Das Biosphärenreservat Bliesgau feierte im saarländischen Mandelbachtal

01.07.08
KulturKultur, Saarland, News 

 

50 Aussteller präsentierten regionale Produkte – Anschauliches Beispiel für die Funktion regionaler Wirtschaftskreisläufe

Von Claude Michael Jung

Im Ortsteil Erfweiler-Ehlingen der saarländischen Gemeinde Mandelbachtal im südöstlichen Saarland, wurde am vergangenen Sonntag das diesjährige Fest des Biosphärenreservats Bliesgau gefeiert. Rund 50 Aussteller präsentierten ihre ausschließlich regionalen Produkte auf der innerörtlichen Festmeile. Zusammen mit den Freunden der Biosphärenregion Bliesgau e.V. und der Dorfgemeinschaft Erfweiler-Ehlingen war der Biosphärenzweckverband Bliesgau Veranstalter des Festes und Infomarktes. Geboten wurde eine gelungene Mixtur aus interessanten Informationen, Spaß und Spannung. So stellte die Mandelbachschule das Wissen der Besucherinnen und Besucher mit ihrem Biosphärenquiz auf eine harte Probe.

Der Kinder- und Jugendchor „Quer Beat" aus Erfweiler-Ehlingen sorgte mit seinen gelungenen musikalischen Darbietungen für beste Unterhaltung der Gäste, die aus der ganzen Region, überwiegend mit Sonderbussen des öffentlichen Personennahverkehrs angereist waren. Der Saarpfalz-Kreis und die Regionalbus Saar-Westpfalz GmbH (RSW) hatten einen Extra-Verkehr zum Biosphärenfest auf sechs Linien im Stundentakt nach Erfweiler-Ehlingen und zurück angeboten, der große Resonanz fand.

Verwöhnt wurden die Gaumen der Besucher mit den kulinarischen Angeboten aus den Gärten und Teichen des Bliesgaus. Flammkuchen und der über die Landesgrenzen hinaus bestens bekannte Schwenkbraten durfte ebenfalls nicht fehlen. Von den Streuobstwiesen des Bliestals stammten die Obstbrände, die zur Abrundung der zünftigen Malzeiten an den zahlreichen Ständen der Gaumenfreude bereit gehalten wurden.

„Wintringer Pilgerwein" von der oberen Saar, der bereits den Pilgern im Mittelalter auf dem, die Region durchkreuzenden Jakobsweg, zur Erfrischung gedient haben soll, war ebenfalls Bestandteil des reichhaltigen Angebotes aus einer Region, in der es sogar in den letzten Jahren erfolgreich gelungen ist, wieder einige Biberfamilien anzusiedeln.

Weitgehend unbekannt ist die Tatsache, dass bis zum zweiten Weltkrieg in der Region auch Weinbau betrieben wurde. Die Weinbaufreunde im Bliesgau beleben hier die alte Winzerkultur wieder, deren Ursprünge bis auf die römische Vergangenheit zurückgehen. Auf rund 3000 Quadratmetern Anbaufläche gedeihen hier 750 Rebstöcke. Angebaut werden rund 1000 Liter Saar-Landweine, deren Ursprünge auf Elbling und Weißburgunder zurückgehen. Auch ein fruchtiger Rotwein wächst hier, kommt jedoch nicht zum Verkauf. Der geheimnisvolle Rote aus dem Bliestal steht vorläufig, aus weinbaurechtlichen Gründen darf vermutet werden, nur den Kehlen der Vereinsmitgliedern und ihren Familien zur Verfügung.

Neben echt saarländischem Senf konnten die Besucher auch Leindotteröl eine Spezialität aus dem Saarland erwerben. Seit 2004 wird das Speiseöl im Saarland wieder angebaut. Die Erträge sind überschaubar, erfolgen aber in Einklang mit der Natur d.h. völliger Verzicht auf chemische Schädlingsbekämpfungs, sowie Düngemittel und frei von gentechnischen Experimenten. Mit Hilfe einer Miniaturölmühle konnten sich die interessierten Besucher darüber informieren, wie die Ölsaaten des Leindotters zu dem bekömmlichen Speiseöl verarbeitet werden.

Wie Wiesenblumen zur Grundlage eines köstlichen Gellees werden und zeigen, dass köstliche Erzeugnisse nicht erst vorher durch ganz Europa mit spritschluckenden LKW gekutscht werden müssen, bevor sie auf den Tisch der Verbraucher kommen, war ebenfalls auf dem Fest des Biosphärenreservats Bliesgau zu erleben und vor allem zu verköstigen. Auf Apfelsaftbasis aus biologischem Anbau hergestellt, zählen unter anderem zu den Zutaten, Salbeiblüten, Klatschmohnblüten, Blüten des Holunderbaums, die Blüten des Gänseblümchens und des Johanniskrautes. Der saarländische Blütengelee darf getrost als vollendeter Brotaufstrich bezeichnet werden und findet mehr Liebhaber als produziert werden kann. Ein Paradebeispiel wie regionale Wirtschaftskreisläufe weiter entwickelt werden können und müssen, um künftig Auswege und Alternativen zu den Angeboten der weltweit operierenden Lebensmittelkonzernen und ihren Chemikern zu entwickeln.

Auch eine Walnuss und Möhrenbutter aus den Gärten des Bliestals überzeugte die Besucher geschmacklich davon, dass das Butterbrot eine echte Alternative zum Frühstück sein kann und ohne jeglichen Belag mit Wurst und sonstigen Belägen auskommt.

Zur Menge der interessanten Informationen gehörte jedoch nicht nur Kulinarisches aus der Region. Dass Nägel früher nicht aus dem Baumarkt kamen zeigte ein Schmied aus der Region. Der Weg vom Eisenrohling zum passgenauen Nagel, war eindrucksvoll zwischen Schmiedefeuer und Amboss zu verfolgen. Wie aus den Ästen der Weidebäume entlang der Blies Korbwaren werden, war ebenfalls anschaulich zu erleben und zeigte, dass es nicht immer der Behälter oder die Tasche aus Plastik sein muss, die im Alltag noch immer viel zu häufig zum Einsatz kommen.

Den Weg des Baumstamms zum Kantholz demonstrierten Zimmerleute, denen bei ihrer Arbeit über die Schultern geschaut werden konnte. Selbstverständlich stand hier die Frage im Mittelpunkt, ob denn die Gartenbank, der Fensterrahmen und so viele weitere Holzprodukte aus tropischen Hölzer, vielleicht sogar aus illegalem Raubbau oder aus riesigen Monokulturen stammen müssen. Unbestritten ist, dass Holzprodukte aus regionalem Anbau, gerade in sogenannten strukturschwachen Gegenden Arbeitsplätze schaffen können, sofern nicht immer Billigstpreise das Regularium für die Anschaffung dominieren.

„Regional statt global sei erste Wahl", so könnte das Motto des Tages gelautet haben. Vielleicht war auch der Ein oder Andere zukünftige Arbeitsmarktpolitiker vor Ort. Tips und Anregungen für einen sinnvollen Einsatz von Fördermitteln zur Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit und zum Ausbau des öffentlichen geförderten Arbeitsmarktes mit tariflich bezahlten Löhnen, gab es an diesem Tag jedenfalls reichlich.

Foto. SaarKurier







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