümer restauriert, neue Bauten und Sichtachsen in der historischen Altstadt geschaffen sowie das Stadtviertel EUR erbaut. Im Mai 1944 befreiten alliierte Truppen Rom vom Faschismus. Nach dem Zweiten Weltkrieg verließ 1946 König Umberto II. das Land und Italien wurde Republik.

Danach geht es um den Wirtschaftsaufschwung und den Neorealismus in der Kultur und Kunst bis 1967. In den Nachkriegsjahrzehnten erlebte Italien einen nie dagewesenen Wirtschaftsaufschwung (miracolo economico) und eine starke Landflucht: Millionen Menschen aus Süditalien und den Bergregionen der Abruzzen strömten in die Hauptstadt. Um die Barackensiedlungen der unmittelbaren Nachkriegszeit zu beseitigen, entstanden ab 1962 wie in allen italienischen Großstädten Großwohnsiedlungen, die in Rom oft ungeplant und ohne Baugenehmigung in die römische Campagna gesetzt und nachträglich gegen eine Gebühr legalisiert wurden. Bis 1980 hatte sich die Einwohnerzahl der Stadt verdoppelt.  1955 wurde die erste Linie der U-Bahn Metropolitana di Roma eröffnet und 1960 fanden in Rom die XVII. Olympischen Sommerspiele statt.

Im letzten Kapitel wird die turbulente Zeit zwischen 1968 bis in die Gegenwart beschrieben. Während inzwischen zahlreiche Kirchenneubauten in den Vorstädten entstanden sind, fehlen dort bis heute Grünanlagen oder Sportstätten und die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist unzureichend. Die sozialen Probleme der Vorstädte waren in den 1970er Anlass für soziale Kämpfe der radikalen Linken, Hausbesetzungen und Streiks. Linksextreme und rechtsextreme Gruppierungen (opposti estremisti) lieferten sich gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei; gleichzeitig wucherte in diesen Jahren auch die organisierte Kriminalität. Trauriger Höhepunkt der politischen Gewalt der 1970er Jahre im ganzen Land war 1978 die Entführung und Ermordung des Ministerpräsidenten Aldo Moro durch Mitglieder der Roten Brigaden.

Unter dem Pontifikat Papst Johannes Pauls II. erlebte die Stadt zweimal einen nie zuvor gewesenen Menschenandrang. Im Heiligen Jahr 2000 kamen zum Gottesdienst am Weltjugendtag zwei Millionen Menschen vor die Tore der Stadt. An den Begräbnisfeierlichkeiten am 8. April 2005 auf dem Petersplatz nahmen 200 Staats- und Regierungschefs sowie drei bis vier Millionen Menschen aus aller Welt teil. Während die Stadt im 20. Jahrhundert in die Fläche wuchs, sind in der Innenstadt Baumaßnahmen aus denkmalpflegerischen Gründen nur selten erlaubt. Im modernen Stadtbild ist die Vergangenheit noch an vielen Stellen anzutreffen.

Im Anhang werden die Biografie der Fotografen, Filmempfehlungen, Musikempfehlungen, ein Literaturverzeichnis und ein Index präsentiert.

Zwischen Kirchenstaat und den pompösen Besuchen von Louis Armstrong, Elizabeth Taylor, Audrey Hepburn, Marcello Mastroianni, oder Sophia Lauren bietet dieser Band mit mehr als 500 eindrucksvollen Fotos eine andere Geschichte Roms von 1839 bis in die Gegenwart. Es berücksichtigt das antike und monumentale Rom, aber auch das Rom der Moderne und des Dolce Vita. Daher ist dieser Bildband sehr zu empfehlen.

 

8)    National Geographic. In 125 Jahren um die Welt. Europa, Hardcover, 26,9 x 37,4 cm, 336 Seiten, Ausgabe: Deutsch, ISBN 978-3-8365-6877-7, 49,99 Euro

Das Magazin National Geographic  (NG) hat sich mit ambitionierten Reisereportagen und Berichten über fremde Kulturen, außergewöhnliche Orte und bedrohte Paradiese einen Namen gemacht. Dieser Band basiert auf dem monumentalen NG-Sammelwerk In 125 Jahren um die Welt im Taschen Verlag und den Archiven von National Geographic, und ist eine transkontinentale und historische Entdeckungsfahrt des Kontinent vom Polarkreis bis zum Bosporus.

Anhand von teils spektakulären hochwertigen Bildern wird die Schönheit und Vielfalt Europas repräsentiert. Der nördlichste Punkt des europäischen Festlands ist Kinnarodden auf der Nordkinnhalbinsel in Norwegen, der südlichste ist die Punta de Tarifa in Spanien, der westlichste das Cabo da Roca in Portugal. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt etwa 3800 km. In Ost-West-Richtung misst das europäische Festland etwa 6000 km, vom Uralgebirge in Russland bis zur Atlantikküste Portugals.

Europa mit seiner Fläche von etwa 10,5 Millionen Quadratkilometern hat nicht nur unterschiedliche Zeitzonen, sondern auch viele unterschiedliche Lebensweisen aufgrund des dort herrschenden Klimas zu bieten. In Gebieten nahe dem Mittelmeer herrscht überwiegend mediterranes Klima, das heißt trockene und heiße Sommer, während es im Winter mild und feucht ist. Im Sommer gibt es vorwiegend Winde aus nördlicher Richtung, im Winter bringen westliche Winde aus Richtung des Atlantischen Ozeans dagegen häufigen Niederschlag mit. Im Norden Europas herrscht arktisches Klima, im Südosten an der Wolga dagegen Kontinentalklima mit heißen Sommern und geringem Niederschlag. So kann es z. B. auch sein, dass in Lappland noch Schnee liegt, während in Sizilien über Sommerhitze geklagt wird, es auf den Shetlandinseln andauernd regnet und Andalusien von jahrelanger Trockenheit geplagt wird.

Diese Vielfalt und außergewöhnliche Mischung zwischen Kultur und Natur werden regional dargestellt. Es beginnt mit Nordeuropa, gefolgt von Osteuropa, Mitteleuropa, Westeuropa und Südeuropa. Südeuropa nimmt in der Bildervielfalt den größten Raum ein. In einer kleinen Dokumentation wird bei jedem Bild der/die Fotograf(in), das Datum und der Ort genannt. Dem folgt eine kleine Beschreibung, aus welchem Hintergrund das Bild entstanden ist.

Der Band vereint Geschichte, Vielfalt, Komplexität und Schönheit des europäischen Kontinents und hat seinen besonderen Reiz in dem Gegensatzpaar Nord-Süd sowie Land-Stadt. Das Polarlicht im Norden Skandinaviens fasziniert ebenso wie die mediterrane Landschaft der griechischen Inseln, London mit seinen Sehenswürdigkeiten und buntem Treiben ebenso wie die einsamen Weiten der Karpaten. Dabei reichen die Bilder von frühen Schwarz-Weiß-Aufnahmen bis zur digitalen Moderne, so dass der Band auch eine kleine Geschichte der Fotografie ist. Außergewöhnliche Bilder machen den Band zu einem herausragenden Zeugnis der Schönheiten Europas.







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